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Marty Stuart And His Fabulous Superlatives: Way Out West

Marty Stuart und seine " Fabulous Superlatives" liefern mit "Way Out West" ein beeindruckendes Werk ab.

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Marty Stuart And His Fabulous Superlatives - Way Out West Marty Stuart And His Fabulous Superlatives - Way Out West. Bildrechte: Superlatone Records

Jahr für Jahr erscheinen nach wie vor unzählige Alben von Künstlern. Ich halte das für bemerkenswert, vor allem in einer Zeit, in der Künstler vermehrt auf EPs setzen oder gar digital einzelne Tracks herausbringen. Irgendwann gibt es dann vielleicht mal ein Album, was dann aber mitunter nicht mehr ist als eine Sammlung von teilweise bereits veröffentlichten Einzeltracks. Und dann gibt es noch die sogenannten Konzeptalben.

Konzeptalben sind etwas Besonderes, etwas Bemerkenswertes, in jeder Musikrichtung. Marty Stuart kennt das. Er kennt nicht nur u.a. die Konzeptalben von Johnny Cash (der gerne als „Erfinder“ der Konzeptalben in der Country Music genannt wird), sondern er hat selbst auch bereits mehrere Konzeptalben veröffentlicht. „The Pilgrim“ von 1999 ist eine Geschichte aus seinem Heimatstaat Mississippi, „Badlands“ behandelt die Lakota Sioux in South Dakota.

Diesmal treibt es ihn weiter westlich, nach California. Way Out West ist nicht nur ein Album, es ist auch eine Art Road Movie, eine Verneigung vor einem Bundesstaat, vor dessen Musik, dessen Eigenheiten, der Landschaft, und auch vor den dort erfundenen und gebauten Instrumenten und den durch sie maßgeblich beeinflussten Musikstilen bzw. Musikern.

Marty hatte gesagt, nach seiner Meinung müsse er dieses Album auch in Kalifornien aufnehmen. So geschah es dann auch, hauptsächlich im Studio von Mike Campbell, dem Gitarristen von Tom Petty’s Heartbreakers. Die Beiden kennen sich seit den Sessions für Johnny Cashs Album „Unchained“, auf dem Mike Campbell und Marty Stuart sich die Arbeit an der Leadguitar teilten. „Rusty Cage“ war der erste Track, den sie gemeinsam spielten. Campbell zeichnet auf „Way Out West“ auch als Produzent verantwortlich.

Dieses Album ist in der Tat ein echtes Album. Was banal klingen mag, verlangt nach Erklärung: Es ist dies keine wahllose Ansammlung von Songs in irgendeiner Reihenfolge, wie eingangs auch dargestellt, die so zwar schlüssig sein mag, aber auch anders sein könnte. Nein, hier ist alles durchdacht und die Reihenfolge der Musikstücke konsequent.

Mit „Desert Prayer – Part I“ geht es los. In einem Mix aus Gesängen und Trommeln der Lakota Sioux (siehe das o.g. Album „Badlands“) und psychedelischen Gitarren- und Sitarklängen geht es zum zweiten Stück, „Mojave“. Immer wieder sind die zum Teil kurzen, jedoch beeindruckenden Instrumentalstücke eingebettet, oder ist es eher andersrum? Ja, es ist natürlich andersrum. Die Instrumentalstücke beschreiben Landschaften, Stimmungen, Eindrücke, und mal da, mal dort wird angehalten, um eine Geschichte näher zu beleuchten.

Mit „Lost On The Desert“ treffen wir nun auch auf den ersten Gesangstrack. „Das hat doch…“ Ja, genau, das hat Johnny Cash aufgenommen. Es war der Opener seines Albums „The Sound Of Johnny Cash“ von 1962. Genau hier passt dieser Titel perfekt. Verloren in der Wüste, verzweifelt nach Wasser suchend und vom Teufel an der Nase herumgeführt, der die Markierung des Verstecks, wo das gestohlene Geld vergraben wurde, verändert und die Wasserlöcher leergetrunken hat. Darauf folgt der Titelsong, „Way Out West“.

Er erzählt Geschichten über Begebenheiten, die sich in „sunny California“ ereignen, immer unter dem Einfluss einer Pille in unterschiedlichen Farben. Die grüne Pille wird nach dreitägiger Fahrt aus Arizona eingenommen, die blaue Pille nimmt zunächst die Angst auf dem Hochseil in einem Zirkuszelt. Johnny Cash ist auch an Bord. Er spielte im Folsom Prison, und der Charakter aus dieser Kurzepisode dreht vor seiner Flucht durch die Vordertür während Cashs Zugabe dem Erzähler natürlich eine schwarze Pille an. Am Ende heisst es, „Wie auch immer Du dorthin gelangst, nimm keine Pillen!“ Über „El Fanstasma Del Toro“, einem Titel aus der Feder von Harry Stinson, dem langjährigen Drummer der Superlatives, der u.a. dessen Arbeit an spanischen Gitarren und die Steel Guitar des neues Bassisten Chris Scruggs (richtig, Enkel von Earl Scruggs und Sohn von Gail Davies und Gary Scruggs) präsentiert, gelangen wir nach „Old Mexico“ und zu einem weiteren Titel, der die großartigen Gesangskünste der Gruppe belegt, ganz im Stil von Marty Robbins, und musikalisch mehr als deutlich von Johnny Cash beeinflusst ist.

Wir sprachen über Gitarren aus Kalifornien. Nein, nicht nur Fender Guitars sind hier am Werk, sondern auch eine weitere berühmte Marke aus dem Golden State, nämlich Rickenbacker. Der starke Einfluss der Byrds und von Roger McGuinn ist auf „Time Don’t Wait“ nicht mehr zu verleugnen. Marty beendete mit genau diesem großartigen Song übrigens am letzten Wochenende seine Performance auf dem C2C Festival, Ausgabe Dublin.

„Quicksand“ heisst der nächste Instrumentaltrack, der wie schon „Mojave“ und „El Fantasma Del Toro“ auch musikalische Erinnerungen an die Spaghetti-Western mit ihrer oft von Ennio Morricone komponierten Musik weckt, hier aufgemotzt durch eine Verbeugung vor den Gitarrensounds der Surf-Music. „Air Mail Special“, ein Song aus dem Kanon von Benny Goodman, den Stuart sicherlich in der Version von Jim & Jesse als Bluegrassnummer kannte, kommt hier im Bakersfield-Stil daher. Der Einfluss von Buck Owens, Don Rich und natürlich Merle Haggard ist hier überdeutlich.

Auf „Torpedo“, einem pumpenden Instrumentaltrack aus der Feder des Superlatives Gitaristen Kenny Vaughan, folgt mit „Please Don’t Say Goodbye“ ein herzzerreissender Abschiedssong, musikalisch und instrumentell erneut perfekt umgesetzt von Marty Stuart und seiner umwerfenden Band. Und dann… ja, ist der nächste Track das wahre Highlight dieses Albums? Ich tendiere eher dazu, das Album als Ganzes, ohne Herausstellung einzelner Tracks, zu betrachten und zu würdigen.

Aber so oder so, „Whole Lotta Highway (With A Million Miles To Go)“ ist ein überragender Song, geschrieben von Marty Stuart. Eine wahre Trucker-Hymne, die musikalisch Merle Haggard und Clarence White fest miteinander verbindet. Besser geht es wirklich nicht mehr! Marty sagte dazu: „In der Mitte meines Gitarrensolos übernahm der Geist von Clarence White. Ich musste nach der Aufnahme einen Gang um das Gebäude unternehmen.“ Für Aussenstehende mag das durchgeknallt klingen, aber für Musiker bzw. Künstler ist das reelles Empfinden.

Mit dem à-capella gesungenen „Desert Prayer – Part II“ geht es dem Ende entgegen. Als wäre es das Abendgebet gewesen, folgt „Wait For The Morning“, mit einer letzten Demonstration des klassischen Fendersounds, zelebriert auf der berühmten Telecaster von Clarence White, mit der Marty Stuart nun seit fast 40 Jahren um die Welt zieht. Das kurze Reprise von „Way Out West“ verbindet alle Elemente dieser musikalischen Reise zum Abschluß noch einmal miteinander und lässt den mitreisenden Hörer die unterschiedlichen Elemente noch einmal rekapitulieren.

Wir tendieren ja in einer schnelllebigen Zeit immer mehr und immer häufiger dazu, Dinge, für die man sich früher Zeit nahm, hektisch mit geringerem Aufmerksamkeitspegel abzuhandeln. Ich möchte Sie, unsere geschätzten Leser, eindringlich darum bitten, diesem Album Ihre Zeit und volle Aufmerksamkeit zu schenken. Ich freue mich jetzt schon auf die (vorbestellte) Vinylausgabe und das Anhören, das aufmerksame Lauschen in aller Ruhe.

Fazit: Was für ein Album! Ja, ich weiß, wer mich kennt, der weiß nur zu genau, wie ich zu diesem Künstler stehe. Aber glauben Sie mir, hätte ich weniger neutral gedacht, wäre diese Rezension (noch mehr?) „durch die Decke geknallt“. Marty Stuart hat ein Meisterwerk geschaffen, ohne Frage. Für mich jetzt schon das „Album des Jahres 2017“, und es ist erst März. Der Mann aus Mississippi, dem man ohne einen einzigen Nummer-Eins-Hit im Gepäck bereits mit knapp 59 das Attribut „Legende“ anheftet, weiß nur zu genau, dass er wohl keine kommerziellen Erfolge mehr erreichen wird. Die persönliche Erfüllung durch seine Arbeit steht im Vordergrund, und Anerkennung ist der einzige mögliche Lohn dafür. 5 von 5 Punkten, ohne wenn und aber. Herausragend, genial, bewegend, meisterlich.

Marty Stuart And His Fabulous Superlatives – Way Out West: Das Album

Marty Stuart And His Fabulous Superlatives - Way Out West

Titel: Way Out West
Künstler: Marty Stuart And His Fabulous Superlatives
Veröffentlichungstermin: 10. März 2017
Label: Superlatone Records
Laufzeit: 39:53 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 15
Genre: Country
Bewertung: 5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste: (Marty Stuart And His Fabulous Superlatives – Way Out West)

01. Desert Prayer – Part 1
02. Mojave
03. Lost On The Desert
04. Way Out West
05. El Fantasma del Toro
06. Old Mexico
07. Time Don’t Wait
08. Quicksand
09. Air Mail Special
10. Torpedo
11. Please Don’t Say Goodbye
12. Whole Lotta Highway (With A Million Miles To Go)
13. Desert Prayer – Part 2
14. Wait For The Morning
15. Way Out West (Reprise)

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Über Bernd Wolf (124 Artikel)
Bernd Wolf gehört zur Country.de-Stammbesetzung und ist Spezialist für "Traditional Country und Americana" sowie anerkannter Johnny Cash-Experte.
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