Meldungen

Rhonda Vincent – die Queen of Bluegrass regiert in Laufen

Rhonda Vincent - Das Interview!

Laura van den Elzen: Hier klicken!
Franz-Karl Opitz & Rhonda Vincent

Es ist heiß an diesem schönen Sommerabend in Laufen, 25 Kilometer südlich von Basel in der Schweiz. Rhonda Vincent ist bereits zum dritten Male hier, weil Martin Meier, der rührige Veranstalter sie persönlich gut kennt. Zum vereinbarten Interviewtermin eine dreiviertel Stunde vor Konzertbeginn ist Rhonda auf die Minute pünktlich. Und ich brauche gar nicht groß zu fragen, Rhonda legt gleich lebhaft los und berichtet, wie schön ihre Europatournee bisher war, erst Oslo, dann Amsterdam und zwei Konzerte in Tschechien. Gestern hat sie ihr erstes Gastspiel in Deutschland gegeben und ist ganz begeistert. In Bietigheim-Bissingen waren sie die einzige Bluegrassgruppe unter vielen andern Musikern und das Publikum habe begeistert reagiert. „Aber auch die anderen Musiker waren von unserer Musik sehr angetan, es hat Lob gehagelt“, berichtet Rhonda. „Nach unserer Show kamen die Veranstalter aus uns zu, mit dem Stift in der Hand und wollten, dass wir gleich für das nächste Jahr wieder unterschreiben.“

Ich frage Rhonda etwas über ihre Karriere aus. Ob sie immer die richtigen Entscheidungen getroffen habe, auf ihrem Weg zur Queen of Bluegrass. Natürlich habe sie Fehler gemacht, sagt sie, „aber das Ganze war immer ein Lernprozess. Zunächst wuchs ich ja in einer völlig musikalischen Familie auf und wir machten Musik zusammen. Dann ging ich nach Nashville, wo ich kurze Zeit in bei Jim Ed Brown mitgesungen habe. Wir haben auf seiner Beerdigung neulich in der Kirche gesungen,“ erzählt Rhonda. Nach den ersten Alben zu Beginn der 1990er Jahre ging sie nach Nashville und nahm zwei reine Countryalben auf, „Written In Stars“ und „Trouble Free“. „Diese Zeit betrachte ich heute als meine Collegejahre, in denen ich vieles über das Musikbusiness gelernt habe. Es war schon lustig. Als ich entdeckt wurde, sagte man mir: Deine Stimme klingt so nach Country, du musst Country singen!“. Lachend fährt sie fort: „Als ich dann Country-Songs aufgenommen hatte, war das erste, was man mir sagte: ‚Kannst du den Bluegrass aus deiner Stimme rauskriegen?“ Da war ich schon ziemlich geschockt und fragte mich, was der Sinn sein sollte,“ sagte die Sängerin. „Ich habe festgestellt, dass in Nashville eigentlich ein Produkt aus mir gemacht werden sollte, dass meine Musik gar nicht so wichtig war.“ Sie habe sich dann eine eigene Band ausgesucht und von da an Bluegrass gemacht.

Ich will wissen, wo sie den Unterschied zwischen Country und Bluegrass sieht. Rhonda wird noch lebhafter: „Na klar, also zuerst mal ist Bluegrass eine rein akustische Musik. Es gibt keine Verstärker und man kann den Sound nicht manipulieren. Um Bluegrass zu spielen, muss man sich zunächst das richtige Instrument aussuchen und dann lernen, es richtig gut zu spielen. In Country oder in anderen Musikgenres kann man immer technisch nachhelfen, im Bluegrass entscheidest du als Musiker, wie dieses Instrument klingt und sonst niemand.“ Ein Bluegrassmusiker klinge auf CD oder live gleich, erklärt sie. „Wenn ich dir jetzt etwas vorsinge, klingt das wie nachher im Konzert oder auf meiner CD.“

Zu meinem leichten Bedauern hat sie mir nichts vorgesungen. Auf meine Frage, wie sie denn das moderne Nashville sehe, bleibt Rhonda gelassen. „Mit dem Internet hat sich so viel, auch positiv verändert. Schau, die neue CD von Willie Nelson und Merle Haggard (Django And Jimmie) ist ein Riesenhit, obwohl sie im Radio kaum gespielt wird. Traditionelle Countrysänger wie Gene Watson sind erfolgreich auf Tournee, denn sie geraten nicht in Vergessenheit, weil die Leute sie online sehen können,“ sagt Rhonda und ihre Zufriedenheit darüber ist spürbar.

Auf die Frage, ob es Frauen in der aktuellen Bluegrassszene ebenso schwer haben, wie in der Countrymusik, bleibt Rhonda zurückhaltend: „Na, ja, man hört schon manchmal, dass Sängerinnen sich beklagen. Aber es gibt auch echte Gründe, warum junge Frauen es manchmal schwer haben. Denke nur daran, was es heißt, monatelang auf Tournee zu sein, wenn es gilt, Kinder zu erziehen. Und Gatten mögen es oft gar nicht, wenn ihre Frau mit Männern unterwegs sind,“ gibt sie zu bedenken. „Ich selber habe da Glück gehabt. Mein Mann und ich sind jetzt seit über 31 Jahren glücklich verheiratet. Er hat mich immer meine musikalische Karriere verfolgen lassen, blieb zu Hause und hat unsere Töchter erzogen. Dafür kann er jetzt halt in Ruhe angeln und Golf spielen“, fügt sie lachend hinzu.

Ich will wissen, wann es das nächste Album von Rhonda Vincent geben wird. Sie erzählt, dass es in zwei Monaten ihr neues Weihnachtsalbum veröffentlicht wird. Drei neue Songs hat sie selbst geschrieben, aber auf ein Lied ist sie besonders stolz. Vom Christmas-Klassiker „12 Days Of Christmas“ wird es eine Version mit entsprechend vielen Kolleginnen und Kollegen geben, die alle einen Vers singen. Sie zählt auf: Oak Ridge Boys, Willie Nelson, Bill Anderson, Charlie Daniels, Dolly Parton, Ronnie Milsap, Gene Watson, Larry Gatlin, Lorrie Morgan, Pam Tillis , Jeannie Seely und die elfjährige Emmy Sunshine.

Wie hat Rhonda es über 30 Jahre lang geschafft, ihre Musik auf einem so hohen Niveau zu halten, ja immer zu verbessern? „Ich glaube, dass es vor allem daran liegt, dass ich das, was ich tue, so liebe. Ich habe den Ehrgeiz, dass jedes neue Projekt besser als das Vorherige oder mindestens genauso gut ist,“ antwortet Rhonda. „Und ich will auch immer gerne etwas Neues machen, wie dieses Lied auf meiner Weihnachts-CD. Mein Mann hat gesagt, dass das Lied ja mehr koste als die ganze CD. War mir egal, ich wollte das Neue machen. Und wenn ich dafür für den Rest meines Lebens zahlen muss, es war es mir wert.“ Rhonda klingt entschlossen und verabschiedet sich sehr freundlich, mit einem gemeinsamem Bild (nur schade, dass ich darauf bin), das ihr Schwiegersohn Hunter Berry von uns macht.

Lesen Sie auch: Das Rhonda Vincent & The Rage-Konzert am 17.07.2015 in Laufen

Americana im Pädagog: Weitere Infos!

Sponsor

World of Western: Seit 15 Jahren der kompetente Partner für alle Westernfreunde!

Ob Fashion, Boots, Schmuck oder Accessoires, vom heißen Bikerstil bis zur originellen Home-Dekoration, bei World of Western findest Du den passenden Look.

World of Western-Webseite: Hier klicken!

Über Franz-Karl Opitz (408 Artikel)
Franz-Karl Opitz gehört zur Country.de-Stammbesetzung. Sein bevorzugtes Themengebiet liegt in den Bereichen "Traditional Country, Bluegrass, Reviews & Charts".