Beiträge (News, Specials, Porträts) zum Künstler: Kris Kristofferson
Kris Kristofferson, der am 22. Juni 1936 in Brownsville (Texas) geboren wurde, studierte Ende der 1950er Jahre an der englischen Universität of Oxford (Abschluss in englischer Literatur) und schrieb bereits an eigenen Songs, die er später als Kris Carson aufnahm, allerdings noch mit mäßigem Erfolg. Er beschloss die Musik erstmal zu den Akten zu legen.
Anfang der 1960er Jahre wurde er Hubschrauberpilot bei der US-Air Force – das Fliegen erlernte Kris von seinem Vater, der General der US-Army war. Während seiner Militärzeit war er überwiegend in Europa, bzw. Deutschland (größtenteils in Bad Kreuznach) stationiert, so dass sich Auftritte in den vielen Clubs der US-Kasernen anboten.
Er ist einer der ganz Großen seiner Zunft und mittlerweile 73 Jahre alt: Jetzt legt Kris Kristofferson mit “Closer To The Bone” ein weiteres abgeklärtes Alterwerk vor.
Nach dem hoch gelobten Album “This Old Road” von 2006 legt Kris Kristofferson nun mit “Closer To The Bone” das Nachfolgewerk vor. Stimmungsmäßig ist es ein nachdenkliches, vom Tempo her langsames Album, das getragen wird von Kristoffersons schütter gewordener Stimme.
Reminiszenzen, Erinnerungen an Verstorbene, Verarbeitung von längst zurückliegendem – Kristofferson scheint hier noch einmal vieles an- und aussprechen zu wollen, solange er noch die Möglichkeit dazu hat. Es überwiegt eine Stimmung der Reflexion über den Stand der Dinge am Ende des Lebens. Kristofferson selbst sagt dazu, er möge “die Intimität dieses Albums”. Intim, sparsam sind denn auch Instrumentierung und Arrangements der 11 Songs. Kristofferson zu Seite ist sein langjähriger musikalischer Weggefährte, der im Mai verstorbene Stephen Bruton, an Gitarre und Mandoline und Back Vocals. Ihm ist das Album gewidmet. Produzent Don Was zupft den Bass, Rami Jaffe von Jakob Dylans “Wallflowers” bedient zurückhaltend das Keyboard und Drummer-Legende Jim Keltner schlägt verhalten den Takt.
Am Montag, den 14. Juli 2008 machte Kris Kristofferson im Rahmen seiner Europatournee in München Station. Der Mann, seine akustische Gitarre und seine Mundharmonika waren in Verbindung mit den von ihm selbst verfassten Liedern Anziehungspunkt für viele Fans, die nicht nur aus München selbst angereist waren. Weshalb er sich die Strapazen einer Tournee noch antut, konnte der Weltstar Jahrgang 1936 im Rahmen seiner 30 Minuten andauernden Zugaben sich und seinen Fans in mitten “Standing Ovations” am praktischen Beispiel beantworten.
Pünktlich um 20:00 Uhr erschien Kris Kristofferson auf der Bühne, schwarz gekleidet, neben ihm nur der Tisch mit einem Energy Drink, dazu ein Ständer für das Gesangsmikrophon, zwei Monitorboxen und drei Mal zwei Scheinwerfer. Sehr aufgeräumt also die Bühne, passend zum Gesamtauftritt des Meisters, der sehr stimmig herüberkommt, in sich ruhend, souverän, wissend um die Probleme in der Welt und die Möglichkeiten und Verpflichtungen, Dinge zu bewegen. “Me & Bobby McGee” bereits als drittes Lied, Janis Joplin hatte mit ihrer Aufnahme hiervon posthum einen Welthit gelandet. In “Johnny Lobo” beschreibt Kristofferson die Lebensgeschichte von John Trudell, einem Mann, der das Wort “Meinungsfreiheit” ernst genommen hatte, in einer Zeit, in der die amerikanische Flagge ähnlich wie heute von den Machthabern entehrt worden war, der symbolisch ein Exemplar verbrannt hatte und der wenige Stunden später erfahren musste, dass man sein Haus angezündet hat, in dem seine Frau und seine Kinder verbrannt sind, der den Mord an seiner Familie nie aufgeklärt bekam, der Politiker war, Indianer, heute Singer-Songwriter ist mit entsprechender über 25-jähriger Geschichte.
Er ist einer der wirklich berühmten Musiker, bei dem die Bezeichnung “Living Legend” sicher nicht zu inflationär verwendet wird. Kris Kristofferson feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag und hat noch eine ganze Menge mitzuteilen. Und das tut er mit seinem aktuellen Studioalbum “This Old Road”, dem ersten mit brandneuen Songs seit mehr als 11 Jahren, auf eindrucksvolle Weise. Anlässlich von “This Old Road” nahm Kristofferson seine Verbindung zu dem bekannten Produzenten Don Was wieder auf, mit dem er in 1995 an seiner letzten richtigen Studioproduktion “A Moment Of Forever” arbeitete.
Was ist eine echte Integrationsfigur mit charismatischer Ausstrahlung, der seine Anwesenheit im Studio dazu nutzt, Stimmungen zu schaffen, in denen der ihm anvertraute Künstler ganz zu sich selbst findet und ein Höchstmaß an Kreativität aus sich herausholt. Die Ergebnisse seines Zusammenwirkens mit Bob Dylan, Brian Wilson, den Rolling Stones, Waylon Jennings, Delbert McClinton, Paul Westerberg, Randy Newman, Willie Nelson, Black Crowes, Bonnie Raitt und vielen anderen sprechen für sich.
Wir haben es hier mit einem der wohl bekanntesten Songs der Country Music der letzten 30 Jahre zu tun. Und das nicht nur im Country Bereich – Bobby McGee hat in nahezu alle Stilrichtungen der Unterhaltungsmusik Eingang gefunden. Als Co-Autor ist Fred Foster angegeben, der damalige Boss von Monument Records mit angeschlossenem Musikverlag. Geschrieben aber hat das Lied Kristofferson wohl allein, es entsprach aber dem geschäftlichen Gebaren, dass ein noch unbekannter Autor seinen “Förderer” über den Weg des Co-Autoren an möglichen wirtschaftlichen Erfolgen beteiligte. Und Kris Kristofferson war damals noch ein Nobody, dem Foster über seine Möglichkeiten die Gelegenheit eröffnete, seine Songs vermarkten zu können. Mit diesem Song ist es Kristofferson in idealer Weise gelungen, Freiheitsgefühl mit der Melancholie der Erinnerung an etwas Unwiederbringbares zu verbinden und so treffend in Worte und Musik zu kleiden, dass es nicht nur ein Ohrwurm wurde sondern viele Menschen genau diese Stimmung nachempfinden können.

