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Martina McBride vs. Keith Hill

McBride verurteilt Hills Vorschlag weniger Frauen im Radio zu spielen!

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Da hat sich der Keith Hill, ein erfolgreicher Berater von Radiostationen in den USA mächtig viel Ärger eingehandelt. Hill hatte gefordert, weniger Frauen in den Countryradios zu spielen. Begründung: Die vielen weiblichen Hörerinnen wollten Männer, nicht Frauen singen hören! Und sein Beispiel: Ein guter Salat bestehe aus Grünzeug, das seien Leute wie Luke Bryan oder Eric Church, Frauen hingegen sollten nur als Beigabe dienen, im Salatbeispiel seien sie die gelegentliche Tomate. Da war der Vorwurf des Sexismus sehr schnell zu hören.

Die so erfolgreiche Texanerin Miranda Lambert machte ihre Kritik kurz: „Der größte Bullshit, den man erfinden kann“. Martina McBride, die ja immerhin seit über 20 Jahren erfolgreich Countrymusik macht, hat ihre Kritik zwar ebenso deutlich, aber eleganter formuliert zum Ausdruck gebracht. In den CBS Nachrichten bezeichnete sie Hills Vorschlag, weniger Frauen im Radio würden zu höheren Einschaltquoten führen, als abfällig und herablassend. Martina McBride beruft sich auf die Tatsache, dass unter den größten Stars in der Musik immer weibliche Künstlerinnen gewesen seien, und dass es immer darum gegangen sei, eine Verbindung mit den Zuhörern zu finden.

Außerdem sieht sie in Hills Ansichten eine gro0e Gefahr: „Da sind dann die Plattenfirmen, die nicht in weibliche Sängerinnen investieren wollen, oder sie gar nicht erst unter Vertrag nehmen, weil sie fürchten, dass diese nicht im Radio gespielt werden und ihre Investitionen sich nicht auszahlen“, fürchtet McBride. „Und Songschreiber schreiben dann keine Lieder für Frauen, weil sie ja ohnehin im Radio gespielt würden. Die Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung ist also groß“, so McBride.

Auf Twitter wandte Martina McBride sich auch an die Zuhörerinnen und wollte wissen, ob sie wirklich nicht hören wollen, wenn Frauen darüber singen, wie es Frauen geht. „Ich bin neugierig auf eure Meinung“, sagte McBride ihre Fans und fügte hinzu: „Countrymusik hat mit Beziehungen und Gefühlen zu tun. Jemand behauptet zu wissen, was ihr hören wollt. Wusstet ihr, dass ihr so eingeschätzt werdet? Hm…“ Die Reaktionen vieler Fans auf Facebook hätten ihr gezeigt, dass die Behauptung, Frauen würden nicht gerne Frauen hören, abstrus und falsch sei. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Martina McBride nicht verkneifen. Sie findet es zumindest erstaunlich, dass es von Seiten der männlichen Kollegen wie Luke Bryan oder Keith Urban zu diesem Thema nichts zu hören ist.

Ich kann Martina McBride nur Recht geben, wenn sie die Missachtung vieler Countrysängerinnen seitens der Musikindustrie kritisiert. Nehmen wir nur mal Brandy Clark, die mit „12 Stories“ das beste Countryalbum seit Jahren gemacht hat, aber im Radio nicht gespielt wurde. Oder Kellie Pickler, sie hat zwei sehr schöne und ziemlich unbeachtete Alben aufgenommen, die Frank Liddell produzierte. Der wiederum ist auch für alle Erfolgsalben von Miranda Lambert verantwortlich gewesen. Noch ein paar Namen toller Sängerinnen seien erwähnt: Ashley Monroe, die nur im Duett mit Blake Shelton (Lonely Tonight) zu einem großen Hit kam, Jennifer Nettles, Jessica Harp, Maggie Rose oder das Duo The Striking Matches, und die Liste ist nicht vollständig.

Nix für ungut, aber wenn ich mir so anhöre, was männlicherseits (Namen lass ich jetzt mal weg) an sogenannten Countryalben veröffentlicht und verkauft wurde, da wünschte mir mehr Frauen in den Countrycharts.

Truck Stop 2019
Über Franz-Karl Opitz (618 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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