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Drug Store Truck Drivin‘ Man: Ralph Emery, Gram Parsons & The Byrds

Zum Tode des legendären Country-DJs Ralph Emery und des Musiker Neil Flanz.

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Dr. Byrds & Mr. Hyde Dr. Byrds & Mr. Hyde. Bildrechte: Columbia Records (1969)

„He’s a drug store truck drivin‘ man. He’s the head of the Ku Klux Klan“: Harsche Worte gerichtet an einen wichtigen Mann. Was zum Teil textlich arg zusammengeschustert und ein bisschen kindisch wirkt, ist ein musikalischer Brief: Der Song „Drug Store Truck Drivin‘ Man“ wurde verfasst von Ober-Byrd Roger Mcguinn und Cosmic American Music Erfinder Gram Parsons, nachdem beide 1968 einen unbefriedigenden Besuch in Ralph Emerys Radioshow beim Grand Ole Opry-Sender WSM hinter sich hatten.

Eigentlich kamen sie, um ihre Single „You Ain’t Goin‘ Nowhere“ von ihrer in Nashville aufgenommen Platte Sweet Heart of the Rodeo – dem Countryalbum einer Rockband – zu promoten. Wie Mcguinn später erzählte, hörte Ralph Emery – damals bereits der Country-DJ schlechthin, für 10 Sekunden in die Platte hinein und weigerte sich, diese dann zu spielen. Bei Emerys Ablehnung spielte sicherlich auch der Generationskonflikt eine Rolle, der das konservative Establishment und die Hippiegeneration entzweite und das gesellschaftspolitische Leben der westlichen Welt der späten 1960er prägte. Und angeblich sagte Ralph Emery dann sogar on-air, wie schlecht er die Byrds-Musik fände. Das saß.

Veredelt wurde „Drug Store Truck Drivin‘ Man“, zu finden auf dem 1969er Album Dr. Byrds & Mr. Hyde, auch von Steel Guitar-Legende Lloyd Green, der schon das vorherige Album bereichert hatte. Als die Byrds den Song 1968 einspielten, hatte Parsons die Band bereits verlassen und so ist es Mcguinn selbst, der am Ende des Stücks das süffisante „This one’s for you, Ralph“ hineinspricht.

The Byrds – Drug Store Truck Drivin‘ Man

Wenn Fronten sich verhärten, übertreibt man auch manchmal in der Wortwahl, denn auch wenn Ralph Emery – sicherlich fest verwurzelt im konservativen Country-Establishment, mit Rock’n’Roll spielenden Protagonisten der Gegenkultur nichts anfangen konnte, war er nicht beim Klan. Die Trucker-Referenz kam daher, dass Emery seinerzeit im Studio im Beisein der Musiker einen Werbespot verlas, in dem er einen Trucker mimte. Das fanden beide Byrds ähnlich strange wie die Leute, die sich wie Cowboys anzogen und in den Drugstores abhingen. Fest steht, beide Musiker waren tief verletzt, da sie Emery aufrichtig verehrten, was auch folgende Zeilen unterstreichen: „He’s been like a father to me. He’s the only DJ you can hear after three. I’m an all-night musician in a rock and roll band. And why he don’t like me I can’t understand.“

Dr. Byrds & Mr. Hyde: Das 1969er Album

The Byrds - Dr. Byrds & Mr. Hyde

Titel: Dr. Byrds & Mr. Hyde
Künstler: The Byrds
Veröffentlichungstermin: 1969
Label: Columbia Records
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 15
Genre: Country & Folk, Alternative, Rock

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Trackliste: (Dr. Byrds & Mr. Hyde)

01. This Wheel’s On Fire
02. Old Blue
03. Your Gentle Way Of Loving Me
04. Child Of The Universe
05. Nashville West
06. Drug Store Drivin‘ Man
07. King Apathy III
08. Candy
09. Bad Night At The Whiskey
10. Medley

Bonustracks: (1997)

11. Stanley‘ Song
12. Lay Lady Lay (Alternative Version)
13. This Wheel’s On Fire (Erste Version)
14. Medley
15. Nashville West (Alternative Version)

Viele Jahre später war Roger Mcguinn einige Male in Emerys erfolgreicher TV-Show Nashville Now zu Gast. Bei der ersten Begegnung kamen sie dann auch auf ihr vorheriges Zusammentreffen zu sprechen. Es ist sehr unterhaltsam zu sehen, wie beide einen Eiertanz aufführen, um sich dann doch zu vertragen. Einfach mal auf YouTube anschauen.

Ralph Emerys Bedeutung für das Country-Genre kann man nur ermessen, wenn man weiß, dass er als Nichtmusiker 2007 in die Country Music Hall Of Fame aufgenommen wurde.
Nun ist er am 15. Januar 2022 im Alter von 88 Jahren gestorben.

Neil Flanz – Mitglied von Gram Parsons legendärer Band, den Falling Angels, ist tot

Bereits im Dezember ist außerdem eine andere Figur aus dem Gram Parsons Kosmos von uns gegangen: Der kanadische Steelgitarrist Neil Flanz trat in den 1960ern das erste Mal als Bandmusiker in der Opry auf. Darauf in Nashville Sessions und Shows spielend, veröffentlichte er auch Instrumentalplatten unter eigenem Namen. Seinen Kultstatus verdankt er jedoch in erster Linie der Tatsache, dass er Mitglied von Gram Parsons legendärer Band, den Falling Angels, auf dessen sagenumwobener sechswöchiger 1973er Tour war. Parson hatte die Band gemeinsam mit seinem Manager zusammenstellt, um sein erstes Soloalbum GP zu promoten, nachdem Parsons wie schon nach seinem kurzen Byrds-Engagement und auch den Flying Burrito Brothers den Rücken kehren musste.

Wie toll Parsons Tourband spielte, kann man hören auf Gram Parsons & The Fallen Angels: Live 1973, einem Livemitschnitt aufgenommen in Hempstead, New York, am 13. März 1973. Neben Neil Flanz an der Pedalsteel erlebt man hier niemand geringeren als Emmylou Harris zu Beginn ihrer Karriere.

Flanz spielte später u.a. mit Jean Shepard, Emmylou Harris und Charlie Louvin. In den 1980ern nahm er mit Joe Sun auf und tourte mit ihm auch in Europa. Später zog er nach Austin, Texas, und spielte dort regelmäßig in der lokalen Szene u.a. mit Alvin Crow und lange mit der Band Fingerpistol. Er wurde 83 Jahre alt.

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Über Oliver Kanehl (27 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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