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Drei auf einen Streich oder die multiplen Persönlichkeiten des Ferlin Husky

Vor 100 Jahren wurde Ferlin Husky, eine der schillernsten Persönlichkeiten der Countrymusik, geboren.

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Ferlin Husky Ferlin Husky. Bildrechte: Künstler, Promo (Capitol Records)

Man könnte meinen, Ferlin Husky sei ein etwas beknackter Künstlername, aber Ferlin Husky – geboren am 3. Dezember 1925, wurde tatsächlich auf den Namen Ferland Eugene Huskey, nur mit leicht variierter Schreibweise im Nachnamen, getauft.

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Als Ferland Husky mit 17 zum ersten Mal seine Geburtsurkunde sah, fiel ihm allerdings auf, dass der Arzt nach seiner Geburt seinen Vornamen fälschlicherweise als „Ferlin“ eingetragen hatte. Husky überlegte nicht lange und nannte sich von Stund an Ferlin. Und dies war bei Weitem nicht der einzige Namenswechsel, den der Tausendsassa im Laufe seiner Karriere vollzog.

Husky wechselte seine Namen wie andere die Hemden. Ja, man kann wohl sagen, dass die häufigen Namensänderungen der Grund dafür waren, dass Ferlins Karriere erst einmal gar keine Fahrt aufnahm und er relativ erfolglos blieb. Zum Beispiel nahm er 1950 im kalifornischen Pasadena den inzwischen etwas altbackenen Comedy-Song „Cross Eyed Girl From The Ozarks“ auf und veröffentlichte ihn dann unter dem Pseudonym Terry Preston.

Dabei blieb es nicht. Kaum hatte er als junger Mann unter einem Namen ein paar Nummern eingespielt, wechselte er schon wieder den Künstlernamen und konnte von vorn beginnen. Seine musikalische Karriere startete er noch unter dem eigenen Namen, dann änderte er diesen erstmals und performte als Tex Terry. Für komische Nummern hieß er dann aber auch bald mal Terrible Terry, einmal Kent Clark und lange Zeit Simon Crum.

Simon Crum war jedoch eigentlich kein richtiger Namenswechsel. Vielmehr war Crum eine Comedy-Persona, die Husky wohl in Anlehnung an einen früheren Nachbarn erdacht hatte und die er als Radio-DJ in Bakersfield kultivierte. Als Simon Crum schlüpfte er wiederum in alle möglichen anderen Charaktere sowie Country-Stars, die er perfekt imitierte. Ist das verwirrend? Mmh, es kommt sogar noch besser! Denn als Simon Crum sprach Husky manchmal mit sich selbst ganze Dialoge. Er begann mit seiner normalen Ferlin Husky Stimme und antwortete dann als Simon Crum in anderer Stimm-Färbung. Um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, sagte Crum, dass Husky nur eine Figur sei, die er spielen würde. Ja, als Simon Crum war Husky einfach eine andere Person, wie einige Kollegen bestätigten.

Husky war bereits bei Capitol Records unter Vertrag, als er zusätzlich als Simon Crum einen weiteren eigenständigen Plattenvertrag abschloss. Klar, wenn Crum eine reale Person ist, muss er auch einen eigenen Vertrag haben!

Husky trieb das ganze Husky/Crum-Spiel so auf die Spitze, dass er bei Flügen sowohl einen Sitz für sich als auch einen für Crum buchen ließ. Wer nur den großen Countrypolitan Star Ferlin Husky kennt, der sich erfolgreich durch die 60er Jahre croonte, dem ist diese Vorgeschichte meist nicht bekannt. Schließlich ist Husky der Interpret von „Gone“, dem Song, der 1957 Pop und Country vermählte und als die Geburtsstunde des Nashville Sounds bezeichnet werden kann.

Als Simon Crum brachte er 1958 „Country Music Is Here To Stay“ raus. Es war Crums erfolgreichste Single. Am Anfang spricht Husky als Crum zwei verschiedene komische Charaktere. Im Song selbst treten dann eine ganze Reihe von ihm gekonnt parodierte Stars auf – fast schon wie bei „We are the World“ im Traditional Country Style: Husky gibt einen exzellenten Ernest Tubb, gut zu erkennen sind u.a. auch Kitty Wells und die Louvin Brothers.

Die ganze Ferlin Husky Story der frühen Jahre ist wirklich witzig und vielschichtig und letztendlich so komplex, dass man darüber ewig schreiben könnte. Fest steht, dass Ferlin Husky ein äußerst talentierter Performer und Musiker war, dessen Frühwerk deutlich mehr Beachtung verdient hätte. Allen am Werk Huskys Interessierten sei eine tolle CD mit seinen frühen Aufnahmen ans Herz gelegt, die bereits 2016 bei Bear-Family in der Reihe „Gonna Shake This Shack Tonight“ erschienen ist. Diese Veröffentlichung ist nicht nur von Songauswahl und Sound hervorragend, nein, im umfangreichen Booklet rekonstruiert Scott B. Bomar zudem äußerst kenntnisreich, farbenfroh und unterhaltsam die Anfänge von Huskys verrückter Karriere. Das ist genauso spannend zu lesen wie ein gutes Buch über den Musiker und geht weit darüber hinaus, was man sonst in einer solchen CD findet: Hören, lesen, staunen.

Übrigens war Ferlin Husky ganze sechsmal verheiratet, mit fünf (!) verschiedenen Frauen. Als er mit 85 Jahren starb, hinterließ er zehn Kinder. Da drängt sich die Frage auf, wie oft Simon Crum wohl verheiratet war.

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Über Oliver Kanehl (64 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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