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Alle Beiträge von Tobias Brockly



Brad Paisley: American Saturday Night

2. Juli 2009 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Im Voraus angekündigt als sein bisher persönlichstes Album mit dem – seiner Meinung nach – bisher wichtigsten Song seiner Karriere, wurde “American Saturday Night” mit einer Spannung erwartet, wie selten zuvor eine CD von Brad Paisley. Der Superstar aus Glen Dale, West Virginia, der erst wenige Wochen vor der Veröffentlichung mit der ersten Auskopplung “Then” seine zehnte Nr. 1 Single in Folge in den Billboard Country Charts feiern konnte, hat in den letzten Jahren sowieso einen absoluten Lauf.

Alles was er anpackt, scheint ihm zu gelingen und sich in Gold- und Platinauszeichnungen zu verwandeln. Er weiß inzwischen genau, wie er den Nerv seines Publikums treffen kann und mit welchen Songs sich die Erfolge einfahren lassen. Dass aber bei aller Erwartungserfüllung die Innovation und Weiterentwicklung dennoch nicht zu kurz kommt, ist ein weiterer Beweis für sein “glückliches Händchen”.

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The Twang: Ten Year Ride

19. November 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: Specials

Die Braunschweiger Cowboys mit ihrer zweiten Veröffentlichung in diesem ihrem Jubiläumsjahr. Zehn Jahre sind die Jungs nun schon unterwegs und machen mit ihren originellen Versionen bekannter Pop- und Rocksongs von sich reden. Am 30. April 2008 fand deshalb ein gut dreistündiges Konzert in der Brunsviga in Braunschweig statt, von dem nun die schönsten zwei Stunden und 15 Minuten auf DVD festgehalten wurden.

“Ten Year Ride” nennt sich das Ganze und dürfte alle Fans entschädigen, die an diesem Datum nicht persönlich dabei sein konnten. Satte 28 Countryfizierungen, darunter inzwischen legendäre Versionen von “I Shot The Sheriff”, “The Boxer” oder “Nothing Else Matters”, bieten einen repräsentativen Querschnitt aus dem bisherigen Schaffen der Band, die nun schon einiges an personellen Umbesetzungen hinter sich hat.

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Brad Paisley (Biografie)

12. November 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: Biografien

Brad Paisley wurde am 28. Oktober 1972 in Glen Dale (West Virginia) als Sohn eines freiwilligen Feuerwehrmanns und einer Grundschullehrerin geboren. Die Wurzeln seiner Familie liegen in Schottland, Irland, Italien und sogar Deutschland. Für Brads Interesse an der Musik war in erster Linie sein Großvater verantwortlich. So kam es, dass er bereits im Alter von acht Jahren begann Gitarre zu spielen. Gemeinsam mit seinem Gitarrenlehrer Clarence “Hank” Goddard gründete er seine erste Band “C-Notes”. Mit zwölf Jahren schrieb er bereits seinen ersten Song “Born On Christmas Day”, mit dem er in der örtlichen Kirche und in lokalen Clubs auftrat. Im Rotary Club entdeckte ihn schließlich Tom Miller, der Programmdirektor des Radiosenders WWVA in Wheeling, West Virginia. Er war sofort von Brads Talent begeistert und lud ihn zu einem Gastauftritt in der samstäglichen Radioshow “Jamboree USA” ein. Brads erster Auftritt dort rief dermaßen positive Reaktionen hervor, dass man ihn auf der Stelle für weitere Shows verpflichtete.

In den folgenden acht Jahren spielte er dann im Vorprogramm von Countrystars wie Roy Clark, Reba McEntire, George Jones, den Judds, Steve Wariner und Little Jimmy Dickens. Brad nutzte diese Zeit, um sich von diesen bereits etablierten Künstlern das ein oder andere abzuschauen und seine eigene Performance weiter auszubauen. Nach einem Praktikum bei der ASCAP (American Society of Composers, Authors and Publishers) unterschrieb er einen Songwriting-Vertrag bei der EMI und nahm einige Demotapes auf. Eine dieser Demoaufnahmen bekam Alan Jackson in die Hände und machte darauf hin seine Plattenfirma Arista Nashville auf Brads Talent aufmerksam.

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Brad Paisley: Play

10. November 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Es ist schon eine mutige Entscheidung, wenn man sich als Mainstream-Künstler auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere dazu entschließt, ein Album aufzunehmen, das so überhaupt nicht den Erwartungen seines Publikums entsprechen mag. Auf den ersten Blick zumindest. Denn Brad Paisley ist seit jeher dafür bekannt, auf jedes seiner Alben eine Instrumentalnummer zu packen. Eine davon – “Throttleneck” – wurde sogar kürzlich mit einem Grammy veredelt. Trotzdem standen und stehen seine “richtigen” Songs immer im Vordergrund und deshalb sollte und konnte auch dieses ursprünglich als rein instrumentales Werk geplante Album nicht ganz ohne sie auskommen. Schließlich will man auch ein wenig Material für die Charts in der Hinterhand haben, um den kommerziellen Erfolg wenigstens ein bisschen abzusichern. Und somit stehen dann letztendlich vier Gesangsnummern im Kontrast zu sage und schreibe elf Gitarrengewittern.

Das ist ‘ne ganze Menge, bei der sich Brad Paisley einmal quer durch den Stil- und Genregarten pickt. Da gibt es elektrifizierten Bluegrass in Form von “Kentucky Jelly”, Classic Rock mit “Departure” und “Cliffs of Rock City”, eine Verneigung vor einem oder vielleicht sogar DEM Gitarrengroßmeister schlechthin, Les Paul (gleichzeitig auch Schöpfer des berühmten Gibson Les Paul Modells) mit “Les Is More” und sogar einen Ausflug in den Surfsound der 60er: “Turf’s Up”. Einiges davon hätte man sich auch gut auf einem seiner früheren Alben vorstellen können. Instrumentale Dauerfeuer wie das bluesige “Playing With Fire” oder “Cluster Pluck” dagegen werden wohl nur bei Musikern punkten können – wenn überhaupt. Dabei hatte man sich für letzteres gerade so viel Mühe gegeben und sage und schreibe sieben (!!!) Telecaster-Legenden ins Studio geholt: Vince Gill, James Burton, Albert Lee, John Jorgensen, Brent Mason, Redd Volkaert und Steve Wariner dürfen bei dieser Nummer mal allesamt ordentlich “von den Saiten ziehen”. Leider ist so gut wie nicht herauszuhören, wer hier welches Solo, welches Lick beigesteuert hat. Großes Gitarreninferno – noch größeres Chaos.

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Jason Boland: Comal County Blue

18. September 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Jason Boland & The Stragglers gehören in der Red Dirt-Szene rund um Oklahoma längst zur Elite. Gemeinsam mit anderen Bands wie Cross Canadian Ragweed vertreten sie ein Genre, das eigentlich gar keines ist. Die Bezeichnung “Red Dirt” bezieht sich nämlich in erster Linie auf die Herkunft dieser Bands, die rote Erde von Oklahoma, und weniger auf die eigentliche Musik. Die kann nämlich alles sein: im Falle von Cross Canadian Ragweed eher Rock, im Falle von Jason Boland eher (oder ziemlich eindeutig) Country.

Im Gegensatz zu früheren Alben von Jason Boland & The Stragglers hat das neue Werk, “Comal County Blue”, einen deutlich ernsthafteren und erwachseneren Charakter, was vor allem im direkten Vergleich mit dem Vorgänger “The Bourbon Legend” von 2006 auffällt. Ein wesentlicher Grund dafür mag der erfolgreiche Alkoholentzug von Frontmann Jason Boland sein, der hier seine deutlichen Spuren hinterlassen hat. Einiges auf der neuen Platte wirkt nachdenklicher, selbstreflektierter und teilweise sogar religiös oder spirituell. So ist vor allem “Bottle By My Bed” eine beeindruckende Auseinandersetzung mit der Alkoholvergangenheit Bolands, bei der das ganze Ausmaß seiner Sucht erst so richtig klar wird. Dieser Mann war wirklich kurz vorm Abgrund und hat in letzter Sekunde noch die Kurve gekriegt. Sicherlich der emotionale Höhepunkt dieses Albums. Im Opener “Sons And Daughters Of Dixie” geht es dagegen um die Folgen des Hurrikans Katrina und die betroffenen “Söhne und Töchter von Dixie”, die sich durch monatelange Wiederaufbauarbeiten kämpfen mussten. “Down Here On Earth” ist eine sympathische, wenn auch subtile Anspielung auf den Konflikt, den Galileo Galilei einst mit der Kirche hatte. Frage: Wer dreht sich denn nun eigentlich um wen – Sonne oder Erde? Für alle die es immer noch nicht wissen, gibt’s dann hier in diesem Song noch mal dick und breit die Antwort. Im atmosphärisch dichten Titelsong des Albums ist die Antwort dagegen Austin, zumindest auf die Langeweile und Monotonie im sogenannten Comal County, von dessen friedlicher Beschaulichkeit Jason hier anscheinend die Nase voll hatte und einfach mal ausbrechen wollte. Was bietet sich da für einen Texaner auch besseres als Austin …

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The Derailers: Guaranteed To Satisfy

26. August 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Die Musik der 60er Jahre hatte schon immer einen enorm hohen Einfluss auf die Derailers. Ihr “Buck Owens meets The Beatles”-Sound und Knaller-Alben wie das 1999er “Full Western Dress” haben sie in Szenekreisen äußerst beliebt gemacht. Der Ausstieg Tony Villanuevas vor einigen Jahren war dagegen ein herber Schlag. Er hatte die Band maßgeblich geprägt und mit seiner Leadstimme vor allem die Buck-Owens-typischen Gesangsharmonien erst möglich gemacht. Brian Hofeldt, der bis dahin nur als gelegentlicher zweiter Leadsänger aufgetreten war, musste also eins aufrücken und hatte eine mehr als nur große Lücke zu füllen. Resultat war ein rückblickend eher orientierungsloses Album mit “Soldiers Of Love” (2006), das zwar eine enorme Stilvielfalt bot, gleichzeitig aber auch eher wie eine lose Sammlung einzelner Songs wirkte. Nach einem Huldigungsalbum im vergangenen Jahr mit “Under The Influence Of Buck”, das sich ganz dem musikalischen Vermächtnis des 2006 verstorbenen Buck Owens widmete, geht’s nun wieder gestärkt auf zu neuen bzw. alten Ufern – direkt an die amerikanische Westküste anno 1965, könnte man meinen, so überzeugend klingt dieser “Retrosound” hier.

Mit “Bad, Bad Girl” gibt’s gleich einen packenden Rock’n'Roll-Einstieg in diese neue Platte, die den fast schon überheblichen Namen “Guaranteed To Satisfy” trägt. Der darauf folgende Titelsong geht’s dagegen etwas gelassener an. Erinnerungen an Roy Orbison kommen da automatisch und das sicherlich auch nicht ganz zufällig. “The Sun Is Shining On Me” trägt den Hörer auf den Flügeln eines verliebten Schmetterlings im Juli (schön kitschig, was?) und erinnert mit seiner “Flower Power”-Atmosphäre und dem filigranen Gitarrenspiel schon fast an Roger McGuinn und seine Byrds. “The Way You Move”, “I’m Still Missing You” und “Wallflower” stehen dagegen eher in der Tradition vergangener Motown-Hits und überzeugen mit lässigen Rhythm and Blues-Einflüssen. Das düstere “The Blood Of A Man” fällt da etwas aus dem Rahmen und wagt es fast den sonnigen Gesamteindruck zu zerstören. Aber eben auch nur fast, denn mit “The Get-Go” ist schon die erlösende Rettung in Sicht. Wüsste man es nicht besser, könnte man diese Nummer fast schon als einen verschollenen Outtake aus den “Rubber Soul”-Sessions der Beatles durchgehen lassen. Etwas enttäuschend und lustlos wirkt leider der rein instrumentale Titel, “Corn Pickin’”. Da hatte ausnahmsweise das Quasi-Vorgängeralbum, “Soldiers Of Love”, mit “Poppycock” die unterhaltsamere Variante parat.

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10 Jahre The Twang – Das Jubiläumskonzert in Braunschweig

3. Mai 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: News

Wenn es jemals ein Gipfeltreffen der Zunft des countryfizierten Liedguts gegeben hat, dann fand es am 30. April 2008 in der Brunsviga in Braunschweig statt. „10 Years of Countryfication“ galt es zu feiern und die Geburtstagskinder des Abends, The Twang, spielten auf zu einer Kombination aus Bandjubiläum und „Tanz in den Mai“. Und weil so eine Geburtstagsparty natürlich erst dann richtig in Gang kommt, wenn man die richtigen Gäste dabei hat, wurden alle ehemaligen Twangs, die zu irgendeinem Zeitpunkt während der letzten zehn Jahre mal dazugehörten, großzügig eingeladen.

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George Strait: Troubadour

10. April 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Ja gut, also vorstellen muss man diesen Mann nun wirklich nicht mehr. Wenn es um Zuverlässigkeit in Bezug auf hochwertige Alben und neue Rekorde in Sachen Nummer Eins Hits geht, dann steht ein Name mit ziemlich großem Abstand an der Spitze: George Strait. Seit 1981 sein erstes Album mit dem verheißungsvollen Titel “Strait Country” erschien, hat er es auf 24 weitere Studioalben (sämtliche Best Of- und Weihnachts-CDs nicht mitgerechnet) gebracht, die praktisch ausnahmslos allesamt als Referenzwerke für traditionelle Country Music anzuführen sind. Und das Beste: In all den Jahren nicht der kleinste Anflug von einem Karrieretief – das muss ihm erstmal einer nachmachen! Ans Aufhören denkt er anscheinend noch lange nicht und somit wird die Erfolgsgeschichte mit jeder CD, jeder Singleauskopplung immer weiter geschrieben.

Das neuste Kapitel: “Troubadour”. Eine mehr als treffende Bezeichnung für George, der ja nun wirklich ständig aus einem riesigen Songangebot der besten Autoren schöpfen kann. Einziges Manko: In der Regel schreibt so ein Troubadour seine Songs in erster Linie selbst. George dagegen hat bis heute kaum einen Song selbst geschrieben. Die einzige Ausnahme ist immer noch “I Can’t See Texas From Here” von seinem 1982er Album “Strait From The Heart” geblieben. Seitdem vertraut er ausschließlich auf Fremdmaterial. Warum auch nicht, der Erfolg gibt ihm schließlich Recht. Dabei passt der Titelsong dieser neuen CD vor allem inhaltlich so perfekt zu Georges Leben und Karriere, dass man spontan auf eine Eigenkomposition schließen könnte. Stattdessen waren es aber Monty Holmes und Leslie Satcher, die diesen Song zur Welt gebracht haben. Eine wirklich tolle Nummer zum Einstieg, die allerdings einen winzigen Schönheitsfehler hat, indem in der zweiten Strophe doch tatsächlich “Mirror” auf “Mirror” gereimt wird. Na ja …

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Alan Jackson: Good Time

10. März 2008 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Da hat wohl jemand ein schlechtes Gewissen. Wie sonst soll man sich bitte die gigantische Zahl von 17 (!!!) Songs bei einer Spielzeit von über 70 Minuten erklären, die Alan Jackson hier auftischt. Waren es letztendlich doch zu viele Fans, die vom Vorgängeralbum wenig bis gar nicht begeistert waren und den “alten” Alan Jackson wieder zurückgefordert haben? Anscheinend. Erklären wir uns also diese riesige Songkollektion mit dem Wort “Wiedergutmachung” und freuen uns über den wohl hundertprozentigsten Alan, den man jemals gehört hat. Alle 17 Songs dieser “Good Time” stammen nämlich aus seiner eigenen Feder – ganz ohne Co-Autoren oder Fremdkompositionen. Dennoch, ganz alleine hat er das Album nicht auf die Beine gestellt. Sein langjähriger Hausproduzent Keith Stegall hat sich hier wieder mal an die Regler begeben und die Songs im altbewährten Stil rausgeputzt. Das klingt natürlich immer irgendwie gleich, aber es klingt gleichzeitig auch so, als hätte es den gewagten Genreausbruch mit “Like Red On A Rose” niemals gegeben.

Mit einer verzerrten Computerstimme, die den Albumtitel ausruft, fällt der Startschuss in dieses Album. “Good Time” sorgt für einen munteren Honky Tonk-Einstieg und verlangt vom Protagonisten mit seinem rasant zungenbrecherischen Text gleich zu Beginn schon vollsten Einsatz. Damit dürfte so mancher Lacher bei zukünftigen Konzerten dank diverser textlicher Stolperfallen bereits vorprogrammiert sein. Etwas gemäßigter geht da schon “Small Town Southern Man” zu Werke, die erste Singleauskopplung. Das ist klassischer Alan Jackson-Stoff, ganz in der Tradition seiner Storyteller-Songs wie “Little Man” oder “Drive”. In eine ähnliche Richtung geht hier auch “1976″, ein Song über die Zeit in der Alan seine Immernoch-Ehefrau Denise kennen gelernt hat. Etwas banal wirkt dagegen so eine Nummer wie “Country Boy”, aber okay, auch solche Sachen muss es geben – erst recht wenn ein Album den Namen “Good Time” trägt. Trotz der ganzen Partylaune dürfen natürlich auch die Ruhepausen nicht zu kurz kommen. Auf den ersten Blick mögen die Balladen dieser CD vielleicht ein bisschen durchschnittlich wirken, aber sie wachsen mit der Zeit und gewinnen immer mehr an Charme und Identität. Vor allem das unaufdringliche und nachdenkliche “I Wish I Could Back Up” kristallisiert sich da nach einigen Durchläufen als Favorit heraus. Die melancholische Seite ist hier also durchaus vertreten, wenn auch deutlich in der Minderheit.

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Josh Turner: Everything Is Fine

22. November 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

So schnell kann das gehen. Hier ist bereits Album Nummer 3 vom frisch gebackenen Grand Ole Opry-Mitglied Josh Turner. Das Vorgängeralbum bescherte ihm den endgültigen Durchbruch mit zwei dicken No.1 Hits im Gepäck, dem Titelsong, “Your Man”, und dem bluegrassigen “Would You Go With Me”. Kein Wunder also, dass er die neue CD selbstzufrieden “Everything Is Fine” getauft hat. Da scheint momentan wirklich alles ganz nach seinen Vorstellungen zu laufen – und damit das auch vorläufig erstmal so bleibt, hat er sich bei den zwölf neuen Songs diesmal ganz besonders ins Zeug gelegt. Seinem traditionellen Stil bleibt er dabei weiterhin unverändert treu. Das freut den geneigten Hörer und Fan und unterscheidet Josh Turner erfreulich von vielen seiner Kollegen, die sich mit steigendem Bekanntheitsgrad immer weiter von ihren musikalischen Wurzeln entfernen.

Bereits der Opener und gleichzeitiger Namensgeber des Albums versprüht eine ungemein entspannte und doch dynamische Country-Frische mit unverfälschten, puren Fiddle-Klängen wie man sie sich viel öfter auf aktuellen Country-CDs wünschen würde. Die bei Josh Turner inzwischen fast schon obligatorische Portion Religion lässt der Song selbstverständlich auch nicht vermissen. Ein Komplettpaket also, das in drei Minuten all die Elemente aufzeigt, die Josh zu Turner machen. Während die erste Singleauskopplung, “Firecracker”, im Großen und Ganzen eher leichtverdauliche Chartkost präsentiert, entpuppen sich vor allem die langsameren Songs des Albums als besonders tiefgängig und intensiv. Allen voran die beiden Duette “Another Try” mit Trisha Yearwood und “Nowhere Fast” mit Soul- und R’n'B-Sänger Anthony Hamilton. Beide Songs bestechen durch wunderschöne Harmonies, wobei “Nowhere Fast” bei allem Countrytum eine perfekte Melange mit Soul-Elementen eingeht. Ein absolut großartiges und zeitloses Musikerlebnis! Sehr schön ist auch “The Longer The Waiting (The Sweeter The Kiss)” geworden, bei dem einige keltische Instrumente unaufdringlich die faszinierende Stimmung des Songs untermalen. So etwas kann auch nicht jeder singen. Dazu muss man schon das gewisse Etwas verkörpern, eine gewisse Würde mitbringen – und das tut Josh.

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Dwight Yoakam: Dwight Sings Buck

7. November 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Gut eineinhalb Jahre ist es jetzt her, als die Bakersfield-Legende Buck Owens am 25. März 2006 plötzlich und erwartet starb. Solche Todesfälle von Countrylegenden sind ja immer wieder ein willkommener Anlass für andere Musiker, um in Form von Tribute-Alben dem Verstorbenen noch einmal ausgiebig zu huldigen. Selbstverständlich verhält es sich im Falle von Buck Owens nicht anders. Und so verwundert es nicht, dass jetzt – nach Jann Browne (“Buckin’ Around”) und den Derailers (“Under The Influence Of Buck”) – mit Dwight Yoakam bereits der dritte Künstler auf Albumlänge das musikalische Schaffen vom guten alten Buck noch einmal aufbereitet und in seiner ganz eigenen Art und Weise neu interpretiert. War es bei Jann Browne noch ungewohnt, die bekannten Songs gesungen von einer Frau zu hören, und hielten sich die Derailers insgesamt viel zu nah an den Originalen, schafft Dwight Yoakam – inzwischen selbst schon eine lebende Legende – die perfekte Gratwanderung zwischen tiefem Respekt und typisch Yoakam’scher nasaler Hochnäsigkeit.

Die stärksten Momente bietet dieses Album ganz klar bei den Balladen, denen die Neubearbeitung merklich gut getan hat. Sei es nun “Only You”, “Crying Time”, “Your Tender Loving Care” oder “Together Again” – alle wurden sie ein wenig entstaubt und etwas zeitgemäßer aufbereitet. Aufbereitet, aber selbstverständlich ohne dabei den ursprünglichen Geist, den die Versionen von Buck selbst ausgemacht haben, aus den Augen zu verlieren. Besonders herausragend ist auch “Under Your Spell Again” ausgefallen, das dermaßen “eingedwight” wurde, das man irgendwie gar nicht mehr an das Original denkt. Einen ähnlich starken und bleibenden Eindruck hinterlässt auch “Close Up The Honky Tonks”, das hier in einer prächtigen XXL-Fassung von über 6 Minuten vorzufinden ist. Aber damit nicht genug. Nicht nur die Spielzeit des Songs hat Dwight ausgedehnt, sondern auch die musikalische Identität des Originals. Weg vom klassischen Bakersfield-Shuffle und hin zu einem fast schon psychedelisch anmutenden Soundkostüm, an dem sicherlich auch viele Fans der Alt.Country- und Americana-Richtung ihre Freude haben werden. Das ist ohne Frage ganz großes Musik-Kino und zeugt nur einmal mehr von Dwights Klasse!

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Jack Ingram: This Is It

12. Oktober 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Und wieder mal ein texanischer Künstler, den die Aussicht auf eine Karriere als Stammgast in den Charts dazu bewegt hat, seinen bisherigen Stil etwas zu rationalisieren und damit massentauglicher zu machen. Leute wie Pat Green oder die Randy Rogers Band haben es schon mehr oder weniger erfolgreich vorgemacht. Nun ist Jack Ingram dran, der rein optisch mit den halblangen Haaren ein wenig an Keith Urban erinnert und stimmlich wie ein Bryan Adams-Epigone daherkommt. Eine Kombination, mit der er zumindest schon mal die Mehrheit aller stereotypisch tickenden Frauenherzen auf seiner Seite haben dürfte. Und womit will er bitteschön die männliche Hörerschaft überzeugen? Nun, vielleicht mit einem ganzen Bündel an saftigen Cabriohymnen für den bevorstehenden Sommer, die allesamt gewagt halsbrecherisch auf der dünnen Grenze zwischen kantigem, mit Country-Elementen versetztem Rock und radiokompatiblem Hausfrauen-Sound balancieren.

Wer die bereits lange im Vorfeld veröffentlichte Singleauskopplung “Wherever You Are” schon mal gehört hat, wird wissen, was ich meine. Erfreulicherweise hat das Album aber erheblich mehr zu bieten, wie zum Beispiel die zweite Auskopplung “Love You” aus der Feder von Trent Summar, einem texanischen Songwriterkollegen, der diesen Song auch selbst erst kürzlich für sein Album “Horseshoes & Hand Grenades” aufgenommen hat. Und genau dieser Song ist es dann auch, der so etwas wie einen Bruch im Verlauf des Albums darstellt. Von hier an befinden sich nämlich fast ausschließlich nur noch selbst geschriebene Songs vom guten Jack auf der CD.

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Shannon Brown: Corn Fed

25. September 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

“Green fields for miles and miles, and nothing but country on the radio dial” singt Shannon Brown im Titelsong ihres Debütalbums “Corn Fed”. Ein Zustand, von dem man hier in Deutschland als Countryfan nur träumen kann, der aber in Iowa, Shannon Browns Geburtsort, zum Alltag gehört. Shannon Brown lebt und liebt den Country-Lifestyle und präsentiert sich mit Hilfe von Hitproduzent John Rich äußerst facettenreich und Genre-übergreifend ohne dabei jedoch ein gewisses kommerzielles Potenzial der Songs aus den Augen zu verlieren.

So ist dann wohl auch zu erklären, weshalb die erste Singleauskopplung “Corn Fed” klingt, als träfe das “Mississippi Girl” auf die “Redneck Woman”. Faith Hill trifft also auf Gretchen Wilson und heraus kommt Shannon Brown? Ja, so könnte man ihren Stil schon sehr treffend beschreiben. Nicht zu glatt, nicht zu viel Make-Up und auf der anderen Seite auch nicht zu sehr auf Redneck-Attitüde und Landei-Image getrimmt. Eine ideale Kombination also für alle die, die bisher weder mit den zum Pop neigenden Hochglanzladies noch mit einer grimmigen Gretchen Wilson etwas anfangen konnten.

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The Derailers: Soldiers Of Love

23. September 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Es gibt sie immer wieder, diese Alben, die vor musikalischer Genialität nur so strotzen, die aber einfach nicht genügend dafür gewürdigt werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Album “Soldiers Of Love” von The Derailers. Dabei stand die Band, nachdem Leadsänger und Gründungsmitglied Tony Villanueva überraschend seinen Ausstieg verkündete, schon fast vor dem Ende ihrer Karriere. Doch zum Glück gab es da ja noch den Co-Frontmann Brian Hofeldt, der sich kurzerhand dafür entschied, das “Co-” zukünftig wegzulassen und somit den Platz von Tony Villanueva einzunehmen. Sicherlich keine einfache Aufgabe, da Tonys Stimme den Stil der Band über Jahre hinweg schon sehr geprägt hatte.

“Cold Beer, Hot Women & Cool Country Music” heißt der Opener dieser CD. Hält der Titel was er verspricht? Nun ja, für das kalte Bier und die heißen Frauen muss man schon selbst sorgen, aber zumindest den Part mit der coolen Country Music, den übernehmen die Derailers! Davon kann man sich auch im zweiten Song, “She’s a Lot Like Texas”, überzeugen. Ein recht melancholisches Stück mit staubtrockenem Texas-Charme. Nach dem dynamischen Start in die CD kommt dieser Song irgendwie unerwartet, aber er ist in jedem Fall ein musikalischer Hochgenuss. Dieser plötzliche Wechsel der Musikstile setzt sich dann auch nahtlos fort und zieht sich sozusagen durch das gesamte Album. Der Titelsong “Soldiers Of Love” ist dabei eine der größten Überraschungen. Soundmäßig ein Überbleibsel des R&Bs der 60er und nicht umsonst sehr an die Beatles erinnernd. Keine Geringeren als die Fab Four aus Liverpool waren es nämlich, die den Song damals auch schon gespielt haben. Einen Mitschnitt davon gibt es auf deren Album “Live at the BBC”. Muss man aber nicht unbedingt kennen, zumal Brian Hofeldt laut eigener Aussage bei diesem Song ohnehin eine bessere Figur abgibt als John Lennon damals. Wollen wir’s ihm einfach mal glauben …

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The Twang: Twang ‘Em High

20. Juli 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Fast drei lange Jahre haben sich The Twang für ihr drittes Studioalbum Zeit gelassen. Grund dafür war u.a. auch die Schließung ihres Labels XXS Records. Nachdem die beiden 2005 und 2006 zur Überbrückung der Wartezeit eingeschobenen Live-Alben nur im Eigenvertrieb der Band erschienen sind, hat man jetzt für “Twang ‘Em High” wieder den früheren Vertriebspartner Indigo gewinnen können. Das Album wird also wieder ganz regulär überall erhältlich sein und nicht mehr nur über die bandeigene Homepage. Vertriebstechnisch gestärkt und musikalisch gerüstet begeben sich die norddeutschen Cowboys nun auf ein neues Abenteuer durch den wilden Westen der Musikgeschichte. Wie immer mit einer Mischung aus übergroßem Augenzwinkern und überzeugendem Fachverständnis holen sie sowohl allseits bekannte Klassiker als auch diverse Songs der Neuzeit von ihren Pferden und nehmen sie mit auf einen wilden Ritt durchs Twangland.

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Big & Rich: Between Raising Hell & Amazing Grace

10. Juli 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Seien wir doch mal ehrlich, den tornado-artigen Erfolg des ersten Albums, “Horse Of A Different Color” und die damit verbundene Furore rund um ihre Person werden Big & Rich wohl nie wieder toppen können – oder zumindest nicht allzu schnell. Man soll ja schließlich niemals nie sagen. Das neue Werk, “Between Raising Hell & Amazing Grace”, jedenfalls ist schon mal wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Die beiden machen diesmal glücklicherweise nicht mehr den Fehler wie beim zweiten Album, “Comin’ To Your City”, wo sie versuchten mit aller Gewalt noch ausgeflippter und überdrehter als auf dem Vorgänger zu wirken, sondern schlagen ein komplett neues musikalisches Kapitel in ihrer Karriere auf. Das Album ist aufgeteilt in zwei “Seiten”, von denen die erste komplett aus ernsthaften und nachdenklichen Songs besteht, die meist im Balladentempo gehalten sind. So etwas kannte man in diesem Ausmaß bisher noch nicht von den beiden Revoluzzern des Genres Country, denn bis auf wenige Ausnahmen ließen sie sonst immer mit Vorliebe die Klamauk-Rabauken raushängen.

Und noch eine Besonderheit gibt es auf dieser CD. Zum ersten Mal in der Geschichte des Duos haben sie sich bei einigen Titeln für Fremdkompositionen entschieden, an denen keiner von beiden beteiligt war. Außerdem hat Big Kenny diesmal einen erheblich größeren Songanteil beigesteuert, als es noch auf den letzten beiden Alben der Fall war. Von ihm stammen u. a. auch der mit Lebensweisheiten gespickte Titelsong des Albums und das besonders schön ausgeschmückte “Eternity”, das mit einem A-Capella-Intro von Soulsänger John Legend eingeleitet wird. Wer da keine Gänsehaut bekommt, hat keine Haut! Aber genug davon.

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Brad Paisley: 5th Gear

25. Juni 2007 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Brad Paisley ist so etwas wie der “Everybody’s Darling” der Country Music, der es schafft, sowohl die Anhänger der klassischen traditionellen als auch der modernen rockigeren Variante anzusprechen. Sein Publikum kennt keine Alters- oder Geschlechtsgrenzen. Vom 16-jährigen Teenie bis zum graubärtigen 60-jährigen ist eigentlich alles dabei. Kann man diesen Mann überhaupt nicht mögen? Vermutlich nicht. Sein sympathisches Wesen und sein außerordentlich glückliches Händchen für originelle Songs haben sich längst rum gesprochen. Auch schon bei den Gremien der beiden großen Institutionen CMA und ACM, die seine letzte CD, “Time Well Wasted”, im Gleichklang mit dem Preis für das Album des Jahres ausgezeichnet haben. Zudem warf das Album auch noch drei No.1 Hits ab, an denen sich jetzt – vor allem in Kombination mit den Auszeichnungen der ACM und CMA – das neue Werk, “5th Gear”, wohl oder übel wird messen müssen. Aber, und das kann man schon mal sagen, ein spürbarer Qualitätsverlust in musikalischer Hinsicht ist hier nun wirklich beim besten Willen nicht auszumachen. Der erste faktische Beleg dafür wäre “Ticks”, die erste Singleauskopplung, die zum Zeitpunkt dieser Rezension auf Platz 1 der Country Single Charts steht. Aber wie sieht’s denn nun genau mit dem Rest des Albums aus?

Da findet man mal wieder alle bekannten Zutaten, die zu einem Brad Paisley Album dazu gehören. Ein Gospelsong, eine Instrumentalnummer und selbstverständlich auch diesmal wieder ein Gastspiel der Kung Pao Buckaroos, die diesmal zwar ohne George Jones auskommen müssen, aber auch ohne ihn wieder ihre bekannten Altherrenspäße treiben. Ein Blick ins Booklet macht klar, dass sich auch an den Songwritern nicht allzu viel geändert hat. Zehn der insgesamt 16 Titel hat Brad Paisley entweder selbst- oder mitgeschrieben, meist gemeinsam mit seinen langjährigen Songwriting-Partnern Kelley Lovelace und Chris DuBois, mit denen er bereits seit seinem Debüt aus dem Jahre 1999 zusammenarbeitet. Das Dreamteam Lovelace/Paisley/DuBois steuert dann mit “All I Wanted Was A Car” und “Online” auch gleich zwei der hitverdächtigsten Songs des Album bei. Der Song “Online” kann zudem auch noch mit einigen musikalischen Raffinessen und Sound-Gimmicks aufwarten. Während an einer Stelle des Songs das Startgeräusch eines Apple-Computers versteckt ist, steigt gegen Ende eine Blaskapelle mit ein, die damit diesem ohnehin leicht satirischen Song die alberne Krone aufsetzt.

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The Twang: Not Your Average Country Band

10. November 2006 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Da sind sie wieder, die Ober-Countryfizierer unseres Landes: The Twang! Die Band, die sich mit ihren eigenwilligen Interpretationen allseits bekannter Hits immer wieder wohltuend vom Musikalltag abhebt und mit einem übergroßen Augenzwinkern so manchen Klassiker durch den Countrywolf jagt, meldet sich mit einem frischen, akustisch ausgerichtetem Live-Album wieder zurück.

Musikalische Grenzen oder Respekt vor den Originalen kennen The Twang nur in Maßen. Stattdessen drehen sie berühmte Auswüchse jedes erdenklichen Genres komplett auf links und sorgen somit für Heiterkeit beim geneigten Hörer. So wird z.B. die legendäre von Gerry Rafferty besungene “Baker Street” kurzerhand vom regnerisch-grauen London rüber in die staubtrockene texanische Wüste verlegt. Oder Aerosmiths Rockklassiker “Walk This Way”, der in dieser Version problemlos in jedem Honky Tonk funktionieren dürfte. Herrlich abstrus ist auch die Fassung der Scorpions-Mauerfall-Hymne “Wind Of Change” ausgefallen. Unvorstellbar, wenn der Song damals in dieser Form gespielt worden wäre und noch heute diverse Fernsehberichte damit unterlegt werden würden.

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Tracy Byrd: Different Things

5. November 2006 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

In Nashville ist eine neue Zeit angebrochen. Eine Zeit, in der namhafte Countrykünstler ihre CDs in Eigenregie auf kleinen Independent-Labels veröffentlichen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die einen wagen diesen Schritt aus freien Stücken, die anderen wurden von ihren ehemaligen Plattenfirmen mangels befriedigender Verkaufszahlen vor die Tür gesetzt und sehen das nun als ihre einzige Möglichkeit an, wieder eigene Platten veröffentlichen zu können. So auch im Falle von Tracy Byrd. Anfang der 1990er Jahre stand er bei MCA Records unter Vertrag, wechselte dann 1999 zu BMG, wo er zuerst auf Arista, dann auf RCA und schließlich auf BNA jeweils ein Album veröffentlichte, und steht jetzt mit seinem eigenen kleinen Label Blind Mule Records (im Vertrieb von A2M) am Anfang eines neuen Kapitels seiner Karriere.

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Me First And The Gimme Gimmes: Love Their Country

15. Oktober 2006 | Von Tobias Brockly | Kategorie: CD-Besprechungen

Dass man bekannte Popsongs in brillante Countryversionen umwandeln kann, haben Bands wie Texas Lightning oder The Twang ja schon unter Beweis gestellt. Dass es aber auch möglich ist, legendäre Countryhits als waschechte Punksongs zu spielen, das ist neu. Me First And The Gimme Gimmes, eine amerikanische Punkrock-Coverband, demonstrieren das anhand von zwölf allseits bekannten Countrysongs auf ihrer CD “Love Their Country”. Diese Band liebt also ihr Land und auch die landestypische Musik. Das sollte man wissen und sich während des Hörens immer wieder in Erinnerung rufen. Ansonsten besteht nämlich die Gefahr, dass man sich als Countryfan leicht auf die Füße getreten fühlt.

Los geht’s mit Garth Brooks’ “Much Too Young (To Feel This Damn Old)”, das sie während der ersten Strophe sogar nahezu originalgetreu nachspielen. Da sonnt man sich gerade noch in wohlig vertrauten Countryklängen, wenn plötzlich gegen Ende des Refrains das böse Wort mit “F” den Startschuss für das Punkrock-Feuerwerk gibt. Und von dort an stehen 25 Minuten Vollgas auf dem Programm – länger dauert die CD nämlich nicht. Gnadenlos “verpunken” sie Klassiker wie Willie Nelsons “On The Road Again”, Dolly Partons “Jolene” oder John Denvers “Annie’s Song”, dem die harten Punkgitarren überraschend gut zu Gesicht stehen. Grandios ist auch ihre Überarbeitung von Hank Williams’ “I’m So Lonesome I Could Cry”, inklusive schottisch anmutendem Dudelsack. Der Song erinnert dadurch etwas an die Version von “Auld Lang Syne”, der altbekannten Neujahrshymne, die vor einigen Jahren mal Die Toten Hosen im Rahmen ihres “Die Roten Rosen”-Projekts auf den Markt gebracht haben.

Mit “Goodbye Earl” von den Dixie Chicks geht es dann auch einem Song frischeren Datums an den Countrykragen. Wobei, sind wir mal ehrlich, hatte “Goodbye Earl” nicht eigentlich schon immer eine leichte Punkattitüde? Na also! Me First And The Gimme Gimmes haben sie nun ans längst überfällige Tageslicht gebracht. Und was ist mit Kris Kristoffersons “Sunday Morning Coming Down”? Ist dieser Text nicht eigentlich auch die ideale Grundlage für einen Punksong?

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