Exklusiv im Four Corners: Phil Vassar
2. Februar 2010 | Von Bettina Granegger | Kategorie: KonzertberichteSein bisher erstes und einziges Konzert in Deutschland gab Phil Vassar am 1. Februar 2010 im Four Corners (Untermeitingen) und machte in diesem Rahmen entschieden deutlich, dass er, wenngleich nicht kommerziell in der Oberliga zu finden, in seiner sehr speziellen musikalischen Welt zu den Besten gehört.
Auch diesmal bekam der Gast für sein Ticket nicht einfach die Show eines Top-Stars geboten, sondern ein abendumfassendes Gesamtpaket bemerkenswerter Country Music. Vom Auftritt der Schweizerin Britta T. bekam ich durch schneebedingt spätes Ankommen nur noch das Ende mit, wurde jedoch von einer unglaublich ruhig-zufriedenen Stimmung in der Music Hall empfangen, die sicher auch durch sie bedingt war.
Es folgte Daniel T. Coates, diesmal als Solist, und das Wohlbehagen steigerte sich. Es gibt kein Lied, dass dieser Künstler nicht wiederverwerten kann und zu seinem macht. Die Fähigkeit, mit der Aufmerksamkeit des Publikums zu spielen und sie zu nutzen, ist die seine. Immer und immer wieder. Hier stellte er nun auch seinen neuen Titel “Call Your Name” vor, der zum einen auf dem Sampler der CMM Berlin 2010 enthalten, zum anderen auch auf Dans neuem Album zu finden sein wird, das in diesem Sommer erscheinen soll.
Der Auftritt Phil Vassars dann begann mit ebensolcher Kraft, wie sie sich durch die folgenden 90 Minuten fortsetzen sollte. Es bedarf uneingeschränkter Energie sowie der inneren Freude, in kleinen Clubs zu spielen, und beides besaß der in Virginia geborene, heute mit seiner Familie in Nashville lebende, Sänger, Pianist und Songwriter. Das Piano sei sein Instrument, hatte er auch beim Back Stage-Gespräch wenige Minuten vorher bestätigt, hieraus entstehe seine Kreativität und die Verehrung für andere Pianisten, die er unter anderem in seinem Song “Where Have All The Pianos Gone?” zum Ausdruck bringt. Wenn er allerdings selbst ein Lied komponiere, habe er gleichzeitig dabei im Ohr, wie es später von einer Gitarre oder einem anderen Instrument gespielt klingen wird, erzählte er.
Wie genau nun unterschied sich diese Show von der anderer? Phil Vassar verzichtete auf jegliche schnörkelreiche Gestaltung seiner Musik. Diese war reduziert auf zwei Musiker, die seinen Vorgaben folgten, die wiederum scheinbar ohne einzwängendes Konzept existierten, vielmehr aus den Wiederspiegelungen des Publikums heraus lebten. Jeff Smith an der Gitarre und Jason Fitz an Fiddle und Mandoline machten einen Job, der offensichtlich nicht unter mehreren aufgeteilt werden muss. Und sie machten ihn perfekt.
Allein durch die bedachte räumliche Positionierung des Pianos war es Phil Vassar möglich, die ständige Verbindung sowohl zu Jeff Smith wie auch zu den Zuhörern zu halten. Durch immer wiederkehrende lässige Positionswechsel behielt er die Gebanntheit bei sich. Wer braucht eine Setliste, wenn er aus einem Kreativitätspool schöpfen kann, der variabel und gleichzeitig genial scheint? Er kramte in ein paar fliegenden Zetteln auf dem Klavier, freute sich, wenn er dabei schicksalshaft ein Lied in die Finger bekam, dass zur Situation im Augenblick passte, zeigt jedoch ebenso seine Dankbarkeit und fast kindliche Freude über Zurufe und Wünsche aus der Menge. Jeder Moment war für ihn wie eine Kostbarkeit, jede Antwort auf sein Tun war alles. “Six Pack Summer” wollte gleich zu Beginn jemand hören, “Carlene” und “Last Day Of My Life”. Ein Song, den seine Eltern immer spielten, tauchte in seinem unerschöpflich scheinenden Bewusstsein auf – “For The Good Times”, dann das von ihm geschriebene und auch durch Tim McGraw bekannt gewordene “My Next Thirty Years”.
Das offizielle Meet & Greet später im Nebenraum des Four Corners absolvierte der Künstler mit erwarteter Professionalität. Ihm jedoch reichte diese Nähe nicht aus, noch von der Bühne herab schüttelte er Hände und gab erste Autogramme.
Das Konzert von Phil Vassar wird zweifellos in der Erinnerung eine Qualität wie wenige andere behalten. Sein Handeln, das oberflächlich ohne Plan und Überlegung zu sein schien, das weiterführend jedoch alle Genialität an die Oberfläche beförderte, mit deren Wahrnehmung man während dessen fast überfordert war. Irgendein Teil des Verstandes hat alles davon mitgenommen und möchte es nicht mehr loslassen.
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Dieser Artikel wurde am 02. Februar 2010 von Bettina Granegger veröffentlicht. Bettina Granegger schreibt Konzert- und Festivalberichte!
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