Der Country Music haftet bei uns in Deutschland immer noch ein bestimmtes Klischee an, das seit Jahrzehnten mehr oder weniger energisch angegangen wird – mit allenfalls mäßigem Erfolg. Landläufig stellt man sich einen Countrysänger immer noch in glitzerndem, kitschigen Kostüm vor, der altbacken, ein wenig unbeholfen und unbedarft simple, von Gefühlsduselei triefende Lieder vorträgt. Mit einer beinahe schon strafbaren Ignoranz wird dabei nicht zur Kenntnis genommen, dass sich das Bild vor allem in den USA grundlegend geändert hat. Das, was dort heute als Country Music produziert und verkauft wird, was die Charts dominiert – es hat mit der Country Music wie man sie sich hierzulande zurecht legt, nicht das Geringste mehr zu tun. Weder optisch noch inhaltlich. Gleichwohl, es gibt sie natürlich noch, jene Künstler, die alle Klischees in sich vereinen. Man verehrt sie heute wie damals aber es ist nur noch Nostalgie, die sie interessant bleiben lässt. Von der Zeit und den mit ihr einher gehenden Entwicklungen wurden sie entweder überrollt oder haben sich ganz bewusst dagegen gesperrt. Seien wir ehrlich, all diejenigen Countryfans, die etwas älter sind, die noch die 1950er und 1960er Jahre mitgemacht und in lebhafter Erinnerung behalten haben – sind froh und freuen sich wenn sie Gelegenheit haben, einen jener Künstler noch zu hören, die – einem Dinosaurier gleich – die Vergangenheit der Country Music lebendig erhalten. Denn die meisten jener Urgesteine haben uns inzwischen für immer verlassen oder sich zumindest aufs Altenteil zurück gezogen.
Porter Wagoner war einer dieser letzten großen “Hillbillies”. Ungeheuer seine Verdienste um die Country Music, denn ohne Persönlichkeiten wie ihn, hätte diese Musik nie auch ihren kommerziellen Höhenflug antreten können. Er hat die komplette Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg nicht nur mitgemacht sondern sie auch ein gutes Stück weit mitbestimmt. Kontinuierlich rückte er in der Hierarchie weiter auf bis er ganz oben angekommen war. Wagoner darf sich als legitimer Nachfolger eines Roy Acuff fühlen, nicht nur in der Grand Ole Opry sondern was die Country Music-Tradition allgemein angeht. Sein Wort gilt, sein Einfluss ist nicht unerheblich – sein künstlerisches Lebenswerk mehr als beeindruckend. “Hillbilly” – das war lange Zeit in den USA ein Schimpfwort – es kümmerte einen Porter Wagoner nie sonderlich – er war stolz darauf, ein solcher zu sein. “Hillbilly” – das war noch schlimmer als “Rockabilly”. Denn landläufig galt als “Hillbilly” ein Sänger, der wie ein Zirkuspferd und in fantasievollen, mit falschem Glimmer bestickten Klamotten auf der Bühne stand (wer es sich leisten konnte, ließ sich solch ein Kostüm vom legendären “Nudie” anfertigen), der in einem ländlichen Dialekt einfältige, harmlose Witzchen erzählte und mit nasaler Stimme Lieder sang, die vor Gefühlsduselei tropften, über immer die gleichen Themen wie Liebe, Familie, Heimat. Für Diejenigen, die sich für etwas Besseres hielten, weil sie sich in die Stadt abgesetzt hatten, klang das allzu bieder und einfältig. Jetzt, nach dem Ende des 2. Weltkrieges war einiges in Bewegung gekommen in den USA. Wer sich auf den Weg gemacht hatte, in der Stadt nach Wohlstand zu suchen, die soziale Leiter einige Sprossen höher zu klettern, der wollte nicht unbedingt auch noch an seine Herkunft erinnert werden. Dem vermeintlichen Erfolg konnte man die eigene Herkunft und am Ende auch Gefühle opfern.
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