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The Lord Knows I’m Drinking: Bill Anderson

The Lord Knows I'm Drinking - Der Nummer-Eins-Hit im Jahr 1973 für Cal Smith.

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Cal Smith - The Lord Knows I'm Drinking

The Lord Knows I’m Drinking – Mit diesem Lied feierte Cal Smith (nichts zu verwechseln mit seinem Kollegen Carl Smith) einen seiner größten Erfolge als Sänger. Geschrieben wurde es von Bill Anderson, einem der erfolgreichsten Songschreiber und Sänger in der Geschichte der Country Music. Schon in den 1970er Jahren lernte ich ihn kennen und konnte seine lange Karriere bis in die Gegenwart hinein relativ nah verfolgen. Mich hat immer fasziniert, welche Ideen Anderson aufgriff und zu Songs verarbeitete und wie druckreif er in Interviews zu antworten pflegt. Nicht nur ich bin der Meinung, dass die Bedeutung Bill Andersons als Songschreiber größer ist als die des Sängers.

Über ein halbes Jahrhundert ist es ihm schon gelungen, mit immer wieder aktuellen Songs erfolgreich zu sein und dabei total unterschiedliche Themen anzupacken. Eines davon, das man den Amerikanern gern nachsagt, setzen Songschreiber gerade in der Country Music immer wieder um: Scheinheiligkeit bis hin zu Verlogenheit. Nicht nur Bill Anderson hat mit dem einen oder anderen Lied den Mitbürgern praktisch den Spiegel vor die Nase gehalten. Ein anderes, geradezu klassisches Beispiel für diese Art von Songs stammt von Tom T. Hall und war ein Riesenhit für Jeannie C. Riley: Harper Valley P.T.A.

Besonders lohnenswert ist es, bei derartigen Songs auf die Wortwahl zu achten. Der Songschreiber möchte etwas mitteilen, er hat dafür nur eine knapp bemessene Zeit zur Verfügung. Da wundert es nicht, dass ein Autor oft lange an seinen Liedern feilt, sich mit jedem einzelnen Wort auseinandersetzt, nach Möglichkeiten sucht, die Aussage noch trefflicher zu formulieren. Schließlich muß das Lied auch noch flüssig zu singen sein.

Am Pranger steht in „The Lord Knows I’m Drinking“ eine gewisse Mrs. Johnson. Stellvertretend für eine Person, die wohl jeder von uns schon kennengelernt hat. Eine Plaudertasche, deren Lebensinhalt es ist, besserwisserisch und selbstgerecht über alle anderen herzuziehen, Gerüchte im Ort zu verbreiten und immer mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend zu laufen. Dabei ist diese Mrs. Johnson keinen Deut besser als ihre Opfer.

Bill Anderson formuliert es so (in freier Übersetzung):
Hallo Frau Johnson, du selbstherrliche Frau
Lehrerin an der Sonntagschule, warum wirbelst du wieder Staub auf?
Meinst du, dem Pastor würde es gefallen, wo du dich gerade aufhältst?
Du triffst dich mit einem abtrünnigen Christen in der Kneipe
Genau – das sind meine Flasche und mein Glas
Starre nur herüber auf dieses junge, hübsche Mädel
Es geht dich zwar nichts an aber sie gehört zu mir.
Wir brauchen keine Moralpredigt von dir selbstherrlicher Frau, laß uns einfach in Ruhe.

Im Refrain bringt es Anderson auf den Punkt:
Gott weiß, dass ich trinke und mich rumtreibe
Er braucht deine große Klappe nicht, mit der du in der Stadt herum tratschst
Gott weiß, dass ich sündige und zu sündigen ist nicht richtig
Aber Gott und ich werden uns später in Ruhe darüber unterhalten.

In der zweiten Strophe bekommt Mrs. Johnson noch richtig einen mit. Sie wird geradezu verspottet:
Frau Johnson, du selbstherrliches Hühnchen, mach’s gut
Ich brauche weder deine Predigt noch dein Mitleid
Hau ab und mach das, was ihr Heuchler am Besten könnt
Wenn ich mit dem Himmel spreche und du lieb warst, werde ich ein Wort für dich einlegen.

Wenn man Bill Anderson ein wenig näher kennt, kann man vor seinem geistigen Augen sehen, welchen Spaß es ihm gemacht hat, diesen Song zu schreiben. Ich wollte von ihm wissen, was ihn zu diesem Lied veranlaßt hat, denn ich konnte mir nicht denken, dass es reine Fiktion war. Anderson schmunzelte: „Meine Frau und ich waren in einem Restaurant essen. Plötzlich kamen einige Prachtexemplare von Kirchendienern rein und setzten sich an den Nebentisch. Meine erste spontane Reaktion war es, mein Weinglas vor ihnen zu verstecken. Doch ich zögerte. Warum sollte ich das tun, es war ja nicht verboten. Allenfalls paßte es nicht zu den Moralvorstellungen mancher Leute, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Meine Frau bestärkte mich und machte ihrerseits keinerlei Anstalten. Im Gegenteil, von ihr stammt der Satz: Der liebe Gott weiß doch, dass wir trinken! Ich habe mir den Satz schnell aufgeschrieben, noch ein Glas Wein bestellt, das Essen genossen und später den Song geschrieben. Die Kirchendiener bestellten übrigens auch keine alkoholfreien Getränke.“

Jetzt hatte er zwar einen schönen Song, doch zunächst traute sich kein namhafter Sänger, ihn aufzunehmen. Erst als Cal Smith ihn zu Gehör bekam, wurde es etwas. „The Lord Knows I’m Drinking“ bescherte ihm Anfang März 1973 seinen ersten von drei Nummer-Eins-Hits. Im Jahr danach folgten noch „Country Bumpkin“ und „It’s Time To Pay The Fiddler“.

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Über Manfred Vogel (632 Artikel)
<p>Manfred Vogel gehört zur Stammbesetzung von Country.de und ist seit über 40 Jahren als Fach-Journalist und Kenner in Sachen Country Music gefragt.</p>