Beiträge der Kategorie: Storys zum Song
Vor 50 Jahren, im Juni 1952, wurde von Kitty Wells der Song “It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels” veröffentlicht und wurde ein Riesenerfolg. Er war für Kitty und für die weiblichen Countrysängerinnen der Durchbruch. Kitty bereitete den Weg für Frauen wie Loretta Lynn, Patsy Cline, Dolly Parton oder Emmylou Harris, die selbstbewusst und erwachsen agierten und nicht wie hübsch gestylte Cowgirl-Püppchen, die leider heutzutage zum Mainstream-Country gehören. Noch wenige Jahre vorher musste Kitty aufstecken, weil man(n) die Nachfrage nach weiblichen Countrysängern als gering einschätzte.
Kittys Song – geschrieben hatte ihn J.D. Miller – war die Antwort auf “The Wild Life” von Hank Thompson. Weinerlich klagt er da seine Kneipenbekanntschaft an, ihm das Herz gebrochen zu haben und statt seine Frau werden zu wollen, lieber weiter dort verkehre, wo der Alkohol in Strömen fließe und sie jedermanns Schatz sei. Und unausgesprochen: Da hat eine anständige Frau nichts verloren.
Das Hervorholen von Erinnerungen führte im Lauf der Geschichte schon zu den gefühlsintensivsten Texten. Doch oft sind es nicht die spektakulären Ereignisse, sondern solche, die vielleicht auf den ersten Blick banal erscheinen, die uns jedoch im Innern berühren.
Wer Kinder hat, wird diese Momente kennen und sich auch Jahre später immer wieder an bestimmte Plätze des Lebensweges zurück versetzt fühlen. Ihre Fragetechniken und das gedankliche Umsetzen von für sie wichtigen Begebenheiten erstaunen uns jeden Tag neu. Auf diese einfache Weise entstand 2003 eines der herrlichsten Lieder des letzten Jahrzehnts, dessen Autor zu Recht Aufmerksamkeit fand.
Lieder mit leicht mystischem Inhalt haben auch in der Country Music eine lange Tradition. Sie enthalten eine im Grunde eindeutige Botschaft, lassen dem Hörer aber genügend Spielraum, sich in der Fantasie die Details der Geschichte selbst auszumalen.
Das trifft sehr schön auf die sieben spanischen Engel zu, die in der iberischen Mythologie verwurzelt , allerdings hier Todesengel sind. Der Song gehört in die Reihe der “Gunfighter Ballads”, also jener Sparte von Songs, in denen es um Revolverkämpfe geht. Die Hintergründe bleiben im Dunkel, man weiß nicht, ob es sich um einen Guten oder Bösen handelt, der im Mittelpunkt steht. Er wird jedenfalls von Reitern gesucht bzw. verfolgt, die ihm ans Leben wollen und man muss annehmen, dass er sich von Texas kommend über die Grenze nach Mexico gerettet hat, ohne dort jedoch sicher zu sein.
Verflucht hat es ganz sicher nicht nur Johnny Cash in seinem legendären Song. Lieder über Gefängnisse finden sich von Anbeginn an in der Country Music. Das Staatsgefängnis von Kalifornien in San Quentin nimmt hier dennoch eine Sonderstellung ein.
Obwohl Cash natürlich nie dort einsaß besteht aufgrund dieses Songs eine direkte Verbindung zwischen ihm und San Quentin. Seine Konzerte hinter jenen Gefängnismauern sorgten für Schlagzeilen, die bei einem der Auftritte aufgezeichnete Fernsehshow war weltweit zu sehen. Das Album “Johnny Cash Live At San Quentin” ist eines der erfolgreichsten der Country Music überhaupt. Nur wer einmal eine Music Show in einem Gefängnis miterlebt hat, kann wohl nachempfinden, was in San Quentin bei Cashs Konzerten los gewesen sein muss, welche Emotionen da frei gesetzt wurden.
Es gibt diesen Song in verschiedenen Varianten, doch immer besticht er durch seine klare, direkte Aussage, die jeder sofort versteht. Ein richtig guter Country-Song also. Geschrieben von Hugh Moffatt, einem Künstler, dem meine ungeteilte Aufmerksamkeit gehört.
Schon sein Äußeres entspricht dem eines Song-Poeten, er verkörpert den typischen Songwriter-Singer. In sich gekehrt aber durchaus lebenslustig versucht er das zu tun, was ihm Freude macht und wonach er sich gerade fühlt. Das ist nicht nur die Musik, mal schreibt er auch was ganz anderes und dann wieder sind ihm Familie, Natur oder soziale Angelegenheiten wichtiger. Doch wenn er Lieder schreibt, dann spiegelt sich darin das menschliche Leben in seiner ganzen Vielfalt wieder, vor allem sind es gefühlsbetonte Situationen.
Eine in jeder Beziehung ungewöhnliche Nummer 1, die Dave Dudley mit diesem Novelty-Song im Jahr 1970 landete. Und jetzt raten Sie mal, wie viele dieser Spitzenpositionen der “King of Diesel”, der Mann, der die Truck-Songs beherrschte wie kein Anderer, belegen konnte? Nur diese eine, nur mit diesem “Pool Shark”.
Wer Dudley nur oberflächlich kannte, der hätte ihm einfühlsame Balladen oder Novelty-Songs nicht so recht zugetraut, doch hat der Hüne aus Wisconsin genau mit dieser Art von Songs seine besten Aufnahmen abgeliefert.
Es gibt Songs, die gefallen einem auf Anhieb, weil Text, Stimme, Gesang, Instrumentierung, einfach der gesamte Sound aus einem Guß kommen. Man hat als Hörer das Gefühl, genau so und nicht anders kann dieser Song realisiert werden. Für mich ist “God Must Be A Cowboy” ein solcher Song, schlicht, direkt und doch poetisch.
Hier drückt ein Mann sein Glücksgefühl aus, das er empfindet, wenn er sich der Schönheit der Natur bewußt wird. Und er dankt dem Schöpfer dabei auf seine eigene Art. Dazu verwendet er das landläufige Bild des Cowboys als das eines Mannes, der mit der Natur verbunden ist, der mit ihr, in ihr und für sie zu leben gelernt hat.
Ein Song, der zum Honky Tonk-Klassiker geworden ist, der für seinen Autoren Bill Anderson die Eintrittskarte für eine großartige Karriere wurde, die bis heute (2011) anhält und deren Ende nicht abzusehen ist. Der damals 19-Jährige schrieb “City Lights” 1957, es wurde seine zweite Single für das kleine Label TNT Records.
Im Juni 1961 nahm er es auf Drängen seines Produzenten Owen Bradley erneut für Decca Records auf. Als Sänger hatte Anderson nie einen Hit mit diesem Lied, dafür aber andere Interpreten. Beispielsweise Ray Price, der 1958 eine Nr. 1 damit feierte. 1971 stand Johnny Bush damit in den Charts, 1974 landete es in der Version von Mickey Gilley erneut ganz oben, 1989 war es die letzte Notierung für Mel Tillis in den Charts.
Über das Entstehen des Liedes gibt es hier nicht viel zu erzählen. Interessanter dürfte es sein, dass es sich hier um einen Prison Song handelt. Obwohl der Song auch in Deutschland ein Riesenhit in der Version mit Tom Jones gewesen ist, blieb den meisten Leuten der Inhalt des Liedes weitgehend verborgen, einfach weil man nicht richtig hinhörte. Oft wurde er sogar als eine amerikanische Heimatschnulze abgetan. Selten tat man einem Song damit solches Unrecht.
Prison Songs hat es in der Country Music immer gegeben. Hier wird allerdings an keiner Stelle direkt davon gesungen. Zunächst hat man den Eindruck, ein lange in der Fremde gewesener Mann kehre nach Hause zurück. Als er aus dem Zug aussteigt sieht alles noch wie früher aus.
Kaum eine Oldies-Zusammenstellung kommt ohne diesen Klassiker aus. In der Version der Browns mit ihrem unvergleichlichen Trio-Harmoniegesang stand der Song 1959 sagenhafte 10 Wochen auf Platz 1 der Country Charts und immerhin noch vier Wochen auf dem gleichen Platz in den Pop Charts.
Das Lied hat eine eigene interessante Geschichte. Ursprünglich kommt es aus Frankreich, wo es unter dem Titel “Les trois cloches” um 1945 entstanden ist. Die erste amerikanische Version entstand 1948 von den Melody Maids. Etwa 1952 feierte die unvergleichliche Edith Piaf mit der Gruppe Les Compagnons de la Chanson einen Hit in Französisch damit.
Mit der Stadt Saginaw im Bundesstaat Michigan hat der Song eigentlich nichts zu tun. Die Stadt selbst ist eher unscheinbar, ein Ort, den man als USA-Tourist nicht unbedingt gesehen haben muss. Ich habe einen Abstecher dorthin gemacht als ich in der Gegend war, um selbst zu sehen, worüber so erfolgreich geschrieben wurde. Immerhin hatte Lefty Frizzell damit einen seiner größten Hits, denn “Saginaw, Michigan” hielt sich 1964 vier Wochen auf Platz 1 der Country-Charts.
Den Erfolg ausgemacht haben wohl der Klang des Namens und die einfache Melodie. Nicht einmal der Text, denn darin geht es um das eher märchenhafte Thema “armer Schlucker liebt Millionärstochter, wird von deren Vater abgelehnt bis er in Alaska eine Goldader entdeckt”.
Man mag sich mitunter durchaus fragen, was dazu geführt hat, dass bestimmte Lieder so erfolgreich wurden und zeitlos geblieben sind. Wie bei diesem Song über die Elternpflegschaft des Örtchens Harper Valley. Die Melodie kann es kaum gewesen sein, so attraktiv ist die nämlich nicht. Also muß es wohl der Text sein, der das gewisse Etwas hat.
Was Tom T. Hall aufgrund eigener Erlebnisse festhielt und am Ort Harper Valley festmachte, paßt im Grunde überall hin. Angeprangert werden Verlogenheit, Scheinheiligkeit, Vorurteile. Hall stellt eine junge Witwe in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Sie hält sich nicht an die gesellschaftlichen Spielregeln der Spießbürger. Über ihre Tochter läßt ihr die Elternpflegschaft (PTA bedeutet Parents Teachers Association) ausrichten, sie kleide sich unmoralisch, sie trinke und gebe sich mit Männern ab. Bei dem Lebenswandel könne die Tochter nie und nimmer richtig erzogen werden.
Hier haben wir es mit einem absoluten Klassiker zu tun. Es war einer der ersten Songs überhaupt, der sich mir als junger Mensch einprägte, etliche Jahre noch bevor ich lernen sollte, was Country & Western Music ist. Für meine Begriffe ein unsterbliches Lied, eines, das ich immer wieder gern höre. Am liebsten von seinem Schöpfer und dem Original-Interpreten Marty Robbins.
Zwar lebt der Song sehr stark von der Geschichte, die erzählt wird, aber auch als Instrumental hat er durchaus seinen Reiz. Ich denke etwa an die Version des Gitarristen Grady Martin, der übrigens bei der Originalaufnahme aus dem Jahr 1959 mit seiner Gitarre für den unverkennbaren Tex-Mex Touch sorgte.
Dieser Song fordert zunächst einmal dazu heraus, etwas über seinen geistigen Vater Robert Earl Keen zu erzählen. 1956 in Houston geboren, ist Keen ein texanischer Singer & Songwriter wie aus dem Bilderbuch. Aus der alternativen Country Music, aus der amerikanischen Roots Music und aus der so kreativen texanischen Singer/Songwriter-Szene des Hill Country ist Keen nicht mehr wegzudenken.
Legendär sind seine Live-Shows, Robert Earl Keen gilt als ein Workaholic wenn es im Live Music geht. Ständig feilt er an seinem Programm und damit auch an seinen Songs. Stilistisch beherrscht er eine sensationelle Bandbreite, nie gleicht ein Auftritt dem anderen. Das gilt bis zu einem gewissen Grad auch für seine inzwischen mehr als einem dutzend Alben, die seit 1984 regelmäßig veröffentlicht werden. Keen ist selten in den Charts zu finden, dafür aber an teilweise über 200 Orten pro Jahr auf einer Bühne.
Erfolgreiche Autoren haben meist das Problem, nach einem Hit einen Nachfolger zu schreiben. Den ganz Großen der Zunft gelingt das und sie halten sich über viele Jahre im Geschäft. Hank Cochran ist einer dieser ganz Großen.
Er hat die Gabe, in einem Satz, einer Redensarzt, einer Begebenheit, einer Beobachtung das Potenzial für einen guten Song zu erkennen. Und dann eben auch umzusetzen. Das muss man nicht allein machen, oft tut man sich mit Kollegen zusammen und entwickelt den Song. In diesem Fall allerdings hatte Cochran keine Hilfe nötig, denn der Song entstand aufgrund eigenen Erlebnisses.
Cochran war Mitbegründer eines erfolgreichen Musikverlages, den man eines Tages gewinnbringend verkaufte. Nicht mit verkauft wurde eine kleine Hütte, die Cochran zusammen mit Willie Nelson gebaut hatte – diese Hütte ließ er auf sein eigenes Grundstück bringen. Beim Auspacken einer Umzugskiste fiel ihm ein altes Foto in die Hände. Es zeigte eine Freundin, mit der er viele Jahre früher verbandelt war, die dann aber mit einem Anderen auf und davon ging. Das reichte, um daraus ein Lied zu machen, denn Cochran sagte sich: “Ich habe ihr Bild – er aber hat sie.”
Cochran erzählt, er habe die Idee zu diesem Lied im Kino bekommen. Warum dies so war, kann er sich nicht erklären, denn der Film hatte mit der Thematik überhaupt nichts zu tun.
Was tut man, wenn man überzeugt ist, einen richtig guten Song im Kopf zu haben? Man sucht sich einen Ort, an dem man die noch frische Idee zu bearbeiten. Hank Cochran verließ also sehr zum Unmut seiner damaligen Freundin das Kino und fuhr heim. Als er dort ankam, hatte er das Lied im Kopf bereits fertig, musste es nur noch aufschreiben.
Cochran war von diesem Song absolut überzeugt und fuhr gleich am nächsten Morgen in den Musikverlag. Doch sein Boss Hal Smith teilte Cochran’s Enthusiasmus überhaupt nicht. Smith schimpfte, dies sei der schlechteste Song, den Cochran ihm bisher angeboten hätte, den Niemand würde sich die Welt weg wünschen.
Bill Anderson ist einer der erfolgreichsten Autoren und Sänger der Country Music. Ihm verdanken zahlreiche Künstler beachtliche Hits. Eine besondere Beziehung hat Anderson zu Connie Smith, denn er entdeckte die seinerzeit völlig unbekannte Hausfrau und Hobby-Sängerin aus dem Nachbarstaat von Ohio, aus Elkhart in Indiana. Anderson ermutigte sie, nach Nashville zu kommen und schrieb ihr zahlreiche erolgreiche Songs sozusagen auf den Leib.
Mit “Once A Day” – natürlich von Bill Anderson geschrieben – startete sie ihre Karriere (die bis heute anhält) gleich mit einem Hit – “Cincinnati, Ohio” war einer ihrer größte Erfolge, auch wenn der Song nie Platz 1 belegte. Auf No. 4 endete der Höhenflug des Songs 1967.
Der Song ist fest mit seinem Interpreten Billy Crash Craddock verbunden – es war seine erste Nr.1. Kaum ein anderer Künstler hat diesen an sich unscheinbaren Song noch aufgenommen, keine andere Version hat es zu einem Hit gebracht.
Zuerst nahm der Autor selbst dieses Lied auf, es tat sich nichts für ihn. Fast war das Ding, dem man nichts zutraute, schon vergessen. Dann erbrachte er den beweis, dass man manchmal nur auf den richtigen Interpreten warten muss. Doch der Reihe nach.
Laying Martine lebte noch an der Ostküste in Connecticut als er zu dem Lied veranlasst wurde. An einem wunderbaren heißen Sommertag nahm Jemand in der Nachbarschaft ein Sonnenbad und fragte dabei in die Runde, indem er ein Fläschchen Sonnenöl in der Hand hielt, ob einer ihm das Zeug einreiben könne. Das animierte den ebenfalls relaxenden Martine dazu, zur Gitarre zu greifen und drauflos zu singen: Reib es ein, reib es ein, reib es ein …
Im Frühjahr 1969 stieg dieser Song in die Country Charts ein, kletterte bis auf Platz 1 und wurde Glen Campbell‘s 3. Top Platzierung. Vier Wochen blieb “Galveston” ganz oben – zudem blieb der Song eng mit seinem Interpreten verbunden. Zwar gab es immer wieder mal Versionen mit anderen Interpreten, ein Hit blieb “Galveston” jedoch nur für Campbell.
Warum auch immer – irgendwie wurde hinein interpretiert, Autor Jimmy Webb habe das Lied über den Vietnam Krieg geschrieben. In jenen Jahren ein allgegenwärtiges Thema. Doch Webb hat immer wieder klar gestellt, der Vietnam Krieg habe nichts damit zu tun gehabt. Dass er Worte wie Kanonen und Gewehr verwendete, sei purer Zufall gewesen. Diese Bezeichnungen seien symbolhaft gewesen, um der Geschichte mehr Dramatik zu geben.
So wie “Nashville Skyline” das klassische Country-Album von Bob Dylan ist, so ist “You Ain’t Goin’ Nowhere” gleichsam sein prototypischer Country-Song. Er ist fester Bestandteil von Dylans Konzertprogrammen und wird bis heute immer wieder von Country- und Roots/Americana-Künstlern gecovert.
Entstanden ist der Song 1967 bei den legendären Basement-Tapes-Session von Dylan und The Band. Vom Frühjahr bis Herbst jammten sie sich quer durch alle Spielarten der amerikanischen Populärmusik, ließen auch das Band mitlaufen, veröffentlichten aber vorerst nichts davon. Eine ganze Reihe Dylan’scher Songperlen sind bei diesen Sessions heraus gekommen. Erst 1975 gab Dylan Teile davon als Album “The Basement Tapes” heraus. Denn bis dahin waren so gut wie alle Stücke auf Bootlegs verbreitet worden und Dylans Plattenforma musste reagieren. Einige der Songs zählten da schon längst zu Dylans meist gecoverten Stücken. So eben auch “You Ain’t Goin’ Nowhere”.


