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Befähigt für Besonderes – Dale Watson & His Lone Stars am 7. August 2010 in der Four Corners Music Hall in Untermeitingen

[11. August 2010 | 2 Kommentare | Von | Kategorie: Konzertberichte]

Unausgesprochene Regeln gelten, wenn sich Kult-Künstler Dale Watson die Ehre gibt. Wieder war es das Four Corners, wo er im Rahmen seiner diesmaligen Europa-Tour Deutschland besuchte und auf seine individuelle Weise zeigte, wie Honky Tonk Music zu klingen hat.

Das in Bayern per Volksentscheid eingeführte Gesetz zum Nichtraucherschutz bestand gerade eine Woche. Bewiesen wurde, dass es offensichtlich auch einer Country-Bar nicht schadet, sondern, im Gegenteil, die Qualität des Gebotenen darüber entscheidet, was das Publikum wahrnehmen möchte. Es war voll wie nie zuvor bei Dale Watson-Konzerten, eine Bestätigung, dass der Anspruch an Außergewöhnliches vorhanden ist. Sogar aus Österreich und der Schweiz war man angereist, das Interesse an dem Texaner erstreckte sich auch in die umgebende Rockabilly-Szene.

Diesmal ohne Vorband begann die Show direkt mit bewusster Darstellung des Wesentlichen. Das Ergebnisbild beinhaltete Dale Watson als Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das Publikum mit eingeschlossen in diese perfekte farbige und aufwendige Situation voller Gefühlsreaktionen und Begeisterung. Neue Wege zu gehen, war nicht nötig, seine gering umbesetzte Band präsentierte sich einheitlich und übernahm zusammen mit ihrem Frontmann die volle Verantwortung für das Geschehen. Neu bei den Lone Stars am Kontrabass war Chris Crepps, der sich auch mit Background-Gesang perfekt einfügte. Brillant wie immer am Schlagzeug Mike Bernal, Don Pawlak an der Pedal Steel und Don Raby an der Fiddle. Jeder konnte als Teil des Ganzen gesehen werden, das Ja-Signal war gegeben, ohne dass jemand den Sinn zu formulieren hatte. Eine derartige Einheitlichkeit ist Grundvoraussetzung, jeder brachte seine Untereigenschaften ein und stand dabei in Gleichklang mit dem Sänger.

Dale Watson und Band

Aus Erfahrungen und Erinnerungen der Vergangenheit heraus war klar, dass es ein Konzert von Dale Watson ohne Tequila nicht geben kann und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Tabletts mit gefüllten Gläsern die Bühne erreichten. Darauf kleine Zettel mit Songwünschen – “the best way to make a request”, wie er bemerkte. Jetzt war er mittendrin, spielte auf Zuruf seine bekanntesten Hits und brachte Klassiker auf die Lichtseite, schenkte ihnen seine Individualität.

Darin eingestreut stellte er Songs aus seinem neuen Album “Carrying On” vor, das in diesen Tagen erscheint und auf dem er sich deutlich sanft und melodisch gibt. Sehr schön daraus “Flower In Your Hair” oder “Hey Brown Bottle”. Ein weiteres seiner Machwerke, mit denen er seine Position verdeutlichte, die er allein inne hat und aus der ihn auch niemand jemals verdrängen können wird. Zwischen Dale Watson und seinen Fans fand über die Jahre eine einzigartige Vertrauensbildung statt, die Bestand hat. Vielleicht eine Ausflucht aus den standardisierten Schemen, die man auch uns hierzulande oft vorgeben möchte.

Über 4 Stunden stand die Band auf der Bühne, dazwischen eine etwas längere Pause, die höchstens für Gesprächsaustausch und von einigen für Nikotin-Konsum draußen auf dem Parkplatz genutzt wurde, von kaum jemandem zum vorzeitigen Abbruch des Abends. Viel zu wertvoll war, was einem hier mitgegeben wurde. Eine Show mit unvermittelten Ausbrüchen und einer urplötzlichen Wiederkehr zu so herrlicher Musik. Selbst Besucher, die zum ersten Mal anwesend waren, lieferten sich dem aus und bemerkten vielleicht auch die innere Gelassenheit, die sich einstellte. Honky Tonk Feeling. Der Künstler ließ nicht locker, bis wenigstens die meisten Pärchen im Saal seiner Aufforderung zu einem Tanz gefolgt waren, spielte für sie eins der wohl sentimentalsten Stücke der Geschichte, Merle Haggard’s “Silver Wings”.

Dale Watson ist ein Mensch mit faszinierender Macht. Ihn zu erleben, brennt sich in das Gedächtnis ein. Er hat immer bewusst den harten und steinigen Weg im Musikgeschäft genommen und lässt keine Zweifel daran, dass er diesen weiter beschreiten und seinen von ihm selbst festgelegten Auftrag auch künftig erfüllen wird. Ein Mann mit dem größten Maß an Auffälligkeiten, den das Leben bestärkt hat und der seine Lieder dazu benutzt, ein wenig davon an sein Publikum weiter zu geben.

Dale Watson im Interview

Im Anschluss an den Soundcheck am späten Nachmittag nahm sich Dale Watson Zeit für ein Interview. Bei einer Tasse Kaffee plauderten wir im Außenbereich hinter der Bühne zunächst über das Konzert in Silkeborg/Dänemark vergangene Nacht und gemeinsame Bekannte, die er dort getroffen hatte.

Ich wollte von ihm wissen, ob es trotz seiner Haltung gegenüber der Nashville-Industrie, die er nie verheimlichte, Künstler gibt, denen er eine gewisse Verehrung entgegenbringen kann. Er nannte Namen wie Alison Krauss, Rhonda Vincent, Jamey Johnson, Dwight Yoakam. Dennoch wurde deutlich, dass er mit dem System nichts anfangen kann, das Gefühl hat, die Country Music wurde verraten. “The war is over and we didn’t win” sagte er. Was wäre, wenn es nun doch passieren würde, dass er einen seiner Songs in den kommerziellen Country Music Charts wieder fände, fragte ich. “I’d be happy” grinste er, damit wäre das College für seine älteste Tochter bezahlt.

Auf meine Frage, ob es einen erinnerlichen Moment in seiner Karriere gab, an dem er realisierte, dass er einfach anders war als andere, überlegte er und meinte, dass es ein langer Prozess war. Als er mit der Musik anfing, waren viele der großen Künstler, wie Ray Price oder Buck Owens, noch am Leben. Er sah sich zu der Zeit als Teil dieser Arbeit. Aber doch, als er 1989 seine ersten größeren Erfolge landete und man ihm klar zu machen versuchte, dass “Drinking Songs” nicht in das Kommerzbild passten, wusste er plötzlich, er selbst fühlte sich hier auch nicht stimmig, lachte er.

Dale Watson

Was macht Dale Watson in einem der wenigen Zeiträume, wo er nicht auf Tour, sondern einfach mal zu Hause in Austin ist? Meistens spiele er ohnehin in den Clubs der Umgebung oder bereite seine Auftritte vor, pflege Kontakte, plane Reiseabläufe, erzählte er. Doch wenn ihm wirklich hin und wieder langweilig sei, nimmt er sein Motorrad und fährt durch die Gegend.

Seine Töchter sind nun 13 und 18 Jahre alt, die große besucht das College. Mich interessierte, ob die Tatsache, Vater zu werden, die für jeden Mann natürlich ein inniger und ereignisträchtiger Wendepunkt ist, bei ihm eine Veränderung seiner Arbeitsweise bewirkt hatte. Der Titel seines neuen Albums “Carrying On”, würde dies gut reflektieren, fiel ihm dazu ein. Das Leben weiter leben, keinen Stillstand zulassen.

Zwischenzeitlich steckte eines seiner Crewmitglieder den Kopf durch die Tür und informierte ihn, dass es gleich für alle was zu essen gäbe, fragte, ob er ein Schnitzel möchte. Die Begeisterung für dieses wohl in den Köpfen der Amerikaner deutscheste Gericht war ihm anzusehen. Menschlich und liebenswert.

Zum Schluss wollte ich noch wissen, welchen Ratschlag fürs Leben er seinen Töchtern mit auf den Weg gibt. “What ever you do, make sure it’s something you love”. Ihm sei egal, ob sie Kellnerinnen, Anwältinnen oder Musikerinnen werden, so lange sie die Überzeugung für ihr Tun in sich tragen. So wie er selbst, oder? Und er stimmte zu. Es war spürbar, hier hat jemand sein Gleichgewicht gefunden.
Wir verabschiedeten uns einstweilen bis zur Show am Abend. Dale Watson setzte sich zu seinen Musikern und ließ sich das Schnitzel schmecken, ich genehmigte mir noch ein Radler im Four Corners-Biergarten und bereitete mich auf das Kommende vor.

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2 Kommentare »

  • Rosemarie Stäblein schreibt:

    Unser Freund Herb Belofsky war der “Drummer” bei Dale Watson im Four Corners-Koncert am 7.8.2010. Wäre von Vorteil den richtigen Namen zu nennen, gerade wenn er auch auf Ihrem Bild zu sehen ist!

  • Bettina Granegger schreibt:

    Liebe Rosemarie,

    vielen Dank für die Berichtigung. Fehler passieren, aber Du hast natürlich recht, die Musiker sollten richtig benannt sein, vor allem bei einer so genialen Band! Freut mich, wenn meine Berichte so aufmerksam gelesen werden!

    Viele Grüße
    Bettina Granegger
    B.

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