Der Flut zum Trotz – erfolgreichstes CMA-Festival aller Zeiten in Nashville
Anfang Mai 2010 war in mehreren Bundesstaaten im Süden der USA aufgrund starker Unwetter und daraus resultierender Überflutungen der Notstand ausgerufen worden. Auch der Cumberland River war im Bereich von Nashville über seine Ufer getreten und setzte Teile der Stadt meterhoch unter Wasser. Eine menschliche Katastrophe in erster Linie, eine wirtschaftliche dazu, wären die enormen Einnahmen durch das CMA-Festival für den Tourismus weggefallen.
Aus unglaublicher Motivation heraus wurde das Möglichste getan, um zumindest die wichtigsten Anlaufpunkte in aller Kürze wieder in Stand zu setzen. Der Fleiß wurde belohnt, Besucher aus 26 Ländern unterstützten die Stadt durch ihr Kommen. Laut Veranstalter handelte es sich um das bisher erfolgreichste Festival in der Geschichte der CMA. Die Single Night-Tickets waren für alle Abende ausverkauft.
Beim ersten Besuch ist man von den Eindrücken fast überfordert. Gelähmt vom Überangebot ist gezieltes Selektieren sinnvoll. Erleichtert wurden die Entscheidungen durch die Hitze von über 40 Grad Celsius, die in dieser Jahreszeit auch für Tennessee ungewöhnlich war. Somit sparte man sich besser das atemlose Herumhetzen oder Ausharren in der Sonne.
Eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Stöbern im klimatisierten Raum bot das Convention Center mit der Messe für geduldige Autogrammjäger und Souvenirsammler, an das auch eine von der Firma Durango Boots gesponserte Akustik-Bühne angegliedert ist. Ein Ort der wahren Kunst und ein Forum für teilweise noch unbekannte Musiker gleichermaßen wie für bekannte, wie Lynn Anderson, The Wrights oder die Bluegrass-Top-Band The Grascals.
Auf der Chevy-Bühne gegenüber war beispielsweise Mark Wills zu erleben, der sich deutlich lässiger präsentierte, als man ihn bisher kannte. Ebenso Jason Boland & The Stragglers, eine junge Band aus Texas mit viel zu selten gespielter moderner und dennoch traditioneller Country Music.
Auch bei den Abendkonzerten im LP-Field war dieser Trend noch oder wieder zu erleben. Bands und Musiker, die sich dem Druck nicht unterwerfen, ihre Musik in eine Richtung treiben zu lassen, die sich von Country immer weiter entfernt. In beständiger Handlungskonsequenz halten beispielsweise Brad Paisley, Alan Jackson, die Zac Brown Band, Josh Turner oder Newcomer Easton Corbin dem Ursprung verlässlich die Treue, wenngleich sie dadurch möglicherweise erschwerten Bedingungen ausgesetzt sind und ihr eigenes Potential von der Massenindustrie immer wieder in Frage gestellt wird. Ihr Selbstbewusstsein erlaubt es ihnen jedoch, ihre geistige Beweglichkeit immer wieder zu aktivieren und das schafft Zuversicht.
Ungünstige fremdartige Handlungen waren jedoch leider ebenso gegeben. Bei Experimentalisten, wie Darius Rucker oder Kid Rock, und Pop-Küken, wie Kellie Pickler oder Julianne Hough, bleibt die Frage nach den Inhalten ihrer Shows offen. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Country Music mögen zwar weit sein, sind irgendwo aber dann doch begrenzt. Einigen gelingt es, dieses Ganzheitliche auszuschöpfen und sich im gesteckten Rahmen zu bewegen. Tim McGraw, Keith Urban, Billy Currington, Randy Houser, Blake Shelton oder auch Trace Adkins schafften das Aufzeigen von Harmonie zwischen Country und Rock in vielfältigen Ansätzen.
Eine intensivere Kommunikation mit dem Künstler als im Stadion ist in den zahllosen kleinen Musikkneipen und Saloons gegeben. Im Second Fiddle, dem Legends Corner oder im Wildhorse Saloon wird ohne Pause der Nachweis erbracht, dass Country Music lebt. Talente werden hier aufgedeckt und die Einschätzung derer dem Publikum direkt ermöglicht. Einige der hier geäußerten Träume und Visionen werden eines Tages vielleicht belohnt, bei andere bleibt es dabei, dass die persönlichen Anlagen nicht über das bisherige Maß hinaus gefördert werden.
In Zusammenschau der zahllosen Eindrücke des CMA-Festivals ist der unblockierte Gesamtfluss der einzelnen Schritte spürbar, mit der sich die Country Music aus der Vergangenheit hin zu ihrer Ziel-Position in der Zukunft bewegt. Der Effekt der Verwirklichung des Pflegens von Traditionen auch in der heutigen Zeit tut gut. Während man sich in Deutschland als Country-Fan doch meistens als Mitglied einer Randgruppe empfindet, kann man hier während dieser Tage seine Empfindungen mit tausenden von Gleichgesinnten ausleben.
Die perfekte Organisation als Komplettsystem, in der alle Vorgänge bis auf wenige Ausnahmen reibungslos ineinandergreifen, lässt eine entspannte Gestaltung zu. Durch Überschneidungen der Auftritte ist es schlichtweg nicht möglich, das ganze musikalische Angebot wahrzunehmen. Besser, man setzt sich nicht selbst unter Druck, sondern versucht, die ganz persönliche Kriterienfolge einzuhalten. Auch die Pressekonferenz am Abend lief teilweise parallel zum Konzert, so dass die eigene Wichtung entschied, von welcher Situation man am meisten profitieren könnte.
Die Komplexität des CMA-Festivals und der anderen Angebote rund um die Country Music in Nashville weckt uneingeschränkte Begeisterung. Gleich, welchem Künstler oder welcher Darbietung man seine Aufmerksamkeit schenkt, die Konzentration auf die Musik als Wesentliches in solcher Form ist einzigartig. Wenn dieser Treffer im Innern einmal gelandet ist, bleibt das Bild detailliert bestehen, das schon lange in der Fantasie bestand, durch das Erleben nun darüber hinaus noch ausgeschmückt wurde. Die Beziehung zur Country Music kann sich formen und sie wird in einem neu entwickelten Selbst ihre weitere Gestalt annehmen.








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