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“Humor doesn’t translate” – und er tut es doch … die 21. Country Night Gstaad

[19. September 2009 | 3 Kommentare | Von | Kategorie: Konzertberichte]

Texas Lightning eröffnete am Freitagabend in neuer Besetzung das Festival. Da die Bandänderung sehr kurzfristig vor dem Festival in einer Pressemitteilung (29.08.2009) bekannt gegeben wurde, konnte diese auch beim Druck der Broschüre nicht mehr berücksichtigt werden. So waren einige Zuhörer doch sehr überrascht, Marshall “Malte” Pittner als Sänger und nicht Gründer der Band, Jon Flemming Olsen zu erleben. Die Frage nach dem “Warum?” wurde auf der Pressekonferenz, mit angeblich persönlichen Gründen seitens Jon Flemming Olsens, beantwortet.

Im Vorfeld der Country Night wurden speziell in Deutschland Stimmen laut, dass Texas Lightning für Gstaad nicht der richtige Act sei. Hier hatten einige Deutsche Festivalbesucher und vor allem “Nichtbesucher” wohl vergessen, dass die Country Night Gstaad kein deutsches, sondern ein internationales, schweizer Festival ist. Folglich ist Texas Lightning auch ein internationaler Act.

Der Sound und die gesangliche Darbietung war am Freitag bei Texas Lightning leider nicht so perfekt. Hier wurde z.B. das Bassintro bei der Zugabe zum AC/DC- Klassiker “Highway To Hell” angekündigt, nur es kam nicht. Auch war die Steelguitar leider nicht immer richtig zu hören und die Band harmonierte auf der Bühne untereinander nicht so, wie man es aus der Vergangenheit gewohnt war. Leichte Textunsicherheit war beim neuen Frontman zu bemerken. Diese ist für die kürze der Zeit, die Malte Pittner zum Text lernen zur Verfügung stand, durchaus verständlich, für eine Profiband doch etwas ungewöhnlich.

Am Samstag präsentierte sich die Band dann in einer wesentlich besseren Verfassung und begeisterte das Publikum auch hier mit seinen Coverversionen berühmter Pop-Hits, arrangiert im Countrystyle. Die Traditionelle Coutrymusik war u.a mit Songs wie “Man Of Constant Sorrow”,”Smoke! Smoke! Smoke! (That Cigarette)” oder “East Bound And Down” vertreten. An beiden Abenden dankte das Publikum mit stehenden Ovationen. Auch wenn bei Texas Lightning nicht alles so rund lief, wie man es sonst von ihnen gewohnt war, sie haben das Publikum gut unterhalten und werden in Zukunft wieder zu alten Sicherheit zurück finden. Speziell am Samstag zeigte es sich, dass die Entscheidung, mit Texas Lightning erstmals eine deutsche Band nach Gstaad einzuladen, auch vom Publikum dankbar aufgenommen wurde.

Lady Antebellum: Photo-Credit by Erik WagnerMit ihrem ersten Nummer eins Hit “I Run To You” und mehreren Auszeichnungen im Gepäck reiste Lady Antebellum nach Gstaad. Hier passierte etwas, das so in der langen Geschichte der Country Night Gstaad noch nicht allzu oft vor kam. Bis in die hintersten Winkel des Zeltes wurde begeistert mitgeklatscht und mitgesungen. Gerade die Textsicherheit des doch stark jungen Publikums war erstaunlich.

Ob die eigenen Kompositionen der Band von ihrem Debütalbum, oder Coverversionen von den Allman Brothers Band, Doobie Brothers, Dwight Yokam oder John Cougar Mellencamp, mit jeder Note wurde das Publikum infiziert und an beiden Abenden begeistert mitgerissen.

Dass sie auch Meister der leisen Töne sind, bewiesen Hillary Scott, Dave Haywood und Charles Kelley bei der Vorstellung der Songs ihre neuen CD. Diese befindet sich gerade in Arbeit. Lady Antebellum konnte auch die Publikumsschicht überzeugen, die eigentlich wegen Texas Lightning oder speziell Kenny Rogers den Weg nach Gstaad fanden. Mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen wurde Lady Antebellum und die Begleitmusiker vom Publikum an beiden Abenden verabschiedet.

Mit Kenny Rogers kam ein Künstler zur Country Night, auf den das Wort Musiklegende ohne wenn und aber zutrifft. Auf über 50 Jahre Bühnenerfahrung und unzähligen Welthits kann er mittlerweile zurückblicken. Für viele im Publikum ist Kenny Rogers ein musikalischer Wegbegleiter im Leben. Kenny Rogers zeigte, warum er als einer der besten Entertainer in der Musikbranche gilt. Von Anfang an machte er aber keinen Hehl daraus, dass die Zeit nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist. Er kokettierte mit seinem Alter und seinen kleinen “Wehwehchen” die das Altern halt so mit sich bringen.

Kenny Rogers: Photo-Credit by Erik WagnerSeine Stimme immer noch markant, manchmal aber dem Alter etwas Tribut zollend, begeisterte Kenny Rogers mit einer erstklassigen Band im Rücken das Publikum. Kenny Rogers muss niemanden mehr etwas beweisen und dass er sich selbst nicht so ernst nahm, damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Auch wenn er auf der Pressekonferenz meinte “Humor doesn’t translate”, so hat das Publikum doch seinen Humor verstanden und sich köstlich amüsiert.

Augenzwinkernd, auf sein Alter und lange Karriere anspielend meinte er: “Die Jahre vergehen schnell, der Tag langsam …”

Die musikalische Reise reichte von seiner Zeit mit seiner “First Edition” bis zu “By Me A Rose”. Das Treppensteigen wollte er nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Pressekonferenz vermeiden. Dies erzählte er auch schmunzelnd dem Publikum, um vor der Zugabe erst gar nicht die Bühne verlassen zu müssen. Mit seiner Bühnenshow brachte er sogar einen Hauch Las Vegas, wo er ja auch jahrelang aufgetreten ist, mit zur Country Night Gstaad.

Manch einer bemängelte, dass sich an beiden Abenden alles gleich angehört hat, so ist dies in der Branche aber durchaus üblich. Um dem Publikum eine perfekte Show zu bieten, gibt es nicht nur einen Sound-, sondern auch Licht-Check. Das selbe Programm und auch teilweise Texte spulen andere Künstler wie Madonna, Robbie Williams, Bruce Sprinsteen, Garth Brooks oder Shania Twain auf ihren Welttourneen ebenso Abend für Abend ab. Die einstudierten und stetig gleichen Bewegungsabläufe haben u.a. damit zu tun, dass z.B. der Lichttechniker weiß, wie und wo er optimal ausleuchten muss. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass dem Publikum an allen Abenden die gleich gute Sicht auf den Künstler geboten ist. Dies ist auch wichtig, wenn TV vor Ort ist.

Man merkt dies im Grunde auch nur, wenn man beide Abende in Gstaad besucht. In der Geschichte der Country Night Gstaad war der Auftritt von Kenny Rogers ein absolutes Highlight. Wenn man gesehen und Kenny Rogers genau zugehört hat, mit welcher Begeisterung er von seiner Familie erzählte, kann man sich ausmalen, dass es nicht mehr allzu viele Möglichkeiten geben wird, Kenny Rogers in Europa live zu erleben.

Die ausverkaufte Country Night Gstaad 2009 hat jung und alt begeistert. Marcel Bach und sein Team haben wieder alles richtig gemacht und den Musikfreunden mit einem tollen Lineup einen grossartigen und unvergesslichen Abend beschert.

Für 2010, vom 10.-12.September darf sich das Publikum wieder auf ein musikalisches Highlight im Berner Oberland freuen.

Die Musiker der Bands:

Texas Lightning

• Jane Comerford: Gesang, Ukulele
• Olli Dittrich: Drums, Gesang
• Malte Pittner: Guitar, Gesang
• Nils Tuxon: Steel Guitar
• Markus Schmidt: Guitar, Banjo
• Uwe Frenzel: Double Bass, Gesang

Lady Antebellum

• Charles Kelley: Gesang
• Hillary Scott: Gesang
• Dave Haywood: Gesang, Guitar
• Dennis Edwards: Bass
• Jason Gambill: Electric Guitar
• Matt Billingslea: Drums

Kenny Rogers (Gesang)

• Steve Glassmeyer: Keyboard
• Randy Dorman: Guitar
• Chuck Jacobs: Bass
• Lynn Hammann: Drums
• Warren Hartman: Keyboard
• Gene Sisk: Keyboard
• Brian Franklin: Electric Guitar
• Amber Corr: Fiddle

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3 Kommentare »

  • Helmut Kornwald schreibt:

    Malte Pittner ist definitiv der falsche Mann für Texas Lightning. Besser nochmal umbesetzen! Und dann gerne wieder nach Gstaad einladen.

  • Andrea schreibt:

    Danke für die Review. Bezüglich Gstaad ja interessant zu lesen und gut – das ist ja das wichtigste.
    Aber wer behauptet, Bruce Springsteen spult bei seinen Konzerten immer das gleiche Programm hat, hat definitiv noch nie mehr als ein Springsteen Konzert gesehen.
    Da ist keines wie das andere und kaum einer geht so auf Publikumswünsche ein.

  • Frank Rickal schreibt:

    Hallo Andrea,

    vorab vielen Dank für das Kompliment. Ich werde auch in Zukunft meine Berichte authentisch und journalistisch objektiv verfassen.

    Andrea, die Liveperformance von THE BOSS steht außer Frage. Hier hast Du sicher recht.

    Als integre Autorität des Adult Rock gehört Bruce Springsteen zweifelsohne zu den besten Livekünstlern des Rockolymps. Wenn er hier und da Musikwünsche erfüllt, hat dies aber nichts mit dem Programm zu tun, sondern ist individuell eine Entscheidung des Künstlers auf die jeweilige Konzertsituation. Für den Ablauf und eines Konzertes ist dies aber zweitrangig.

    Mit demselben Programm ist nicht die Play- oder Setlist gemeint, sonder u.a. die technischen Abläufe und die Wege die ein Künstler während des Konzertes zurücklegt. Dies ist besonders wichtig für den Tontechniker oder denjenigen, der den Spott bedient. Auch wird im Normalfall die ganze Tour über der Ablauf beibehalten. Dies gilt hauptsächlich für die Touren in den großen Stadien mit umfangreichem Equipment.

    Ein guter Freund von mir ist Tontechniker und ein weiterer war jahrelang Rowdy. In den 80igern begleitete er u.a. die Rolling Stones, Foreigner, REO Speedwagon oder Toto bei ihren Touren in Deutschland. Hin und wieder war er auch bei Rock am Ring im Einsatz. Von seinem technischen Kenntnissen und umfangreichen Erfahrungsschatz konnte auch ich in all den Jahren lernen und profitieren. Dieses gewonnene Wissen kann ich heute an die Leser und Hörer weitergeben.

    In Gstaad wurde über gewisse Dinge diskutiert, die für den einen oder anderen Besucher eben nicht nachvollziehbar waren. Ich habe daher schlicht mit Fakten probiert etwas Licht ins Dunkel zu bringen, ohne die Leistung der Künstler, die hier als Beispiel erwähnt wurden, zu schmälern. Beruflich und auch privat konnte ich Bruce Springsteen schon öfters live genießen.

    Schöne Grüße und weiterhin viel Freude an guter Livemusik.

    Frank Rickal

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