Kevin Montgomery live in “Fast-Hamburg”
US-Countrymusiker Kevin Montgomery spielt in Hamburg und die Ankündigung kam über MySpace – durch eine Nachricht seines Pedal Steelers Al Perkins. Ein paar Mausklicks später wurde dann klar: er spielt gar nicht in Hamburg, sondern in Wentorf bei Hamburg. Im Autohaus Vorbeck. Aber nun denn, eigentlich egal – Hauptsache die Musik stimmt. Und dafür ist Kevin Montgomery ein Garant.
In die große Werkstatthalle war eine Bühne gesetzt worden und der “Saal” war mit etwa 200 Personen angenehm gefüllt. Als dann um 20:30 die Support-Band “Shurman” aus Kalifornien anfing die erste Überraschung: brillanter Sound – satt, erdig und transparent. Wer schon einmal ein Konzert in ähnlicher Umgebung besucht hat, weiß, wie groß die Überraschung tatsächlich war. Und die musikalische Qualität? Rootsrock in Reinform in Tradition von Tom Petty & Co. – Frontman Aaron Beavers nannte es mir gegenüber “country-punk-rock’n'roll-soul-whatever-music”, als wir uns vor dem Konzert kurz backstage unterhielten. Und das war es auch: von allem ein bisschen, dabei absolut eingängig und die Vier-Mann-Band aus einem Guss. Mehr zu ihrer aktuellen CD “Waiting for the Sunset” demnächst an dieser Stelle.
30 Minuten lang heizten die Kalifornier den Anwesenden gehörig ein bis dann schließlich nach kürzester Pause Kevin Montgomery auf die Bühne trat – die gleich Band nur noch ergänzt um einen Pedal-Steeler, nein einen legendären Pedal Steeler: Al Perkins, in dessen Discography sich u.a. folgende Namen finden: The Eagles, The Rolling Stones, Emmylou Harris, Dwight Yoakam etc. – Trug Kevin während unseres ersten Gesprächs noch eine Wollmütze, die ihn an den jungen Springsteen erinnern ließ, war er jetzt in einem schwarzen Zwirn gekleidet – eine Kluft, die mir irgendwie bekannt vorkam
Was jetzt kam, hatte ich schon seit meinem letzten USA-Aufenthalt nicht mehr erlebt. Die Band unterhielt zwei Stunden mit feinstem Country, Country-Rock, Western-Swing, Blues und Rock und bot dabei noch die eine oder andere Überraschung. Den Anfang bildete eine ausgewogene Mischung aus Mid-Tempo-Stücken und einigen Balladen, die ausschließlich aus der Feder von Kevin Montgomery stammten. Melodiöse Balladen (“Nothing”), schwungvollem Honky-Tonk (“Tennessee Girl”) – das ganze Spektrum seine Schaffens und seiner drei Alben. Country-Musik mit starkem Singer/Songwriter-Einschlag auf höchstem Niveau. Unbeschreiblich der Akkustik-Teil nur mit Al Perkins an der Steel und Kevin Montgomery an der Gitarre.
Der zweite Teil des Programms bestand dann sehr stark aus Cover-Songs, die man allerdings so nicht unbedingt erwartete: z.B. Buddy Holly (“Oh, Boy”), AC/DC (“You Shook Me All Night Long”) und Led Zeppelin (“Whole Lotta Love”). Absolutes Highlight dieses Teils war allerdings “Six Days On The Road” in einer Version, die ursprünglich von den “Flying Burrito Brothers” (auch mit Al Perkins) gespielt worden war.
Sehr unterhaltsam dabei nicht nur die Musik, sondern auch der Dialog mit dem Publikum – hier ein Beispiel (sinngemäß):
KM: “Who knows Brooks & Dunn ?
(einige Hände gehen hoch)
KM: “Oh, that’s great. They sold about 100 million records and here are only five people who know’em. – So, tonight, I’m more famous than Brooks & Dunn.”
Das könnte unter anderem auch daran gelegen haben, dass sich das Publikum wohl vornehmlich aus Geschäftsleuten und Freunden des Hauses Vorbeck bestand. Genau zwei Cowboy-Hut-Trägerinnen waren auszumachen und 2 Cap-Träger (die waren alle auf der Bühne).
Bevor allerdings das Konzert mit einem traumhaften “Fear Nothing” sein Ende fand, gab es noch eine extrem knackige Version von Willie Nelson’s “Whiskey River”, zu dem auch Shurman-Sänger Aaron Beavers wieder auf die Bühne kam.
Fazit: Kevin Montgomery versteht es auf höchstem Niveau zu unterhalten, sowohl musikalisch, als auch in der Interaktion mit dem Publikum. Ich würd’s mir immer wieder geben und so wie ich Steve Sledge verstanden habe, der auch da war, so gehe ich nicht allein.






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