Auf der Grundlage der Beständigkeit: Billy Yates und Buddy Jewell im Four Corners
Wenn es darum geht, einzelne Bestandteile einer Veranstaltung zu einer Vollkommenheit zu verketten, hat man im Four Corners (Untermeitingen, Bayern) hierfür die nötige Routine. Möchte man an einem Montag Abend im Februar das Haus voll haben, bedarf es eines Angebots, das dann auch Gäste aus der ganzen Republik, sogar aus der Schweiz anlockt. Mit dem Programm dieser Show am 6. Februar 2012 wurde einmal mehr eine entscheidende Einzigartigkeit erreicht.
Mittlerweile etablierter Opener für Top-Acts in Untermeitingen ist Dan Coates, der mit Gabor Bardfalvi am Kontrabass mehr als sonst sein Comedy-Talent entfaltet und vom ersten Moment keinen Zweifel daran lässt, dass auch nachfolgend keine Unzufriedenheit aufkommen kann. Das Publikum ist gepackt und sieht dem Kommenden entspannt entgegen. Intensiv ist die Stimmung, als ohne vorherige Animation bei “Time Marches On” plötzlich alle mitsingen. Wenn so etwas passiert, läuft die Kette automatisch zum Ziel. So ist es dann auch.
Nach einem Zwischen-Set der niederländischen Band Savannah, die beide US-Künstler später auch begleitet, kommt Billy Yates, der eigentlich mit einem einzigen Wort zu beschreiben ist: Beständigkeit! Der Grammy-Gewinner und Songwriter, der mittlerweile fast jedes Jahr auf Tour nach Deutschland/Europa, dann auch immer ins Four Corners kommt, hat die Gabe, niemals langweilig zu werden, auch, wenn sich im Grunde an seinen Shows nicht wesentlich viel verändert. Das Ziel, das er haben möchte, ist schlichte Zufriedenheit und dies gelingt ihm durch seine Musik. Ein Auftritt, der kein Feuerwerk und keinen Freudentaumel braucht, der ganz einfach “nur” durch sein Vorhandensein Freude macht. Kraftvoll startet er mit “Better Every Beer”, streut herrliche Balladen ein, wie “I Never Go Around Mirrors”. Als bei “All My Exes” alle einstimmen, reagiert er prompt und meint: “Okay, wenn Ihr George Strait mögt, dann machen wir noch was von ihm” und es folgt “The Fireman”.
Das jahrelange Zusammenspiel mit Savannah gibt ihm Sicherheit. Seine Frau, die übrigens an diesem Tag Geburtstag hat, hätte ihm aufgetraten, möglichst viel CDs an den Mann zu bringen, damit sie sich wieder neue Schuhe kaufen könne, scherzt er.
Auch bedankt er sich bei Bill Wallace und Marianne Theil für die wiederkehrende Gastfreundschaft sowie beim Publikum in Untermeitingen, das aus seiner Sicht zu schätzen weiß, dass ein Künstler so weit reist um seine Musik zu präsentieren und das diese entsprechend würdigt. Es sollten einfach viel mehr Amerikaner hier rüber kommen und spielen, meint Billy Yates. Klar, dass er dafür gigantischen Applaus bekommt! Er beschließt sein Set nach Zugabe-Forderungen mit einem seiner gefühlsstärksten Lieder, “American Voices”, und übergibt Band und Bühne direkt an seinen Freund und Kollegen Buddy Jewell. Viel wusste man bisher nicht, dieser war CMA-Award-Gewinner, man kannte einige seiner Songs, mit welcher Präsentationsform er seinen Auftritt gestalten würde, war bis dahin jedoch unklar.

Doch allein durch sein Erscheinen verinnerlicht sich die Tiefenstruktur, die von diesem Mann ausgeht. Bereits beim vorangegangenen Interview ist für mich die unglaubliche Wahrnehmungsfähigkeit Buddy Jewells spürbar. Völlig entspannt sitzt er da mit seiner Frau und Billy Yates im Backstage-Bereich, genießt einige Zigarillos und scheint der vor ihm liegenden Show mit absoluter Gelassenheit auf sich zukommen zu lassen. Als extrem wacher Zuhörer hält er im Gespräch Blickkontakt und zeigt seine Aufmerksamkeit durch ständige Gesten der Zuwendung.
Da dies sein erster Besuch in Deutschland ist, möchte ich wissen, wie seine Eindrücke sind bzw. welche Vorannahmen er vor der Tour hatte. Wie bereits bei einem Konzert in Frankreich 2004 habe er festgestellt, dass das Publikum in Europa wohl mehr der traditionellen Country Music zugetan sei. Überhaupt schätze er die Freundlichkeit, die ihm hier entgegen gebracht wird. Er ist froh, dass Billy Yates ihn zu dieser Reise animiert hat, nachdem sich beide seit Jahren, ursprünglich über die Wohltätigkeits-Konzerte “Countriest Of The Country” her kennen. Voller Respekt spricht er darüber, wie hart Billy Yates an seiner Karriere in Europa gearbeitet hat. Zu Hause habe er eine eigene Band, bei der ihn ab und zu auch sein Sohn Buddy, der ebenfalls Musiker sei, am Schlagzeug begleite. Hier würde er sich nun in Billy Yates’ langjährige Begleitband Savannah einfinden, was ihm, wie wir später sehen, ohne Mühen gelingt.
Seit 19 Jahren lebe er nun in Nashville und nach seinem Familienleben und seinen Werten befragt, beginnt er aufgeblüht zu erzählen. Obwohl er fast die ganze Woche über an seinem Musik-Job arbeite, viel telefoniere, Termine koordiniere, habe er doch mehr Zeit für seine Frau, die drei Kinder Lacey, Buddy Jr. und Joshua und ihre Haustiere, als manch anderer, was ihn sehr glücklich mache. Auch, wenn unter der Woche jeder mit seinen Tätigkeiten beschäftigt sei, wäre der Sonntag für sie heilig und die Eingebundenheit in die Gemeinde sowie die Kirchgänge gäben ihm eine tiefe Gefestigtheit.
Dieser Zustand scheint sich dann in sein Konzert zu übertragen. Das Publikum liebt ihn von Beginn an und vermag seinen Songs nicht einfach zuzuhören, sondern auch deren sinnesspezifische Bedeutung zu erfassen. “El Paso” widmet er seinem verstorbenen Vater, seinen christlichen Hintergrund packt er beispielsweise in “Somebody Who Would Die For You”, das auch von Tracy Lawrence aufgenommen wurde. Zu fast allen Liedern hat er eine Geschichte zu erzählen, so zu “Abilene” oder “Sweet Southern Comfort”, in das der in Arkansas Geborene seinen ganzen Südstaatenstolz legt, vor allem aber zu seinem bekanntesten: “Help Pour Out The Rain”, dessen Worte an sich bewegen, das er darüber hinaus aber noch in derartiger Sanftheit präsentiert, dass ich sicher nicht die einzige Mutter im Raum bin, die Tränen in den Augen hat.
Vergleichende Bewertungen sind nicht nötig, denn Buddy Jewell gestaltet seinen Auftritt im Four Corners nach seinen eigenen Entscheidungen und findet Bestätigung durch sein Publikum. Als Zugabe schenkt er zunächst “Can’t You See” von Waylon Jennings und beschließt dann solo, nur mit Akustikgitarre, mit “Please Come To Boston”, mit dem er seinerzeit einen Talentwettbewerb auf dem College gewonnen hatte und das sich Bill Wallace für seine Marianne gewünscht hat.
Buddy Jewell beschert neben einer herrlichen Liedauswahl eine Bewusstheit und Klarheit, die über das Maß an “unterhalten müssen” hinaus geht. In Kombination mit Billy Yates kann jeder ein Stück Harmonie mit nach Hause nehmen, um das es ja in der Country Music auch gehen sollte.









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