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Darrell McCall

[30. April 2012 | Kommentare deaktiviert | Von | Kategorie: Was ist aus ihnen geworden?]

Zum ersten Mal habe ich ihn bei einem der Wembley-Festivals in den 1970er Jahren in London getroffen. Damals gehörte er der Band von Hank Williams Jr. an, der neben seinen eigenen Musikern auch noch die Drifting Cowboys um sich geschart hatte, die Original-Musiker, mit denen sein Vater bereits unterwegs gewesen war.

Darrell McCall hatte sich bereits einen Namen als Solist und Songschreiber gemacht, den Durchbruch zum Star jedoch nicht geschafft. Da bedeutete die Band eines Superstars wie Hank Williams Jr. ein sichereres Einkommen. Immerhin, für mich blieb es eine so nachhaltige Begegnung, dass ich den Weg des Darrell McCall seither ständig verfolgt habe. Und der war durchaus steinig, gekennzeichnet von Aufs und Abs.

Darrell McCallDarrell McCall stammt aus New Jasper in Ohio, dort geboren am 30. April 1940. Zu seinen Jugendfreunden gehörte ein gewisser Donald Lytle, der als Johnny Paycheck zum Country-Star werden würde. Gemeinsam mit ihm und anderen Kumpels machte McCall von Kindesbeinen an Musik. Gerade 15 Jahre alt geworden, bekam er als Discjockey eine Radiosendung jeden Samstagmorgen bei einem lokalen Sender.

Mit verschiedenen Schul-Bands spielte er bei Tanzveranstaltungen und anderen Gelegenheiten. Nach dem Schulabschluss trat er seinen Wehrdienst bei der Army an, den er größtenteils im nahen Kentucky absolvieren konnte. Wieder Zivilist ging McCall 1958 mit Donald Lytle nach Nashville. Sie glaubten, als Duo bessere Chancen zu haben – es ging in die Hose und die beiden Freunde danach getrennte eigene Wege. Darrell McCall fand Arbeit in den Aufnahmestudios, dann in den Bands von Faron Young, Ray Price und Hank Williams Jr.

Der Produzent und Verleger Buddy Killen holte ihn in die neu gegründete Pop-Gruppe “The Little Dippers”. Zwar gelang mit “Forever” ein Hit, dennoch ging die Band auseinander. Darrell McCall bekam einen Vertrag von Capitol, das ihn erfolglos als Pop-Sänger produzierte. McCall dazu: “Ich war ein Nobody, ich konnte keine Ansprüche anmelden und musste froh sein, dass man es überhaupt mit mir versuchte. 1962 gab man mir bei Phillips die Chance, Country Music zu singen.” Der Versuch gelang, denn mit “A Stranger Was Here” machte er auf sich aufmerksam. Die Single kletterte auf Platz 17 der Country Charts – sie sollte seine erfolgreichste bleiben.

Aber McCall bekam weitere Aufträge. Für den Film “Hud” mit Paul Newman sang er den Titelsong. Dabei fand er Geschmack an der Schauspielerei und wirkte die nächsten Jahre in etlichen Streifen mit wie “Nashville Rebel” und “Road To Nashville”. Zeitgleich ging er auch als Solist hinaus zu Rodeos und Fairs. Ins Aufnahmestudio kehrte er erst 1968 zurück als das neue Label Wayside Records Künstler verpflichtete. Bis 1971 erreichten 4 seiner Singles die mittleren Plätze der Charts, ein Album wurde veröffentlicht, ein wirklicher Knaller blieb jedoch aus. Als Songschreiber war er erfolgreicher, zu nennen ist hier insbesondere der Hank Williams Jr. Hit “Eleven Roses”, den McCall zusammen mit Lamar Morris schrieb.

Der Sänger Darrell McCall musste sich in Geduld fassen. Bei Atlantic Records machte er nur kurz Station, ehe er bei Columbia unterschrieb. Von 1976 bis 1980 tauchte er sporadisch in den Charts auf mit Songs wie “Dreams Of A Dreamer”, “The Weeds Outlived The Roses” und “Lily Dale”, ein Duett mit Willie Nelson. Es folgten kurze, weniger erfolgreiche Veröffentlichungen bei Hillside, RCA, Indigo und Artap, wo er u.a. mit Curtis Potter und Johnny Bush arbeitete, Kollegen, mit denen er in den letzten Jahren wieder viel gemeinsam unternimmt.

Eine neue musikalische Heimat fand Darrell McCall Mitte des letzten Jahrzehnts in Texas. Im kleinen Städtchen Brady hat der rührige Traci Pitcox ein Zentrum für traditionelle Country Music, insbesondere Honky Tonk Music aufgebaut. Dort werden nicht nur neue Alben mit klassischem Country Sound produziert, die Künstler, die bei Heart of Texas Records unter Vertrag stehen, erhalten erstaunlich viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Sowohl live und mit Publikum als auch im Studio. Darrell McCall war 2005 einer er Ersten, der dort unterschrieb. Seither sind einige Alben erschienen, auf denen sich McCall als exzellenter Vertreter jener Country Music erweist, die in den 1960er, 1970er und auch noch 1980er Jahren populär war. Jener Country Music, die man in Nashville längst vergeblich sucht, die aber immer noch reichlich Liebhaber findet, wie der Erfolg von Traci Pitcox und seinen Mitstreitern zeigt.

“Old Memories And Wine” war McCalls erstes Album auf Heart of Texas Records betitelt. Wie familiär es dort zugeht, zeigt, dass Tochter Guyanne den Titelsong beisteuerte, auch Ehefrau Mona schrieb zwei der Songs und Sohn Cody gehörte zur Studio-Crew. Darrell McCall konnte sowohl die Songs als auch die Musiker auswählen. Ein Traum für einen Sänger, was er bestätigt: “Ich bin hier einfach glücklich. Als Sänger hast du hier alles, was du brauchst. Justin Trevino ist ein exzellenter Produzent, er geht total auf den Künstler ein, vielleicht, weil er selbst ja auch einer ist. Wir haben Musiker, die ihr Handwerk blind verstehen und sich voll einbringen. Und die anderen Interpreten passen alle irgendwie zusammen, Curtis Potter, Tony Booth, Norma Jean, Leona Williams, Frankie Miller, Dottsy, George Hamilton IV, Johnny Bush, Georgette Jones und all die anderen – wir funken auf einer Welle. Es ist toll, was sich hier in den letzten zehn Jahren entwickelt hat.”

Darrell McCall hat seinen Anteil daran. Unterdessen sind bei Heart of Texas weitere Alben von ihm erschienen Hier in seiner neuen Heimat hat seine Karriere noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Deshalb sieht McCall auch keinen Grund, über einen Rückzug aufs Altenteil nachzudenken. “Warum sollte ich? Ich hatte im Laufe meiner Karriere genug ruhigere Zeiten, wo sich nicht viel getan hat. Wenn es jetzt wieder läuft, werde ich mich nicht beschweren. Im Gegenteil, mit dem, was ich seit einigen Jahren machen darf, werde ich gerne alt. Was gibt es Schöneres als in meinem Alter noch gefragt zu sein und das machen zu dürfen, was mir am meisten Spaß macht?”

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