Chely Wright: The Metropolitan Hotel
15. Februar 2005 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-BesprechungenDa ist sie – eine der Sängerinnen, eine der Stimmen, die auffallen. Sie hebt sich heraus aus der Menge der durchaus erfolgreichen Kolleginnen. Auch als Persönlichkeit. Denn, obwohl noch jung an Jahren ist sie im Music-Business erfahren und darum bemüht, ein Höchstmaß von sich selbst in ihre Musik und damit in ihre Karriere einbringen zu können. Das Erstaunliche: obwohl bei einem großen Label und dort auch erfolgreich, zog sie die Bremse als sie merkte, dass sie mehr und mehr zum Produkt wurde und keine Einfluss mehr auf die Richtung hatte, in der die musikalische und damit berufliche Reise gehen sollte. Da gehört Mut dazu, ist die Versuchung doch groß, dem Lockruf des Erfolges zu erliegen. Aber auch die Gefahr, von diesem Moloch “Erfolg” mit Haut und Haaren gefressen zu werden. In diesem Zusammenhang hören wir aus allen möglichen Bereichen vermehrt den Begriff “Burnout Syndrom”.
Chely Wright fühlte sich ganz einfach nicht genügend vorbereitet, gefestigt für ein solches Abenteuer. Deshalb trat sie auf die Bremse und zog sich aus dem vorderen Blickfeld für zwei Jahre zurück. In denen sie aber nicht untätig blieb sondern viel an ihrer Selbstfindung arbeitete und auch im künstlerischen Bereich eine deutliche Entwicklung durchlief. Die drückt sich vor allem auch in den Songs aus, die sie schreibt. In diesem Metier gehört sie heute zu den Profiliertesten. Inzwischen fühlt sich Chely Wright stark genug, sich erneut in die Tretmühle des Country Music-Business zu begeben und sich der Konkurrenz all der vielen anderen Kolleginnen zu stellen.
AGR Television Records stellt die attraktive Künstlerin mit diesem Album dem deutschen Publikum vor. Es ist ein Album, dem man vordergründig nicht unbedingt gleich den kommerziellen Erfolg zutraut. Überwiegend ruhige Balladen, in denen sie auf intelligente Weise ihre eigenen Erlebnisse verarbeitet. Die kann man als Hörer nicht nur nachvollziehen sondern hat sie in ähnlicher Form selbst erlebt. Deshalb lohnt es nicht nur, sich diese Songs mehrfach anzuhören – man muss es sogar. Denn dann erst wird einem die eine oder andere Nuance deutlich, die Miss Wright in die – einem Architekten gleich – Songs eingebaut hat. Ausgestattet mit einer kraftvollen Stimme, die ebenso wandlungsfähig wie einfühlsam klingen kann, beschert Chely Wright dem Hörer einen besinnlichen, beeindruckenden Hörgenuss. Sie bezieht Stellung, egal, ob einem ihr Standpunkt in den Kram passt. Wie in “Between A Mother And A Child” oder “The River” und vor allem “The Bumper Of My S.U.V.” Eigenes Erlebnis verarbeitet in einem Song. Im “Bumper” erzählt sie davon, wie sie wegen eines Aufklebers auf der Stoßstange ihres Autos Ärger bekam, weil sie der Meinung ist, die U.S. Soldaten müssten unterstützt werden, egal, welcher politischen Couleur man nahe steht. Sie selbst hat dies seit Jahren getan mit ihren Gastspielen für das amerikanische Militär in aller Welt. Diesen Song sang sie bei ihren Reisen in den Mittleren Osten. Auf Drängen der G.I.’s nahm sie ihn auf, er wurde über AFN gespielt und gelangte zurück in die U.S.A., wo er auf Platz 1 kletterte.
Fazit: Chely Wright – eine ungewöhnliche Persönlichkeit, eine klasse Sängerin mit einem anspruchsvollen Album.
| Trackliste:
01. It’s The Song |
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Dieser Artikel wurde am 15. Februar 2005 von Manfred Vogel veröffentlicht. Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de - Online Magazin und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.
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