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Bellamy Brothers (Biografie)

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Bellamy Brothers Bellamy Brothers - Bildrechte: Promo, Bellamy Brothers

Es gab eine Zeit, da wurde „Outlaw Country Music“ geschickt zur Mode lanciert. Was allerdings ganz genau damit gemeint war, konnte niemand so recht erklären. Vermarktungsstrategie war sicher im Spiel, für eine Country Music, die gegen die herrschenden Trends von Künstlern gemacht wurde, die sich nicht in ein Schema pressen lassen wollten. Dutzende Namen wurden in diesem Zusammenhang gehandelt – einer tauchte dabei nie auf: The Bellamy Brothers.

Dabei sind Howard (geboren am 02.02.1946) und David Bellamy (geboren am 16.09.1950) in meinen Augen Rebellen. Ganze Kerle, die stur und unbeirrbar ihren Weg gingen, dabei sicher manches Lehrgeld zahlen mußten aber schließlich doch ihr Ziel erreichten. Die Musik der beiden Florida Boys war immer anders als das, was gerade in Nashville „in“ war. Sie setzten auf ihre eigenen Songs, bastelten ihren eigenen, unverkennbaren Sound, lagen damit immer sehr nah am Publikum und zwar weltweit. Um das geschehen in Nashville kümmerten sich die Bellamys herzlich wenig.

Sie blieben in der Heimat, fühlen sich mit ihren Familien dort immer noch pudelwohl. Wenn es darum ging, die großen Country Music Awards der Industrie zu verteilen, waren die Bellamy Brothers viele Jahre immer unter den Nominierten, die Awards bekamen mit schöner Regelmäßigkeit die anderen. Dabei gibt es nicht viele Duos, die eine so eindrucksvolle Serie an Hits vorweisen können. Mit ihrem letzten Album können sie auf über 30 Jahre als Publikumslieblinge zurück blicken. Sie tun dies nicht im Zorn aber durchaus mit kräftigen, von Sarkasmus geprägten Seitenhieben und mit einer gewissen Genugtuung. Natürlich hat es in dem Vierteljahrhundert auch Täler gegeben, die es zu durchschreiten galt. Howard und David haben daraus wertvolle Lehren und Konsequenzen gezogen. Wie anderen Stars der Vergangenheit zeigte man auch den Bellamys in der Industrie die kalte Schulter und legte ihnen sogar nahe, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Statt dessen kamen der Trotz hoch, sie gründeten ihr eigenes Plattenlabel und fuhren damit gar nicht schlecht. In einem Interview der CMA gegenüber äußerte Howard Bellamy sich unlängst sogar dahingehend, es gehe ihnen ohne Hit sogar wesentlich besser. Ohne sich den Spielregeln einer großen Plattenfirma unterwerfen zu müssen, habe man alles besser im Griff. Für Fehler sind sie selbst verantwortlich, Erfolge zahlen sich direkt aus. Der eigene Herr sein zu können ist eben eine feine und nicht nur für einen Künstler eine befreiende Situation. Bis dahin aber war es ein weiter, steiniger und eigenwilliger Weg mit vielen Umleitungen.

Howard, geboren am 2.2.1946 und David, geboren am 16.9.1950, beide in Darby, Florida, wo sie mit ihren Familien immer noch leben. Mit Musik wuchsen beide von Kindesbeinen an auf, denn sie war Bestandteil des Familienlebens. Auch in der Schule setzte sich das fort. Rock Music, dann Soul, die Musik in ihrer ganzen Vielfalt übte nachhaltige Faszination auf die Brüder aus, die, natürlich, bald selbst Musik machten. Chronisten halten fest, daß sie u.a. bei so bekannten Leuten wie Percy Sledge, Little Anthony und der Band Jericho jobbten. Von Country Music noch keine Rede. Auch nicht als sie sich auf eigene Beine stellten, sich durch Reinfälle nicht entmutigen ließen, zur Westküste gingen und dort erste Plattenaufnahmen machten, sofort mit eigenen Songs.

Und jetzt auch dem nötigen Glück, denn „Let Your Love Flow“ wurde so etwas wie das Ticket zur internationalen Karriere. Man schrieb das Jahr 1976, die Bellamy Brothers waren in der Pop Music angekommen. Auch in Deutschland entwickelte sich der Song zum Knüller längst bevor Jürgen Drews auf der Melodie sein Bett ins Kornfeld manövrierte. Immer noch reagierte die Country Music gelassen, dort plazierte sich „Let Your Love Flow“ nur auf Platz 21. Offenbar mißtraute das amerikanische Country-Volk den Außenseitern aus dem Sonnenstaat. Erst als die Bellamy Brothers selbst sich deutlich zur Country Music bekannten, zündeten ihre Raketen auch im von Nashville dominierten Sound. Folgerichtig standen sie 1979 mit dem längst zum Klassiker gewordenen „If I Said You Had A Beautiful Body“ auf Platz 1. Es folgten weitere Spitzenplätze mit „Sugar Daddy“, „Dancin´ Cowboys“, „Do You Love As Good As You Look“, „For All The Wrong Reasons“, „Redneck Girl“, „When I’m Away From You“, „I Need More Of You“, „Too Much Is Not Enough“ (mit den Forester Sisters), „Kids Of The Baby Boom“ sowie weiteren Songs in den Top 5. Darunter auch „Old Hippie“ einer ihrer immer noch beliebtesten Songs. Allesamt „Gute-Laune-Songs“, melodisch, für jede Tanzfläche und Party geeignet. Und allesamt selbst gestrickt.

Mir ist kein einziger Hit der Bellamy Brothers bekannt, der eine Cover-Version gewesen oder auch nur ein von irgendjemand sonst bereits bekannt gemacht gewesen wäre. Bei ihren Aufnahmen weiß man auch heute noch sofort, um wen es sich handelt, niemandem ist es gelungen, ihren Sound zu kopieren. Dabei gab es sogar eine Phase, in der sie in Deutschland von Ralph Siegel „betreut“ wurden, ohne daß dabei Besonderes gelungen wäre. Sie waren eben immer am besten, wenn sie „ihr“ Ding machten. Nicht nur auf Schallplatten machten die Bellamy Brothers Furore, sie waren und sind immer noch Live Musiker. Die Bühne ist noch mehr ihre Welt als das Studio. Kein Weg ist ihnen zu weit, wo immer man sie engagiert locken sie das Publikum an. Seit mehr als 25 Jahren.

Schon Mitte der 70er Jahre kamen sie auch nach Deutschland, sie sind wohl häufiger hierzulande zu Gast gewesen als die allermeisten ihrer Kollegen. Und hatten dabei viel mehr Leute hinter sich als das reine Country-Publikum. Dem gefallen die Songs und die humorvolle, lockere Art, in der Howard und David sie vortragen. Howard sagte einmal, daß sie einfach Lieder über das schreiben, worüber sie sich unterhalten, über ihre Interessen, einfach über das, was Spaß macht. Kein Spaß hat ihnen irgendwann die Arbeit mit – besser gesagt für Plattenfirmen, von denen sie sich zu sehr eingeengt und unter Druck gesetzt fühlten. Logische Konsequenz die Gründung eines eigenen Labels und die Übernahme sämtlicher Geschicke in die eigenen Hände – eine durch die nachlassenden Verkaufszahlen sicher einfacher gemachte Entscheidung. Mit erstaunlichem Ergebnis. Denn man den Platten fanden sie zwar keinen Einlaß in den erlauchten Kreis der Sender, die z.B. an Billboard berichten. Logischerweise sucht man die Bellamy Brothers vergeblich in den Charts. Aber es gibt viele Sender im 2. Glied und die spielen sehr wohl Neues von den Bellamys. Mit deutlichen Auswirkungen auf die Verkäufe. Und auf die Besucherzahlen ihrer Konzerte. David Bellamy hat beobachtet, daß die Leute sogar zahlreicher kommen als früher, daß die Besucher im Durchschnitt auch jünger sind. Und das zu einer Zeit, in der die Industrie voll auf die Karte Jugend bei den Interpreten setzt. Die Zeiten, in denen in der Country Music Sänger im fortgeschrittenen Alter keine Probleme mit Plattenverträgen und Konzerten hatten, sie sind auch in dieser Musik anders geworden.

Die Bellamy Brothers aber verstehen es, eine Musik zu machen, die jung bleibt, die Jugend anspricht und die Älteren weiterhin erfreut und bei der sie selbst jung bleiben und genügend Motivation finden, unverdrossen weiter zu machen. Das kann nur jemand schaffen, der an dem, was er tut, jede Menge Spaß hat. Gott sei Dank haben Howard und David Bellamy sich nicht an die Gesetze Nashville’s gehalten und den Weg von Rebellen beschritten. Viele Musikliebhaber in vielen Teilen der Erde danken es ihn – sicher auch in Zukunft.

Jesus Is Coming

CD: „Jesus Is Coming“
Erscheinungsdatum: 2007
Label: Curb Records

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Trackliste:

01. Drug Problem
02. Wings Of The Wind
03. Lord Help Me Be The Kind Of Person (My Dog Thinks I Am)
04. Gradma’s God
05. Faith Came Back To Me
06. Spiritually Bankrupt
07. I Ain’t Goin‘ To Hell
08. Old Hippie III (Saved)
09. Beautiful Night
10. You’re The World
11. I’ll Fly Away
12. Jesus Is Coming
13. Let Your Love Flow

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>

5 Kommentare zu Bellamy Brothers (Biografie)

  1. Wolfgang Berndt // 5. August 2010 um 08:48 //

    Hallo,

    ein „Old Hippie Fan“ der Bellamy Brothers findet ihre Musik super, egal ob gecovert oder nicht. Bis auf die Produkte von Ralph Siegel. Aber das sind Gott sei Dank nicht so viele.

    Grüße Wolfgang

  2. Hallo zusammen,

    bin ein Fan von den Bellamy Brothers. Besonders der Song „Let Your Love Flow“ gefällt mir ausserordentlich gut. Da ich ein Kind der 70er bin, gefällt mir diese Musik bis heute noch immer am besten.

    Grüße
    Gerd

  3. Dagmar // 7. April 2009 um 14:48 //

    …noch mal ich!

    „Some broken Hearts never mend“ haben sie auch gecovert!
    Roundabout 1998
    Daggi

  4. Dagmar // 6. April 2009 um 15:38 //

    Hallo, Leser!

    Ich muss ein klein wenig widersprechen:

    Die Bellamy Brothers hatten tatsächlich einmal einen Cover-Hit:
    Es war „Bird Dog“ und war ein Cover eines alten Everly Brothers-Hits.
    Muss so um 1978 gewesen sein, ich habe sogar noch irgendwo die 7″ Single rumfliegen.

    Tja, ich schwelge gerade in meinen Teenie-Erinnerungen und habe mir eine alte Schallplatte aufgelegt (!), weil es auf den alten LP’s so wunderbare Songs gibt, die es bislang leider nicht auf CD’s gibt.

    Aus diesem Grund, muss es eben ab und an mal eine richtige „Platte“ sein!

    Liebe Grüße aus dem Münsterland
    Daggi

  5. Hi David und Howard,

    Ihr seid ein Teil meines Midlifes und werdet es immer bleiben. Eure Songs habe ich als Livemusiker oft und gerne gespielt. Die moderne Countrymusic à la Allan Jackson etc., die Computergesteuert nichts an gutem Sound zu wünschen übrig läßt, ist der Nährboden, den Ihr gelegt habt. Ich erinnere mich gerne an Euren Liveauftritt in Geiselwind, Bayern, der meine Liebe zur Countrymusic verstärkt hat und bis heute dazu bewegt, ein old Hippie zu sein, der noch immer Eure Songs gerne spielt, die natürlich auch beim Publikum nach wie vor gut ankommen.
    Herzliche Grüße nach Florida aus Dillingen an der Donau / Bayern

    Gerry

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