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Doug Seegers: Going Down To The River

Doug Seegers liefert mit seinem Album "Traditional Country" vom Allerfeinsten.

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Doug Seegers - Going Down To The River Doug Seegers - Bildrechte: Rounder

Bei flüchtigem Hinschauen auf das Cover der CD könnte man meinen, es handele sich um Hank Williams. Beim Hinhören freilich stellt man rasch fest, er ist es nicht. Doch liegen musikalisch gar nicht so große Unterschiede zwischen den beiden Künstlern. Man traut seinen Ohren kaum, was da aus dem Lautsprecher kommt. Für Traditionalisten schießen beinahe Freudentränen in die Augen und man stellt sich automatisch die Frage: Gibt es so etwas heute überhaupt noch? Das ist lupenreine Country Music bester traditioneller Art.

Von diesem Künstler hatte man bis dato noch nie etwas gehört. Country Music so ganz gegen den Strich – im Vergleich mit dem, was man heutzutage alles als „country“ vorgesetzt bekommt, Klänge wie aus einer anderen Welt. Das ist sie, die Musik, die mich vor 50 Jahren in ihren Bann zog und nicht wieder los ließ. Und sogar in Nashville aufgenommen. Schön zu wissen, dass man so etwas auch heute noch produzieren kann – wenn man denn will. Zehn der 12 Songs des Albums hat Doug Seegers selbst geschrieben – Country Songs wie aus dem Bilderbuch.

Warum kennt man diesen Doug Seegers eigentlich nicht? Der Mann hat die 60 bereits hinter sich gelassen und macht sein Leben lang Musik. Nur davon leben konnte er nicht, mehr schlecht als recht schlägt er sich schon viele Jahre durchs Leben. Vielleicht sollte man zunächst ein wenig über den Werdegang dieses Künstlers wissen, denn der könnte auch Stoff für ein Drehbuch sein. Eine fast unglaubliche Geschichte.

Doug Seegers kommt aus einer Gegend, in der man einen solchen Hardcore-Countrysänger nicht unbedingt suchen würde. Seine Wiege stand auf Long Island im Bundesstaat New York, wo er 1952 geboren wurde. Früh verschrieb er sich der Country Music und suchte sein Glück als Musiker. Wie ein Stück Treibholz driftete er ziel- und heimatlos durch die Welt. Das musikalische Talent, geerbt von seinen Eltern (beide Countrymusiker in New York), brachte er zwar mit, doch das half ihm nicht weiter. Irgendwann begegnete er Buddy Miller, der jetzt auch bei dem Album mitgewirkt hat. Im Booklet erzählt Miller, dass man damals froh war, wenn man bei einer Hochzeit spielen konnte. Denn da bekam man Gage und etwas zu essen. Bei solch einer Gelegenheit traf er Seegers, man ging Anfang der 70er Jahre nach Austin und versuchte sich mit einer Band. Es war eine trostlose Zeit, denn – so Miller – keiner wollte uns hören. Man schlug sich einfach irgendwie durch. Auf einmal war Doug Seegers weg. Seine Spur fand sich im Bundesstaat New York wieder. Zeitweise wurde Seegers dort seßhaft, er heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Doch die Musik zog ihn nach einigen Jahren wieder hinaus.

In den frühen 1990ern tauchte er in Nashville auf – und traf erneut auf Buddy Miller. Bald verlor man sich aber wieder aus den Augen. Doug Seegers war erneut ein obdachloser Straßen-Musiker. Seine „Heimat“ wurde praktisch „The Little Pantry That Could“, eine soziale Einrichtung im Westen Nashville’s, in der sich regelmäßig Songschreiber trafen. Songs, die hatte Seegers schon all die Jahre geschrieben, Lieder, in denen er seine Erlebnisse, seine Gefühle, seine Gedanken verarbeitete. Aber wer wollte sie hören? Wie konnte er sie dort zu Gehör bringen, wo sie ihn weiter bringen würden? Doug Seegers ging auf die Straße. Ein gefährliches Pflaster hinsichtlich Drogen und Alkohol, ein Umfeld, das ebenso verlockend wie zerstörend ist. Dem er zwar ausgesetzt war, aus dessen Fängen er sich aber befreien konnte.

Und dann war eines Tages ein Fernseh-Team aus Schweden in Nashville unterwegs, das Material für eine mehrteilige TV-Dokumentation filmte, die von der Sängerin Jill Johnson präsentiert wurde. Ein Straßenhändler riet ihnen, sich doch diesen Musiker im Park gleich nebenan mal anzuhören. Der habe eine einzigartige Countrystimme. Das ließ sich Jill Johnson nicht zweimal sagen. Seegers sang den Schweden seinen eigenen Song „Going Down To The River“ vor – und hatte gewonnen. Wenig später kamen die Schweden nach Nashville zurück, nahmen genau diesen Song auf und veröffentlichten ihn in der Heimat. Damit stand Doug Seegers bald auf Platz 1 der itunes-Charts in Schweden. „Going Down To The River“ wurde zudem Teil eines sehr erfolgreichen Samplers. Doug Seegers erhielt einen Plattenvertrag von Lionheart Music und man produzierte das Album (Going Down To The River). Mit von der Partie sein alter Kumpel Buddy Miller, mit dem zusammen Seegers den Hank Williams-Klassiker „There’ll Be No Teardrops Tonight“ sang. Das Album stand im Sommer 2014 in Schweden auf Platz 1 und erreichte Gold-Status. Doug Seegers ging auf ausgedehnte Schweden-Tournee mit rund 70 Auftritten. Die Tage der Obdachlosigkeit sind unterdessen für Doug Seegers vorbei.

Wessen Herz auch nur ein wenig für klassische Country Music schlägt, der kann an diesem Album nicht vorbei. Wenn eine Stilistin wie Emmylou Harris bei Doug Seegers ins Schwärmen gerät, dann will das etwas heißen. Mehr noch, sie ließ es sich nicht nehmen, ihre unverkennbare Stimme in das Album einzubringen. Für das Duett suchten sie sich den legendären Gram Parsons-Song „She“ aus – eine Gänsehaut-Version. Gram Parsons ist im übrigen eines der großen Vorbilder des Sängers.

Zum Album selbst: Doug Seegers läßt uns an 12 Szenen aus dem Leben teilhaben. Im Mittelpunkt stehen eindeutig seine Stimme und sein Gesang, der phasenweise ein wenig an Hank Williams erinnert. Garniert und untermalt von Top-Studiomusikern (u.a. Al Perkins, Barbara Lamb, Chris Donahue, Will Kimbrough, der auch produzierte) inclusive Fiddle, Steel- und Lap Steel Guitar und auch mal Banjo. Wie bereits erwähnt, bis auf zwei Songs stammen alle anderen von Seegers selbst. Es sind Geschichten, die wohl nur jemand erzählen kann, der ganz unten gewesen ist. Es ist alles vorhanden, was man von Country Music erwartet. Die Liebe mit all ihren Unwägbarkeiten wird thematisiert, mal kommt er ein wenig bluesig daher, dann wieder tritt er auch mal richtig aufs Gas. Es gibt Einblicke in das Leben des kleinen Mannes, der für den Lebensunterhalt hart schuften muß, aber auch in das eines Hobos. Der Titelsong ist ganz sicher autobiographisch – es geht darum, sich von allem Schmutz (auch dem symbolischen) zu reinigen und endlich ein christliches, ein normales Leben zu führen.

Die Songinhalte gepaart mit dem inbrünstigen, aus tiefer Seele kommendem Gesang, lassen einen nicht unberührt. Wie wird Emmylou Harris zitiert? „Der Mann hat diese Songs gelebt, nicht in seiner Fantasie sondern jeden langen Tag über viele harte Jahre!“

Wir dürfen uns glücklich schätzen und sind dankbar, dass Jill Johnson dem Rat des Straßenhändlers gefolgt ist und Doug Seegers im Alter von 62 Jahren sein Debütalbum ermöglichte. Hoffentlich findet er nun auch in seiner Heimat die Aufmerksamkeit, die er über viele Jahre vergeblich gesucht hat. Es wäre jammerschade, würde er wieder in der Versenkung verschwinden, nachdem ihn die „Märchenfee aus Schweden“ gerade erst wachgeküßt hat.

Fazit: Für mich bringen Doug Seegers und sein Album die Erkenntnis, dass man als altgedienter Liebhaber des „traditional country“ trotz allem, was einem heute an Country Music zugemutet wird und für das man so leblose wie nichtssagende Bezeichnungen erfindet wie Bro-Country, die Hoffnung nie aufgeben soll.

Doug Seegers - Going Down To The River

Künstler / Albumtitel: Doug Seegers – Going Down To The River
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Rounder, Universal Music 2014)

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Trackliste:

01. Angie’s Song
02. Going Down To The River
03. She – mit Emmylou Harris
04. Lonely Drifter’s Cry
05. Hard Working Man
06. Pour Me
07. There’ll Be No Teardrops Tonight – mit Buddy Miller
08. Memory Lane
09. Gotta Catch That Train
10. Burning A Hole In My Pocket
11. She’s In A Rock’n Roll Band
12. Baby Lost Her Way Home Again

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>

1 Kommentar zu Doug Seegers: Going Down To The River

  1. Echt Filmreif diese Geschichte, danke für diesen Artikel da kann man wieder Hoffnung schöpfen. In Nashville in den vielen Kneipen wird überwiegend von unbekannten Musikern noch Countrymusik gespielt!!

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