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Bühler Bluegrass Festival 2010

Danny June Smith - Hier bestellen oder weitere Informationen

Das 8. Internationale Bühler Bluegrass Festival am 14. und 15. Mai 2010 hat sich erneut als großartiger Erfolg erwiesen. Mit Singer-Songwriter-Legende James Talley, der Old Time Formation Uncle Earl und den Überraschungsgewinnern The Sons Of Navarone aus Belgien waren zum klassischen und modernen Bluegrass sowohl große Vielfalt, als auch hoher Unterhaltungswert hinzugetreten.

Die zweitägige Auslegung erweist sich als segensreich und bietet den Besuchern ausgedehnte Gelegenheit, Stadt und Umgebung zu ergründen. Am Samstag fand ein historischer Moment statt, als die German Bluegrass Music Association gegründet wurde, die rasch auf mehrere Dutzend Mitglieder angewachsen ist.

Organisator und Moderator Walter Fuchs zeigte sich nach dem Festival mit allen Ergebnissen sehr zufrieden, wenngleich selbst für den ausgefuchsten Fachmann wieder Überraschungen im Angebot waren. Zunächst nahm das Festival aber seinen gewohnten Verlauf, als am Freitag um 19:00 Uhr 4 Wheel Drive ihre beiden Eröffnungssets spielten. Der Saal im Bürgerhaus Neuer Markt hatte sich rasch weitestgehendst gefüllt. In klassischer Fünferbesetzung brachte die Band niveauvollen Bluegrass der klassischen Ausrichtung. Die Besetzung hat sich seit 2003 verändert, damals waren sie beim 01. Bühler Bluegrass Festival bereits dabei und hatten einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Inzwischen ist die Band fast noch versierter, Ulrich Sieker von Groundspeed/Looping Brothers ist seit rund einem Jahr an der Mandoline das neueste Mitglied der Band. Mit Joost Van Es aus Holland stand erneut der sensationelle Fiddler auf der Bühne, der den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Gleiches gilt längst für Jürgen Biller am Banjo, der mehr und mehr als bester Banjo Spieler Europas gehandelt wird, und in Bühl fast ein Heimspiel hatte, aufgewachsen am Bodensee, wohnhaft in Stuttgart. Gesanglich setzt Alfred Bonk in dieser Formation neben Joost Van Es mit seiner Tenorstimme Akzente.

Uncle Earl und 4 Wheel Drive

Mit Begeisterung wurden 4 Wheel Drive vom Bühler Publikum zurückempfangen. Ihr exzellentes Zusammenspiel funktionierte bei Klassikern von Jim & Jesse, Flatt & Scruggs oder Bill Monroe ebenso wie bei adaptierten Country Songs wie „Don’t You Believe“ von Don Williams. Joost sang mit tiefer Stimme „Me & My Fiddle“, oft war mehrstimmiger Satzgesang angesagt, ein Markenzeichen des Bluegrass. Rasante Instrumentals waren von Jürgen Biller am Banjo geprägt, z.B. in seiner Eigenkomposition „Banjo Pickin‘ Time At The Old Ranch“, die feinfühligen Töne machen es aber mindestens genauso aus. Diese hatten vor allem ihre Berechtigung, als Jolanda Peters aus Utrecht als Sängerin hinzutrat. „If I Needed You“ von Townes Van Zandt fand eine wundervolle Interpretation, ebenso wie „I Don’t Believe You’ve Met My Baby“ von Autry Inman oder Dolly Parton’s autobiographischer „Coat Of Many Colors“. Melodiös war „I Wish You Knew“ und sogar Hank Williams fand einen ehrenvollen Platz bei „I’m So Lonesome I Could Cry“. „Walkin‘ In Jerusalem“ brachte den Gospelaspekt auf die Bühne und „I’ll Go Steppin‘ Too“ trifft die Aussage, dass auch der betrogene Partner mal ein Tänzchen wagt und fremden Lippenstift nach Hause bringen kann. Die Aussage, der Bluegrass stammt aus Holland, wurde durch „Uncle Pen“ belegt, 1932 verstorbener Onkel von Bill Monroe. Sein Nachname Vandiver ist holländisch und sein Fiddlespiel hat nicht nur den jungen Bill Monroe geprägt, sondern damit auch den Bluegrass beeinflusst, anders ausgedrückt, Pendleton Vandiver hat den Amis gezeigt, wie man Bluegrass spielt. Naja, Bluegrass gibt’s erst seit 1946, aber im Ansatz stimmt die Aussage natürlich, denn die Monroes waren eher verschlossen, während die Vandivers aufgeschlossene Leute waren und so Bill’s jugendliche Neugier beflügelt haben. Nach dem „Orange Blossom Special“ durften 4 Wheel Drive nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen, hier hatte Mark Knopfler noch eine Rolle einnehmen dürfen, „The Next Time I’m In Town“.

Uncle Earl sind auf vierwöchiger Europatourne und bringen ihre Neo Old Time Music einem staunenden Publikum nahe. Sie überraschen insoweit, als fünf junge Damen die Musik aus der Zeit vor der Entwicklung des Bluegrass aufgreifen und in eigener Form weiterentwickeln. Vorbei an Bill Monroe und seinem klassischen Bluegrass sind Uncle Earl seit 10 Jahren auf dem Sektor der Old Time Music eigenständig kreativ. „Bowling Green“ brachte die Mädels rasch in Fahrt, aber auch eigene Lieder konnten gefallen wie „One True“. „Sugarbabe“ wurde als „Schnuckiputzi“ übersetzt, wer ihnen wohl den Zugang zur deutschen Sprache so treffend eröffnet hat? Der Tanz wurde zeitweise in die Bühnenshow eingebaut, begleitet von der Fiddle. Zärtlich kam „Virginia Is For Lovers“ daher. Bekannt war natürlich Ola Belle Reed’s „I’ve Endured“. Häufiges Durchwechseln der Instrumente belegte die breiten Talente der Künstlerinnen, die auch verschiedene Banjos und Kontrabass im Aufgebot hatten.

Ein gemeinsames Finale von Uncle Earl und 4 Wheel Drive vereinte die jungen Mädels mit den „alten Herren“, „Angel Band“ und „Angeline The Baker“ klangen zur Freude des Publikums wie lange geprobt, ohne Schwachpunkte. Das galt sicherlich für den ganzen Abend, wenngleich natürlich Old Time Music nie so geschliffen und perfektioniert präsentiert wird, wie der eigentliche Bluegrass, was aber nur wenige als negativ empfanden.

James Talley

Im Gegensatz zu den Vorjahren zeigte sich das Wetter am Samstag von seiner kühlen und bewölkten Seite. Dennoch stand der Johannesplatz gegen 10.30 Uhr voll mit Interessenten, die Bluegrass live erleben wollten. 4 Wheel Drive und ab 12:00 Uhr The Midnight Ramblers begeisterten das Publikum mit Perlen aus ihrem jeweiligen Repertoire. Die Midnight Ramblers hatten ihrem Namen alle Ehre gemacht, nachdem sie aufgrund einer Umleitung unter Einsatz von GPS für eine Vierzigminutenstrecke vom Flugplatz ins Hotel drei Stunden gebraucht hatten, und schließlich früh morgens ankamen. Nach kurzem Schlaf und ohne Frühstück standen die vier jungen Männer aus dem ländlichen Virginia um 12 Uhr erstmals auf einer deutschen Bühne und ließen Keith Whitley erklingen, als sei er noch unter den Lebenden, „I’m Over You“. Ihre traditionelle Bluegrass Musik kam trotz aller Umstände zuverlässig wie aus einem Guss.

Ab 14 Uhr erklang die Musik der G2 Bluegrass Band auf der Bühne des Bürgerhauses. Mit ihren an die Infamous Stringdusters erinnernden modernen Läufen kamen sie von Anfang an sehr gut an, auch wenn sie im ersten Set weniger auf ihre CD eingingen, vielmehr Fremdmaterial vorstellten. Aber auch im Abendset hatten sie mit „In The Early Morning Rain“ einen Standard gespielt, der in ihren Händen bestens aufgehoben war. Die Band spielt derart hochklassig, dass sie regelmäßig in den USA tourt, z.B. zwei Wochen nach Bühl für vier Monate. Das Quintett zeichnete sich durch den Einsatz eines Dobros aus und gewann leichter den Zugang zum Publikum, als dies oft den amerikanischen Vorbildern gelingt.

James Talley aus Oklahoma war der Star des Festivals. Obgleich schon im Rentenalter singt er nach wie vor mit heller, klarer Stimme und wachem Geist. Seine Lieder lassen beim Zuhörer rasch einen Film vor dem geistigen Auge ablaufen, so präzise und lebendig ist seine Sprache. „Trying Like The Devil“ war 1976 beim Capitol Label sein erster Hitparadenerfolg in Billboard’s Country Charts, die Nummer klang so frisch wie damals. 4 Wheel Drive begleiteten den Meister, sie hatten seit Monaten anhand seiner CD’s sich vorbereitet und konnten einige Tage im Vorfeld des gemeinsamen Auftritts gemeinsam mit Talley proben. Jürgen Biller brachte abwechselnd Banjo und Dobro zum Einsatz, Jan Michielsen war von der Gitarre auf die Mandoline gewechselt, Ulrich Sieker hatte somit dienstfrei. Das Zusammenspiel klappte vorzüglich. „Cherokee Maiden“ hatte Talley für seine Frau geschrieben, die indianischer Abstammung ist, er selbst ist ein achtel Native American. Mit seinen feinfühligen Texten überwindet James Talley spielend die in manchen Köpfen noch existente Grenze zwischen Singer-Songwriter und Bluegrass. „Richland Washington“, in dem er die Atomindustrie als tödlichen Irrweg der Menschheit entlarvt, musste er auf Wunsch des Publikums im Abendprogramm nochmals singen, nur der Meister und seine akustische Gitarre, reiner und authentischer geht’s nicht. In „Chief Joseph“ würdigte er den indianischen Häuptling der Nec Perce, der 1877 das Ende des Blutvergießens befahl, als junge Krieger weiterhin sich gegen die Umsiedlung ins Reservat mit Gewalt wehren wollten. Am Ende seines ersten Sets stand noch sein Klassiker „Calico Gypsy“.

Am Abend hatte James Talley weitere Lieder seines überaus reichhaltigen Repertoires vorbereitet, „Crazy Horse“ hatte wieder die Native People zum Inhalt. Seinen größten Hit „Are They Gonna Make Us Outlaws Again“ von 1976 erläuterte er so, dass er ihn während des ersten Ölembargos wenige Jahre zuvor geschrieben hatte. Die Trucks blockierten die Straßen und mussten sich anhören, dass ihr Protest rechtswidrig war. Sie replizierten, dass ein Mann, der seine Familie nicht mehr ernähren kann, wohl zum Gesetzesbrecher wird. Viel zu früh sang er „When The Fiddler Packs His Case“, was Joost dazu veranlasste, wirklich schon einzupacken, nur für wenige Momente freilich. Dennoch blieben nur noch die Zugaben, u.a. „So Long, It’s Been Good To Know You“ von Woody Guthrie. Nach 26 Jahren war James Talley erstmals wieder in Deutschland, sein Besuch auf dem Bühler Bluegrass Festival wird allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben.

Die Midnight Ramblers zeigten, dass sie trotz Übermüdung „Head Over Heals In Love With You“ sein konnten. Obwohl sie von der Altersstruktur her die jüngste Band waren, brachten sie den traditionellsten Bluegrass zu Gehör. Ihre ländliche Herkunft und ihr Umgang mit Sprache und Musik würde sie treffend eher dem Open Air am Geburtshaus von Bill Monroe abgehaltenen Jerusalem Ridge Festival in Rosine, Kentucky zuordnen, als dem Fan Fest der IBMA im Nashville Convention Center. Wie man ihrer Musik entnehmen durfte, gibt es auch in ihrer Heimat „Cold Virginia Rain“ und „Blue Virginia Blue“ zeigte, dass sie schon tief in die Materie eingetaucht sind.

Finale

Die Überraschungsband des Festivals waren klar The Sons Of Navarone aus Belgien. Nachdem Carrie Hassler & Hard Rain ihre bereits offiziell angekündigte Europatournee überraschend abgesagt hatten, schüttelte Walter Fuchs rechtzeitig im Herbst 2009 dieses Quartett aus dem Nachbarland Belgien aus dem Ärmel, das noch nie in Deutschland gespielt hatte. Ob ihrer genialen Bühnenshow war letztlich selbst er baff, so gut mischten sie musikalisches Können mit Spielwitz und verbalem Humor. Eugene O’Brien (GB) bediente das Banjo und führte elegant durchs Programm, als Sänger agierte er nur ansatzweise, was im Rahmen einiger Stücke gelungen karikiert wurde. Gesanglich spitze, konnten sie die Aufmerksamkeit des Publikums vom ersten Augenblick an auf sich ziehen und hielten das Niveau über beide Sets hinweg. Ihre Lieder kannte man irgendwie, meist waren es Hits aus dem Bluegrass und anderen musikalischen Gebieten. „Gone At Last“ war schmissig, „Walls Of Time“ von Bill Monroe und Peter Rowan hintergründig und Phil Rosenthal’s „Muddy Water“ mehr als aktuell, denn unmittelbar vor dem Festival holte das Überschwemmungswasser sich in Nashville und Umgebung so manches traute Heim einschließlich Inhalt. „Dancing Queen“ war von ABBA und die raffinierten Gesangsarrangements hatten sie unwiderstehlich gut drauf, „Head Over Heals“ auch hier, einschließlich Eugene O’Brien mit Gesangseinlagen. Der Fun Faktor war ein wichtiges Element ihrer Auftritte, die musikalische Integrität wurde hierdurch in keinster Weise tangiert. Richard Thompson wurde interpretiert und die ausgedehnte Version von „Workin‘ On A Building“ führte zu Standig Ovations. „Rozemieke“ folgte, die flämische Version von „Little Miss Blue Eyes“, die Bassist Guido Bos auf Anfrage der flämischen Folk Organisation „Muziekmozaiek“ für einen CD-Sampler im Dialekt seines Heimatorts verfasst hat. Geswingt hat’s bei „Detour“ und das Kamasutra für Bluegrasser hieß „How Mountain Girls Can Love“.

Das große Finale aller Bands des Tages brachte eine gefüllte Bühne und einen zum Kochen gebrachten Saal zusammen. „Roll In My Sweet Baby’s Arms“ oder „Will The Circle Be Unbroken“, verbunden mit standing ovations und grenzenloser Begeisterung im Publikum, das war der Höhepunkt einer insgesamt in jeder Hinsicht gelungenen und erfolgreichen Veranstaltung. Im Rahmen des Abendprogramms ab 19 Uhr bat Walter Fuchs zudem die Gründungsmitglieder der German Bluegrass Music Association e.V. auf die Bühne, die am selben Tag anlässlich des Festivals ins Leben gerufen wurde. Unter www.bluegrass-germany.de kann man über Inhalte und Ziele dieses Dachverbands für Bluegrass in Deutschland mehr erfahren und für 15 EUR Beitrag Mitglied werden, um die Entwicklung des Bluegrass in Deutschland zu unterstützen. Am 13. & 14. Mai 2011 steigt das 09. Bühler Bluegrass Festival, dann u.a. erstmals mit schweizer Beteiligung.

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