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Kann “Country Music” in Deutschland populär sein?

[13. Januar 2008 | 6 Kommentare | Von | Kategorie: Kolumnen & Reportagen]

Zurzeit wird wieder sehr gerne in Superlativen über den Erfolg (immerhin ein vierter Platz bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD – TV Total, Pro Sieben) von Mario Strohschänk (Tommy Roberts Jr.) von Fans und Medien gesprochen. Doch was bringt es uns – den Medien, oder den Fans dieses Musikgenre? Ganz ehrlich gesagt – fast nichts – leider!

Im Jahr 2006 hatte Texas Lightning (No, No, Never) mit ihrem Erfolg beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest (Grand Prix) für einen kleinen Boom in Sachen Country Music in unseren deutschen Landen gesorgt. Innerhalb weniger Wochen wurde der Song einer der meistgespieltesten Radiosongs des Jahres und erreichte die Top-Position der deutschen Single Carts. Das Album und die Single wurden mit Platin ausgezeichnet und eine Single (I Promise) wurde nachgeschoben – die nicht im Ansatz an den Erfolg der ersten Single anküpfen konnte. Doch was ist am Ende geblieben – vom “Countryboom”? Nichts …

Einzig, die abgedrehten Jungs (das meine ich im positiven Sinne) von The BossHoss steigern sich. Hunderte von Konzerten in 24 Monaten, 3 Alben in 3 Jahren und mehrere Singles in den Charts. Doch die machen auch nicht nur pure Country Music, sondern mehr so eine Art Symbiose aus Country, Punk & Rock, was sehr gut, beim meist jungen Publikum, ankommt.

Ich habe jetzt extra nur die kommerziell erfolgreichen Künstler angesprochen, sicher haben auch die Slow Horses, The Twang einen vollen Terminkalender, doch reichen ihre Verkäufe der Tonträger bei weitem nicht an die hier angesprochenen Künstler heran. Auch aussen vor, möchte ich die Jungs von Truck Stop, Tom Astor, Linda Feller und Gunter Gabriel lassen, da sie ein ganz anderes Publikum ansprechen.

Einen Boom hätte man haben können, wenn die Macher in den Schaltzentralen der großen Plattenfirmen (und ich meine nicht die kleinen Label, die sich wirklich bemühen Country in Deutschland populär zu machen) den Trend erkannt hätten. Da ignoriert man bewußt den Geschmack von Hunderttausenden, obwohl gerade der finanzielle Erfolg von Texas Lightning eine ganz andere Sprache spricht.

Doch es liegt nicht nur an den Labeln, es liegt generell am schlechten Image der Countryszene in unserem Land und natürlich an den Musikredaktionen, die zum Größtenteil Chartware spielen, weil sie glauben, dass wäre der Geschmack der Masse. Das aber gerade solche Sender wie NDR 1, WDR 1, BR, HR, SWR (die immer wieder Country im Programm haben) und ähnliche Sender die größten Anteile am Markt haben, hat sie noch nicht dazu bewegt, an ihren Einstellungen etwas zu ändern.

Das Einzige was wirklich boomt, ist das Internet. Dort treffen sich mittlerweile die meisten Countryfans um überhaupt noch schnell an Informationen, Videos und Musik zu kommen. Übertragungen von Awardshows, werden in die Nachtstunden verlegt, die einzige Videoshow läuft alle vier Wochen samstags bei 3sat. Die andere zwar jede Woche, aber leider nur im Pay-TV.

Man könnte mit dieser Musik, auch ausserhalb der USA, große Erfolge feiern – nur da müssten auch die Amis ein wenig mitspielen. Bei denen hat man auch manchmal das Gefühl die wollen nicht so richtig aus ihrem Land heraus – was auch wieder verständlich ist. Die haben dort so eine Menge Fans, der Tourplan ist voll und warum sollte man in der freien Zeit, die der amerikanische Künstler sehr gern mit seiner Familie verbringt, noch eine Tour durch Deutschland machen, wo dann nur ein paar Leutchen den Weg zum Konzert finden.

Irgendwie sind wir Alle ein wenig schuld daran, dass nichts Großes passiert. Der Fan, weil im die CDs zu teuer sind, die Wege zu den Konzerten zu weit sind, Countrymessen ohne große Stars (Headliner) stattfinden, Veranstalter schlechte Bands buchen, Label keinen Bock auf Country haben, die GACMF nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, die Musikredaktionen der Sender (Radio & TV) die Country-CDs gleich in den Müll werfen, die großen Festivals jedes Jahr die selben Künstler buchen und natürlich die Fans, die sich bekriegen – weil sie den Geschmack des Anderen nicht tolerieren können.

Zum Schluss möchte ich aber dennoch eine positive Bilanz ziehen. Immerhin findet, dank einzelner mutiger Menschen, doch der ein oder andere große US-Künstler den Weg nach “Ol’ Germany”. Tracy Lawrence, The Wilkinsons, Ryan Bingham, The Beggars, The Infamous Stringdusters und auch einige sehr gute Bluegrass-Künstler werden dieses Jahr einige Konzerte geben. In unserem kleinen Nachbarland wird uns seit mittlerweile 20 Jahren vorgemacht wie’s geht. Die Country Night Gstaad und auch Interlaken holt Jahr für Jahr Top-Künstler in die Schweiz und die Country Music findet dort im normalen Programm statt.

Trotzalledem solten wir nicht den Kopf hängen lassen. Eingige Menschen sind sehr bemüht die Country Music und ihre Facetten weiter voran zu treiben, dies gilt insbesondere für die vielen Radio-DJs die Country spielen, Veranstaltern die sich was trauen und natürlich den vielen guten Künstlern, die jedes Wochenende irgendwo im Lande “ihre” (unsere) Musik machen.

Was kann der Einzelne tun? Rufen Sie ihre Radiostationen an – jetzt wo das Thema “Country” heiß ist, und wünschen Sie sich Countrysongs. Egal ob Tim McGraw, Keith Urban, Chris Cagle, Brooks & Dunn, George Strait oder auch Mario (alias Tommy Roberts Jr.) – nur tun Sie’s. Je öfter ein Redakteur diese “Ihre” Wünsche bearbeiten muss, umso eher befasst er sich damit.

Fazit: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen … aber es kommt immer über den Winter. Vielleicht ist es mit der Country Music genauso … warten wir den Winter ab. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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6 Kommentare »

  • Carter schreibt:

    Hallo,
    ich denke die Zukunft liegt im Bluegrass bzw. akustischer Musik. Beispiel das tolle Bluegrassfestival in Bühl/Schwarzwald. Leider wird von Ihnen diese Spielart überhaupt nicht erwähnt, die ja in den USA beispiellosen Erfolg hat. Siehe auch Allison Kraus, Rhonda Vincent, usw.

    Gruss
    Carter

  • TaxiDriver schreibt:

    Hallo,
    ich stimme dem ganzen voll und ganz zu.
    Ich war erst anfang April in Nashville, und hatte das Glück viele unbekannte Sänger aber auch John Rich und Big Kenny von Big & Rich kennenzulernen, und mehrere Gespräche zu führen.
    Und ich kann nur sagen, dass sobald die Sprache darauf kam, dass ich aus Deutschland komme, sie gerne nach Deutschland kommen würden.
    Da Big Kenny ja seine Nackenverletzung auskurieren muss, sind sie als Supportact von Bon Jovi ja leider nicht dabei.
    Zum anderen der Songwriter Dillon Dixon hat viele Freunde über MySpace in Deutschland.
    Oder jemand wie John Carter, der noch ganz neu in der Szene ist, aber als aufgehender Stern gehandelt wird.
    Ich hatte schon mal bei einem Radiosender angefragt, wie das Festival technisch aussieht für ihn. Da auch dieses Jahr auf dem Festival zum zweiten Mal The BossHoss auftreten.
    John macht eher Rock-Country und spielt viele Songs von bekannten Künstlern bei seinen Shows, wie z.B. Trace Adkins (I got my game on), Big & Rich (Save a horse ride a cowboy), Kenny Chesney (Shift work) oder Keith Urban (Who wouldn´t wanna be me). Alles Songs die richtig abgehen. Und der Kerl kann locker eine Show von bis zu dreieinhalb Stunden füllen. Und auch seine eigenen Songs gehen richtig ab. Dies alles teilte ich dem Muskredakteur des Senders mit.
    Laut seiner Aussage machte er sich auch über John schlau, meinte dann aber, sie würden für das Festival erstens eher Künstler buchen, die schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in Deutschland haben, und zweitens wäre John´s Stil zu “erdig” wie er sich ausdrückte. The BossHoss würden zwar beim Maschseefest spielen, aber das wäre ja auch eher “Spass-Country”.
    Wie soll denn Country in Deutschland bekannter werden, wenn sich keiner mal was traut?
    Selbst meine Freundin, die mit mir im Urlaub war, und Country überhaupt nicht mochte, hört via Internet jetzt fast nur noch Country.

    Gruss
    TaxiDriver

  • Rugy schreibt:

    Hallo,

    das große Problem ist, das Veranstalter meinen sie könnten Country Music faßt für Nulltarif bekommen.
    Die Anfragen gehen immer weiter zurück, Früher standen bei den Bands im Terminkalender immer einige Daten. Heute steht meistens dort ” Terminkalender wird überarbeitet”. Das heißt doch auf deutsch ” wir haben keine Termine und wenn, dann zu wenig. Wir schämen uns dafür sie einzutragen.
    Viele hauen dermaßen auf den Putz und in der Wirklichkeit haben sie nichts zu spielen.
    Wir hatten früher 60 bis 80 Termine im Jahr, heute sind wir froh wenn mal 2-3 zustande bekommen.
    Wenn ich mich für ein Appel und Ei verkaufe, Beispiel : für 500 € für zwei Mann nach Husum zum Kneipenfest, 5 spielen, Ab und Anreise 900 KM und mit einem Hänger unterwegs, da kann man sich ausrechnen wie es sich lohnt. Das macht keinen Spass mehr. Ich spiele einfach mit dem Gedanken aufzuhören.

    Gruß

    Rugy

  • Rosa Jeans schreibt:

    Hi Rugy,

    bitte höre nicht auf! Die schlechten Gagen können doch nicht darüber entscheiden, ob du deine Musik lebst. Du musst wieder aufstehen und weiter machen. Denn wenn du den Biss dafür in deinen Liedern ausdrückst, kannst du Menschen damit anstecken. Sag dir: “Jetzt erst Recht!”
    Ich kann dich nur zu gut verstehen. Jeder will sparen… aber glaube mir, wenn der Funke überspringt, dann geben die Menschen auch gerne Geld dafür aus.
    Vielleicht musst du auch nur wieder etwas zurückstecken, dich wieder neu hochbeißen. Probier was aus, riskiere etwas, aber um Gottes Willen: Gib nicht auf!

    LG
    Rosa Jeans

  • Karie , Nier schreibt:

    Wann gibt es ein Konzert von Brooks und Dunn in Deutschland?

  • Wolfgang schreibt:

    Zitat: “Wenn ich mich für ein Appel und Ei verkaufe, Beispiel : für 500 € für zwei Mann nach Husum zum Kneipenfest, 5 spielen, Ab und Anreise 900 KM und mit einem Hänger unterwegs, da kann man sich ausrechnen wie es sich lohnt. Das macht keinen Spass mehr.”

    Ja Rugy,

    solche Anfragen bekommen wir auch. Das macht erstens keinen Spaß und geht zweitens auch gar nicht. Man muß kein Kaufmann sein um zu erkennen, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann. Ich gebe zu, dass wir in den ersten beiden Jahren auch solche Gigs angenommen haben. Vielleicht war das auch ein Stückchen Eitelkeit nach dem Motto “Schau an, man will uns Niedersachsen sogar in Bayern…” . Klasse, das Ego ist befriedigt, nur das hilft einem auch nicht weiter, wenn mal wieder ein neuer Bandbus her muß.

    Wir waren dann irgendwann soweit, lieber weniger Gigs zu spielen, aber die dann zu vertretbaren, für beide Seiten fairen Konditionen. Ein Jahr stagnierte es mit den Engagements und zu unserer Verwunderung ging es dann wieder bergauf. Wir machen an die 90 Gigs pro Jahr und dabei sind – zugegebermaßen – auch Gigs, besonders in der “SaureGurkenZeit”, die so gerade einen Deckungsbeitrag abwerfen. Oder Gigs in Westernstädten, die zwar wenig einbringen, aber werktags stattfinden. Dass wir mit Countrymucke nicht reich werden, wussten wir vorher. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Ende 2009 bei korrekter Betriebsabrechnung sogar ein Gewinn bleibt, zugegeben ein kleiner.

    Wenn Du von der Mucke leben mußt: Hör auf! Ist es Dein Hobby, deine Leidenschaft: Mach weiter, weniger vielleicht, aber zu Konditionen, die einem das Gefühl geben, dass man das was Du machst auch zu schätzen weiß.

    Gruß
    Wolfgang

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