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Dailey & Vincent

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Dailey & Vincent Dailey & Vincent - Bildrechte: Scott Simontacci

Bluegrass Music gilt als die vielleicht traditionellste Klangfarbe unter dem großen Schirm, den man „Country Music“ nennt. Da fällt es umso schwerer, neue Einflüsse oder Spielarten zu kreieren. Einem Duo und seiner Band, dem man solches zu Recht nachsagt, sind Dailey & Vincent. Seit 2008 kennt man sie, da sind sie pausenlos unterwegs zu Festivals und sonstigen Veranstaltungen. In jenem Jahr wurden sie so reichlich mit Awards bedacht wie noch kein neuer Bluegrass-Act zuvor.

Kenner der Szene mögen beim Namen „Vincent“ aufgehorcht haben. Richtig, Darrin Vincent ist der jüngere Bruder von Rhonda Vincent, einer längst zum Superstar von Country und Bluegrass gewordenen Sängerin. Das allein deutet darauf hin, dass „Dailey & Vincent“ als Duo zwar neu in der Szene waren, als Musiker jedoch schon reichlich Erfahrung auf dem Buckel hatten als sie sich zusammen taten. Ein nach reiflicher, beinahe fünf Jahre benötigter Überlegung und Feilen an ihrer Musik vollzogener Schritt, der sich sofort als richtig erwiesen hat.

Schon das erste gemeinsame Album, schlicht betitelt mit „Dailey & Vincent“, war eine Granate. Die gesamte Szene schien darauf gewartet zu haben, denn das Album stand in nahezu allen Bluegrass-Charts ganz oben und wurde folgerichtig als bestes Bluegrass Album des Jahres 2008 ausgezeichnet. Es bedeutete aber auch eine Bürde für das Duo, die sie seither problemlos bewältigen konnten.

Bis sich die Wege von Darrin Vincent und Jamie Dailey so nachhaltig kreuzten, dass es klickte, ging manches Jahr ins Land. Zwar bewegen sie sich in der großen Gesangs-Tradition der Country und Bluegrass Music, die von Geschwistern geschrieben wurde aber wie eines ihrer Alben („Brothers From Different Mothers“) verrät, sie sind keine Bluts- sondern Seelenverwandte. Woher diese Tradition stammt, kann heute nur noch vermutet werden. Danach hat sie in den armen Familien auf dem Land ihren Ursprung. Da es keine technischen Unterhaltungsmöglichkeiten gab, sorgten selbst gebastelte Instrumente und gemeinsamer Gesang in den Familien für Abwechslung.

In der frühen Phase der kommerziellen Country Music kristallisierten sich Duos von Brüdern als sehr erfolgreich heraus wie die Monroe Brothers, Delmore Brothers, Blue Sky Boys, Stanley Brothers. Dieses Phänomen zieht sich wie ein roter Faden bis heute durch die Country und Bluegrass Music. Man denke an die Maddox Brothers, Louvin Brothers, Wilburn Brothers, Everly Brothers, Jim & Jesse, Osborne Brothers, Glaser Brothers, Gatlin Brothers oder Bellamy Brothers. Dazu gesellten sich „Brüder“, die nicht miteinander verwandt waren, von Johnnie & Jack über die Statler Brothers, Brooks & Dunn bis zu Big & Rich. Auffallend war und ist bei allen ein besonders dicht aufeinander abgestimmter Harmoniegesang.

Sowohl Dailey als auch Vincent kommen aus sehr musikalischen Familien, allerdings aus ganz unterschiedlichen Gegenden. Darrin Vincent stammt aus Kirksville, Missouri und wurde in eine Musik praktizierende Familie geboren. Schon mit 6 Jahren gehörte er der Sally Mountain Show an, zu der neben seinen Eltern auch seine Schwester und sein Bruder gehörten. Im Laufe der Jahre lernte er neben einem ausgefeilten Harmoniegesang auch die Instrumente Mandoline, Bass und akustische Gitarre. Er hat mit solch unterschiedlichen Künstlern wie Bruce Hornsby, Vince Gill, Emmylou Harris und Norah Jones im Studio gearbeitet, um nur einige zu nennen. Zudem gehörte er den Bands u.a. von John Hartford, seiner Schwester Rhonda Vincent und zehn Jahre der von Ricky Skaggs an.

Jamie Dailey kommt aus Tennessee und hatte dort nicht nur in der Familie sondern auch außerhalb von Kindesbeinen an mit Country- bzw. Bluegrass Music zu tun. Seine wichtigste Station bevor er sich mit Vincent zusammen tat, war die legendäre Gruppe „Doyle Lawson & Quicksilver“. Lawson holte ihn 1998 in seine Band, wo Dailey sowohl die Leadstimme übernahm als auch für Harmoniegesang zuständig war. Zunächst spielte er den Bass, ehe eine personelle Veränderung in der Band ihn zur Gitarre wechseln ließ. Ins Studio holten ihn u.a. Rhonda Vincent und Dolly Parton. Bei Doyle Lawson war es nicht zuletzt Jamie Dailey, der seinen Anteil an den zahlreichen Auszeichnungen für die Gruppe in den Jahren 2001 bis 2007 hatte.

Seit 2008 ist Dailey also mit Vincent unterwegs. Kennen gelernt hatten sie sich schon 2011 anlässlich der wichtigsten Award Show der Bluegrass Music in Louisville, Kentucky. Und auch schon festgestellt, dass ihr Stimmen auf natürliche Weise miteinander harmonierten. „Aber wir waren vorsichtig, haben immer wieder an der Phrasierung und an der deutlichen Aussprache gearbeitet. Wir mussten Selbstzweifel überwinden, Pausen einlegen, ehe wir bereit waren, eine solch enge musikalische Partnerschaft einzugehen. Das mag ja bei echten Brüdern einfacher und schneller gehen, wir haben uns jedenfalls zunächst selbst auf den Prüfstand gestellt.“

Diese Zeit der Vorbereitung zahlt sich inzwischen aus. Nicht nur, dass es bereits vier brillante Alben (alle auf Rounder Records) gibt sondern Dailey & Vincent gehören längst zum festen Bestandteil aller namhaften Bluegrass Festivals. Sie haben sich deutlich weiter entwickelt, was man sowohl an den Alben als auch an ihren Auftritten leicht feststellen kann. Dailey & Vincent bewegen sich voll und ganz in der Tradition der klassischen Bluegrass Music und dazu gehören als fester Bestandteil auch Gospel Songs. Aber sie beziehen ständig auch Elemente anderer Stilrichtungen ein und sprechen dadurch ein neues, breiteres Publikum an. Dafür suchen sie nach geeigneten eigenen oder älteren Songs, die sie für ihre Zwecke neu bearbeiten. Vincent dazu: „Wir wollen den Charme und die Faszination des traditionellen Bluegrass erhalten und pflegen aber auch mit der Zeit gehen, um die Musik aktuell aber unverfälscht zu halten.“

Für dieses Unterfangen haben sie sich die passenden Musiker in die Band geholt. Aktuell gehören zur Band: Christian Davis (Gitarre, Bass-Stimme), seit 1998 Berufsmusiker und zuvor in verschiedenen Gospel Gruppen unterwegs. Joe Dean Jr. (Banjo, Gitarre, Bass-Stimme), mit 22 jüngstes Bandmitglied, er stammt aus St. Louis, MO, wo er seit dem 12. Lebensjahr Bluegrass Music machte. Seit 2007 ist er bei Dailey & Vincent. Jeff Parker (Mandoline, Gitarre, Harmonie-Gesang) spielte von Kindesbeinen an mit Familienmitgliedern Gospel Music. Die Mandoline ist seit dem 12. Lebensjahr „sein“ Instrument. Im Laufe der Jahre gehörte er diversen Gruppen an, darunter die Lonesome River Band. Nach einem eigenen Album war er mit so bekannten Künstlern wie Larry Sparks, Tony Rice und Dale Ann Bradley im Studio. Bei Dailey & Vincent seit 2007. Jesse Stockman (Fiddle) stammt aus dem fernen New Mexico. Der heute 34 Jährige erspielte sich schon als Kind diverse Meriten mit seiner Fiddle. Über diverse andere Bands kam er 2002 zu Doyle Lawson. 2005 wechselte er zu den Isaacs. Stars wie George Jones, Vince Gill und Josh Turner holten ihn ins Studio

Vermutlich in dieser Besetzung werden Dailey & Vincent beim diesjährigen Festival in Gstaad ein Feuerwerk an Bluegrass Music abbrennen und für ein unvergessliches Erlebnis sorgen. Sie gehören zum Besten, was diese Musik aktuell zu bieten hat.

Dailey & Vincent: Brothers From Different Mothers

Künstler / Albumtitel: Dailey & Vincent: Brothers From Different Mothers
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Rounder Records 2009)

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Trackliste:

01. Head Hung Down
02. You Oughta Be Here With Me
03. Your Love Is Like A Flower
04. When I’ve Travelled My Last Mile
05. Years Ago
06. There Is You
07. Girl In The Valley
08. Please Don’t Let Our Sweet Love Die
09. Oh Ye Must Be Born Again
10. Winter’s Come And Gone
11. When I Reach That Home Up There
12. On The Other Side

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>