Crystal Gayle, ein Hauch von Ryman in Albisgütli
Wer sich auf den Weg macht, das längste Country Music Festival der Welt zu besuchen, dem wird es nicht immer leicht gemacht sich festzulegen. Wie in jedem Jahr, war auch diesmal das Programm abwechslungsreich in den Stilrichtungen und mit nationalen und internationalen Bands besetzt. Die Macher des Festivals bewiesen bereits zum 26. Mal, dass sie mit der kreativen Auswahl des Programms den Geschmack des Publikums getroffen haben.
Mit Crystal Gayle kam zum Abschlusswochenende ein Superstar der Country Music nach Albisgütli. Auch wenn ihre musikalischen Erfolge schon etwas zurückliegen, so hat sie die Geschichte der Country Music mitgestaltet. Sie ist eine Vertreterin des Countrypop der 1970er und 1980er Jahre, auch wenn hin und wieder ebenso klassische Elemente in ihre Arrangements einfließen. Von 1970 bis 1990 war sie gegelmäßig in den US-Charts vertreten.
Mit ihrer sechsköpfigen, erstklassigen Band im Rücken, zeigte Crystal Gayle, dass sie nichts an ihrem Können eingebüßt hat. Mit dem “Tennessee Waltz”, Jay Patton am Saxophon ein Gedicht, wurde Crystal Gayle mit Applaus auf die Bühne gebeten. Bereits mit dem zweiten Song hatte sie das Publikum auf ihrer Seite.
Dieses griff dankbar den roten Faden auf, der sich bis zum Schluss durch das Konzert zog. Schmunzelt erzählte sie immer wieder kleine Geschichten und war dabei mit leichten Augenaufschlag überrascht wie lange das alles schon her ist.
Mit “It’s Been A Long Time” bedankte sie sich auch für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Allen Reynolds, der sie als Produzent zum Erfolg geführt hat. Ihre Stärke liegt eindeutig bei den Balladen und doch achtete sie darauf, das durch stetigen Tempowechsel der Songs keine Langeweile aufkam. Auf “I’ve Love The One You Loved Bevor” folgte eine ihrer wunderbarsten Balladen “Talking In Your Sleep”.
Das Publikum genoss gerade diese ruhigen Töne sehr entspannt und bedankte sich immer wieder mit begeisterten Applaus. Ein richtiger Höhepunkt war das Duett mit Will Barow “You And I”. Nicht ohne vorher an den verstorbenen Eddie Rabbitt (7.5.1998 an Krebs, 56) zu erinnern, mit dem sie diesen Nr. 1-Hit im Jahr 1982 im Original gesungen hat. Zwischendurch flirtete und flachste sie immer wieder mit dem Publikum. Scherzte, dass es doch sehr warm sei im Schützenhaus. Bei ihr daheim in Kentucky, haben sie früher einfach in der kleinen Hütte die beiden Türen aufgemacht und das war dann ihre “Aircondition”.
Mit einem Medley bekannter Songs, die sie am Anfang ihrer Karriere eingespielt hat, konnte sie das Publikum in ihren Bann ziehen. Dieses lauschte gespannt ihrer Interpretation der Hits wie “I’ll Get Over You”, “Never Gave Up On Me” oder “Baby, What About You”. Diese Art Stimme und Darbietung der Songs gibt es heutzutage gar nicht mehr.
Genau wie bei ihrem Auftritt in der Muppet Show (1980, Song: “River Road”) tänzelte Crystal Gayle immer wieder beschwingt über die Bühne. Auch die Zuschauer an den Seiten der Bühne wurden von ihr bedacht.
Mit dabei in der Band als Sängerin war ihre Schwester Peggy Sue Wright. Die beiden spannten mit dem Song “Coalminers Daughter” den Bogen zu ihrer gemeinsamen Schwester – Loretta Lynn. Crystal Gayle erzählte auch, dass sie im Mai zusammen auf Tour gehen. Peggy Sue ist eine kleine Komödiantin und ihr sitzt der Schalk im Nacken. Da sie gerne Witze erzählt, tat sie dies dann auch. Der Lacherfolg hielt sich aber in Grenzen, da kaum einer im Publikum den Witz so richtig mitbekommen hat. Dies bemerkte dann scherzhaft auch Crystal Gayle und neckte wiederum ihre Schwester.
Bei dem Song “Midnight In The Desert” konnte dann wieder Jay Patton am Instrument glänzen. War es vorher das Saxophon oder die Mandoline, spielte er bei diesem Titel ein außergewöhnliches Instrument mit einem eindringlichen, nachhaltigen Klang – die native American Flute. Jay Patton, eine richtige Marke als Musiker und Entertainer. Er hat als Multi-Instrumetalist und mit seinem Können Crystal Gayle fast ein wenig die Show gestohlen. Er alleine war schon die Reise nach Albisgütli wert. Mit dem Titel “Rocky Top” endete das erste Set. Wie an der Opry üblich, ging die Künstlerin mit der Musik von der Bühne.
In der Pause unterhielt der bekannte DJ Salm Duncan von “WSIX Nashville” das Publikum. Mit dem Klassiker “Can’t Help Falling In Love”, den Elvis Presley zum Superhit machte, flott gespielt am Saxophone von Jay Patton, kam Crystal Gayle zum zweiten Set wieder auf die Bühne. Sie hatte die Pause auch genutzt um sich umzuziehen. Mit dem Titel “Half The Way” nahm sie auch sofort wieder den roten Faden auf. Ihre markante Stimme, die nichts an Kraft verloren hat und dieser weicher, melodischer Countrypop, das ist der Sound den sie geprägt hat. Mit einem Medley diverser Songs (“Wrong Road Again”, “Somebody Loves You”) vom Anfang ihre Karriere ging es weiter. Getragen von einer gewissen Leichtigkeit bringt sie die Songs dem Publikum nahe. Bei dem Klassiker “Please Help Me I’m Falling” von Hank Locklin, wippte sogar die Bedienung während der Arbeit etwas verträumt im Rhythmus mit.
Ohne das Können von Duan Norman zu schmälern, so mutete der Titel “Little Drummer Boy” beim Solo am Schlagzeug doch etwas seltsam an, da dies doch als Weihnachtlied gilt. Crystal Gayle machte dann dann auch scherzhaft den Vorschlag weiter Weihnachtssongs zu spielen. Der “Little Drummer Boy” Duan Norman war hier an seinem Handwerkszeug aber ganz groß.
In typischer Crystal Gayle-Manier erinnerte sie mit “I Still Miss Someone” an Johnny Cash, den sie sehr verehrte. Gegen Ende kam dann auch einer ihrer größten und bekanntesten Hits. Zum Song “Don’t Make My Brown Eyes Blue” meinte Crystal Gayle, dieser hätte ihr Türen für ihre Karriere geöffnet, die sonst verschlossen geblieben währen. 1977 gewann sie mit dem Titel den Grammy und die Auszeichnung “Sängerin des Jahres”. Von der CMA wurde sie ebenso zu “Sängerin des Jahres” ausgezeichnet.
Mit einem beschwingten Medley aus bekannten und beliebten Gospelsongs wie “I Saw The Light”, “Somebodey Touch Me” oder “Fly Away” ging ein kurzweiliger und gelungener Abend zu Ende. Crystal Gayle und ihre Begleitband konnten das Publikum begeistern und überzeugen. Vom Tontechniker wurde darauf geachtet, dass die Lautstärke angenehm war, nicht störte und sogar noch leise Unterhaltung mit dem Nachbar möglich war. Beim Meet & Greet (organisiert von Maya Hagenbucher) vor dem Konzert mit der Künstlerin, zeigte sich Crystal Gayle ebenso herzlich und offen. Dies spiegelte sich auch beim Auftritt am Freitagabend wieder.
Den Veranstaltern von Albisgütli ist es durch die Verpflichtung von Crystal Gayle gelungen, einen kleinen Hauch von Ryman und Hollywood in die “heiligen Hallen” des Schützenhauses zu zaubern. Im Oktober 2009 erhielt Crystal Gayle erst den Stern Nummer 2390 auf dem “Walk Of Fame” in Hollywood.
Man darf gespannt sein, welchen Künstler die Veranstalter (Albi Matter, Show & Music AG, Gastgeber Georg Tännler, Schützenhaus Albisgütli) im Jahr 2011 aus dem Hut zaubern werden.
Wer es in all den Jahren noch nicht nach Albisgütli in Zürich geschafft hat, sollte sich für nächstes Jahr das Programm genau anschauen. Er wird mit Sicherheit etwas für sich finden. Um dann selbst das Ambiente und die Nähe der Stars im Albisgütli zu genießen.
Die Band: Jay Patton (Saxophon, Mandoline, Native American Flute u.a.), Peggy Sue Wright (Gesang), Duan Norman (Schlagzeug), John Kearns (Gitarre), Will Barrow (Piano).








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