Alle Beiträge zum Künstler oder Thema: Johnny Cash
In den letzten Jahren vor seinem Tod erlebte der “Man In Black” eine nicht für möglich gehaltene Renaissance. Nach seinem Tod bekam seine Popularität einen weiteren Schub. Es erschienen alle möglichen CD-Koppelungen, der Film “Walk The Line” wurde ein Knüller, Bücher fanden beachtlichen Absatz. Ein Ende der Cash-Mania ist nicht abzusehen. Nicht auf dieses Trittbrett aufgestiegen ist Bear Family Records, denn dort war Johnny Cash immer ein Thema, auch als alle Welt ihn längst abgeschrieben hatte. Dem Vernehmen nach war das von Bear Family zusammen getragene Material mitentscheidend für die Realisierung des Films “Walk The Line”. Beharrlich setzt das Label seine Aktivitäten fort, die man unter der Rubrik “The Johnny Cash Connection” zusammen fassen kann. Einige Neuheiten und Wiederveröffentlichungen sollen hier kurz vorgestellt werden. Ich bin sicher, dies sind nicht die letzten Beiträge zum Thema “The Johnny Cash Connection“, denn das Umfeld des Superstars ist so komplex, dass Bear Family sicher noch einiges an Überraschungen zutage fördern wird.
In den letzten Monaten vor seinem Tod am 12. September 2003, hat Johnny Cash noch immer an neuen Songs gearbeitet. Dabei stand ihm die Produzentengröße Rick Rubin zur Seite. In den USA am Independence Day, in allen anderen Ländern bereits am 3. Juli, wird “American V: A Hundred Highways” auf American Recordings / Lost Highway veröffentlicht werden. Es handelt sich dabei um bis dato unveröffentlichte Songs von Johnny Cash, die in besagten Aufnahme-Sessions mit Rubin entstanden sind. Auf dem kommenden Album wird auch der allerletzte Song vertreten sein, den Cash vor seinem Ableben geschrieben hat.
Die Auswahl der Songs, die auf “American V: A Hundred Highways” zu finden sind, ist eine ebenso eklektische Ansammlung, wie schon auf den Vorgängern der American-Serie: “Help Me“, ein schmerzvolles Gesuch an Gott, die unglaublich schöne Ballade “If You Could Read My Mind“, der Spiritual “God’s Gonna Cut You Down“, das bewegende “Love’s Been Good To Me” oder auch die herzzerreißenden “On The Evening Train” und “Further On (Up The Road)” zählen zu den Album-Tracks. Geschrieben wurden jene Songs von einer Reihe von renommierten Songwritern: auch Namen wie Hank Williams, Rod McKuen oder Bruce Springsteen zählen zu ihnen.
Autor und Sänger dieses “Hits für die Ewigkeit” ist Johnny Cash. Damit hatte er 1956 auf der SUN-Single 232 seinen ersten echten Hit. Die Idee zu dem Lied bekam er – so sagt er selbst es – als er 1953 den Film “Inside the Walls of Folsom Prison” gesehen hatte. Das Lied wurde zu einem der beliebtesten Prison-Songs. Cash meint, jeder von uns würde, wissentlich oder nicht, in irgendeinem Gefängnis leben, auch wenn es nicht eines mit Gittern sei.
Ganz eindeutig ist die Autorenschaft Cash’s an diesem Lied wohl doch nicht gewesen. Im Buch zur Bear Family Records Box “The Original SUN Singles, Vol. 2″ (BCD 15802) heißt es nämlich, ein gewisser Gordon Jenkins habe auf seinem 1953er Album “Seven Dreams” ein Lied von Beverly Mahr mit dem Titel “Crescent City Blues” gesungen. Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Das meinte auch Gordon Jenkins, der Cash nach dessen Zeit bei SUN verklagte. Dem mag das nicht gepaßt haben, zumal es auch sein Konto erleichterte. Aber seiner Karriere hat es ebenso wenig Abbruch getan wie die Tatsache, dass dieser Song untrennbar mit ihm verbunden ist und es bleiben wird.
Dies ist ein für Johnny Cash alles andere als typischer Song. Aber er passt zu seinem Naturell. Der oft düster drein blickende Superstar war ein sehr humorvoller Mensch, der sich selbst auch auf den Arm nahm. In diesem Song wird er zum bitterbösen Satiriker, er nimmt sowohl die Gesellschaft, das Musik-Business, sein Umfeld als auch sich selbst aufs Korn. Dass der Song immer noch aktuell geblieben ist, zeugt von der Klasse, wie eine nicht alltägliche Idee umgesetzt wurde. Geschrieben hat den Song übrigens G. Gentry, nicht etwa Cash selbst – der offziell am Zustandekommen also nicht beteiligt war.
Cash erzählt folgende Story:
Ständig von Kopfschmerzen geplagt schickt ihn sein Arzt zu einem Spezialisten nach New York. Der transplantiert das Gehirn eines gerade getöteten Bankräubers in Cash’s Kopf. Die Schmerzen sind weg doch beim nächsten Besuch der Bank wird er plötzlich zum Bankräuber Manhattan Flash. Gleiches geschieht als er in der Grand Ole Opry auftritt. Das fremde Gehirn verwandelt ihn unvorhersehbar in den Bankräuber und damit natürlich in unangenehme Situationen. Doch als er vom Arzt sein eigenes Gehirn zurückfordert, bedeutet dieser ihm, er habe Cash’s Gehirn schon weiter verhökert. Dieses sei einem Hähnchen eingepflanzt worden, das nunmehr Cash-Songs singe, einen Plattenvertrag habe und jede Menge Geld damit mache. Zu dem Song gab es auch ein entsprechendes Video, in dem Cash sich sogar in ein Hähnchen verwandelte. Eine Legende stieg vom Denkmal und erlaubte sich einen derben Spaß.
Lange; sehr lange habe ich auf dieses Album gewartet. Denn den einzigen Sohn der leider innerhalb weniger Wochen in diesem Jahr verstorbenen Legenden June Carter Cash und Johnny Cash kenne ich seit vielen Jahren. Seinen Werdegang konnte ich – mal aus der Entfernung, mal aus der Nähe – gut verfolgen. Lange Zeit habe ich – das gebe ich zu – geglaubt, aus John Carter Cash könne kein eigenständiger Künstler werden. Zu sehr schien er durch seine Eltern vorbelastet und unter Erfolgsdruck zu stehen.
Doch der Schein hat getrogen, Cash Junior hat es – auch mit Unterstützung der Eltern – geschickt verstanden, sich nicht in eine bestimmte Ecke manövrieren zu lassen. Früh genug wurden stets Fallstricke und trügerische Sackgassen erkannt. John Carter Cash hatte es nicht eilig, Erfolg zu erzwingen. Im Rampenlicht und damit im Interesse der Öffentlichkeit stand er ohnehin. Es wäre sicher ein Leichtes für ihn gewesen, scheinbar in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Platten zu machen, hinter denen aber möglicherweise niemand gestanden hätte. Dieser Versuchung ist JCC nicht erlegen. Ihm war es wichtiger, sein Privatleben auch weitgehend als solches führen zu können und ohne jeglichen Zeitdruck nach Mitteln und Wegen zu suchen, sich selbst als Künstler zu verwirklichen.
John Carter Cash wurde in eine Familie mit großer musikalischer Tradition und Geschichte hineingeboren. In jungen Jahren reiste er sehr viel mit seinem Vater und seiner Mutter umher, machte Musik und sang. Im Alter von zehn Jahren war er bereits mehrere Male in Europa gewesen, wo er vor unzähligen Menschen auftrat. Als Teenager entwickelte sich sein Interesse für viele verschiedene Musikrichtungen. Seine Musiksammlung begann sich mit Künstlern wie AC/DC und Led Zeppelin neben Willie Nelson, Waylon Jennings und Glen Campbell zu füllen.
Sein anfängliches Interesse galt der elektrischen Gitarre, so konnte er die Stile von ZZ Top und Lynyrd Skynyrd kopieren. Im Alter von 12 Jahren drehte er ein Video seiner Version des John Anderson Hits “Swingin’”, welches etwas später in einer Johnny Cash-Sondersendung zu Weihnachten im US-Fernsehen gezeigt wurde. Im nächsten Jahr ließ er ein Video mit seiner Darbietung von “Old Time Rock & Roll” folgen.



