Beiträge (News, Specials, Porträts) zum Künstler: George Jones
Seit mehr als vier Jahrzehnten hat George Jones, ungewollt, Maßstäbe in der Country Music gesetzt, an denen alle zeitgenössischen Countrysänger sich messen lassen müssen. Viele sagen, er sei der größte Countrysänger aller Zeiten. Jemand, der eine unverkennbare Stimme und Phrasierung um eine Honky Tonk Ballade wickelt und sein gebeuteltes Herz dabei einbringt. In jüngerer Zeit bekennen sich sogar einige Rock- und Soul Stars zu George Jones, holen ihn gelegentlich ins Studio und unterstreichen damit, daß die Country Music ihr Underdog-Image abgelegt hat, daß sie mehr Einfluß auch in andere Bereiche hinein gehabt hat als manche lange Zeit zugeben wollten. George Jones, dem solche Huldigungen beinahe unheimlich sind, trug zu dieser Entwicklung sehr viel bei, auch wenn er sich dessen weder bewußt war noch dies im Sinn hatte. Wenn er seine Stimme sich entfalten läßt, dann packt sie den Hörer. Dann bricht die ganze Gewalt der Sorgen mit uferlosem Pathos heraus, die die Honky Tonk Songs mit all ihrer Verzweiflung, die ihnen eigen ist, ausmachen. Daneben aber drückt seine Stimme auch die weicheren, gefühlsbetonten Schattierungen aus wie Hingabe, Leidenschaft und Zärtlichkeit, nur um wenig später in einem rasanten, wilden Song ihre Unbändigkeit und Lebensfreude herauszustellen. All das und vieles mehr ist George Jones und nie weiß man, welche innere Saite er gerade anklingen läßt. Gesang und Einfluß keines anderen Countrysängers waren von Generationen anderer Musiker schon zu Lebzeiten so uneingeschränkt anerkannt. Tom T. Hall sagte einmal: „Ich kenne niemanden in der Country Music, der George Jones nicht zu seinen Vorbildern zählen würde.”
Es ist schon seltsam, welche Wege manche Hits gehen, vielleicht sogar gehen müssen, ehe sie dort landen, wohin sie gehören. Hätte George Jones detailliertere Kenntnisse über die Herkunft von “I Always Get Lucky With You” gehabt, mit einiger Sicherheit wäre ihm dann ein No. 1-Hit durch die Lappen gegangen. Denn dieses unscheinbare Liebeslied bescherte ihm 1983 – allerdings auch dank seiner unnachahmlichen Interpretation – einen Spitzenplatz.
Ausgangspunkt für den Song ist Freddy Powers. Der Autor, Gitarrist und Sänger gehört zum direkten Umfeld des Merle Haggard. Powers hat den einen oder anderen guten Song geschrieben und selbst auch einige Alben veröffentlicht. Er hat diesen Song geschrieben und natürlich zunächst Merle Haggard damit konfrontiert. Dem gefiel der Song grundsätzlich, veränderte ihn aber an einigen Stellen. Dann nahm er das Lied für sein Album “A Friend in California” auf. Ausgerechnet Haggard’s Manager gab dem Erfolgs-Produzenten Billy Sherrill dann “I Always Get Lucky With You”. Sherrill arbeitete u.a. mit George Jones. Als er dem den Song vorspielte und erkannte, dass Jones Gefallen daran fand, verschwieg er ihm die Herkunft. Denn damals waren Jones und Haggrad sich nicht gerade “grün”, was sich allerdings längst gegeben hat. Damit war der Weg frei für einen weiteren Hit in der so langen und erfolgreichen Karriere des George Jones.
George Jones erblickte am 12. September 1931 in Saratoga (Texas) spätnachmittags das Licht der Welt. Er war das jüngste Kind von insgesamt acht Geschwistern. Seine Eltern, die beide Musiker waren, verdienten sich allabendlich ihr Geld in regionalen Night-Clubs. Sein Vater schenkte George mit neun Jahren seine erste Gitarre und bereits 12 Monate später spielte er schon ganz passabel. In den 1940er Jahren arbeitete Jones als Maler und Maurer. Ende der Vierziger hatte er keine Lust mehr Häuser und Hallen anzustreichen und wechselte ins Showbusiness. So schulterte er seine Gitarre und tingelte durchs Land, bei einigen Clubs bekam er die Chance und durfte am Nachmittag, später dann auch am Abend, auftreten. Die Clubgäste waren überrascht vom Gesang des jungen Mannes, der am liebsten Songs von Hank Williams (Senior) sang.
Ungefähr zu dieser Zeit lernte er auch seine erste Frau Dorothy Bonvillion kennen. Doch so schnell sie geheiratet hatten, genau so schnell waren sie auch wieder geschieden. George war sehr enttäuscht von seiner ersten großen Liebe, so dass er sich aus Frust beim Militär für vier Jahre verpflichtete. Drei Jahre seiner Militärzeit verbrachte George in Korea. Nach seiner Zeit bei der Army klappte es nicht mehr so mit dem Musikmachen und er fing wieder an Häuser anzustreichen. Musik machte er nur noch nebenbei. Zwischendurch musste George ein paarmal ins Gefängnis, da er regelmäßig vergaß Alimente an seine erste Frau zu bezahlen.



