Beiträge (News, Specials, Porträts) zum Künstler: Roger Miller
Am Beispiel dieses in den frühen 1960er Jahren entstandene Liedes lässt sich schön verdeutlichen, mit welchen profanen Problemen man sich als Songschreiber auseinander setzen musste. In jenen Jahren standen die beiden Autoren ganz am Anfang ihrer glanzvollen, langen Karriere. Allgemein ist festzuhalten, dass insbesondere in der Country Music kaum ein Künstler Noten lesen oder gar schreiben konnte. Das war auch nicht nötig.
Grundlage für einen Song ist in der Regel erst einmal eine Idee. Mitunter dauert es Jahre, ehe aus einer solchen Idee ein Lied wird. In diesem Fall war es ähnlich. Bill Anderson erinnert sich, dass Roger Miller sich mit dem Gedanken herumschlug, ein Lied darüber zu schreiben wie zwei Gegensätze aufeinander prallen, seit er den Film “When Worlds Collide” gesehen hatte. Auf der langen Fahrt von Nashville zu einem Auftritt ins texanische San Antonio haben sie sich die Zeit damit vertrieben, aus Miller’s Idee irgendwie ein Lied zu basteln. Und das gelang tatsächlich. Sie erzählen die Geschichte zweier Menschen, die versuchen, ihre Gefühle miteinander zu verbinden und ein gemeinsames Leben zu führen. Doch müssen sie erkennen, dass sie in ganz verschiedenen Welten leben, die einfach nicht zueinander passen. Im Gegenteil, sie prallen aufeinander und verhindern so, dass die Beiden zueinander finden. Leider kommen die Menschen oft zu spät zu dieser Erkenntnis wie die hohe Anzahl gescheiterter Ehen beweist.
Das Lied ist Roger Miller’s kommerziell erfolgreichster Song als Autor. Es hat Eingang in völlig unterschiedliche Musikrichtungen gefunden und ist beinahe so etwas wie eine Hymne für alle Menschen geworden, die ihre persönliche Freiheit über alles lieben. In knappen aber ebenso prägnanten wie originellen Worten, teils aus der Umgangssprache und teils auch doppelsinnig, vermittelt Miller das Gefühl des “Was kostet die Welt” Lebens.
Das Lied lässt einen Vagabunden von seinem Leben schwärmen, der überall und nirgends zu Hause ist. Als Hobo mit den Zügen unterwegs, heute hier, morgen da. Zwei Stunden Straße fegen bringen Geld für eine Übernachtung in irgendeinem Heim. In alten Klamotten ist er unterwegs, hat immer eine billige Zigarre und muss nicht hungern. Irdische Reichtümer kennt er nicht, dafür aber die grenzenlose Freiheit des “Königs der Straße”. Offenbar sehnen sich viele Menschen danach oder zollen einem so lebenden Zeitgenossen eine Menge Bewunderung, denn “King Of The Road” wurde und ist immer noch ein Welthit. Roger Miller hat die Entstehung des Liedes immer wieder erzählen müssen. Ihm blieb einfach der Satz “Trailers for sale or rent” (Wohnwagen zu verkaufen oder zu vermieten) im Kopf hängen, den er auf einem Schild gesehen hatte. Doch es dauerte ziemlich lange, ehe er den kompletten Song schließlich fertig hatte.
Angesichts der zahlreichen Versionen, in denen es diesen Song gibt, will ich hier auf Tips verzichten, auf welchen Alben man ihn finden kann.
Irgendwie denkt man bei Roger Miller immer wieder an “Max und Moritz” oder auch an “Tom Sawyer & Huckleberry Finn”. Nicht nur, weil er für sein Broadway Musical “Big River”, in dem es um Mark Twain geht, höchste Anerkennung erhielt. Denn Miller blieb zeitlebens ein Lausbub, ein Mann, der es faustdick hinter den Ohren sitzen hatte und sich nie für einen Schabernack zu schade war. Kaum zu glauben, dass ein einziger Mensch so viele Facetten zu bieten hat, sowohl als Person wie auch als Künstler. Er war ein begnadeter Songschreiber, erfolgreicher Sänger, umwerfender Komiker, passabler Schauspieler und vorzüglicher Entertainer. Was ist das für ein Mann, der solche Sachen schreibt wie “Man kann in einer Büffelherde nicht Rollschuhlaufen” oder auch “Mein Onkel hatte mich gern aber sie starb”.
Okay, Roger Miller hatte seine Blütezeit in den 1960er Jahren, einer der Superstars und Trendsetter wurde er dennoch nicht. Dafür bleibt er als eine Ulknudel als ein unberechenbarer Hans Dampf in bester Erinnerung. Ein bemerkenswerter Mensch, der in seinem abenteuerlichen Leben manche Höhen und Tiefen durchgemacht hat. Sensationell, welch völlig verschiedene Lieder er zu schreiben imstande war. Man denkt an solche Wortspielereien wie “Dang Me”, “Do Wacka Do” oder “Chug-A-Lug”, denen so tiefgehende, gefühlsbetonte Songs gegenüber stehen wie “The Last Word In Lonesome Is Me”, “When Two Worlds Collide” , “Lock Stock And Teardrops” und “One Dyin’ And A Buryin’” Er selbst sah seine Musik so: “Das ist eine Mischung von Vielem. Ich hörte als Kind Bing Crosby und Bob Wills und alles, was dazwischen lag. Ich bin ein Sammelbecken für Pop, Jazz, Western Swing, Bluegrass und Comedy. Das ist der Nährboden, aus dem ich schöpfe.”



