Texas Lightning: Meanwhile Back At The Ranch
20. August 2005 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-BesprechungenMit dem beziehungsreichen Titel ihres ersten Albums erinnert die Band an Buck Owens & the Buckaroos, die ebenfalls ein Album unter diesem Titel veröffentlichten. Doch auf den Spuren des Superstars aus Bakersfield wandelt Texas Lightning deshalb nicht. Im Gegenteil, die Gruppe macht eine gediegene Country Music, die geprägt wird von nicht unbedingt wunderbaren dafür aber unverwechselbaren Stimmen (was jede Menge Abwechslung bringt). Hinzu kommen eigenwillige, eindeutig auf traditionellen Elementen basierende Arrangements mit entsprechender Instrumentierung. Und nicht zuletzt eine Song-Auswahl, die es in sich hat. Denn die meisten der Titel kennt Jeder, freilich nicht in dieser Version. Das Aha-Erlebnis ist somit garantiert.
Okay, das Konzept ist nicht neu, es hat immer wieder mal Alben und Gruppen gegeben, die sich Songs aus anderen Bereichen holten und sie in ein Country-Gewand kleideten. Warum auch nicht, es ist nicht verboten und schließlich bedienen sich seit Jahrzehnten Stars anderer Musik-Szenen regelmäßig der Songs aus der Country Music. So wie Texas Lightning diese Songs aufbereitet, und auch live darbietet, so hat es das für Deutschland noch nicht gegeben. Da nimmt es nicht wunder, dass man die Gruppe in den letzten Monat immer wieder in einer TV-Sendung erleben konnte. Geholfen hat dabei mit Sicherheit auch der Bekanntheitsgrad eines Olli Dittrich. Doch nutzt auch der Bonus nicht viel und schon gar nicht lange, wenn man nichts Originelles, Ausgefallenes und Gutes zu bieten hat. Wir wissen, wie schwer es Country Music in den Medien, speziell im Fernsehen hat. Angesichts dieser Umstände hat Texas Lightning gerade dort eine erstaunliche Resonanz gefunden.
Das Album enthält einen geschickt gemixten Cocktail. Die Zutaten bestehen aus z.b. Patsy Cline, Tex Williams, Emmylou Harris und Linda Ronstadt und reichen über Abba, Madonna, die Beatles bis zu so harten Sachen wie AC/DC. Dazu eine Prise Reinhard Mey (grandios “Over The Mountains”, das wir als “Über den Wolken” kennen). Dazu enthält die Scheibe auch noch ein wenig Footage wie ein Video und Optisch-Akustisches um die Band. Das alles von einer Band, die es beinahe gar nicht mehr gegeben hätte. Denn Mitte der 1990er Jahre fanden sich im Norddeutschen einige Typen zusammen, die gemeinsam die Country Music Welt aus den Angeln heben wollten. Das Unternehmen startete unter dem Namen “Texas Lightning & The Rodeo Rockets”. Doch schien die Musikwelt nicht unbedingt auf diese Gruppe gewartet zu haben, denn man kam nur schwer in die Gänge. Personelle Wechsel, der Alltag so vieler Gruppen, erschwerten das Fortkommen zudem. Doch man bewies Stehvermögen und machte tapfer weiter. Es gab immer wieder ermutigende Fingerzeige.
2004 dann ein erster Höhepunkt, die Gruppe erhielt den “Country Music Förderpreis” und war auch international unterwegs. Doch wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt! Verschiedene vor allem berufliche Gründe führten dazu, dass mehrere Bandmitglieder ausstiegen und man vor einer völlig neuen Situation stand. Man gönnte sich eine kurze Phase der Besinnung, um dann mit einer gewissen Trotzreaktion weiter zu machen. Glücklicherweise fanden sich in dieser Zeit auch die Musiker zusammen, die heute zur Gruppe gehören, die dann als Texas Lightning Vollgas gab.
Einziges verbliebenes Gründungsmitglied ist Jon Flemming Olsen. Den größten Bekanntheitsgrad genießt sicher Olli Dittrich, der aber bescheiden im Hintergrund sitzt und trommelt (auch in Sachen Promotion natürlich). Für die E-Gitarre ist Markus Schmidt zuständig und den Bass bedient Uwe Frenzel. Optisch und akustisch ein Blickfang ist Miss Jane Comerford. In dieser Besetzung ging Texas Lightning im Herbst 2005 auf Tournee durch Deutschland. Von dem Zuspruch, den die Band in den heutigen schwierigen Zeiten für Live Music jeglicher Art erhielt, war Texas Lightning vermutlich selbst überrascht. Das macht Mut und fordert eine Fortsetzung geradezu heraus.
Fazit: Man darf 2006 einiges von der Band erwarten, die man ganz sicher zu den positiven Überraschungen des Musikjahres 2005 rechnen muss. Gerade die Country Music kann derartigen frischen Wind und solch originelle Typen gut gebrauchen.
| Trackliste:(Original Release)
01. Bad Case Of Lovin’ You |
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Dieser Artikel wurde am 20. August 2005 von Manfred Vogel veröffentlicht. Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de - Online Magazin und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.
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