Beiträge (News, Specials, Porträts) zum Künstler: Willie Nelson
Die denkmalgeschützte Freilichtbühne Killesberg ist ein perfekter Rahmen für die Outlaw-Legende. Ein bisschen wie er selbst – gezeichnet von diversen Lebensphasen, rauh und schlicht, bedeutend und persönlich. Ebenso wie Willie Nelsons durchlöcherte Gitarre, die die Spuren der Jahre trägt, der man kaum zutrauen mag, dass ihr noch ein brauchbarer Ton zu entlocken ist und die dennoch fasziniert, sobald sie von ihm zum Leben erweckt wird.
Die Präsentation des Amerikaners ist durchweg gleichwertig wunderbar. Minimalisiert auf ihn selbst als zentralen Mittelpunkt, gänzlich auf seine Stimme und Person ausgelegt. Umrahmt von einer ungewöhnlichen Bandbesetzung. Ein Steinway Flügel, honky-tonk-stilistisch bearbeitet von Nelsons Schwester Bobbie. Snare Drum, ein bisschen Percussion, Mundharmonika. Einfachstes Handwerk, mehr ist auch nicht nötig. Keine zeitraubende Vorgruppe, keine nervtötende Animation eines Stadion-Ansagers, keine überflüssige Werbung. Wohltuend.
Gemeinhin wird Willie Nelson gerne als genre-typischer Countrymusiker und als einer der Väter der Outlaw-Bewegung angesehen. Doch tatsächlich hat kein Künstler dieser Sparte derart Spaß daran, die Genregrenzen zu überwinden, sich als Wanderer zwischen den Musikwelten zu bewegen, wie der mittlerweile bald 77-jährige Texaner. So hat er sich in den letzten Jahren u.a. in Reggae, Jazz und Blues versucht und erst im letzten Jahr mit “Asleep At The Wheel” zusammen ein Western Swing-Album eingespielt.
Mit seinem neuen Album – es erscheint am 23. April – kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. “Country Music” heißt das wunderschöne Werk. “Das ist meine Definition von echter Country Music”, erklärt Nelson die Wahl des Albumtitels. Geholfen hat ihm bei dieser Definition der in diesen Tagen schier omnipräsente Produzenten-Impresario T-Bone Burnett. Gerade erst hat er Jakob Dylan ein künstlerisches Karrierehoch beschert, hilft seine kongeniale Produktion nun Nelson, 15 Songperlen der Country Music in einzigartiger Manier zu interpretieren.
Endlich! Im Juni dieses Jahres kommt Willie Nelson wieder einmal nach Deutschland. 3 Konzerte wird die Outlaw-Country-Legende hierzulande geben. Der 76-jährige tritt am 17. Juni in Berlin, am 19. Juni in Stuttgart und am 21. Juni in München auf.
Der Mann mit dem längsten Haupthaar der Branche ist ein Symbol des rastlosen, unangepassten Country-Musikers. Das heutige Genre des “Alternative Country” mit ihren berühmtesten Vertretern Ryan Adams, den “Bright Eyes” oder “Galexico” würde es wohl ohne Willie Nelson und seine Outlaw-Country-Freunde wie Waylon Jennings oder Kris Kristofferson heute so nicht geben.
Selbst Nashville war nach anfänglicher Verärgerung von den “Outlaws” begeistert. Mit seinem Hit “Red Headed Stranger” eroberte er 1975 die amerikanischen Single Charts. Das 1976 erschienene Album “Wanted! The Outlwas”, auf dem neben Nelson auch Waylon Jennings, Jessi Colter und Tompall Glaser zu hören sind, verkaufte sich als erstes Country-Album überhaupt mehr als eine Million Mal. 1979 wurde in Nashville sogar ein eigenes Museum für Willie Nelson eröffnet.
Im Verlauf seiner weiteren Karriere wurde Nelson mit insgesamt neun Grammys prämiert, darunter für sein Lebenswerk und zuletzt 2008 für seine Zusammenarbeit mit Ray Price. Außerdem arbeitete er erfolgreich mit Ausnahmekünstlern wie Bob Dylan, Dolly Parton oder Neil Young zusammen.
In den 1980er Jahren war er Teil einer der berühmtesten “Bad-Boy Group” des amerikanischen Country und veröffentlichte zusammen mit Johnny Cash, Kris Kristofferson und Waylon Jennings als “The Highwaymen” insgesamt drei Alben und ging mit ihnen mehrfach erfolgreich auf Welttournee.
Besonders beeindruckend ist dabei die Bandbreite, die Willie Nelson bei seinem musikalischen Schaffen an den Tag legt. Die 2008 erschienene Country-Jazz Kooperation “Two Men with Blues” mit Wynton Marsalis oder sein 2009 veröffentlichtes Werk “American Classic”, auf dem der Altmeister mit swingendem Barjazz und einem Duett mit Norah Jones verzaubert, sind nur ein Auszug seiner Vielfältigkeit, untermauern aber deutlich seine musikalische Genialität.
Die deutschen Country-Fans können sich auf einzigartige Konzerterlebnisse freuen!
Willie Nelson in Concert (Berlin, Stuttgart, München) ![]()
Willie Nelson, der selbst einige Dutzend Wildpferde sein Eigen nennt, hat sich der Organisation Barbi Twins und dem Animal Welfare Institute (AWI) angeschlossen. Beide Institute setzen sich für den Erhalt der wildlebenden Mustangs Nordamerikas ein.
Der Sänger startet derzeit einen Aufruf, in dem er alle Amerikaner bittet diesen wichtigen Organisationen beizutreten – bevor es für die Pferde zu spät sei. Er selbst rettet regelmäßig Pferde vor’m Schlachter. Nelson: “Die wilden Pferde sind ein Teil amerikanischer Geschichte. Mit ihnen wurde dieser Kontinent bezwungen. Die Menschen haben Acker bestellt, das Land erkundet und aufgebaut!”
Das Büro des Land-Managements (BLM, USA), hat alarmierende Zahlen veröffentlicht die Aufzeigen, dass immer weniger Wildpferde durch die Lande ziehen. Willie Nelson ist davon überzeugt, dass es unbedingt nötig ist, die Pferde nicht zu jagen, damit die Anzahl freilebender Tiere wieder steigt.
Willie Nelson (76) hat so ziemlich jedes Musikgenre bearbeitet, doch ein richtiges, traditionelles Bluegrass-Album, das fehlt dem Sänger und Songschreiber in seiner Sammlung noch. Mit dem Erfolgsproduzenten T-Bone Burnett will er ins Studio gehen, einige Songs sichten und so schnell wie möglich mit den Aufnahmen beginnen.
Willie Nelson gegenüber dem US-Onlinedienst “The Boot”: “Es soll ein richtiges Oldtime Bluegrass-Album werden. T-Bone sucht mir Songs aus, so was wie 16 Tons und Satisfied Mind.” Wann der Silberling erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Aber da Willie Nelson für seinen Fleiß, was Album-Veröffentlichungen angeht, bekannt ist, dürfte dies schon in einigen Monaten sein!
“American Classic”, der Titel des ersten Soloalbums von Willie Nelson auf Blue Note, lässt sich ebenso sehr auf den Künstler selbst münzen wie auf das geschichtsträchtige Songrepertoire der goldenen Tin-Pan-Alley-Ära, der er hier mit der ihm eigenen Eleganz neuen Glanz verleiht. Es mag mittlerweile an der Tagesordnung sein, dass gereifte Künstler der Populärmusik dem American Songbook ihren eigenen Stempel aufdrücken wollen, Willie Nelson hat dies überhaupt erst auf die Tagesordnung gesetzt. Mehr als 30 Jahre ist es her, als dieser “Outlaw” mit dem Album “Stardust” für die Interpretation von Standards im wahrsten Sinne des Wortes einen neuen Standard setzte. Die Auguren der Musikindustrie, die damals prophezeiten, dass Nelson mit diesem Werk kläglich scheitern werde, hatten sich gewaltig verschätzt.
Das von Booker T. produzierte “Stardust”, das mit Nuggets von George Gershwin, Duke Ellington, Hoagy Carmichael und Kurt Weill in ebenso schlichten wie schlichtweg überzeugenden Arrangements aufwartete, avancierte zum bis dato erfolgreichsten Album in der Karriere von Willie Nelson: Es erreichte Platz eins in den Billboard Country Charts, verkaufte sich mehr als fünf Millionen Mal und es brachte Nelson den Country Male Vocal Performance Grammy ein. Was aber noch viel entscheidender war: Der kultisch verehrte Paradiesvogel hatte sich endgültig aufgeschwungen, nun auch in den Winden des Mainstream Höhenluft zu schnuppern. Kein Geringerer als Bruce Lundvall hatte Nelson seinerzeit zu “Stardust” ermuntert. Der heutige Chef von Blue Note hatte Nelson in den Siebzigern zu Columbia geholt und dreißig Jahre später zu dem Jazzlabel, das er mit so viel Geschick und Weitsicht führt. Nelsons erste Arbeit für Blue Note hatte ihn im letzten Jahr mit Wynton Marsalis zusammengebracht. “Two Men With The Blues”, das beseelte Live-Set der beiden, schaffte es bis auf Platz 20 der Billboard Charts und bescherte Nelson zugleich seinen größten Charterfolg seit 1982, als “Always On My Mind” Platz zwei erreichte.
Willie Nelson (76), der weltweit bekannteste (noch lebende) Countrymusiker, ist seit 10 Jahren beim US-Label “Lost Highway” unter Vertrag. Grund genug für den Singer & Songwriter, Schauspieler und Festival-Organisator (Farm Aid), eine Sammlung seiner besten Songs der vergangenen Dekade auf eine CD zu pressen.
Willie Nelson gilt als König der Duette. Die meisten dieser Kollaborationen sind sogar in die Musikgeschichte eingegangen (Waylon Jennings, Merle Haggard). Doch auch in den letzten Jahren war er bezüglich der Duette nicht untätig. Mit Toby Keith (Beer For My Horses), Lee Ann Womack (Mendocino County Line), Ray Price (Lost Highway) und Lucinda Williams (Overtime), sind einige dieser tollen Zusammenarbeiten auf diesem Sampler verewigt.
Seit über 50 Jahren mischt er mit, die Rede ist von keinem geringeren als Willie Nelson. In guten Jahren schaffte er es sogar mehr als drei Alben pro Jahr zu veröffentlichen. Doch weit gefehlt der denkt, dass die Alben deswegen keine Qualität besitzen. Ganz im Gegenteil, die Country-Ikone ist immer sehr bedacht vorgegangen, um nicht am Ende in der Mittelmäßigkeit zu verschwinden.
So geschehen auch beim aktuellen Silberling “Naked Willie”. Songs die Willie Nelson Ende der 1960er im Studio von Chet Atkins (RCA) eingesungen hat. Damals noch mit orchestraler Begleitung – dem sehr mainstreamlastigen “Nashville Sound”. Genau diesen “Nashville-Pop-Sound” hat man jetzt entfernt und herausgekommen sind grandiose Aufnahmen, die ganz dem Titel des Album gerecht werden – halt “nackt”, ohne Schnörkel, ganz Willie Nelson!
Als Willie Nelson (geboren am 30. April 1933 in Fort Worth, Texas) gerade fünf Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter ließ ihn und seine Schwester Bobbie im Stich. So wuchsen Sie bei ihren Großeltern auf. Als er sechs Jahre alt war, bekam er von seinen Grosseltern eine Gitarre geschenkt. Sie waren es auch die sein grosses musikalisches Talent entdeckten und immer wieder förderten.
Bereits mit sieben Jahren schrieb er seine ersten Songs. Mit zehn Jahren hatte er schon seinen ersten öffentlichen Auftritt. “Die Musik ist immer der Mittelpunkt meines Lebens gewesen”, sagte er einmal in einem CBS Interview. 1954 arbeitete Willie Nelson in einer Radiostation (KCNC) in Fort Worth als Country DJ später bekam er seine eigene Radioshow. Als er mit 22 Jahren seinen Wehrdienst absolviert hatte, heiratete er. Zwei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor.
Ab dem 08. August 2008 wird der neue Kinofilm “Beer For My Horses”, in den Hauptrollen agieren Toby Keith, Willie Nelson und Country-Comedian Rodney Carrington (bekannt bei uns u.a. in der Sitcom ”Rodney” bei RTL 2), landesweit (USA) in den Kinos anlaufen. Der dazugehörige Film-Soundtrack Beer For My Horses, wird vier Tage später ebenfalls erhältlich sein. Die Liste der Künstler auf dem Silberling, liest sich wie das “Who is Who” der amerikanischen Countryszene. Neben Toby Keith, Willie Nelson und Rodney Carrington, werden noch Mel Tillis, David Alan Coe und Carter’s Chord einige Songs zum Besten geben. Zum Inhalt: Der Film erzählt die Geschichte zweier Polizisten, welche in einer US-Kleinstadt ihren Dienst verrichten. Doch auch ausserhalb ihrer Dienstzeit pflegen sie ein freundschaftliches Verhältnis. Diese wird auf eine harte Probe gestellt, als sie es in ihrem “verschlafenen” Städchen” plötzlich mit Drogen und Kidnapping zu tun bekommen. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Toby Keith und Rodney Carrington. Die Regie übernahm Michael Salomon.
Es ist unglaublich wie die Zeit vergeht. Heute, am 30. April 2008 feiert einer der größten, bekanntesten und innovativsten Country-Künstler der Gegenwart bereits seinen 75. Geburtstag. Die Rede ist von keinem geringeren als Willie Nelson. Seit über 50 Jahren macht er professionell Musik. Noch länger schreibt er Songs und steht auf den Bühnen dieser Welt. Viele seiner Weggefährten sind bereits von uns gegangen. Johnny Cash, den er immer als guten Freund bezeichnete. Oder sein Buddy Waylon Jennings mit dem er sogar fast brüderlich verbunden war. Er hat in seinem Leben so Einiges durchmachen müssen. War mehrfach Pleite, hatte fast 16 Millionen Dollar Schulden bei Banken und beim Finanzamt. Doch irgendwie schaffte er es mehr als eindrucksvoll, wie ein “Phönix aus der Asche” wieder aufzusteigen. Ganze Generationen von Musikern aller Genre, nennen den Songwriter Willie Nelson (Crazy, Hello Walls, Funny How Time Slips Away) ein Vorbild, ihr Idol. Aufhören, oder gar in Rente gehen, daran verschwendet Nelson keinen Gedanken. Sein Leben ist die Musik, sein Publikum und seine Fans – Happy Birthday Willie Nelson und mögen Dir die Ideen zu neuen Songs nie ausgehen.
Country-Ikone Willie Nelson (feiert am 30. April seinen 75. Geburtstag) hat mit dem Rapper Snoop Dogg ein Duett eingesungen. Das behaupten zur Zeit die amerikanischen Medien. Die beiden Künstler sollen sich vor ein paar Tagen in Amsterdam (Holland) getroffen, und einen Song plus Video produziert haben. Über den Titel des Songs ist zurzeit nichts weiter bekannt. Anscheinend hat Snoop Dogg nach seinem Auftritt vor zwei Wochen bei den diesjährigen CMT Music Awards “Blut geleckt”, denn ein Duett mit LeAnn Rimes steht ebenfalls noch ins Haus.
Nimmermüde und einer der beliebtesten Altstars – Willie Nelson veröffentlicht im Januar 2008 ein neues Studio-Album. Moment of Forever wird es heißen und kein geringerer als Kenny Chesney ist als Co-Produzent und Songschreiber (I’m Alive) mit an Bord. Ausserdem singt Chesney mit Nelson das Duett Worry B. Gone, geschrieben von Kris Kristofferson. Nelson schrieb drei weitere Songs und singt einen jener Songs gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Micah und Lukas. Ausserdem findet man einige Cover von Bob Dylan, Dave Matthews und Randy Newman.
Das Lied kennen vielen Menschen, auch außerhalb der Country Music. Es gibt ihn in ganz unterschiedlichen Versionen und Sprachen. Obwohl es ein moderner Klassiker ist, gibt es ihn schon mehr als 30 Jahre, das Lied ist so etwas wie ein Spätzünder.
Es geht schlicht und einfach darum, dass sich Jemand bei seiner Liebsten dafür entschuldigte, in der Vergangenheit nicht die nötige Aufmerksamkeit habe walten lassen, dass man einfach zu Vieles als selbstverständlich hinnimmt. Ein kleines Wort, ein Lächeln, auch einfach mal nur da zu sein können für den jeweils Anderen soviel bedeuten. Es ist auch eine Bitte um Vergebung und das Versprechen, sich künftig anders zu verhalten. Die Kunst liegt darin, die richtigen Worte zu finden, um diese Gedanken wirkungsvoll mitzuteilen. Die Botschaft ist angekommen, viele, sehr viele Mitmenschen fühlen sich immer noch angesprochen wie die Reaktionen auf den Song immer wieder zeigen.
Die Autoren bastelten in feucht-fröhlicher Runde dieses Juwel zusammen, polierten es später noch ein wenig auf – und mussten dennoch lange warten, ehe der Song Wirkung erzielte. Zunächst nahm Co-Autor Wayne Carson (Thompson) den Song auf, fand aber bei seinem Label keine Gnade damit. Später griffen u.a. Elvis Presley, Brenda Lee, John Wesley Ryles das Lied auf und schnupperten damit in den Charts, aber erst als Willie Nelson Wind davon bekam, zog “Always On My Mind” in die Erfolgsspur. Erstaunlicherweise hatte er von dem Lied bis dahin überhaupt noch nichts gehört. Im eigenen Pedernales Studio machte sich Nelson ans Werk, ließ die Aufnahme in Nashville überarbeiten – der Lohn: Platz 1 der Charts, gleich 3 Grammys und dutzende weitere Auszeichnungen. Auch in den Pop Charts kletterte er mit “Always On My Mind” in die Top Five. Seit 1982 gibt es kein Nelson-Konzert, bei dem dieser einfühlsame Song fehlen darf.
Da schnalzt ein altgedienter Country-Fan wie ich behaglich mit der Zunge, da wird selbst ein verregneter Morgen zum Sonnentag. Willie Nelson setzt seine “Danksagungen” konsequent weiter fort. Er hat einmal gesagt, er wolle und werde sich musikalisch bei denen bedanken, die ihm in seiner Karriere weiter geholfen haben. Die Autorin Cindy Walker war solch ein Mensch. Sie gehört zu den ganz Großen ihrer Zunft, sie hat unsterbliche Lieder geschrieben, mit denen die Bob Wills, Ernest Tubb und auch Willie Nelson erfolgreich sein konnten. Dass eines ihrer “Ziehkinder” sich auf seine unnachahmliche Art mit diesem Album bei ihr bedankt, hat sie gerade noch erleben können.
Am 24. März 2006 starb Cindy Walker in ihrer texanischen Heimat. So hat Nelson ihr ungewollt ein wunderbares musikalisches Denkmal gesetzt. Wie ernst er es gemeint hat, zeigt die sorgfältige Vorbereitung. Nelson achtete dabei auf jedes Detail. So verpflichtete er den alten Weggefährten Johnny Gimble als musikalischen Leiter für das Projekt. Die Musiker, jeder für sich eine Ikone: Eddie Bayers (Drums), Michael Rhodes (Bass), Don Potter (acc. Guitar), Brent Mason (elec. Guitar), Buddy Emmons (Steel Guitar), Gordon Mote (Piano), John Hobbs (Keyboards), Randy Elmore und Gimble (Fiddle), Charlie McCoy (Harmonica) und nicht zuletzt Nelson selbst (Gut String Guitar).
Nach fast einer ganzen Dekade ist Willie Nelson‘s lange verloren geglaubtes, erstes Reggae-Werk nun endlich fertig geworden. Die Idee wurde schon 1995 geboren, als der Produzent Don Was den Vorschlag für ein solches Unterfangen machte. Nelson und sein Manager Mark Rothbaum flogen nach Jamaika, um sich mit dem Island-Records-Gründer und Präsidenten Chris Blackwell zu treffen. Don schlug sowohl Blackwell als auch Nelson vor, ein von Reggae durchtränktes Country-Album aufzunehmen, und beide waren sofort hin und weg. Blackwell war der perfekte Mann für den Job. Denn er ist nicht nur derjenige, der Rock-Fans mit der Welt des Reggae konfrontiert hatte, nein, er hatte ihnen auch Bob Marley nähergebracht. Als vielseitiger und mit massig Kontakten ausgestatteter Vollblutmusikfan konnte er die Ehe von Country und Reggae vollbringen, wie es wohl nur wenige andere geschafft hätten.
Schließlich ähneln sich die beiden Genres in vielerlei Hinsicht – sie sind stilistisch nicht so unterschiedlich wie mancher denken mag. Toots Hibbert hatte das schon mit seiner unfassbaren Version von “Country Roads” bewiesen, und die bekannte Reggae-Truppe The Melodians waren die ersten, die den Gospel/Bluegrass-Klassiker “Rivers of Babylon” – der zuvor auch schon von Willie interpretiert worden war – in einen absoluten Reggae-Klassiker verwandelten. So ist es vielleicht gar kein Zufall, dass manche von Reggae auch als dem “Country Jamaikas” sprechen, schließlich handeln beide Musikstile in der Regel von alltäglichen Geschehnissen, beide bauen auf der Spiritual- und Gospel-Tradition auf. “Ich fand die Idee, ein auf Country basierendes Reggae-Album zu machen, einfach fantastisch”, erzählt Chris Blackwell. “Ich war schon immer daran interessiert, verschiedene Stile zusammen zu bringen – als dann Willie dazu kam, der ja nicht nur ein grandioser Songwriter ist, sondern auch immer auf der Suche nach neuen Dingen ist, da war mir klar, dass es nur so klappen konnte.”
Erfolge gehen oft eigene und seltsame Wege. Als dieser Titel im April 1983 die Position 1 der Billboard Charts erreichte war er bereits gute zehn Jahre alt und in anderen Versionen zwar beachtet worden aber nicht so durchschlagend erfolgreich. Erst dem Duo Merle Haggard & Willie Nelson sollte es vorbehalten sein, die in Mexico angesiedelte Moritat zum Hit zu machen. Weder Emmylou Harris noch Hoyt Axton war dies gelungen.
Dabei hatten weder Haggard noch Nelson den Song auf der Rechnung. Nur durch einen Zufall gelangte die Ballade in die Aufnahme-Sessions für das Duett-Album. Willie Nelson’s Schwester Lana kannte das Lied und war eine Freundin des Autoren Townes van Zandt. Als die Session schon beendet war und die Musiker die meisten Instrumente schon eingepackt hatten, rauschte sie ins Studio, überredete die Crew, sich den Song noch anzuhören und erreichte, daß man “Pancho & Lefty” noch rasch einspielte. Eine echte Zufalls No. 1 also.
In Sachen Willie Nelson darf man immer mit Überraschungen rechnen. Egal ob es ein Album mit neuen Aufnahmen ist oder etwas aus dem Fundus, entstaubt aber unverfälscht. Irgendwann 1994 fand jemand in den Archiven des Unterhaltungsindustrie-Giganten Sony / Tree ein Band mit der unscheinbaren Aufschrift “Pamper Demos”. Den Musikverlag Pamper hatte Sony ein Vierteljahrhundert mit allen Rechten übernommen. Zum Vorschein kamen Aufnahmen, die zwischen 1960 und 1966 in Nashville entstanden sind. Nelson war gerade dort angekommen und hatte sich als Songschreiber einen Namen gemacht. Vom Erfolg als Sänger jedoch musste er noch jahrelang träumen.
Wohlgemerkt, diese Aufnahmen hier waren nie für eine Veröffentlichung vorgesehen. Zwar sind sie im Studio mit den besten Musikern jener Jahre aufgenommen worden, waren aber einzig dazu bestimmt, Produzenten und Interpreten angeboten zu werden, damit die den einen oder anderen Song vielleicht übernahmen. Zu hören ist hier ein Nelson in Reinkultur, der damals schon seine ungewöhnliche Phrasierung deutlich andeutete, die er bei unzähligen Live Gigs in texanischen Honky Tonks entwickelt hatte. Davon wollte das Nashville der 60er Jahre noch nichts wissen.


