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Floyd Cramer

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Zweifelsohne gehört er zu den Legenden der Nashville Music Industrie. Er war Mitbegründer des Nashville Sound, er war ein Mitglied des legendären „A-Team“, jeder kleinen Gruppe von Musikern, die in den 1960er Jahren dafür sorgte, dass sich die Schallplattenindustrie in Sachen Country Music auf Nashville konzentrierte. Vor allem und in erster Linie war er ein phänomenaler Pianist: Floyd Cramer, ein Vollblut-Instinkt-Musiker.

Geboren am 27. Oktober 1933 im Flecken Campti im Bundesstaat Louisiana, wuchs er in dem kaum größeren Örtchen Huttig in Arkansas auf. Außer einem Sägewerk gab es dort nichts von Bedeutung. Wie so oft in jenen Jahren in der ländlichen Gegend suchte die Jugend Abwechslung in der Musik.

Floyd CramerFloyd Cramer entdeckte für sich das Piano, das Spielen darauf brachte er sich selbst bei und offenbarte hier schon früh sein ungewöhnliches musikalisches Talent. Und darauf setzte er mit zunehmendem Alter. Als er 1951 die Schulausbildung beendete, konnte er so gut Klavier spielen, dass er seine Zukunft auf diese Karte setzte. Er ging ins nahe gelegene Shreveport und bekam einen Job beim damals bereits sehr populären Louisiana Hayride.

Als Mitglied der Hausband konnte er die späteren Superstars Jim Reeves, Lefty Frizzell, Kitty Wells, Webb Pierce, Faron Young, Hank Williams und Elvis Presley begleiten. Sein virtuoses und innovatives Spiel fiel sofort auf, kein Wunder, dass Cramer bald auch zu Plattenaufnahmen verpflichtet wurde, vornehmlich für das Abbott Label.

Zu Elvis Presley baute sich eine besondere Beziehung auf, gemeinsam gingen sie 1952 und 1953 auf Tour durch Texas. Natürlich wurde auch Nashville auf ihn aufmerksam, dort tat sich etwas, die Stadt stand am Beginn ihres rasanten Aufstieges zur Country Music Metropole.

Nachdem er mehrfach in Nashville gewesen war, vertraute er sich Chet Atkins an, der ihm riet, dorthin zu kommen. 1955 zog Floyd Cramer um an den Cumberland River. Auf einen wie ihn hatte man gewartet, denn außer Owen Bradley gab es keinen nennenswerten Pianisten dort. Innerhalb eines knappen Jahres konnte sich Cramer vor Arbeit nicht retten. Er arbeitete fast Tag und Nacht im Studio, kaum ein Interpret, der etwas auf sich hielt, wollte ihn nicht bei seinen Aufnahmen haben. Deshalb macht es keinen Sinn, die Namen der Interpreten oder der Hits aufzulisten. Von zwei Ausnahmen abgesehen. Floyd Cramer spielte bei Elvis Presley’s erstem wirklich Hit mit: „Heartbreak Hotel“. Und auch beim Hit von Jimmy Dean aus dem Jahre 1961: „Big Bad John“. Da allerdings nicht am Piano, er sorgte für das Geräusch einer Spitzhacke indem er mit einem Hammer auf einen metallenen Türstopper haute.

Anders als mancher seiner Kollegen blieb Floyd Cramer vorwiegend Studiomusiker. Nur ganz zu Beginn seiner Laufbahn war er auf Tournee gegangen, man konnte ihn später nur noch selten live auf einer Bühne erleben. Wenn überhaupt dann bei Konzerten mit Chet Atkins und Boots Randolphs.

Floyd Cramer entwickelte einen Stil, an dem er sofort zu erkennen war. Dabei spielte er zwei Töne fast gleichzeitig und „rutschte“ dabei vom höheren in den tieferen Ton. Das ergab einen leicht „verwaschenen“ Sound. Cramer sagte dazu: „Gitarristen hatten diese Technik, die man „Slip Style“ nennt, schon immer angewandt, Maybelle Carter zum Beispiel. Auch Steel-Gitarristen machten das. Halbtöne waren keine Seltenheit, ich habe mir auf dem Piano etwas Ähnliches einfallen lassen, das ergab einen etwas einsameren, einen Cowboy Sound.“

Floyd Cramer ließ sich auch den idealen Song einfallen, um seinen Sound zur Geltung zu bringen. Eigene Singles hatte er schon früher gemacht, ehe ihn der clevere Chet Atkins 1958 für RCA unter Vertrag nahm. 1960 spielte Cramer das von ihm komponierte Instrumental „Last Date“ ein, der Song und Cramer’s Aufnahme sind längst Klassiker geworden. Die Single kletterte bis auf Platz 2 der Pop Charts, besser war nur „Are You Lonesome Tonight“ von Elvis Presley – auch da spielte Floyd Cramer mit. Die beiden nächsten Singles „On The Rebound“ und „San Antonio Rose“ schafften ebenfalls die Top Ten der Pop Charts.

Im Laufe seiner langen Karriere hat Floyd Cramer viele eigene Alben aufgenommen, es dürften über 70 sein ohne Wiederveröffentlichungen und Sampler. Damit gehört er zu den auf Tonträgern erfolgreichsten Instrumentalisten überhaupt. Natürlich wurde er mit den höchsten Auszeichnungen für Musiker bedacht. 2003 wählte man ihn sowohl in die Country Music Hall of Fame als auch in die Rock’n’Roll Hall of Fame.

1997 erkrankte Floyd Cramer an Lungenkrebs, den Kampf gegen die heimtückische Krankheit verlor er am 31. Dezember 1997. Sein musikalisches Erbe ist zeitlos und gottlob erhalten geblieben. Es erfreut sich immer noch erstaunlicher Beliebtheit.

Ein Zitat charakterisiert den bescheidenen, introvertierten Musiker vielleicht am besten: „Ich übe selten, Üben ist Arbeit. Ich spiele lieber, ich nenne es Klavier spielen, einfach weil es mir Spaß macht.“

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