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Mark Chesnutt am 27. September 2010 im Four Corners

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Die Wiederfindung einer in sich perfekten Honky Tonk-Nacht: Mark Chesnutt & Band gastierten am 27. September 2010 im Four Corners in Untermeitingen (Bayern)

Bereits zuvor war man im Four Corners bei der Auswahl der Opening Acts für Country-Stars der US-Oberliga mit Sorgfalt umgegangen. Nie war es Ziel, eine zwanghafte Animation zur Spaßvervielfältigung aufzubauen, es ging vielmehr darum, das Gesamtkonzept eines Konzertes jeweils in sich darzustellen. Der Gast sollte mit dem Kauf seines Tickets vollwertige Unterhaltung bekommen. In den allermeisten Fällen war dies gelungen, kaum zuvor jedoch in derartiger Perfektion wie an diesem Abend.

Mit Amarillo an sich war schon die am besten vorstellbare Ergänzung zu Mark Chesnutt gefunden worden, denn auch sie besitzen ebenso wie der US-Star die Befähigung, den Zeitgeist musikalisch aufzufangen und darzustellen, wobei der Radius traditioneller Bodenhaftung nie durchbrochen wird. Durch hochsensible und durchdachte Gestaltung ihres Sets gelang es der fränkischen Band zudem, eine gefühlvolle Einleitung zu schaffen, die auf den Zustand der späteren Situation nicht nur vorbereitete, sondern von Beginn an den gesamten Raum in ein gemeinsames Erleben versetzte.

Es wurde überhaupt nicht erst der Versuch unternommen, krampfhaft einen auf Stimmung zu machen, denn dies war nicht nötig. Schlichtweg „nur“ vom Barhocker aus mit dezentem Schlagzeug allerbeste Country Musik zu bringen, war das Konzept und hierfür gab es bei weitem keinen Verlegenheitsapplaus. Die Entscheidung, wie sich die nächsten Stunden gestalten sollten, war gefallen.

Amarillo

Überleitend wurde Amarillo für einige Songs von Aaron Till, dem Fiddler der Mark Chesnutt-Band, begleitet. Die Musiker hatten sich bereits Jahre zuvor kennengelernt und schon damals einige Auftritte zusammen bestritten. Seither blieben der Kontakt und die freundschaftliche Nähe bestehen. Eine Tatsache, die für absolute gegenseitige Wertschätzung spricht.

Währenddessen war es möglich, mit Mark Chesnutt allein kurz vor seinem Auftritt ein paar Worte zu wechseln. Seit dem letzten Treffen und Konzert im Four Corners waren nun dreieinhalb Jahre vergangen. Seine Arbeit bereite ihm seither noch genauso viel Freude, meinte er. Jedoch fielen ihm das Reisen und die Strapazen durch Zeitumstellung mittlerweile deutlich schwerer. Doch trotz leicht spürbarer verständlicher Erschöpfbarkeit (er hatte innerhalb weniger Tage drei Auftritte – in der Schweiz, in Hamburg und Untermeitingen) war sein Hunger auf die Show bereits wieder spürbar. Mark Chesnutt ist ein Arbeitstier mit dem unermüdlichem Willen, seine Musik auch nach außen zu tragen. Die Umsetzung dessen erfolgte im nächsten Schritt.

Mit der selben Besetzung wie beim letzten Mal im Four Corners, ergänzt durch Aaron Till an der Fiddle, bebilderte der Künstler die Lieder seiner Laufbahn, die ihn prägten, und fand Bestätigung im ganzheitlichen Miteinander. Er entschied spontan, wählte Material aus Alben seiner Anfangszeit bis hin zum aktuellen. Er ist kein Show Man, sondern folgt seiner Routine und den Prozeduren, durch die ihn sein Publikum leitet. Am Vorabend spielte er in Hamburg, dort habe er das Gefühl gehabt, in dieser riesigen Stadt von jedem angestarrt zu werden, erzählte er. „But tonight i’m here in the country with country people“ folgte als Ansage des Wohlfühlens und Kompliments an die Menschen, die auch an einem Montag Abend den Weg in die Music Hall gefunden hatten. Aus ganz Deutschland, bis nach Berlin, und sogar aus Österreich waren sie gekommen, einige darunter sind selbst Musiker und wollten hier einen Mann erleben, der die Country Music auch bei uns entscheidend mit beeinflusst hat.

Mark Chesnutt

Unabhängig, aus welcher Motivation jemand hier war, er ließ sich von Mark Chesnutt und seiner Band führen. Effektvollem Honky Tonk, auch ohne große Instrumentalisierung, folgten immer wieder Balladen. Zum Schluss „Too Cold At Home“, ein herrlicher Uralt-Titel, dann offizielles Ende des Sets, dem man zuschreiben kann, dass es jeden einzelnen erreichte. Der Gedanke kam auf, dass dies jetzt nicht alles sein durfte. Drei zusätzliche Titel wurden hinzugegeben, doch auch hiermit wollte sich niemand zufrieden geben. Am besten die Gegenwart festhalten, denn es könnten möglicherweise wieder drei Jahre vergehen, bis zur nächsten Chance dieses Erlebens. Und Mark Chesnutt schenkte allen noch die Möglichkeit, den Ist-Zustand intensiv wahrzunehmen, die in der Lage waren, für diesen Moment die Ruhe zuzulassen: „I’m So Lonesome I Could Cry“ von Hank William Sr. war eines der ersten Stücke, die er von seinem Vater gehört hatte, erzählte er, als er nach nicht enden wollendem Applaus noch einmal allein die Bühne betrat. Er brachte dieses Lied ohne jegliche Begleitung und versetzte für diesen Augenblick alles in kompletten Stillstand.

Auch musste kein Fan enttäuscht nach Hause gehen. Im Anschluss gab es im Nebenraum ausgiebig Gelegenheit für Autogramme, Fotos und ein kurzes persönliches Wort mit Mark Chesnutt.

Es ist also noch möglich, auch in einer Bar alle Facetten der Gefühle hervorzurufen. Begeisterung kann vielfältig sein und wurde sie gerade noch durch Schweigen und Zuhören ausgedrückt, entfachte sie sich sofort darauf in lautstarke Begeisterung, als sich Four Corners-Chef Bill Wallace spontan dazu entschied, die Nacht noch nicht enden zu lassen und den leicht perplexen Band-Leader von Amarillo, Dirk „Sebbo“ Sebrowski, bat, sich seine Gitarre zu holen und die begonnene Leitlinie noch ein wenig fortzuführen. Wer nicht zwanghaft am nächsten Morgen arbeiten musste und noch eine lange Heimreise anzutreten hatte, blieb und erlebte ein weiteres akustisches Set, mit welchem dem eben Erlebten noch eine Weile nachgespürt wurde. Die gerade abgeschlossene Vergangenheit wurde genutzt, um die Zukunft zu bereichern.

Mark Chesnutt und Band

Die Anforderungen an Veranstaltungen wachsen und mit ihnen die Musiker, die es zulassen. Hierbei scheint die Tatsache, ob sie aus den USA oder aus Deutschland kommen, manchmal keine allzu relevante Rolle zu spielen. Das Vergangenheits- und Zukunftsmuster motiviert zwar nicht alle, jedoch, wie hier zu erleben, zumindest einige Künstler, sich und ihre Country Music in einer Richtung zu bewegen, die es wert ist. Eine große Anzahl ist durch dieses Sortiersystem bereits durchgefallen. Wir durften jetzt erneut erleben, dass diese Gefahr weder auf internationaler Ebene, wie bei Mark Chesnutt, noch auf nationaler, wie beispielsweise bei Amarillo, besteht. Maßgebend ist die Entscheidung des Publikums und der dazu willigen Veranstalter, dem derzeitigen Weg zu folgen. Ein weiterer Beweis, dass es möglich und notwendig ist, wurde jetzt somit erneut geliefert.

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Über Bettina Granegger (41 Artikel)
Sie gehört zur Stammbesetzung von Country.de und schreibt Konzert- und Festivalberichte, Reportagen sowie CD-Besprechungen!
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