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17. Country-Fest des Reutlinger Country Clubs e. V.

[31. März 2010 | 2 Kommentare | Von | Kategorie: Konzertberichte]

Reutlingen, 27. März 2010: Die Arbeit des RCC verdient Respekt. Den Fleiß und die liebevolle Hingabe für ihr Hobby, dass der 1. Vorsitzende Edmund Idziorek und seine Truppe seit 22. Jahren aufbringen, sind enorme und heutzutage seltene Eigenschaften.

Für das mittlerweile 17. Country-Fest war man in die minimal kleinere, jedoch um einiges gemütlichere Julius-Kemmler-Halle in Betzingen umgezogen. Ich bin sicher, der überwiegende Teil der Gäste hatte dort auch Freude. Der nämlich bestand aus Line Dancern, die einmal mehr bewiesen, dass sie fähig sind, sich von ihrer Umwelt komplett zu dissoziieren.

Andy KeinathFür alle anderen war lediglich die erste Stunde des Abends ein Hochgenuss. Andy Keinath, Musiker aus Pliezhausen bei Reutlingen, sendete eine klare Botschaft auf seine ganz eigene Weise. Erstmalig trat er mit seinem neuen Duo-Partner Peter Görz auf.

Dieser bringt seine langjährige Country-Erfahrung an der E-Gitarre – er spielte beispielsweise bei den Long Riders, der Hausband im Stuttgarter Longhorn Saloon, oder bei der Western Road Band – nun unterstützend ein und betont damit den wohlfühligen Umgang mit handgemachter American Music. Ein stimmiges Projekt, das eine Erfolgsgeschichte werden könnte.

Die Songauswahl von Andy Keinath orientiert sich an seinen Vorbildern, wie Merle Haggard, genauso wie an ausgesuchten Raritäten, beispielsweise von Alan Jackson oder George Strait. Der Schwabe ist ein Zauberer des Besonderen, führte hier mit seinem Partner eine beeindruckende Stimmung herbei, die zumindest für die wenigen Sensiblen im Raum fühlbar war.

Die LDs ignorierten auch dies gekonnt, schienen ohnehin nur auf die Chance in jeder Pause zu warten, ihre eigene Party mit mitgebrachtem Dosen-Gedröhne zu feiern. Mitgefangen im von ihnen vorgegebenen Modus mussten die übrigen Zuhörer, die vielleicht wegen Live-Musik gekommen waren, Suzi Quatro und andere Pop-Fehlplatzierungen über sich ergehen lassen, während sich die Tänzer für ihre wunderbare Leistung am Ende jeder Bewegungsinterpretation selbst zuapplaudierten. Eine echt kranke Welt.

Hier wäre es Aufgabe des Veranstalters gewesen, auf die klare Ankündigung des Abends mit “Country Music” hinzuweisen. Es bleibt die Frage, wen man hier letztlich zufrieden stellen möchte.

Komplett gegensätzlich zum Opening Act bot sich dann die süddeutsche Haupt-Band: 4 in Hand. Die vier Musiker, ehemals Montana Highway, ließen bereits mit den ersten Stücken eine Prognose erahnen, die sie tatsächlich unterhaltungsorientiert umsetzten. Es fand eine Zersetzung der definierten Country Music statt, eine scheinbar ziellose Aneinanderreihung von Gassenhauern aus dem vergangenen Jahrtausend mit unnützer Ausweitung in den Rock’n Roll- und Folk-Bereich. Wenn man schon Elvis-Titel bringt, ohne die man lt. Aussagen der (Country?-)Band nicht auskommt, sollte es wenigstens respektvoll und gut sein. Sämtliche Standards, die die Welt nicht mehr braucht, Songs, wie Big River, Folsom Prison oder Have You Ever Seen The Rain, die bereits von Dutzenden anderer deutscher Cover-Bands vorher schon zu Tode genudelt wurden, wurden gnadenlos ausgepackt.

4 in Hand

Der Hauch einer möglichen Rettung und Belohnung für das Durchhalten und Bleiben schien sich im 3. Set aufzutun, das rein akustisch gespielt wurde. Dass die vier Musiker mit ihren Instrumenten an sich umgehen können, wurde hier deutlich. Fragwürdig dennoch, was hier z. B. “Cecilia” von Simon & Garfunkel zu suchen hat.

4 in Hand scheinen mir die perfekte Unterhaltungsband für ein Fest zu sein, das ein allgemeines Publikum anspricht. Bestimmt wäre dort jeder happy, könnte mitsingen und wäre nicht mit der Darlegung und Definition von Country Music überfordert. Die problemlösende Fähigkeit sollte also sein, die Bestimmung einer Veranstaltung im Vorfeld der Planung genau zu definieren. Die langjährige Erfahrung der Reutlinger sollte dies möglich machen, denn im Kern weiß man hier durchaus, wo man hin will. Wenn es im nächsten Jahr gelingt, diese positive Grundabsicht durch eine Ausgewogenheit zwischen Publikum und Band zu gestalten, wird der Verein seine traditionelle Basis wieder in die Spur bringen.

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2 Kommentare »

  • Harry Walker schreibt:

    Der erste Teil war gut, der zweite Teil des Abends auch, die Anmerkung von Frau Bettina Granegger “Die Line Dancer” nerven? Der anwesenden an einer Hand abzuzählenden Musik Gomes kann man verstehen. Wenn man nicht LDs ist. Auch der Fox ist zu kurz gekommen.

    In einem Konzertsaal Walzer tanzen? Würde ich auch nicht. Country Music ist aber Leben, Lust, Schmerz und Freude und wenn die meisten Countrysängerinnen und Sänger nicht Englisch (Amerikanisch) singen würden, was zumindest die Deutschsprachigen durch aus auch mal könnten, würde ich den Text auch gerne zuhöhren.

    Bei alten amerikanischen Texten hat man schonmal die eine oder andere Übersetzung gehört. Es würde mich freuen, wenn sich jemand auch für die nicht Sprachbegabten einsetzen würde, aber dann würde die gute Country Music auch nichts nützen, wenn die Texte nichts taugen. Über die liest man kaum etwas, ausser wenn sich ein US-Präsident angesprochen fühlt.

    Und so ist dem Künstler doch die Ehre erbracht, wenn der Tanzboden kracht. Kleine Frage, hatten wir in Deutschland ein “richtiges” Countrykonzert? So ganz ohne Tanzfläche?

    Euer LDs Harry W. (54 Jahre)

    Für die Redakteure: Wäre nett meine Fehler zu verbessern, solltet ihr den Kommentar veröffentlichen. Sorry, Einstein konnte auch nicht fehlerfrei schreiben und mein Korrekturprogramm taugt nichts.

  • Freddy Rilke schreibt:

    Nun geht dieses leidige Thema wieder los. Die LDs denken die Zuschauer kommen nur ihret wegen, was aber gar nicht so ist. Bei unseren Veranstaltungen gibt es keine Tanzfläche vor der Bühne, diese befindet sich im hinteren Teil des Festzeltes, was sehr gut angenommen wurde Bis auf wenigen Ausnahmen (aber die brauchen auch nicht wiederkommen).

    Unser DJ hat eine klare Ansage bekommen was er mit den CD machen soll die irgendwelche LDs bei ihn abgeben(er soll sich für diese Spenden bedanken – wir verschänken diese Scheiben dann an Kinder die solche Rummelmusik mögen). Genauso ist es mit den Bands abgesprochen. Wir machen ein Countryfest mit den Hauptaugenmerk auf die Musik und keine Sportveranstaltung. Wer zur Countrymusik tanzen kann, soll tanzen, wenn er es nicht kann muß er es eben bleiben lassen.

    In diesen Sinne
    Freddy

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