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Leo Jackson

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Leo Jackson

Sein Name sagt vermutlich nur Insidern etwas, denn ein Star, der die Schlagzeilen beherrschte, war er nicht. Leo Jackson darf dennoch als Star bezeichnen, als einer, der im Hintergrund blieb und vor allem für seinen Freund und Boss Jim Reeves unverzichtbar wurde. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Name Leo Jackson immer wieder genannt wird, wenn von Jim Reeves die Rede ist und Reeves selbst ihn auch immer wieder ins Gespräch brachte.

Die Geschichte des Mannes, der eigentlich George Edward Jackson hieß, begann am 22. Oktober 1934 in Meridian, Mississippi. Diese Stadt, ehemals ein Eisenbahnknotenpunkt, spielte in der amerikanischen Geschichte, aber auch in der Country Music, eine wichtige Rolle. Im amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Stadt, ein Stützpunkt der Konföderierten, 1864 von General Sherman zerstört. Meridian ist auch Geburtsort des legendären Jimmie Rodgers.

In Meridian wurde Leo Jackson als jüngstes von sechs Kindern eines griechischen Einwanderers geboren. Eigentlich sollte er den Vornamen Leo erhalten, doch stand in der Geburtsurkunde schließlich auch nach Reklamation George Edward. Gleichwohl nannten ihn seine Eltern und alle anderen dann Leo. Als er neun Jahre alt war, starb seine Mutter. Jackson durchlebte eine harte Jugend, denn sein Vater war nicht zimperlich, die neue Stiefmutter auch nicht. Zwar lernte er noch die drei wichtigen R’s in der Schule (reading, ‚riting, ‚rithmetic = Lesen, Schreiben, Rechnen), doch beendete er die Ausbildung vorzeitig und ging von zu Hause weg. Direkter Anlass war eine schwere Keilerei in der Schule – um einer Bestrafung zu entgehen, haute Jackson ab nach Houston, wo er in einem Restaurant arbeitete. Unterdessen hatte er die Hillbilly Music (wie sie damals noch genannt wurde) für sich entdeckt und spielte richtig gut Gitarre.

Leo Jackson dazu: „Ich habe mir alles selbst beigebracht. Ich saß am Radio oder hörte Platten und spielte Gitarre zu den Songs. Meine Schwester Eloise hatte ein gutes Gehör, sie sagte mir immer, wann ich die Töne traf und wann nicht. Wenn sich die Gelegenheit ergab, schaute ich anderen Gitarristen zu und lernte von ihnen. Wenn ein Star wie Jimmy Dickens in die Stadt kam, war ich ganz früh da, saß in der ersten Reihe und beobachtete den Gitarristen. Manchmal waren zwei Gitarristen dabei, dann wußte ich nicht, wohin ich schauen sollte.“

Dann lernte Leo Jackson das Ehepaar John und Clara Ross kennen, das wiederum mit Jim und Mary Reeves befreundet war. Eines Tages nahmen sie den blutjungen Leo Jackson mit nach Shreveport, wo Jim Reeves beim Louisana Hayride auftrat. Gerade 18 Jahre alt durfte Jackson seinem Idol auf der Gitarre vorspielen und wenige Tage später, im Mai 1954, verpflichtete Reeves ihn als Gitarristen. Leo Jakcosn war damit der erste Musiker der Band, die später als „The Blue Boys“ zur unsterblichen Begleitband des Gentleman Jim Reeves wurde. Ähnlich wie Jahre später Don Rich die rechte Hand von Buck Owens wurde, war Leo Jackson für Jim Reevs bald unverzichtbar.

Natürlich ging Jackson mit Jim Reeves auch nach Nashville. Mitte der 50er Jahre bestimmten die Vorschriften, dass ein Sänger von außerhalb zunächst nur einen Musiker zum Arbeiten mitbringen durfte, ehe die komplette Band nachrücken durfte. Und das auch noch erst einmal auf Probe. Natürlich mussten alle Mitglieder einer Band der Musikergewerkschaft American Federation of Musicians (AFM) beigetreten sein. 1956 landeten die Reeves‘ und Leo Jackson also in Nashville. Dort durfte Jackson seinen Boss und andere Musiker im Studio begleiten, nicht jedoch in der Grand Ole Opry. Diese Aufgabe fiel der Hausband der Opry zu. Kurzzeitig stand Jackson wegen des Ableistens seines Militärdienstes nicht zur Verfügung. In diese Zeit fiel die Verpflichtung des Pianisten Dean Manuel, der 1964 mit Jim Reeves beim Absturz von dessen Flugzeug auf so tragische Weise ums Leben kam.

Für Leo Jackson waren die Jahre mit Jim und Mary Reeves die prägendsten seines Lebens. Er drückte es einmal so aus: „Ich weiß nicht, was ohne sie aus mir geworden wäre. Sie haben mich praktisch erzogen und mir Bildung beigebracht. Ich habe fünf Jahr mehr oder weniger ständig bei ihnen gewohnt. Mary brachte mir Manieren bei, wie man sprach und wie man sich bei Tisch benimmt. Ich hatte die Mentalität eines 15jährigen Bengels aus Mississippi. Natürlich hat mich der gut gemeinte, manchmal auch bestimmende väterliche Rat Jim’s gelegentlich auf die Palme gebracht. Das habe ich nicht immer verstanden – unterm Strich aber war es nur zu meinem Besten.“

Umgekehrt sah es ähnlich aus. Mary Reeves sagte mir dazu: „Jim hatte einen Narren an Jeo gefressen – im positiven Sinn. Jim hatte ganz früh erkannt, dass Leo nicht nur ein glänzender Musiker war sondern auch ein ungewöhnlich feiner Mensch. Sie waren dann auch die dicksten Freunde. Ohne Leo wollte Jim weder irgendwo auftreten noch ins Studio gehen. Das ging so weit, dass Jim ihn auf der Bühne näher zu sich zog, wenn er ihn zu weit weg glaubte. Leo war dann auch ein ganz wesentlicher Bestandteil für den typischen Jim Reeves Sound, seine Gitarre prägte den Sound sowohl der Band als auch der Platten.“
Sollte Leo Jackson doch einmal verhindert sein, wie ausgerechnet beim Riesenhit „He’ll Have To Go“, gab Reeves keine Ruhe, bis – beispielsweise mit einem Vibraphon – das typische Jackson-Tremolo erzeugt war.

Nach dem Tod Jim Reeves‘ blieb Leo Jackson in Nashville, wo er ein gefragter Musiker, Arrangeur und Session Leader war. Sein Talent und seine Erfahrung nutzten Stars von Alabama bis George Strait und viele andere. Das Schicksal aber hatte sein Leben mit dem des Gentleman Jim Reeves verknüpft und mindestens zwei Mal die Weichen ganz entscheidend gestellt. Einmal als sie sich kennenlernten und dann als Jackson nicht mit Reeves flog und seinen Platz Dean Manuel einnahm. Leo Jackson hatte auf den Trip nach Arkansas verzichtet, wo Reeves sich ein Grundstück anschauen wollte, das er zu kaufen beabsichtigte, weil er seine Freundin Nell von deren Spätschicht abholen wollte. Die hatte zu der Zeit noch keinen Führerschein. Nell Walls wurde Leo Jackson’s Ehefrau, mit der er 43 Jahre – bis zu seinem Tod – verheiratet war und einen gemeinsamen Sohn hatte.

Leo Jackson, den Jim Reeves bei seinen Live Gigs und Radio Shows immer wieder ins Gespräch brachte, starb am 4. Mai 2008 im Alter von 73 Jahren in Goodlettsville bei Nashville. Gemeinsam mit seinem väterlichen Freund Jim Reeves war er um die Welt gereist, gemeinsam hatten sie Musik gemacht, die auch 50 Jahre später immer noch zeitlos und grenzenlos beliebt ist.

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>