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Etwas schräg gedacht und hinterfragt: Von stillen Helden, Kontinentalverschiebung, heimlicher Hauptstadt und anderen kuriosen Begebenheiten 2009

[9. Januar 2010 | 5 Kommentare | Von | Kategorie: Kolumnen & Reportagen]

Im Oktober 2009 feierten Asterix & Obelix ihr 50 Jähriges Jubiläum. Manch einer wird sich jetzt fragen: “Was hat denn das auf einer Countryseite zu suchen?”. Aber hallo, die Parallelen nach Deutschland sind markant. Das kleine gallische Dorf der beiden leistet seit Jahren Widerstand und steht damit so ziemlich alleine da.

Man glaubt es kaum, es gibt auch ein kleines bayerisches Dorf, dem geht es ähnlich. Es leistet seit Jahren erfolgreich Widerstand gegen die musikalische Tristeste in Deutschland. Man stelle sich mal vor, es würde das Four Corners in Untermeitingen nicht geben. Wie trostlos und öde wäre da die Live-Musikszene der Stilrichtung Country. Ohne den anderen, liebevoll geführten Saloons in Deutschland nahezutreten, es gäbe gar keinen Ort mehr, der die Countrymusik Woche für Woche in diesem Stile, Ambiente und vor allem Kontinuität mit US-Künstlern dieses Formates anbietet.

Nicht Asterix und Obelix sind hier die Helden, sondern Marianne und Bill. Seit Jahren bieten sie den Musikfreunden ein erstklassiges Programm mit hoher Qualität. Typisch Deutsch wird aber immer wieder gemeckert, warum keine Stars nach Deutschland kommen. Aber Hallo! Sie kommen doch, einfach nur mal auf die Homepage vom Four Corners schauen. Der ein oder andere wird sich verwundert die Augen reiben wer schon alles da war.

Wenn, wie in der Vergangenheit immer wieder geschehen, von einigen sogenannten Fans die Musiker als Stars der zweiten Reihe bezeichnet werden, so tut man nicht nur den Künstler unrecht, sondern auch den Bemühungen von Marianne und Bill. Von Leuten wie Mark Chesnutt, Tracy Lawrence oder Tracy Byrd hat manch einer früher doch nur geträumt! Den Nörglern kann man es sowieso nicht recht machen.

Eröffnet wird der Reigen der Top-US-Musiker für 2010 mit Phil Vassar und “Wiederholungstäter” Billy Yates. Zwei geniale Künstler und angesagten Songschreiber und Sänger der Szene. Mit Rick Trevino gibt es auch bald ein Wiedersehen und Kaltenberg steht auch in den Startlöchern. Also aufhören zu meckern und einfach nach Untermeitingen pilgern. Wie gesagt, man stelle sich mal vor das Corner wäre nicht da …

Die aktuellen Stars kommen ja nur, um für den deutschen Fan hinter verschlossenen Türen zu spielen. Wenn Sugarland auf ihrer “Stars & Stripes Tour” gewollt hätten, dann wäre mit Sicherheit ein öffentliches Konzert möglich gewesen. Eine einmalige Chance wurde leichtfertig vertan. In Frankreich oder anderswo ging es ja auch. Aber nein, man will ja nur die in Deutschland stationierten Truppen moralisch unterstützten, damit diese einen zweifelhaften Krieg führen können. Der deutsche Fan schaut mal wieder sprichwörtlich mit dem Ofenrohr ins Gebirge und wird einfach ausgesperrt. Nicht zu vergessen, dass den Medien vom US-Management ein Telefoninterview (Dankend abgelehnt! Anmerk. vom Verfasser) angeboten wird, für eine Veranstaltung, zu der der Deutsche aber nicht darf – darauf muss man auch erstmal kommen. Ach ja, die CDs soll der Deutsche trotzdem kaufen, auch wenn man ihn als Publikum nicht will.

Der deutsche Fan soll auch CDs kaufen, bei denen er im Grunde nur veräppelt wird. So z.B. die europäische, polierte Ausgabe der CD “Fearless” von Taylor Swift. Als Songschreiberin bestimmt talentiert, als Sängerin, nah gut, da gibt es bessere, vor allem wenn es um die Liveperformance geht. Der ganze Hype um die Dame ist mittlerweile sowieso nicht mehr unbedingt nachvollziehbar. Ausser, man verzeih diesen Ausdruck, sie ist als “Gelddruckmaschine” entdeckt worden. Anders lassen sich gewisse Machenschaften schlicht nicht mehr erklären bzw. verstehen.

Man muss sich manchmal fragen, was sich die Produzenten oder auch Plattenbosse dabei denken, ein Album zu produzieren, das speziell für den europäischen Markt sein soll. Da lässt man mal eben die wichtige Fiddle weg, in der trügerischen Annahme, dass der Europäer das Instrument nicht mag. Eine Unart, die ja in der Vergangenheit schon bei anderen Künstlern vorkam. Wo kommt sie den her die Fiddle? Bestimmt nicht aus Amerika, dass aber mancher Amerikaner mit der europäischen Geschichte so seine kleinen Probleme hat, wissen wir ja nicht erst sein Donald Rumsfeld.

Ja hat sich bitte schön von diesen Herrschaften nicht mal einer mit den Gepflogenheiten des deutschen Musikmarktes und Geschmack deren Konsumenten befasst? Der Eindruck drängt sich einem nicht unbedingt auf, sonst würden sie nicht auf die dämliche Idee kommen, die Fiddle mal eben weg zu lassen. Wenn sie sich nämlich schlau gemacht hätten, oh Schreck, der deutsche Musikfreund mag die Fiddle. Gut o.k., mit Fiddle können auch hier nicht immer alle etwas anfangen, daher heißt das Ding bei uns auch Geige. Vielleicht hat das den US-Produzenten nur noch keiner gesagt …

Laut Media Control hat Peter Fox mit “Stadtaffen” das erfolgreichste Album 2009 in Deutschland abgeliefert. Mit dabei und führend, man glaubt es kaum, die Geige, ebenso bei den Sportfreunden Stiller steht die Geige hoch im Kurs. Falls der Groschen, Entschuldigung heißt ja jetzt Cent, immer noch nicht gefallen sein sollte, Alexander Rybak, ist der Sieger des Eurovision Song Contest 2009. Bei seinem Siegertitel “Fairytale” ist die Geige die treibende Kraft und das europäische Publikum mag den Song- trotz Geige, NEIN gerade wegen der Geige. Jetzt darf der US-Produzent dreimal raten, warum die Veranstaltung “Eurovision Song Contest” heißt. Ups, welch Überraschung – jawoll, es stimmen hier Europäer ab und zum größten Teil auch noch die Altersgruppe auf die das Management von Frau Swift zielt. Die Fiddle einfach zu streichen zeugt nicht gerade von hoher Aktivität in der linken Gehirnhälfte, die ist nämlich hauptsächlich für die Intelligenz zuständig.

Aber der Amerikaner verfälscht lieber seine eigene Kultur, nur um ein paar Dollar mehr zu machen. Ist ja schon irgendwie eine kleine Unart, immer etwas zu verfälschen um ans große Geld zu kommen. Man denke hier nur an George Bush Jr. oder Colin Powell … wo bei aber die Erfahrung zeigt, dass Gott sei Dank nicht alle Amerikaner diese seltsame Eigenschaft als Antriebsfeder haben.

Ein weiteres Argument, an den klaren Gedankengänge des Managements zu zweifeln, ist die Tatsache, dass das vermeintliche Kunstprodukt Taylor Swift hier in Europa in eine Nische gedrängt wird, die schon von jungen Damen, wie z.B. aktuell Aura Dione oder Marit Larson, besetzt ist und es gibt noch eine menge mehr davon, die nachrücken in dieses Haifischbecken. Eigentlich kommen solche Musikimporte ja meistens aus Schweden. Diese beiden jungen Damen sind aus Dänemark und Norwegen. Hier wird nach dem gleichen Muster gestrickt. Seichter Easy Listening Skandinavien Pop für die pubertierende, manchmal aufmüpfige Generation, verbunden mit Herz- Schmerzthemen. Hier unterscheidet sich die Musik von Taylor Swift also kaum von den anderen auf dem Markt befindlichen Pop-Sternchen. Taylor Swift selbst könnte dies ja ändern, das Management ist doch von ihr abhängig. Da reicht es auch nicht aus, mal eben kurz nach Europa zu kommen um neben dem roten Teppich zu flanieren. Sie sollte Ihre Musik machen und auch dazu stehen, das betont Frau Swift ja auch immer in ihren Interviews. Tolle Songs hat Taylor ja, vielleicht dauert es halt nur etwas bis ihr Management merkt wie die Europäer ticken. Sie selbst scheint sich ja nicht durchsetzen zu können.

Die Dixie Chicks haben es vor Jahren doch vorgemacht, tollen Erfolg mit ihren Alben und mit der Tour in Deutschland. Auch hier sei kurz Phantasie gefragt, die Dixie Chicks ohne Geige … wie grausam … und es wäre nicht die Musik der Chicks. Nicht zu vergessen, dass die Musik der Dixie Chicks, hier in Deutschland eine weiter gefächerte Altersgruppe als Fangemeinde gewonnen hat. Allerdings ist es unbestritten, dass der Skandal damals um Natalie Maines zur Popularität beigetragen hat.

Alan Jackson kommt nach Europa! Das war 2009 wohl die beste Meldung, da wurde jeder Countryfan in Erregung versetzt. Nachdem sich dann aber herausstellte, dass er nur im hohen Norden Europas Station macht, bekamen die Gefühlswallungen einen Dämpfer. Arhus in Dänemark war die am nächsten gelegene Station der Alan Jackson Tour für den deutschen Fan. Also legten sich einige ins Zeug, um sich ihren Traum vom Alan Jackson-Konzert zu erfüllen, nur um dann festzustellen, dass das Konzert abgesagt und in Skien in Norwegen stattfinden sollte. Grund war angeblich die mangelnde Kartennachfrage in Dänemark. Das Argument, trotz einer hohen Zahl verkaufter Karten, ist schon recht seltsam und die Absage wurde vom Veranstalter nie eindeutig gerechtfertigt. (trotz mehrmaliger Nachfrage, Anmerk. vom Verfasser)

So richtig skurril wurde es aber erst jetzt. Der deutsche Fan wurde von einigen wenigen Deutschen, nicht nur unterschwellig, sondern ganz offen dafür verantwortlich gemacht, dass dieses dänische Konzert abgesagt und nach Norwegen verlegt wurde. Hallo, wie krank ist dass denn, es ist doch immer noch eine nordeuropäische und keine deutsche Tour gewesen. Wurde Dänemark annektiert, fand gar eine Kontinentalverschiebung statt oder ist Dänemark unser 17. Bundesland?

Da sollte wohl mach einer die Dosierung seiner Medikamente mal überprüfen lassen. Alan Jackson kommt vielleicht wieder mal nach Deutschland, wenn er will. War ja vor Jahren schon mal da, nur da hat es keinen interessiert. Vielleicht müssten sich Großveranstalter für Livemusik nur mal die Mühen machen, die Popularität von Alan Jackson in Deutschland heutzutage zu prüfen. Man würde einen hohen Stellen- und Sympathiewerte feststellen, die dazu ausreichen eine Halle zu füllen. Ein zentraler Ort würde ja ausreichen und hier bietet sich die Jahrhunderthalle in Frankfurt an. Falls nötig könnte man ein Zusatzkonzert geben, ähnlich wie bei Garth Brooks vor Jahren. Auch die Waldbühne in Berlin, mit ihrem tollen Open-Air Ambiente, wäre als Veranstaltungsort hervorragend geeignet. Wir wollen hier auch nicht die Musikfreunde aus dem benachbarten Ausland vergessen, für einen Alan Jackson würden auch sie nach Deutschland kommen. Laut einigen Veranstalter müsste man aber hierfür ca. 70,00 € Eintritt ansetzten. Dies sei dem Fan aber nicht zumutbar … wirklich?

Wenn man sich jetzt überlegt, dass auf der “Black Eyes World Tour” von AC/DC, die kommt 2010 zum Abschluss nochmal nach Deutschland, die Karten zwischen 111,00 € und 145,00 € kosten, dann wären die 70,00 € doch ein richtiges Schnäppchen. Die AC/DC Konzerte 2009 waren alle ausverkauft, ja so ist er der echte AC/DC Fan. Allerdings ist es ja immer noch günstiger als ein Flug nach Down Under. Ähnlich würde es sich auch mit Alan Jackson verhalten. Manch ein Alan Jackson Fan kann aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation nie in die USA fliegen, für ein Deutschlandkonzert seines Lieblings könnte er aber das Geld aufbringen. Vielleicht denkt der ein oder andere Veranstalter darüber nach. Beim Recherchieren wird der Veranstalter auch feststellen, dass es für Deutschland, neben Alan Jackson im Grunde nur noch vier Künstler gibt die ähnliches Potential und Beliebtheit mitbringen: die Dixie Chicks, Brad Paisley, Garth Brooks und George Strait. Sorry, aber ein Keith Urban hat seine Chance in Deutschland richtig Fuß zu fassen vor geraumer Zeit leichtfertig vertan. Für Fehleinschätzung der Situation oder mangelnde Risikobereitschaft seitens der Veranstalter muss dann immer die Ausländersteuer als Argument herhalten, dass solche Konzerte hier bei uns nicht umzusetzen sind. Nur, Vater Staat ist nicht an allem schuld, da macht man es sich zu einfach.

Ein Kevin Kostner, der Alan Jackson nicht unbedingt das Wasser reichen kann, feiert ja auch eine erfolgreiche Tour. Man sollte dem Fan von vornherein nicht unterstellen, dass 70,00 € eine zu große Zumutung sein. (The Hag lässt grüßen) Das kann der Fan ja schon selbst entscheiden. Falls am Erfolg eines Alan Jackons Konzerts in Deutschland Zweifel angebracht sein sollte, gibt es auch noch die Möglichkeit sich dagegen zu versichern. Andere große Events werden ja auch abgesichert.

Nun, wenn der Fan sich mal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er sprichwörtlich Himmel und Hölle in Bewegung, um seinem Liebling nahe zu sein. Man beachte hier nur die jährlichen “Pilgerreisen” ins benachbarte Ausland. Ja, der Fan der Countrymusik hat es nicht immer leicht. Auch sie sind “kleine Helden”.
Wenn man genau hinschaut, finden sich auch im Bluegrass unter den Veranstalter ebenso “kleine Helden”. Sie hatten einfach Mut etwas zu bewegen. Frei nach dem aktuellen Media-Markt Slogan “Die machen einfach …”.

Hierzu gehört ein weiteres Phänomen 2009. Die Musik aus dem Süden der USA steht im Grunde höher im Kurs als Country. Dies zeigte der Abschluss der “Bluegrass Jamboree Tour”, speziell hier im südlichen Raum. Begeistertes Publikum und ausverkaufte Häuser.

Im Süden leben, bedeutet im musikalischen Countryparadies leben. Die Bluegrass-Hauptstadt Deutschlands heißt eindeutig Bühl. Hier findet bereits zum achten Mal ein Festival dieser Musikrichtung statt und die Zuschauerzahlen steigen stetig. In Birkenried, haben die Countryfreunde Kötz neben ihrem jährlichen Festival ein Bluegrass-Meeting aus der Taufe gehoben, augenzwinkernt gefragt: wer auch sonst? Nicht zu vergessen die tollen Wohnzimmerkonzerte von “Big” Herbert und natürlich, hier schließt sich der Kreis: das Four Corners, auch hier wird erstklassiger Bluegrass angeboten.

Man hat es ja schon immer gewusst, im Süden lebt sich’s einfach besser. Hohe Berge, nicht weit nach Italien ans Meer und viele gute Countrymusik, ach ja, die herrlichen Biergärten nicht zu vergessen.

Auch wenn 2009 nicht immer alles glatt lief, so schlecht war es doch gar nicht und der Steiger Mich von Rock’n Rodeo hat es immer schon gewusst: “oi’s is Bluegrass”. Sollte nur mal gesagt sein.

In diesem Sinne. Alles Gute für 2010. Allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg und Gesundheit. Vielleicht gibt es ja für die Zukunft doch einen ambitionierten Großveranstalter mit Visionen, ausgeprägtem Geschäftssinn, Mut und US-Produzenten, die zu ihrer Musikkultur stehen – dem Musikfreund wäre es zu wünschen.

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Larry Schuba (Solo)Lady Antebellum Tour 2012Country Festival Mannheim 2012

5 Kommentare »

  • Anni schreibt:

    Klar erkannt und gut geschrieben!
    DANKE!

    Der folgende Teil hat mir denn doch ein kleines Schmunzeln entlockt! Wen der Verfasser damit wohl meint?

    “Nun, wenn der Fan sich mal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann setzt er sprichwörtlich Himmel und Hölle in Bewegung, um seinem Liebling nahe zu sein. Man beachte hier nur die jährlichen Pilgerreisen ins benachbarte Ausland. Ja, der Fan der Countrymusik hat es nicht immer leicht. Auch sie sind kleine Helden.”

  • Michael schreibt:

    Es gibt Dinge im Leben, denen man einfach nicht entfliehen kann – so wie weiland Bill Murray dem treuherzigen Blick von Phil, dem Murmeltier. Klimawandel, Wirtschaftskrise oder Loddar und sein chronisch erfolgloser Kampf ums Eheglück – seit einiger Zeit hat sich ein großer Blonder aus Newnan, Georgia zu dieser illustren Runde gesellt: Kommt er – oder kommt er nicht? Und wenn er dann – wie befürchtet – wieder mal nicht gekommen ist, wer trägt die Schuld? Oder wem kann man sie wenigstens einigermaßen glaubhaft in die Schuhe schieben?

    Normalerweise war die Frage schnell und einfach beantwortet – der deutsche Countryfan als solcher, dieses ewig nörgelnde, nie zufriedenzustellende Wesen. Da wurde es wirklich Zeit, dass jemand kommt und den Fokus auf die wahren Schuldigen lenkt.

    Nichtsdestotrotz hat er es immer noch schwer genug, der Fan: Es reicht bereits, eine einfache Wahrheit gelassen auszusprechen, um den Stempel “Querulant & notorischer Nörgler” auf den Cowboyhut gedrückt zu bekommen. Die Tatsache, dass sich in Deutschland allenfalls die zweite (mit großem Wohlwollen, realistisch: dritte) Garde der US–Countryszene die Ehre gibt, kann man doch wirklich nicht mal beim allerschlechtesten Willen den beiden wackeren Galliern aus Untermeitingen anlasten. Die tun das, was für sie wirtschaftlich machbar ist – diese Erkenntnis haben sie Guido Westerwelle voraus – und da ist ein Open Air mit Phil – pardon: Alan – nun mal definitiv nicht drin.

    Warum kommen sie also wirklich nicht, die “großen Amis”? Hier ist der Fan (als solcher) überfordert, hier muß ein echter Fachmann ran und der Welt beweisen, daß in Deutschland nicht nur schnelle Autos und Pseudo – Superstars sondern auch einfache Antworten am Fließband produziert werden.

    Eine große Chance haben sie also vertan, die Sugarlands, weil sie, wie echte Ami – Superstars nun eben so sind, auf den deutschen Fan pfeifen, wenn sie ihre GI’s so richtig in Kriegsstimmung singen können.

    Wer ob solcher Klischees an jenen klugen Mann denkt, welcher einmal befand, der Horizont mancher Menschen sei ein Kreis mit dem Radius Null und das nannten sie dann ihren Standpunkt, kann sich wenigstens damit trösten, dass die nationale Ehre an der Heimatfront wieder hergestellt und ein hinterhältig angebotenes Interview heldenhaft abgelehnt wurde. Das ist stark, das hat wirklich Klasse, da werden sie das nächste Mal auf die Kaserne pfeifen, die Sugarlands und lieber auf dem Stadtfest in Oberammergau singen und falls unsere Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ein wenig neidisch auf ihre amerikanischen Kameraden sein sollten, weil sie über einen winzigen Bruchteil der gesellschaftlichen Anerkennung, wie sie in den Staaten selbstverständlich ist, froh und glücklich wären, dann sind sie schließlich selber Schuld.

    Und weil sie eben so sind, wie sie sind, die Amis können sie eben nicht wenigstens ein verfluchtes Mal über ihren Schatten springen und was von uns alten Europäern lernen.

    O.k.,o.k., es mag ja sein, dass Alan (der große Blonde), wenn er durch die Staaten tourt, von einem Konzert zum anderen zweimal die Strecke Berlin – Kopenhagen zurücklegt, ohne dabei überhaupt aus dem Bundesstaat herausgekommen zu sein. Und ganz bestimmt haben weder er noch sein Management je darüber nachgedacht, ob sich Maine, Oregon oder Alaska diskriminiert fühlen könnten, wenn sie, sagen wir, durch Tennessee und Texas touren.

    Aber hier in Europa gibt es Grenzen – das bestreitet noch nicht mal der olle Donnie Rumsfeld – und die sind verdammt noch mal heilig! Da ist der Eingeborene beleidigt, wenn er drüber muß und der Star sein Vaterland mit Nichtanwesenheit straft! (Was die Möglichkeit, daß die Bayern ob eines Konzertes in Hamburg vergnatzt sein könnten oder umgekehrt, in keinster Weise ausschließt.)

    Womit wir endlich beim schlimmsten Übel überhaupt wären – Manager und Plattenfirmen! Diese ruchlosen Turbokapitalisten schämen sich doch tatsächlich nicht, mit so was Heiligem wie der Countrymusic Geld verdienen zu wollen. Platten soll der Fan kaufen, Gewinne wollen sie einfahren – als wüsste nicht inzwischen jedes Kind, dass sich ein Unternehmer hierzulande mittlerweile für solches Ansinnen öffentlich entschuldigen muß.

    Und als wäre es damit noch nicht getan, versuchen sie des schnöden Mammons wegen hier Sachen einzuschleusen, da hätte man früher (also: ganz früher) glatt über ‘ne Kriegserklärung nachgedacht: Fiddlelose Countrymusik! Wo sie sie doch überhaupt erst von uns, den alten Europäern bekommen haben, die Fiddle!

    O.k, o.k., wenn man es so betrachtet ist eigentlich die ganze verfluchte Countrymusik irgendwie (und irgendwann) aus dem alten Europa über’n großen Teich geschwommen, sowohl die Instrumente als auch die ehrenwerten Vorfahren von Phil (pardon: Alan) & Co – von Countrymusik präkolumbianischer Indianer weiß die Forschung bis jetzt jedenfalls noch nichts. Und wenn wir ganz ehrlich sind, klingen die musikalischen Darbietungen der jungen Dame Taylor mit Fiddle genauso grenzwertig wie ohne.

    Aber – und hier braucht’s das wörtliche Zitat – “… der Amerikaner verfälscht lieber seine eigene Kultur, nur um ein paar Dollar mehr zu machen.”

    Ein solcher Vorwurf, erhoben aus einem Land, in dem an jedem zweiten Schaufenster ” Sale!” steht, unbeschadet der Tatsache, dass 95% der Kundschaft keinen Schimmer haben, was zum Teufen das heißen soll – d a s ist Slapstick pur, daran hätte vermutlich selbst Heinz Erhardt nichts auszusetzen gefunden.

    Und wer hat nun einen Ausweg aus dem ganzen Schlamassel – sozusagen das Schwert, das den Gordischen Knoten durchhauen kann? Na ganz klar – die wackeren Gallier! Asterix und Obelix müssen ihren alten Spezi Miraculix – den großen Zauberer – einen ganz besonderen Zaubertrank brauen lassen – einen, der jedem Fan sofort ein Konzert mit dem Star seiner Wahl vor seiner Haustür natürlich zum absoluten Schnäppchenpreis garantiert.

    Auf geht’s, Miraculix, spring über deinen Schatten, sonst ist nächstes Jahr wieder Murmeltiertag.
    Und das kann keiner wollen – noch nicht mal Phil, das Murmeltier.

    In diesem Sinne

    Michael (formerly known as The Lonesome Wolf)

  • Markus schreibt:

    Rhetorische Glanzleistung, Wolf, aber warum soviel Kunst der Beredsamkeit, nur um den
    ewig wiedergekäuten Populismus vom Rickal zu widerlegen?

    Winterloch…

  • Lonesome Wolf schreibt:

    Ich weiß, was du sagen willst:

    “Nur wenige sind wert, dass man ihnen widerspricht”
    (Ernst Jünger)

    In dem Falle konnte ich nicht anders – bitte sieh ´nem alten Mann den Moment der Schwäche nach :)

  • Markus schreibt:

    Wem, wenn nicht dir?

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