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Willie Nelson: Country Music

[20. April 2010 | 1 Kommentar | Von | Kategorie: CD-Besprechungen]

Gemeinhin wird Willie Nelson gerne als genre-typischer Countrymusiker und als einer der Väter der Outlaw-Bewegung angesehen. Doch tatsächlich hat kein Künstler dieser Sparte derart Spaß daran, die Genregrenzen zu überwinden, sich als Wanderer zwischen den Musikwelten zu bewegen, wie der mittlerweile bald 77-jährige Texaner. So hat er sich in den letzten Jahren u.a. in Reggae, Jazz und Blues versucht und erst im letzten Jahr mit “Asleep At The Wheel” zusammen ein Western Swing-Album eingespielt.

Mit seinem neuen Album – es erscheint am 23. April – kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. “Country Music” heißt das wunderschöne Werk. “Das ist meine Definition von echter Country Music”, erklärt Nelson die Wahl des Albumtitels. Geholfen hat ihm bei dieser Definition der in diesen Tagen schier omnipräsente Produzenten-Impresario T-Bone Burnett. Gerade erst hat er Jakob Dylan ein künstlerisches Karrierehoch beschert, hilft seine kongeniale Produktion nun Nelson, 15 Songperlen der Country Music in einzigartiger Manier zu interpretieren.

28 Songs hatte Burnett zur Anbahnung ihres ersten gemeinsamen Musikprojekts an Nelson geschickt. Der addierte eines dazu, sechs Stücke wurden vor dem Aufnehmen aussortiert, fünfzehn Songs schafften es schließlich auf die CD. Das Ergebnis der musikalischen Mathematik von Nelson und Burnett ist beeindruckend. Mit Hilfe seiner exquisiten Begleitmusiker – u.a. Buddy Miller an der E-Gitarre, Nelsons langjährigem Mitspieler Micky Raphael an der Mundharmonika, Ronnie McCourie an der Mandoline sowie Jim Lauderdale als Background-Sänger – schafft es der Outlaw Veteran auf der in Nashville aufgenommenen Scheibe altbewährten Klassikern wie “Dark As A Dungeon” von Merle Travis, Doc Watsons “Freight Train Boogie” oder Hank Williams’ “House of Gold” neues Leben einzuhauchen und neue Facetten abzugewinnen.

Bei dieser Produktion stimmt einfach alles: Das Gefühl für die Seele der Musik, für die Instrumente und ihre Möglichkeiten und die technischen Fertigkeiten der von Burnett handverlesenen Musiker. Weitere Highlights sind die schöne Version von “Satisfied Mind”, “Pistol Packin’ Mama” – hier kehrt Willie wieder zum Western Swing zurück – sowie die Bluegrass-Hymne “Ocean of Diamonds”. Heimlicher Hit des Albums und erste Video/Single-Auskopplung ist die alte, bittersüße Bill Mack Smith-Nummer “Drinking Champagne”: “Sentimental Willie” at his best!

Fazit: Mit “Country Music” haben Nelson und Burnett ein Meisterstück vorgelegt, dass voll in Herz und Seele der Country Music trifft und gleichzeitig weit weg vom heutigen Mainstream des Genres ist: Ein musikalisches Kleinod.

   
Country Music
CD: “Country Music”
Veröffentlicht: 2010
Label: Decca (Universal)

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Trackliste:

01. Man With The Blues
02. Seaman’s Blues
03. Dark As A Dungeon
04. Gotta Walk Alone
05. Satan Your Kingdom Must Come Down
06. My Baby’s Gone
07. Freight Train Boogie
08. Satisfied Mind
09. You Done Me Wrong
10. Pistol Packin’ Mama
11. Ocean of Diamonds
12. Drinking Champagne
13. I Am A Pilgrim
14. House Of Gold
15. Nobody’s Fault But Mine

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1 Kommentar »

  • André Beßler schreibt:

    Willie Nelsons legendäre Bedeutung für die Countrymusic ist unbestritten; er ist einer der erfolgreichsten Künstler dieses Genres überhaupt. Mit dieser CD schlägt er sein persönliches Songbook auf. Die Stücke klingen so, wie sie sich schon vor Jahrzehnten angehört haben. Er hebt das Album auf ein sehr angenehmes Bluegrass-Feeling und bringt die Texte mit klarem Gesang rüber. Willie Nelson war stets ein unangepasster Charakter, wechselte oft das Plattenlabel und hat gekonnt Folk-, Blues-, Jazz- und Pop-Elemente in seine Musik einbezogen. Mit “Country Music” kehrt er zu seinen Wurzeln zurück.

    Der Titel des Albums zielt hoch, doch er ist durchaus angemessen. Denn hier schlägt der Puls der Countrymusic. In eher bescheidenem Wohlstand aufgewachsen, hat Willie Nelson in seinem Leben einen großen musikalischen Reichtum in die Welt gebracht. Sowohl seine Eigenkompositionen (hier: “Man With The Blues”) als auch seine Coverversionen zeugen von Stil und Charakter. Es kann niemanden überraschen, dass er weit über das eigene Genre hinaus Freunde gefunden hat. Mehr noch: Wir können uns freuen, zu selben Zeit auf der Erde zu leben wie dieser Mann..

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