Waylon Albright Jennings und das “O”
Bei dem Namen Jennings denkt man an den 2002 verstorbenen Waylon Jennings. Ein Sänger, der mit Weggefährten wie Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson 1985 die Highwaymen gründete. Er zählt zu den Begründern der Outlaw-Bewegung, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gegen die herrschende Nashville-Politik aufbegehren und am Ende die Countrymusik vor der Eintönigkeit Nashvilles retten. Waylon Albright Jennings ist allerdings nicht der eben beschriebene Waylon Jennings, der mit bürgerlichen Namen Waylond Arnold Jennings hieß, sondern sein Sohn aus der Verbindung mit Mirriam Johnson (Jessi Colter).
Wie in den oben beschriebenen 70er Jahren ereignet sich im auslaufenden 20. Jahrhundert eine Gleichförmigkeit der Countrymusik zu Gunsten des Mainstream in Form des Country-Pop. Ein Affront gegenüber jeden wahren Countrymusikliebhaber. In den 70er entstand daraus die Outlaw-Bewegung und 2005 soll sich ähnliches durch “Waylon” Jennings’ Sohn, der sich “Shooter” Jennings nennt, wiederholen. Sein Debüt-Album “Put The “O” Back In The Country” ist eine klare Ansage: Mehr eigene Ideen in der Musik umsetzen! Sich nicht von einem Plattenlabel abhängig machen! Mehr “O”utlaw in die Countrymusik! Die Musik des Titelsongs stammt übrigens von Neil Young, der Text von Shooter und Band.
Universal South, ein seit 2001 eigenständig operierendes Label unter dem Universal Logo, hat sich diese Chance nicht entgehen lassen. 2005 veröffentlichen sie Shooter Jennings Debüt-Album. Wahrscheinlich sind auch die positiven Erfahrungen mit Cross Canadian Ragweed (CCR) dafür verantwortlich gewesen, die Universal South seit 2002 unter Vertrag haben. Eine Band, die sich mit ihrem Southern/Country Rock und Alternativ Country schnell einen Namen in der Szene gemacht hat. Beide Künstler (Shooter und CCR) sind heute noch bei diesem Label unter Vertrag. Die Selbstreinigungskräfte der Countrymusik sorgen schon dafür, dass es spannend bleibt.
Aus jeder Krise in den letzten 70 Jahren sind neue Stile (Alternativ Country) hervorgegangen und haben die Countrymusik positiv beeinflusst. Aber auch alte Stile erfahren in gewissen Abständen eine Rückbesinnung (Neo Traditionell). Stile und Musikrichtungen verbinden sich und erweitern die Countrymusiklandschaft. Die Kraft all dieser Veränderungen ist vermutlich auf die soziale Komponente in der Countrymusik zurückzuführen. Die Instrumentierung ist einfach, die Melodien eingängig und die Texte sprechen die Seele des Hörers an. Zeigen sie ihm doch, dass er mit seinen Gefühlen und Sorgen aber auch seinem Glück und Leid nicht allein ist. Sofern kein Einfluss darauf genommen wird ist in der “Country”-Welt alles in Ordnung. Entwickeln sich aber Profitgier und Marketingstrategien benötigt es nicht viel Zeit und der Markt wird von Wenigen beherrscht.
Künstler, die ihrer Musik ehrlich gegenüber bleiben, haben es umso schwerer. Doch wie eine Waagschale wendet sich die Gewichtung im Laufe der Jahre. Die Angesagten übersättigen den Markt, haben keine Aussage mehr in ihren Songs, und das Publikum beginnt nach neuen ehrlichen und berührenden Inhalten zu suchen. Diese findet man außerhalb des großen Musikmarktes, in Nischen. Für kurze Zeit bekommt der Konsument jenes wonach seine Seele verlangt, bis … ja, bis die Musikindustrie den Trend erkennt und die Zügel übernimmt. Der Kreislauf beginnt von vorn.
Kehren wir zurück zu “Shooter Jennings”. Er und andere Gleichgesinnte haben die Chance, der Countrymusik wieder ihre Urwüchsigkeit zurückzugeben. Sie dürfen nur nicht Gefahr laufen sich von der Musikindustrie kaufen zu lassen oder nach dem “Fluss des Geldes” zu produzieren.
Mit seinem Debüt-Album “Put The “O” Back In The Country” 2005 waren die Pressestimmen durchweg positiv. Der Name Jennings mag da sicherlich auch die eine oder andere Tür geöffnet haben, dennoch war der richtige Zeitpunkt, ein Gegengewicht zum Nashville dominierenden Country-Pop zu setzen. Das Album ist mit Southern Rock gewürzt und trifft den Geschmack des Publikums. In Fernsehshows und auch Filmen wird Shooter eingeladen und darf über die Parallelen zu sich und seinem Vater sowie seine Musik reden.
Der Nachfolger “Electric Rodeo” erscheint ein Jahr später. Ein Album, das von E-Gitarren teilweise dominiert wird, ohne den Aspekt der Countrymusik aus den Augen zu verlieren. Mit den 357s hat Shooter eine hervorragende Band im Rücken, die es versteht die Songs über die dunklen Seiten des Lebens musikalisch in das oftmals zitierte “richtige Licht” zu setzen.
Über “The Wolf”, seinem dritten Album, streiten sich die Kritiker. Von den einen hochgelobt und von den anderen gnadenlos verrissen. Wer die Wahrheit wissen möchte, sollte sich sein eigenes Urteil bilden und das Album kaufen. Das “O” ist jedenfalls deutlich zu hören und das ist die Hauptsache. Das vor kurzem erschienene Album “Bad Magick” ist ein “Best of…” von Shooter Jennings. Wer Waylon Albright Jennings erst einmal kennenlernen möchte ist mit dieser Veröffentlichung gut beraten. 15 Songs geben ein Spektrum seiner Werke von “Put The “O” Back In The Country” (2005) bis “The Wolf” (2007) wieder. Darunter auch “4th of July” mit George Jones, “This Ol Wheel” mit Doug Kershaw und “Slow Train” mit den Oak Ridge Boys. Von “Live at Irving Plaza 4.18.06″ stammt die über neun Minuten lange Nummer “Daddy’s Farm”. Boni sind die Live-Aufnahme “Lonesome Blues” und der von Hank Williams, Jr. geschriebene Titel “Living Proof”. Beide Titel sind bisher nie auf Compact-Disc erschienen.
Wo sich die Gewichtung der Waagschale zur Zeit befindet ist nicht hundertprozentig zu sagen. Gewiss ist nur, dass Nashville immer mehr auf den Mainstream-Markt zusteuert und sich von Künstlern trennt, die hinter den Erwartungen zurückliegen.
Was in der Vergangenheit geschehen ist, war kein Einzelfall. Ob sich die Geschichte wiederholt und daraus gelernt wird? Die Zukunft wird es zeigen …
| Trackliste:
01. 4th Of July |









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