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Marty Stuart: Schillernde Figur der Country-Szene

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Mit seinem neuen Werk „Ghost Train – The Studio B Sessions“ ehrt Marty Stuart die klassische Country-Musik. Aufgenommen ist das hörenswerte Album im altehrwürdigen RCA-Studio B in Nashville. Grund genug, nicht nur die neue CD vorzustellen, sondern auch einmal den Werdegang des „Hillbilly-Rockers“ aus Missisippi nachzuverfolgen und zu würdigen.

Es gibt Künstler, die prägen ein ganzes Genre, sind Erneuerer und Wegweiser und werden zu Ikonen und Legenden. Für die Countrymusik fallen einem da sofort Namen wie Hank Williams, Johnny Cash oder Willie Nelson ein. Und es gibt Künstler, die in der allgemeinen Betrachtung eher in der zweiten Reihe gesehen werden, in Wirklichkeit aber für das Genre durch die vielfältigen musikalischen Ausdrucksformen ihrer künstlerischen Arbeit und ihre unprätentiöse Kollegialität unermesslich wichtig sind.

Marty StuartSolch ein Künstler ist Marty Stuart. Und ist dabei doch alles andere als eine graue Maus. Im Gegenteil, der am 30. September 1958 in Philadelphia, Mississippi, geborene ist eine schillernde Figur in der Country-Szene: Johnny Cashs Schwiegersohn, Sammler von Country-Devotionalien, Ehemann seines musikalischen Idols Connie Smith, Fotograf, Country-Funktionär, Gottesanbeter und Indianer-Freund – Marty Stuart ist ein Rastloser. Und macht seiner Rolle im Business wieder alle Ehre, wenn er nun mit „Ghost Train – the Studio B Sessions“ dem Retro-Trend folgt und nach Nelson und Mellencamp in diesem Jahr der Dritte ist, der zu den Genrewurzeln zurückgeht.

Mit 13 in der Grand Ole Opry

Stuart ist ein Country-Urgestein. Bereits mit 13 Jahren fällt er Bluegrass-Legende Lester Flatt durch sein gekonntes Mandolinenspiel auf und wird Mitglied in dessen Begleitgruppe. Im selben Jahr tritt er erstmals in der Grand Ole Opry auf. Wow! Ein Paukenschlag in früher Jugend. Sieben Jahre bleibt er Lester Flatt verbunden, ehe der sich aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe setzt. Marty schließt sich 1978 zwei weiteren Legenden, Doc und Merle Watson, an. Seine Lehr- und Wanderjahre führen ihn kurze Zeit später erst in die Arme von Cindy Cash, dann zu den Tennessee Three, der Band von deren Vater Johnny. 1982 nimmt er sein Debut-Album „Busy Bee Cafe“ auf, dass aber trotz der Mitwirkung bekannter Musikerkollegen floppt. 1985 verlässt er erst die „Tennessee Three“, 1986 dann Cindy Cash, um fortan sich als Session-Musiker einen Namen zu machen.

Durchbruch als „Hillbilly-Rocker“

1991 gelingt ihm endlich der Durchbruch: The Whiskey Ain’t Workin’, sein Duett mit Travis Tritt belegt Platz 3 der Country-Charts. Die Beiden erhalten einen CMA-Award sowie den Grammy. Stuart hat Erfolg mit seiner Mischung aus Country-Rockabilly und Honky-Tonk. 1993 schließt sich dann für Marty der Kreis. Aus dem 13-jährigen Jungen, der mit großen Augen die Welt der Grand Ole Opry bestaunte, als er erstmals auf den wichtigsten Bühnenbrettern der Countrymusik stand, ist nun ein Mitglied dieser legendären Nashville-Institution geworden. Marty Stuart fühlt sich fortan der Musik, der Tradition und den Künstlern der Countrymusik so sehr verbunden, dass er sich 1996 sogar zum Präsidenten der „Country Music Foundation“ wählen lässt und das Amt über mehrere Wahlperioden innehat. 1997 wird für ihn ein Jugendtraum wahr. Er heiratet die 16 Jahre ältere die Sängerin Connie Smith, die er seit seiner Kindheit verehrt hat.

Ambitioniert und experimentell

Sein künstlerisches Wirken der Folgezeit verläuft dagegen im steten auf und ab. Als Musiker zeichnet er sich dadurch aus, dass er immer wieder etwas Neues versucht und die ausgetrampelten Pfade des Mainstream-Country verlässt. So veröffentlicht er 1999 sein ambitioniertes Konzept-Album „The Pilgrim“. Eine Art „Country-Oper“ mit Songs, Instrumental-Passagen und gesprochener Poesie sowie einem All-Star-Ensemble, bestehend aus den Größen des Genres wie Johnny Cash, George Jones, Emmylou Harris oder Earl Scruggs. Laut Stuart geht es in dem Werk um Liebe, Unglaube, Suche und Erlösung. Bei den Kritikern erntet er Respekt, kommerziell floppt das Werk und Marty verliert seinen Plattenvertrag bei MCA.

Nach Rückkehr in ruhigere Gefilde mit dem 2003er Album „Country Music“ (Columbia) wagt er sich 2005 erneut an ambitionierte Projekte. Zusammen mit einer Bluesgrass-Kappelle nimmt er als „Marty Stuart & The Fabulous Superlatives“ unter dem Titel „Soul Chapel“ eine Reihe von Roots-Nummern und Southern Gospels heraus. Und noch im gleichen Jahr zeigt er, dass er alles als andere als ein frömmlerischer Hinterwäldler ist. Mit der CD „Badlands – Ballads Of The Lakota“ nimmt er sich – gut 40 Jahre nach dem vom Countrymusik-Business unfreundlich aufgenommenen Konzeptalbums „Bitter Tears“ seines Ex-Schwiegervaters und Mentors Johnny Cash – dem Schicksal der indianischen Ureinwohner Amerikas an. Platten, die von der Kritik geachtet sind, aber nicht das große Publikum finden. Doch Marty ficht das nicht an. Es folgt 2006 ein im Ryman-Auditorium aufgenommenes Live-Album, 2007 eine Duett-Zusammenstellung und ein Jahr später unter dem Titel „Whiskey and Rhinestones“ eine Best-of-Collection. Gleichzeitig wird er von November 2008 bis April 2009 Gastgeber einer TV-Show mit der er inhaltlich an seine letzten Platten anknüpft: Der Pflege klassischer Country-Music.

„Musik aus Studio B“

Und Marty geht weiter auf diesem Weg. Seine neue Idee: Klassische Country-Titel am historischen Ort aufnehmen. Wieder einmal – wie auch schon in seiner Rolle als Country-Verbandsfunktionär fühlt er sich dem Genre verpflichtet. Er wird zum Musikarchäologen der Country-Musik und leistet damit das, was Bob Dylan und zuletzt John Mellencamp für das übergreifende Americana und Roots-Rock geleistet haben. Und so wie Heartland-Sänger Mellencamp seine neue Platte „No Better Than This“ an historischen Schauplätzen wie den „Sun Studios“ aufgenommen hat, besorgte sich Stuart die Genehmigung im heute nur noch als Museum genutzten legendären RCA-Studio B aufzunehmen.

Es ist ein stimmiges Album, das Stuart da geschaffen hat. Stuart ist hier Bewahrer der klassischen Country Music und beruft sich gleichermaßen auf Genre-Atipoden wie Johnny Cash und Porter Wagoner. Los geht’s mit der fetzig-lässigen Honky-Tonk-Nummer „Branded“, die das uralte Thema des Outlaw variiert. Beim zweiten Titel „Country Boy Rock’n’Roll“ ist musikalisch der Name Programm und singt das hohe Lied des Rock’n’Rollers im ländlichen Süden. Nach dem stürmischen Beginn ist mit „Drifting Apart“ nun die Zeit für eine Herz-Schmelz-Schulze gekommen, die vom Auseinanderleben im Ehealltag erzählt und die Marty zusammen mit seiner Frau Connie Smith singt. Nur um sofort nach den Aufnahmen zu versichern, dass das natürlich nichts mit seiner Ehe zu tun hätte. „The Bridge Washed Out“ handelt dagegen vom nicht zusammenkommen der Liebenden. Schön wie hier mit dem Bild der „Brücke über den Fluss“ in verschiedenen Variationen das ganze Lied über gespielt wird.

Nächster Höhepunkt der Platte ist „Hangman“, das Marty kurze Zeit vor dessen Tod mit seinem Ex-Schwiegervater Johnny Cash geschrieben hatte. Es folgt der Titeltrack, der rollende, rockende und heulende „Ghost Train Four-Oh-Ten“. Es ist eine wahre Freude wie Stuart hier ganz lässig mit Symbolik, Mythen und Themen der Countrymusik spielt und dies in feine Musik verpackt. „Hard Working Man“ ist dann ein Lied ganz im Stil und Tradition von Merle Haggards „Working Man’s Blues“, dem ja auch schon Bob Dylan 2006 mit seinem „Working Man’s Blues 2“ Referenz erwiesen hat. In „I Run To You“ besingt er die große Liebe zusammen mit seiner großen Liebe Connie Smith und mit „Porter Wagoners Grave“ ehrt er in ergreifender Weise die 2007 gestorbene Country-Legende, eher er mit dem „Mississippi Railroad Blues“ die Platte genial-klassisch-instrumental beschließt.

Fazit: Marty Stuart, der in Kürze seinen 52. Geburtstag feiert, scheint auf der Höhe seines Könnens angekommen zu sein. Mit Souveränität, feinem Instinkt, musikalischer Virtuosität und großer Spielfreude lässt er „Ghost Train“ zu einem Meilenstein nicht nur seiner eigenen Diskographie, sondern des gesamten Genres werden. Denn der Künstler und sein Album spielen gegen die Geschichtslosigkeit des modernen Musikbusiness an, indem sie die Wurzeln und Stilformen der klassischen Countrymusik frei legen, bewahren und mit neuem Leben erfüllen. Eines der schönsten Alben des Jahres von einem der wichtigsten Künstler des Country.

   
Ghost Train - The Studio B Sessions
CD: „Ghost Train – The Studio B Sessions“
Veröffentlicht: 2010
Label: Sugar Hill

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Trackliste:

01. Branded
02. Country Boy Rock & Roll (mit Kenny Vaughan)
03. Drifting Apart
04. Bridge Washed Out
05. A World Without You
06. Hummingbyrd
07. Hangman
08. Ghost Train Four-Oh-Ten
09. Hard Working Man
10. I Run To You (mit Connie Smith)
11. Crazy Arms (mit Ralph Mooney)
12. Porter Wagoner’s Grave
13. Little Heartbreaker (The Likes Of You)
14. Mississippi Railroad Blues

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