Beiträge (News, Specials, Porträts) zum Künstler: Josh Turner
Am 27. April 2011 verwüstete ein Tornado die Innenstadt von Ringgold (Georgia). Viele Gebäude (u.a. auch eine Schule) wurden komplett zerstört. Als Josh Turner davon hörte, wollte er sofort helfen und setzte für den 14. Juli ein Benefizkonzert an. Mit “After The Storm: Coming Together Benefit Concert With Josh Turner” sammelte der Sänger 150.000 Dollar.
Der Tornado, der durch die Innenstadt von Ringgold raste, tötete neun Menschen – ihnen widmete Turner seinen Song “The Answer”, den er während des Benefizkonzert sehr emotional vortrug. Der Sänger ist sehr froh, dass er der Gemeinde helfen konnte und überreichte am nächsten Tag die Summe – in Form eines Schecks, an den Bürgermeister von Ringgold.
Man hört oft ein Bedauern darüber, dass die Country Music unserer Tage – wieder einmal – zu sehr abdriftet in die lukrativen Pop- und Rock-Pfründe. Befürchtungen sind da, sie könnte irgendwann ganz weggespült werden. Auch ich gehöre zu denjenigen, die die Entwicklung bedauern, habe aber keine Befürchtungen um ihren Fortbestand. Dazu ist die Country Music im Kern zu vital. Die Geschichte zeigt, dass es fast turnusmäßig Selbstheilungsprozesse gegeben hat. Meist stellt sich ein Umdenken ein, wenn der Fan – der Kunde also – die gelbe Karte zeigt und deutlich macht, dass man dessen überdrüssig ist, was als “country” angeboten wird.
Bange muss es einem auch deshalb nicht sein, weil es nach wie vor Künstler gibt wie diesen Josh Turner. Jung, gut aussehend, mit reichlich Talent gesegnet und vor allem erfolgreich. Der junge Mann ist bemüht darum, so nah wie möglich bei den Wurzeln der Country Music zu bleiben und sie dennoch in einem modernen, attraktiven Kleid zu präsentieren. Das kommt an, das macht Mut.
So schnell kann das gehen. Hier ist bereits Album Nummer 3 vom frisch gebackenen Grand Ole Opry-Mitglied Josh Turner. Das Vorgängeralbum bescherte ihm den endgültigen Durchbruch mit zwei dicken No.1 Hits im Gepäck, dem Titelsong, “Your Man”, und dem bluegrassigen “Would You Go With Me”. Kein Wunder also, dass er die neue CD selbstzufrieden “Everything Is Fine” getauft hat. Da scheint momentan wirklich alles ganz nach seinen Vorstellungen zu laufen – und damit das auch vorläufig erstmal so bleibt, hat er sich bei den zwölf neuen Songs diesmal ganz besonders ins Zeug gelegt. Seinem traditionellen Stil bleibt er dabei weiterhin unverändert treu. Das freut den geneigten Hörer und Fan und unterscheidet Josh Turner erfreulich von vielen seiner Kollegen, die sich mit steigendem Bekanntheitsgrad immer weiter von ihren musikalischen Wurzeln entfernen.
Bereits der Opener und gleichzeitiger Namensgeber des Albums versprüht eine ungemein entspannte und doch dynamische Country-Frische mit unverfälschten, puren Fiddle-Klängen wie man sie sich viel öfter auf aktuellen Country-CDs wünschen würde. Die bei Josh Turner inzwischen fast schon obligatorische Portion Religion lässt der Song selbstverständlich auch nicht vermissen. Ein Komplettpaket also, das in drei Minuten all die Elemente aufzeigt, die Josh zu Turner machen. Während die erste Singleauskopplung, “Firecracker”, im Großen und Ganzen eher leichtverdauliche Chartkost präsentiert, entpuppen sich vor allem die langsameren Songs des Albums als besonders tiefgängig und intensiv. Allen voran die beiden Duette “Another Try” mit Trisha Yearwood und “Nowhere Fast” mit Soul- und R’n'B-Sänger Anthony Hamilton. Beide Songs bestechen durch wunderschöne Harmonies, wobei “Nowhere Fast” bei allem Countrytum eine perfekte Melange mit Soul-Elementen eingeht. Ein absolut großartiges und zeitloses Musikerlebnis! Sehr schön ist auch “The Longer The Waiting (The Sweeter The Kiss)” geworden, bei dem einige keltische Instrumente unaufdringlich die faszinierende Stimmung des Songs untermalen. So etwas kann auch nicht jeder singen. Dazu muss man schon das gewisse Etwas verkörpern, eine gewisse Würde mitbringen – und das tut Josh.
Fast könnte man den Eindruck bekommen, als habe sich Josh Turner für sein zweites Album “absichern” wollen. Während der “Long Black Train” eigentlich immer noch ganz gut funktioniert und auf dem besten Wege ist, sich zu einem Longtime-Countryhit zu entwickeln, muss Josh jetzt mit dem Nachfolger beweisen, dass es sich bei ihm nicht um eines der zahlreichen One-Hit-Wonder handelt. Damit von vornherein für reichlich Gesprächsstoff gesorgt ist, hat er sich wohl so namhafte Unterstützung wie die von John Anderson und Ralph Stanley ins Studio bestellt. Eine gute Taktik, die aber eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Es sind die Songs und Turners fast schon beängstigend tief brummende Stimme, die die Qualität dieses Albums ausmachen, und nicht die berühmten Kollegen.
Bereits der erste Song zeigt, dass Josh Turner nicht den geringsten Wert auf aktuelle musikalische Trends legt. Davon hält er mindestens genauso wenig, wie die Dixie Chicks von George W. Bush und umgekehrt. “Would You Go With Me?” fragt er da, unterlegt mit knackigem Bluegrass und stampfendem Beat. Diese Frage beantwortet man nur zu gerne mit einem kräftigen “Yes, I would!”, denn auch das was dann noch folgt, ist absolut exquisit. So auch das bluesige “Loretta Lynn’s Lincoln” mit einer kuriosen Story über – natürlich – den Lincoln der “Coal Miner’s Daughter”. Die arg vernachlässigten Fans von John Anderson können sich über seinen stimmlichen Beitrag zu “White Noise”, einer Hymne auf die gute alte Zeit, in der die Musik noch auf Vinyl gepresst wurde, freuen. Der Song ist zwar eine Gemeinschaftskomposition von Josh und John, klingt aber wie ein echter Anderson. Oder vielleicht ist es auch einfach nur Andersons Fähigkeit, jeden Song durch seinen ganz eigenen Gesangsstil für sich zu vereinnahmen. Es scheint jedenfalls so, als würde sich Josh Turner ein wenig davon beeinflussen lassen. Denn sein Gesang ist stilistisch durchaus ähnlich, nur eben halt ungefähr 12 Oktaven tiefer angesiedelt.
Josh Turner wird seinen ersten Auftritt im Grand Ole Opry wohl nie vergessen. Damals war er noch ein völlig Unbekannter, der nichts anderes wollte, als auf der Bühne seine Songs zu spielen. Also reiste er von Hannah, South Carolina, nach Nashville, der Wiege des Country – seiner Musik. Gerade zwei Songs sang Josh, bevor MCA Nashville ihn unter Vertrag nahm, begeistert von seiner Stimme und der Musik.
Zusammen mit den Produzenten Mark Wright (u.a. verantwortlich für Brooks & Dunn, Gary Allan) und Frank Rogers (der wiederum für Darryl Worley, Brad Paisley) hat Josh Turner ein Album eingespielt, das sowohl traditionelle Country-Elemente, als auch moderne Einflüsse enthält. Die erste Single “Long Black Train” wurde in den USA bereits Ende Juli veröffentlicht und konnte sich wochenlang in den Billboard Hot Country Single Charts halten. Der Weg ist geebnet und die Schienen sind verlegt für den “Long Black Train”.



