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Daniel T. Coates: Jenny Works In There

[29. Juni 2011 | 1 Kommentar | Von | Kategorie: CD-Besprechungen]

Songs wie diese entstehen nicht auf dem Reißbrett. Sie liegen begründet in Gesprächen am Frühstückstisch, Begegnungen in Bars, Verlustschmerz, Autopannen und vor allem der Gabe zur Umsetzung von Wahrnehmungen. Jeder Mensch kann eine Energiegestalt sein, wenn man es nur zulässt, der Beziehung zu ihm und die entstandenen Gefühlen in Formen und Klänge zu verpacken. Daniel T. Coates‘ unglaubliche Kreativität ermöglicht es ihm, alle Elemente aufzugreifen und sie zu übertragen in Worte. Quelle hierfür kann alles und jeder sein, die Ebene muss stimmen.

Moralische oder politische Zurechtweisungen interessieren ihn nicht. Er möchte nicht die Welt verändern. Statt dessen nutzt er die Lebendigkeit der kleinen Dinge. Er tut sich leicht darin, über Versagen zu schreiben, über Lernfähigkeit und die Rollenbalance, die wir alle jeden Tag zu bewältigen haben.

Längere Entwicklungsphasen führen meistens zum Hervorholen aller erforderlichen Prozesse, um etwas die perfekte Gestalt zu geben. So dauerte es über drei Jahre seit der letzten CD, bis nun Jenny Works In There am 4. Juli 2011 veröffentlicht werden wird.

Untätig war Coates seither nicht. In seinem Studio in Üschersdorf (Unterfranken) arbeitete er nahezu pausenlos mit Musikern, produzierte deren Alben (Mountarillo, Travis Truitt), schrieb Songs und koordinierte ihre Aufnahmen. Die gesamte Zeit war für ihn Bewegung, er schöpfte aus dem Material und den Verbindungsnetzen und machte so alles verfügbar, was er nun auch für sich nutzen kann.

Zum einen waren es immer wieder die Mitglieder seiner Band, die ihn unbewusst oder wissentlich mit ausreichend Ideen versorgten. Gabor Bardfalvi (Kontrabass), Andy Kupfer (Drums) und Dietmar Wächtler (Pedal Steel) sind ständig in der Beobachterposition und somit befähigt, Einflüsse zu bringen und Prozesse zu kommentieren. Des öfteren sind so bei Proben und Sessions Lieder entstanden, die direkt aufgenommen wurden. Aber auch die Zusammenarbeit mit Musikern aus Nashville, wie Aaron Till (Fiddle), Paul Kramer (Fiddle, Mandoline), John McTigue (Drums), Gregg Perkins (Steel Guitar, Fiddle, Piano), Markus Stadler (Banjo) und vor allem Gregg Stocki (Drums) vervollständigte die Entwicklung. Zu jedem Zeitpunkt der Arbeit durchlief Coates alle Positionen und bildete Geschichten heraus, die auf keinen Fall verloren gehen durften, sondern festgehalten werden mussten. Ziel war die Überzeugung, alles mit scheinbar harmlosen Beschreibungen so dokumentieren zu können, dass ein klares Bild entsteht.

Ergänzend zu den Eigenwerken fanden auch Künstler Raum, die Dan Coates würdigen wollte. Larry Sparks (Blue Virginia Blues), Jim Lauderdale (You’ll Know When It’s Right) oder Charlie Louvin’ (Big Man Cry) sind außergewöhnliche Songwriter, zu denen er sich hingezogen fühlt.

Die Gegensätzlichkeit der einzelnen Lieder ist groß. Bluegrassig, übergehend zu Country, fließend, einige Male auch kräftig und sentimental. Eine Fülle von Zuständen wird ausgedrückt, der Zustand immer wieder unterbrochen. Der erwünschte Effekt wird erzielt, die Spannung bleibt erhalten. Das Bewegungsmuster der Songs ist so undurchschaubar, wie Coates’ Bühnenpräsentationen, die niemals logischen Strukturen folgt. Die Abfolge zwar klar festgelegt, die Umsetzung dennoch jedes Mal anders. Beim Hören von “Jenny Works In There” verbinden sich die inneren Zustände ebenso immer wieder neu. Vorbeschrieben ist jedoch die Notwendigkeit, sich darauf einzulassen. So liegen schon vor Erscheinen des Albums Bestellungen vor von Fans, die wissen, dass sie bei Dan Coates auf jeden Fall richtig liegen, wenngleich die Spannung bleibt, welche Veränderungen zu erkennen sein werden.

Ich selbst höre ein wenig mehr Nachdenklichkeit, das überlegte Verarbeiten prägender Erfahrungen, das Vorausblicken auf ihre Auswirkungen. Dies sind keine Verallgemeinerungen, sondern persönlich erlebt, aus dem tatsächlichen Vorfall entstanden. Jedem Lied ist eine Bedeutung zugeordnet, jedem Wort und jedem Klang, der darin enthalten ist.

Fazit: Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich Dan Coates mit seiner Musik ohnehin längst etabliert hat, konnte er sie mit “Jenny Works In There” noch einmal in allen Kriterien einer sensible Erweiterung unterziehen und so seine klare Position in der Country Music bestätigen.

   

Jenny Works In There
CD: “Jenny Works In There”
Erscheinungsdatum: 2011
Label: Coates Cat Records
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Trackliste:

01. Danger Ahead
02. Jenny Works In There
03. Black Hearted Night
04. By The Time I Get To Nashville
05. Ain’t No Wolf
06. Call My Name
07. Ernest, Hank And Lefty
08. Miss Out On Lovin’ You
09. Out In The Barn
10. You‘ll Know When It’s Right
11. Paul’s Coatestails Jam
12. I Don’t Know
13. This Waste Of Time
14. Blue Virginia Blues
15. Make The World Go Round
16. See The Big Man Cry
17. Left Virginia
18. Walkin’ Down This Road
19. Sitting, Waiting, Wishing

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1 Kommentar »

  • Rainer Limpert schreibt:

    Ich gratuliere Bettina Granegger zu dieser überaus gelungenen Besprechung der neuesten CD von Daniel T Coates. Ich hatte in den vergangenen 6 Monaten das Vergnügen, zahlreiche seiner Konzerte besuchen zu dürfen. Jedes Wort, das Bettina Granegger über ihn schreibt, trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist eine Freude, diesen Text zu lesen. Danke.

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