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Stonewall Jackson: Waterloo, B.J. der D.J. und ein Hund namens Boo

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Aus den Schlagzeilen ist er schon lange raus, einmal abgesehen von seinem öffentlich ausgetragenen Streit mit der Grand Ole Opry. Wir haben es auch nicht mit dem berühmten Südstaaten-General zu tun (dessen richtiger Name lautet übrigens Thomas Jonathan) sondern mit dem Countrystar Stonewall Jackson. Es ist kein Künstlername, seine Eltern tauften ihren am 6. November 1932 in Tabor City, North Carolina geborenen Sprössling aus Verehrung für den legendären Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg auf diesen Namen.

Einen harten Weg hatte er zu gehen, ehe ihm zahlreiche Hits gelangen, über die sich 17 Jahre lang nicht nur seine Plattenfirma Columbia Records freute. Aber auch für ihn ging es dann wieder bergab. Er fand sich in jenem Abteil wieder, in dem sich die Großen von gestern und vorgestern auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen bzw. müssen. Wie gut, dass man sie wenigstens in der Grand Ole Opry nicht häufig aussortiert. Deren Mitglied war Jackson von 1956 bis hin zu eben jenem Streit …

Stonewall Jackson: Country MusicianDer Name Stonewall Jackson steht für kompromisslose, kernige Country Music von traditionellem Schrot und Korn. Zu Zugeständnissen in Richtung Pop war er nie bereit. Er gehörte einmal zu den echten Hitsängern. Seine bekanntesten Songs sind „Waterloo“, „Don’t Be Angry“, „B.J. The D.J.“ und „Me And You And A Dog Named Boo“. Immer und immer wieder finden sich diese Titel auf Wiederveröffentlichungen. Weitere Hits wie „Life To Go“, „Smoke Along The Track“, „Why I’m Walkin'“, „A Wound Time Can’t Erase“, „Leona“, „Old Showboat“, „I Washed My Hands In Muddy Water“ oder „Stamp Out Loneliness“ tragen den unverkennbaren Touch dieses Sängers. Und sie zeigen, dass er sich sowohl auf flotte Songs als auch auf Balladen bestens versteht.

Ich hatte das Glück, Stonewall Jackson kennen zu lernen, als ich selbst noch ein Greenhorn in Sachen Country Music war. Ich lernte ihn als einen einfachen, unbekümmerten und geradeaus denkenden Menschen schätzen, der mit beiden Beinen im Leben steht, dem die Musik sehr viel bedeutet und der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Seinen Erfolg hat er sich hart erarbeiten müssen, die Musik hat ihm aber auch sehr viel zurückgegeben.

Sänger wollte er ursprünglich gar nicht werden sondern Songschreiber. Er wurde beides, Lieder wie „Don’t Be Angry“ oder „Why I’m Walkin‘ stammen von ihm. Aus dem, was er schreibt, spricht Realität. Jackson kann sich mit den Problemen seiner Mitmenschen identifizieren, weil er selbst genug davon hatte.

Ohnehin nicht mit irdischen Gütern gesegnet, starb der Vater als Jackson zwei Jahre alt war. Die Mutter zog aus dem heimischen Tabor City ins weiter südlich gelegene Georgia auf die kleine Farm des Schwagers. Für Stonewall Jackson bedeutete dies harte Arbeit. „Mit acht pflügte ich den Acker und mit neun arbeitete ich an der großen Handsäge im Wald. Mit Gottes Hilfe haben wir das alles überlebt“, erzählte er mir. Seine Mutter heiratete wieder aber mit dem Stiefvater konnte sich ihr Sohn nicht anfreunden: „Eines morgens packte ich meine Schultasche, umarmte meine Mutter und ging zur Schule. Dort legte ich meine Bücher ab und ging weiter nach Süden Richtung Grenze zu Florida. Um nicht erwischt zu werden, watete ich durch den Sumpf. Bei netten Leuten in Florida fand ich eine Bleibe, ehe ich zu den Großeltern nach Tabor City ging. Damals war ich immerhin schon 14“, grinste Stonewall Jackson. „Groß genug und stark war ich von der Arbeit, mit dem Alter mogelte ich ein wenig und meldete mich zur Army. Gut fünfzehn war ich. Nach sieben Monaten entdeckte man den Schwindel und warf mich wieder raus.“

Er hatte sich selbst einige Griffe auf der Gitarre beigebracht und begonnen, Lieder zu schreiben. Dass er damit schon bald seinen Lebensunterhalt würde verdienen können, kam ihm nicht in den Sinn. Mit 17 ging er zurück zur Navy. Stationiert auf der U.S.S. Kittyhawk in Norfolk, Virginia begann seine eigentliche Karriere. Er kaufte sich seine erste gute Gitarre und sang bei den sich bietenden Feierlichkeiten. Der Kapitän erkannte sein Talent und seine Leidenschaft und förderte sie. „Ich habe dort zwar Ausbildungen als Bäcker und Koch genossen aber meist durfte ich auf der Gitarre des Käptn’s spielen“, erinnert sich Jackson. Bei seiner Entlassung 1954 stand sein Entschluss fest: er würde es als Musiker versuchen. Dazu brauchte er erst einmal Geld. Also siedelte er sich in Moultrie, Georgia an, wurde im Sommer Farmarbeiter und im Winter Waldarbeiter. Nach zwei Jahren hatte er das nötige Kleingeld beisammen, setzte sich in seinen Truck und fuhr nach Nashville. Da er dort Niemanden kannte, irrte er ziemlich ziellos herum. Irgendwie blieb er beim Musikverlag Acuff Rose hängen – dann passierte etwas, das bis auf den heutigen Tag einzigartig geblieben ist. Wesley Rose fand richtig Gefallen an diesem unverbrauchten Sänger, noch mehr an seinen Songs. Dann rief er den legendären George D. Hay an, der sich die Songs ebenfalls anhörte und sich dann mit dem Generalmanager der Grand Ole Opry in Verbindung setzte. Stonewall Jackson wurde der erste und nach meiner Kenntnis bisher einzige Künstler, den die Opry verpflichtete, ehe er überhaupt einen Plattenvertrag hatte. Stonewall Jackson, das hatten alle an dem Deal Beteiligten richtig erkannt, besaß alle Eigenschaften, ein echter Country Star zu werden. Sie wurden nicht enttäuscht. Er war ein Naturtalent.

Von da an ging es schnell. Columbia Records nahm Jackson unter Vertrag und Ernest Tubb ihn mit auf die erste richtig große Tournee. Es folgte ein bärenstarkes Plattendebüt, denn nach seinem „Don’t Be Angry“ kam „Life To Go“ und brachte ihn 1958 bis auf Platz 2. Direkt danach schon seine erste #1: „Waterloo“ (übrigens nicht identisch mit dem gleichnamigen Abba-Hit). Mit weiteren starken Singles hielt sich Jackson bis in die frühen 70er Jahre in den Top Twenty. Nur einmal noch stand er ganz oben – 1963 mit „B.J. The D.J.“ Dem großen Publikum am bekanntesten oder geläufigsten wurde allerdings seine Version des Lobo-Hits „Me And You And A Dog Named Boo“, konnte sich damit in den Charts allerdings „nur“ bis auf Platz 7 schieben.

Nach insgesamt 17 Jahren kam es bei nachlassenden Verkaufszahlen zum Bruch mit Columbia Records, 1973 gingen beide Parteien im Streit auseinander. Danach wechselte Jackson wiederholt die Plattenfirmen, allein es half nichts. Eine Säule des knackigen, vitalen, erdigen Honky Tonk Sounds der 50er und 60er Jahre hatte ausgedient. Darob war Jackson natürlich nicht erfreut, seine Musik freilich wollte er nicht dem allmächtigen Kommerz opfern. Er hätte es als Verrat an sich selbst, seiner Philosophie und an den Fans betrachtet. Sich verbiegen lassen oder sein Fähnchen in den Wind zu hängen war nicht seine Sache. Stattdessen begnügte er sich damit, kleinere Brötchen zu backen und abseits der Schlagzeilen für den Erhalt der klassischen Country Music zu kämpfen.

Bis in die Gegenwart hinein gibt es genügend Fans, die es ihm danken und ihn weiter live erleben wollen. Deshalb ist Stonewall Jackson immer noch ausreichend beschäftigt und mit beinahe 80 Jahren weiter on the road – natürlich nicht mehr so viel wie zu seinen Glanzzeiten.

Ach ja, das Alter … selbst in der angesehensten und ältesten Institution, in „der“ Institution dieser Musik überhaupt, in der Grand Ole Opry, wo man immer stolz darauf war, keine Altersgrenze für Künstler zu kennen, sollte das Alter zum Thema werden. Mag sein, dass es ein vorgeschobener Grund war, Fakt ist, man ließ ihn des Alters wegen dort nicht mehr auftreten. Das wiederum ließ sich Jackson nicht gefallen, er verklagte die Opry wegen Vertragsbruch und Altersdiskriminierung auf Schadensersatz in Millionenhöhe. Er war überzeugt, das Opry-Management hatte ihn zugunsten jüngerer Künstler aussortiert. Er sprach offen aus, was manche Kollegen nur hinter vorgehaltener Hand flüsterten. Stonewall Jackson: „Manager Pete Fisher wollte weder graue Haare auf der Bühne, noch im Publikum. Er hat mir gesagt, ich sei zu alt und zu country.“ Der Opry war es nicht gerade recht, dass sie wegen solch eher unangenehmer Ereignisse ins Gerede kam. Deshalb gab Gaylord Entertainment im Herbst 2008 bekannt, man habe die Streitigkeiten außergerichtlich beigelegt und Stonewall Jackson sei weiter Mitglied der Grand Ole Opry.

Wer nach Nashville kommt und die Opry besucht, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin das Urgestein der traditionellen Honky Tonk Music namens Stonewall Jackson dort auf der Bühne erleben. Oder ihn im Getümmel hinter der Bühne beiseite nehmen, um zu fachsimpeln. Trotz manchen Ärgers, in der der unermüdliche Kämpfer für seine Überzeugung verwickelt war, zeigt er sich mit seiner Karriere sehr zufrieden: „Ich hatte ein gutes und langes Leben. Ich habe eine intakte Familie, einen gut geratenen Sohn. Ich habe als Musiker viel Erfolg gehabt, bin in der ganzen Welt umher gekommen, ich konnte meinen Jugendtraum erfüllen. Ich bin zufrieden mit dem, was mir vergönnt war und immer noch ist, vor allem, dass ich weitgehend gesund geblieben bin. Viele meiner Altersgenossen unter den Kollegen sind nicht mehr da. Man wird demütig und dem Schöpfer dankbar dafür, dass man seinen Traum immer noch leben darf.“

Und so folgt Stonewall Jackson immer noch dem Ruf, wenn man ihn singen hören will. Dann unterhält er sein Publikum mit kerniger, ehrlicher, unverwüstlicher Country Music, denn was anderes kann und will Stonewall Jackson nicht singen.

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