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Crazy Moon: Der Pedal-Steel-Magier Ralph Mooney

Vor nunmehr 15 Jahren am 20. März 2011 starb die Bakersfield Sound Legende Ralph Mooney im Alter von 82 Jahren.

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Ralph Mooney Ralph Mooney. Publicity image of Ralph in Bakersfield. (© Wikipedia)

Wynn Stewart verehrt Ralph Mooney

Der Name Wynn Stewart ist heutzutage vielen Countrymusik-Freunden womöglich nicht sehr geläufig. Manchem wird der Name vielleicht mal auf einem Todd Day Wait Konzert begegnet sein, denn der Indie-Country-Musiker aus Nashville bringt dem Sänger und Bandleader, der einst im kalifornischen Bakersfield groß rauskam, viel Verehrung entgegen.

„Big, Big Love“, Wynn Stewarts Hit-Single von 1961, bereits im Capitol Records Studio in Hollywood aufgenommen, jedoch noch veröffentlicht von Challenge Records ist eine klassische twangige Bakersfield Sound Nummer. Aber richtig besonders wird die Aufnahme durch die extrem coole Pedal-Steel-Gitarre von Ralph Mooney.

Man kann Ralph Mooney unumwunden als einen der Chefarchitekten und als den Pedal-Steel-Player des Bakersfield Sounds bezeichnen. Sein charakteristisches, twangig melodiöses Spiel ist auf unzähligen Genre-prägenden Aufnahmen zu hören. Und auch normale Steel Guitar und Dobro spielend ist Mooney auf vielen Nummern der 50er bis 80er Jahre vertreten.

Zuerst einmal verstand sich Ralph Mooney als Wynn Stewarts Steelplayer. Da dieser aber bisweilen sehr unregelmäßig arbeitete, spielte er auch unzählige Recording-Sessions für andere Künstler. So spielte z.B. auf Skeets McDonalds Aufnahmen und in der ersten Hälfte der 60er auch auf allen frühen Buck Owens Hits, ehe Buck mit Tom Brumley seinen eigenen Top-Steelplayer gefunden hatte.

Und Moon – wie Ralph Mooney nur genannt wurde – spielt auf Merle Haggards ersten vier Alben – also u.a. auf klassischen Tracks wie „Swinging Doors“ oder „The Bottle Let Me Down“.

Ein reguläres Vollzeit-Mitglied von Haggards Backing-Band, den Strangers, war Mooney nicht mal ein Jahr, was wohl an einem Vorfall lag, der ihn ebenso wie sein Spiel charakterisierte: 1967 geriet die Band in Minneapolis in einen Schneesturm; Mooney, der das Motel satt hatte, versuchte, den Tourbus der Strangers zu stehlen und auf eigene Faust nach Hause zu fahren. Man konnte ihn stoppen und schickte ihn heim.

Moons Vorbild Speedy West hatte es mit dem Gitarristen Jimmy Bryant vorgemacht. Und auch Ralph Mooneys Spiel wurde so populär, dass er gemeinsam mit dem späteren Elvis-Gitarristen und Telecaster-Meister James Burton eigene Aufnahmen machte und 1968 ein Album herausbrachte: Auf „Corn Pickin‘ And Slick Slidin'“ finden sich 12 faszinierende Instrumental-Tracks, wie z.B. Mooneys Signature Stück „Moonshine“.

Apropos Moonshine: Ralph Mooney war ein starker Trinker. Eine Eigenschaft, die ihn so manches Mal in große Schwierigkeiten brachte. Aber wenn die Geschichte stimmt, waren sein Alkoholkonsum und wohl auch seine Untreue Auslöser, den späteren Hit „Crazy Arms“ zusammen mit Charles Seals zu schreiben. Denn Moon schob damals Frust, weil seine Frau ihn wegen seiner Eskapaden verlassen hatte.

Mit der Aufnahme durch Ray Price 1956 revolutionierte Crazy Arms die Art, wie Honky Tonk Songs gespielt wurden. Denn Price erfand hierbei seinen 4/4 Shuffle, der danach Ray Price Shuffle oder Texas Shuffle genannt wurde, weil zu ihm so perfekt Two-Step getanzt werden kann. Ein Groove, der seitdem immer wieder kopiert wird.

Als Richie Albright – Waylon Jennings‘ Schlagzeuger für annähernd 30 Jahre – eines Tages Moon jammen hörte, fiel er buchstäblich vom Hocker und erzählte seinem Chef von dem Wunderknaben – mit dem Resultat, dass Moon für den Rest seiner Karriere von 1970 bis Mitte der 90er Jahre zu Waylon Jennings Band gehörte und auf dessen Alben von 1971 bis 87 zu hören ist.

Nach einem 1988 erlittenen Herzinfarkt zog sich Moon aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit immer mehr aus dem aktiven Musikerdasein zurück. Aber ab und an zeigte er nochmal seine Magie bei Plattenaufnahmen, u.a. bei vier Stücken auf Marty Stuarts Album „Ghost Train – The Studio B Sessions“ von 2010. Dort hören wir auch, wie Marty bei den Recording Sessions Moon eine kleine Reminiszenz an seinen größten Hit entlockte.

Am 20. März 2011 verstummte Ralph Mooneys Steelgitarre für immer. Ohne ihn wäre die Countrymusik heute eine andere.

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Über Oliver Kanehl (72 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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