Zurück zu den Ursprüngen – Country-Fest der Hot Potatoe Stompers e. V. mit Amarillo und Britta T. Band
Mistelgau (Oberfranken), 20. März 2010: Was haben sie uns genervt, diese prozedurorientierten Line Dance-Events mit stundenlanger Fremd- und Selbsthuldigung für ein Tun, das in der Weite des Country-Universums wenn überhaupt nur eine wirklich geringe Position einnimmt.
Der Kommunikationsfaktor war zeitweise viel zu lange nicht mehr die Musik, statt dessen war die Aufmerksamkeit auf das eigene Vereins-Ich gerichtet, mit dem man sich gegenseitig überbieten wollte. Live-Musik war, teilweise sogar als lästig empfundenes, Beiwerk auf Sport- und Party-Veranstaltungen. Viele haben bis heute nicht begriffen, dass sie dem Status der Country Music bei uns damit keinerlei Dienst erweisen, andere haben jedoch zum Glück nun adäquat auf diese Fehlentwicklung reagiert.

Die Hot Potatoe Stompers e. V., der erste Bayreuther Country- und Line Dance Club, ging mit seinem diesjährigen Fest zurück zur Basis und konzentrierte sich darauf, die Symptome der Mangelerscheinung im Country-System wesentlich zu heilen. Eine solche Entwicklung könnte langfristig sogar dazu führen, dass es wieder stabil und einheitlich funktionieren wird.
Nach wirklich kurz gehaltener Begrüßung der Vorsitzenden Rebecca Ready ging es direkt mit dem los, was einmal die Grundlage war – Country Music. Und das auch noch durchgehend mit zwei großartigen Bands im Wechsel, völlig ohne überflüssiges Pausen-Gehopse zu gänzlich Countryfremden Rhythmen aus der Dose. Einfach herrlich!
Britta T. aus der Schweiz und ihre Band aus dem Nürnberger Raum gehören für mich in die Kategorie derjenigen, mit denen man auf keinen Fall etwas falsch machen kann. Die Sängerin bringt ihre solide Musik mit dynamischer Lebensbotschaft dem Publikum nahe, wenngleich sie an diesem Abend zum Ende hin ein klein wenig in Gefahr geriet, damit zu übertreiben. Sicher ist es Aufgabe der Künstler, Einfluss auf die Stimmung zu nehmen, jedoch sind diesem einfach auch Grenzen gesetzt.
Der Saal des urigen Landgasthofs war zwar gut gefüllt, jedoch zum Erstaunen aller eben mit wenig Tanz-, dafür Zuhörwilligen. Zumindest waren auch mit der Ankündigung “Jetzt kommt ein Song für alle Line Dancer” keiner von diesen vom Sitz zu locken. Irgendetwas ist passiert. Ich weiß noch nicht genau, was, aber es ist gut so.
Möglicherweise geschieht gerade tatsächlich das, was einige prophezeit und viele ersehnt hatten – der klassische Line Dance stirbt aus und weicht einer neuen Generation, die gegen die angerichtete Vergiftung ankämpft, die uns seit “Achy Breaky Heart” bedroht.
Wertungen sind ein sensibles Thema. Wenn man jedoch die Aussage trifft, Amarillo sei Frankens beste Country-Band, dürfe es kaum Protest geben. So, wie sich die Gruppe um Frontmann Dirk Sebrowski, bekannt als Sebbo, eine Woche zuvor auf der Country Music Messe in Berlin präsentiert hatte, kann man sagen, sie haben hiermit ihr zumindest momentan höchst zu erreichende Limit erreicht. Eine gnadenlos perfekte Einheit mit konsequenter Bühnenpräsenz.
Jetzt in Mistelgau zeigten sie sich darin etwas reduziert, auch wenn sie hier sogar hochwertigste Ergänzung mit Dietmar Wächtler an der Pedal Steel und Helt Oncale an der Fiddle hatten. Schade, dass man den Steeler dann im hinteren Raum der Bühne platzierte. Man hätte der Vorprognose und der Erfahrung nach von dieser Besetzung vielleicht mehr erwartet, jedoch kann man sicher sein, dass es wieder ausreichend Gelegenheiten geben wird, in denen Amarillo ihr vollkräftiges Können beweisen werden.
Wie immer, wenn zwei gut kooperierende und mittlerweile befreundete Bands auf der Bühne stehen, scheint man um eine Session nicht herum zu kommen. Irgendwie war insgesamt von Seiten der Musiker eine allgemeine Zufriedenheit herbeizuführen. Bis zum Schluss sah man Two Stepper und Fox-Tänzer, während sich die Line Dancer weiterhin hartnäckig zurück hielten. Sehen wir es als Hoffnung auf Genesung und kommen zu dem Schluss, dass eine Aussicht auf Veranstaltungen besteht, auf denen man der Country Music und ihren Musikern um ihrer Selbstwillen die verdiente Würdigung zuweist. Der Beweis, dass es möglich ist, wurde erbracht.








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