Konzertbericht: Gail Davies – Country Music mit Melodie und Inhalt
Chris Scruggs begleitete sie am Kontrabass und an der Lap Steel, er ist der Sohn von Gail Davies und Gary Scruggs, dem Sohn von Banjo-Legende Earl Scruggs. An Mandoline und Kontrabass war Patty Mitchell zu erleben, die am Anfang der Karriere der Dixie Chicks sechs Monate lang vertretungsweise den Bass gezupft hatte, noch bevor mit „Thank Heavens For Dale Evans“ ihre erste CD erschienen war. Die angenehm dezente elektrische Gitarre bediente Dave Luke aus England, der seit 10 Jahren mit Gail Davies spielt. Dreistimmiger Satzgesang erfreute die Zuhörer bei Klassikern wie „Poison Love“ oder „Ashes Of Love“. Von den Louvin Brothers adaptierte Gail Davies „Are You Teasing Me“, sie ist eng mit Charlie Louvin befreundet. Ihr größter Hitparadenerfolg „I’ll Be There“ durfte ebenso wenig fehlen wie ihre Hits „Round The Clock Lovin'“ oder „Jagged Edge Of A Broken Heart“. „Tell Me Why“ hatte sie für Jann Browne geschrieben, die mit ihrer Version einen großen Hit landen konnte. Solche und andere Informationen packte sie geschickt in ihre Ansagen, denen auch zu entnehmen war, dass ihr Großvater deutscher Abstammung war, die Großmutter irischer und indianischer Abstammung. Ihr widmete sie „Grandma’s Song“, eingeleitet vom „Foxhuntin‘ Song“. Hatte Patty Mitchell bisher die Mandoline und Chris Scruggs den Kontrabass bedient, so wechselte Patty nun auf den Bass und Chris an die Lap Steel für „I Don’t Hurt Anymore“.
Im zweiten Set erklangen Lieder wie Bob Dylan’s „I’ll Be Your Baby Tonight“, das mit wunderschöner Melodie ausgestattete „Someone Is Looking For Someone Like You“ und „Unwead Fathers“ aus der Feder von Bobby Braddock und John Prine. In „Kentucky“ würdigte sie die positiven Seiten des nördlich von Tennessee gelegenen Nachbarstaats. Ein Glanzstück von Chris Scruggs auf der Lap Steel war der „Panhandle Rag“ und als Chris an die akustische Gitarre wechselte und mit viel Elan den „Wabash Cannonball“ auf die Schiene schickte, waren alle längst aus dem Häuschen. Gail Davies sang noch Lieder wie „It’s A Lovely Lovely World“ oder aus der von ihr produzierten CD „Caught In The Webb“, einem Tribute an den großen Country Sänger Webb Pierce „Wonderin‘ Wonderin'“. Schließlich folgte mit „Bucket To The South“ eine frühe Komposition von Gail Davies, das so bezeichnete Auto hatte sie 1976 aus ihrer Wahlheimat Los Angeles nach Nashville gebracht. „Singing The Blues“ forderte die Zugaben „I Can’t Help It If I’m Still In Love With You“ von Hank Williams und „Farther Along“ heraus.
Kaum war die Formation aus Holland angereist, musste sie schon wieder nach Belgien weiterfahren. Ihr Abstecher nach Langenau offenbarte dem Publikum, dass die Country Music nach wie vor Seele aufweist und handgemachte Musik seine Publikumswirksamkeit nicht eingebüßt hat. Entscheidend ist eben, was man aus den Liedern gesanglich macht und entsprechendes gilt für die Instrumente. Gail Davies gelangte wunderbar auch zu den hohen Tönen, die musikalische Begleitung war in ihrer Band in guten Händen. Am Mittwoch, den 23. Juli spielt die Formation im Rattlesnake Saloon München.


