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Roy Nichols

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Er war ganz ohne Zweifel einer der talentiertesten und innovativsten Gitarristen der Country Music und gehörte zu den Architekten des Bakersfield Sound – Roy Nichols. Der bescheidene Künstler wurde allerdings nie so bekannt wie ein Chet Atkins, war aber ein enorm wichtiger Musiker in der brodelnden Musikszene der amerikanischen Westküste. Für Merle Haggard etwa hatte er die gleiche Bedeutung wie ein Don Rich für Buck Owens.

Roy Ernest Nichols wurde am 21. Oktober 1932 in Chandler, Arizona geboren. Kurz nach seiner Geburt zogen die Eltern um nach Fresno, Kalifornien. Dort unterhielten sie eine Art Herberge für Wanderarbeiter in der Landwirtschaft. Roy Nichols hatte die musikalischen Gene des Vaters mit auf den Lebensweg bekommen, der in einer Band den Bass spielte. Sein ältester Sohn saugte alles auf, was er an Musik im Umfeld wahrnehmen konnte.

Eine aufregende Jugend mit vielen Freiheiten auf dem großen Gelände, das u.a. Zigeunerzelte beherbergte. Dort verbrachte der Knirps viele Stunden und lauschte der Musik dieser lebenslustigen Menschen, wenn sie sich um ein Lagerfeuer scharten. Bald bekam Roy Nichols eine eigene Gitarre, die sein Leben entscheidend und für immer veränderte. Mit 11 Jahren feierte er sein Debüt in der Band des Vaters und ließ da schon erkennen, dass er ungewöhnliches Talent für das Gitarrenspiel hatte. Den ersten bezahlten Job übernahm er mit 14 in der Band von Curley Roberts & the Rangers. Zwei Jahre später hörte ihn Fred Maddox im Radio, war begeistert und nahm den 16-Jährigen in die Band der Maddox Brothers & Rose auf, die damals vermutlich bekannteste Country Music Show Band.

Fred Maddox wurde Nichols‘ Erzieher, die Maddox Family nahm ihn unter ihre Fittiche. Rose Maddox erzählte mir einmal: „Roy war ein Ausnahmetalent, er konnte damals als ganz junger Mensch schon fast alles spielen. Er kam mit Licks daher, die uns umhauten. Viele haben ihn später kopiert, keiner hat ihn je erreicht. Aber wie alle Burschen in dem Alter hatte er genug Flausen im Kopf, er hat uns schon Sorgen bereitet.“ Vor allem das Glücksspiel reizte ihn. Nachdem man ihn ei Gigs in Las Vegas mehrfach dabei erwischt und ihm die gelbe Karte gezeigt hatte, feuerte ihn die Band beim nächsten Mal. In den 18 Monaten mit den Maddox Brothers hatte Nichols nicht nur viel gelernt und war erwachsen geworden, er hatte auch an die 100 Songs mit ihnen aufgenommen.

Wieder daheim spielte Nichols nun erneut Gitarre beim Radio und bei lokalen Veranstaltungen. Für ihn gab es zur Gitarre keine Alternative, damit konnte und wollte er sein Leben verbringen und den Unterhalt verdienen. 1953 holte ihn Lefty Frizzell für zwei Jahre in seine Band, dann kehrte Nichols ins San Joaquin Valley zurück. Er arbeitete beim Radio, im Fernsehen und ging dann nach Bakersfield, wo er sich Cousin Herb Henson´s Trading Post TV Show anschloss. Jetzt war er mitten in einer sich im Aufbruch befindenden Szene. Fünf Jahre blieb er bei der TV Show aber man verpflichtete ihn zunehmend auch für Plattenaufnahmen und Veranstaltungen. Während dieser Zeit lernte er Johnny Cash kennen, war bei einigen Instrumental-Aufnahmen von dessen Band The Tennessee Two mit dabei. Der entscheidende Schritt folgte Ende der 50er Jahre als Wynn Stewart ihn in seine neue Band holte, der auch Steeler Ralph Mooney und Merle Haggard angehörten. In dieser Formation legten sie mit einen Grundstein für das, was wenig später als Bakersfield Sound Furore machen sollte.

Roy Nichols

Mitte der 60er Jahre war Merle Haggard so bekannt geworden, dass er eine eigene Band gründete, zu der im Juni 1965 auch Roy Nichols stieß. Zwanzig Jahre blieb er Mitglied der Strangers, war bei allen Plattenaufnahmen von Merle Haggard dabei und prägte dessen Sound maßgeblich mit. Immer wieder gab man ihm dabei Gelegenheit zu seinem Solo, bei dem er sich richtig entfalten konnte. Haggard erinnert sich, dass Nichols nur unter drei Bedingungen Mitglied der Strangers geworden sei: 1. Er brauchte nicht selbst Auto fahren, 2. Er durfte seinen eigenen Verstärker mitnehmen, 3. Er bekam jeden Abend ein Bett.

Irgendwann muss dann die Chemie zwischen Nichols und Haggard nicht mehr gestimmt haben. 1987 jedenfalls verpflichtete der Sänger den Gitarristen Clint Strong. Daraufhin erklärte Roy Nichols seinen Rücktritt und zog sich weitgehend aus dem Music Business zurück. Zum letzten Mal stand er 1991 mit seinem alten Kumpel Fred Maddox im Palomino Club von North Hollywood auf der Bühne.

1996 erlitt er einen Schlaganfall, der bleibende Lähmungen verursachte, die es Roy Nichols unmöglich machten, weiter Gitarre zu spielen. Ein Martyrium für einen Menschen, dem die Gitarre alles bedeutet hatte. Für ihn bedeutete es die Hölle, er könne Gitarre nur noch in seinem Kopf spielen, beklagte er sich darüber. Insofern muss es eine Erlösung gewesen sein als er am 3. Juli 2011 während eines Krankenhausaufenthaltes in Bakersfield einen tödlichen Herzanfall erlitt.

Roy Nichols wird als einer der genialsten Gitarristen der Country Music in Erinnerung bleiben. Ihm zu Ehren wurden Mitte der 90er Jahre, also noch zu seinen Lebzeiten, zwei Alben aufgenommen unter dem Titel „To Roy Nichols With Love“. Neben vielen anderen Musikern aus seinem Umfeld waren vor allem Bonnie Owens (deren vermutlich letzte Aufnahmen) und Kathy Robertson mit von der Partie. Zwei großartige, stimmungsvolle Alben, die leider zu gesuchten Sammlerstücken geworden und deshalb nur noch schwer aufzutreiben sind.

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>