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Blue Eyes Crying In The Rain: Fred Rose

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Am 4. Oktober 1975 tat sich Unglaubliches – an der Spitze der Billboard Country Singles Charts tauchte ein Song auf, den so gut wie Niemand dort erwartet hätte. Nicht in dieser Version und mit diesem Sänger. Noch dazu war es alles andere als ein neuer Song sondern einer, der zum Klassiker geworden war, ein Standard der Country Music. Wie auch immer, es war Fakt, eine unumstößliche Tatsache: Willie Nelson, der geniale Songschreiber, feierte seine erste Nr. 1 mit dem nicht von ihm geschriebenen „Blue Eyes Crying In The Rain“.

Das Besondere und völlig Ungewöhnliche daran waren eigentlich die Umstände, die dies ermöglicht hatten. Bis 1975 war die Karriere des Willie Nelson so dahin geplätschert. Rund 20 Jahre hatte er alles mögliche versucht – als Musiker, als Sänger, als Songschreiber, der Durchbruch war ihm nicht gelungen.

Nachdem er bei Atlantic Records einige Achtungserfolge landen konnte, man dort aber die Country-Abteilung auflöste, nahm ihn Columbia unter Vertrag. Was auch immer der Grund war, das Label gab ihm größtmögliche künstlerische Freiheit und sicherte ihm zu, er könne ein Album ganz nach seinen Vorstellungen produzieren. Für Nelson etwas völlig Unerwartetes, doch irgendwie erkannte er die Chance. Es gab da einen Song, den er besonders gern mochte: „Red Headed Stranger“. Darin geht es um einen rothaarigen Fremden, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Als eine Frau versucht, ein Pferd zu stehlen, das seiner verstorbenen Frau gehörte, über deren Tod er nicht hinweg kommt, erschießt er sie kurzerhand.

Um diesen Song herum bastelte Nelson ein Konzept-Album, das dann natürlich „Red Headed Stranger“ hieß. Es erzählt die Geschichte von einem Prediger auf der Flucht, weil er seine untreue Frau und deren Liebhaber getötet hat. Dazu schrieb Nelson einige neue Songs und baute den einen oder anderen bereits bekannten ein – u.a. „Can I Sleep In Your Barn“, „Down Yonder“, „Remember Me“ und eben auch „Blue Eyes Crying In The Rain“. Aufgenommen wurde das Album mit geringem technischen und pekuniären Aufwand in Garland, Texas. Ein drastisches Gegegenstück zum satten Nashville Sound.

Als Nelson Columbia Records mit dem Album konfrontierte, fiel man dort aus allen Wolken und dachte, es handele sich um einen Scherz. Glaubten sie doch, das könne doch allenfalls ein Demo sein. Mit einer solch spartanischen, ja billigen Produktion werde man Null Chancen haben. Doch Nelson meinte es ernst, der Visionär glaubte an seine Idee und deren Verwirklichung – Columbia kam nicht aus der Nummer raus. Man hatte Nelson vertraglich zugesichert, ein Album nach seinen Wünschen zu veröffentlichen. Und fiel erneut aus allen Wolken – diesmal aber vor Freude. „Red Headed Stranger“ wurde eine Granate, eines der erfolgreichsten Alben in der Geschichte der Country Music. Seither ist Willie Nelson ein Superstar, der auf einer nicht enden wollenden Erfolgs- und Beliebtheitswelle schwimmt. Die ausgekoppelte Single „Blue Eyes Crying In The Rain“ wurde ein Millionseller und ist aus der Unterhaltungsmusik nicht mehr wegzudenken.

Geschrieben wurde „Blue Eyes Crying In The Rain“ Mitte der 1940er Jahre des vorigen Jahrhunderts von Fred Rose. Der ungemein erfolgreiche Songschreiber gründete u.a. den Musikverlag Acuff-Rose. Sein Partner Roy Acuff nahm den Song 1945 als Erster auf. Bis heute sind hunderte von Versionen entstanden, von Hank Williams bis Gene Vincent, von Conway Twitty bis Slim Whitman, von Elvis Presley bis Charley Pride, von UB40 bis eben Willie Nelson … Inhaltlich geht es um eine zerbrochene Liebe. Der Erzähler hofft, dass er mit seiner Liebsten, wenn schon nicht auf Erden, dann aber im Himmel wieder vereint sein wird.

Ein Wort noch zum Song „Red Headed Stranger“. Geschrieben wurde er von Edith Lindeman und Carl Stutz. Auch wenn man es nicht vermuten würde, es gab immer wieder Sänger, die die blutrünstige, im Western-Milieu angesiedelte Story aufnahmen. So finden sich in meinem Archiv Versionen von Eddy Arnold, John D. Loudermilk, Red Steagall und Chris LeDoux.

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>