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Tom T. Hall – Der Storyteller

Mit Songs wie „Ballad Of Forty Dollars“, „Harper Valley P.T.A.“ oder „That’s How I Got To Memphis“ schrieb Tom T. Hall Countrygeschichte. Zum 90. Geburtstag erinnern wir an einen der größten Geschichtenerzähler Nashvilles – einen Künstler, dessen Songs bis heute mitten ins Herz treffen.

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Tom T. Hall - Der Storyteller Tom T. Hall - Der Storyteller. Collage: (Country.de) // Photo Credit: © (Künstler, Promo)

Vor 90 Jahren wurde die Countrylegende geboren.

„Ballad Of Forty Dollars“, erschienen 1968, ist der Titelsong und die vierte und beste Single von Tom T. Halls erstem Album und somit der erste von ihm selbst gesungene Song, der es in die Top 10 schaffte. „Ballad Of Forty Dollars“ unterstreicht eindrucksvoll, warum man Tom T. Hall bis heute den Storyteller nennt.

Hall erzählt hier aus Sicht eines Friedhofsgärtners, was dieser – eine Beerdigung beobachtend – über eine Trauergesellschaft und den Verstorbenen denkt. Wie so oft lässt Hall Autobiografisches in die Geschichte einfließen. So arbeitete er als Kind selbst auf einem Gottesacker und sah dort viele Trauerfeiern. Der Song gehört bereits zu seinen besten, schafft er es hier doch, innerhalb des Songformats eine richtige Shortstory zu erzählen. Nur wenige Worte genügen und die Bilder der Szenerie entfalten sich vor dem inneren Auge. Die Geschichte macht bereits deutlich, was viele der von Hall erzählten Geschichten ausmacht: Sie sind aufrichtig, oft bitter, melancholisch und zugleich zutiefst menschlich. Und es sind Songs, die bisweilen die normalen Songkonventionen ignorieren: so hat z.B. auch „Ballad Of Forty Dollars“ keinen Refrain.

Ein guter, jedoch anders aufgebauter Song ist „The Year Clayton Delaney Died“ von Halls 1971er Album „In Search Of A Song“. Auch hier wird mit wenigen Fragmenten eine berührende Geschichte erzählt, die persönlich und kaum verklausuliert scheint.

Neben den tollen Storysongs gibt es auch einige von Halls Songs, die sich um ein Thema drehen bzw. etwas aufzählen und deswegen etwas beliebiger daherkommen. Ich denke dabei an Songs wie „Country Is“, „I Like Beer“ oder „I Love“, das wohl die Blaupause für Volker Lechtenbrinks in Deutschland erfolgreichen Schlager „Ich mag“ war, an den sich mancher noch erinnern wird.

Tom T. Hall wurde 1936 in Kentucky als Sohn eines predigenden Ziegeleiarbeiters geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter und einem Unfall, der den Vater arbeitsunfähig machte, musste Hall bereits mit 15 die Schule verlassen und für den Lebensunterhalt sorgen. Ende der 50er Jahre war er drei Jahre bei der Army und die meiste Zeit in Deutschland stationiert. Nach der Armee arbeitete er als Radio DJ. Seinen ersten Song hatte Hall bereits mit neun geschrieben.

Als Jimmy C. Newman 1963 Halls Song „DJ For A Day“ aufnahm und zum Hit machte, siedelte Hall ein Jahr später nach Nashville über und wurde für 50 Dollar die Woche professioneller Songschreiber.

In dieser Zeit wurde aus Thomas Hall Tom T. Hall: Das „T.“ hat tatsächlich keine Bedeutung, es sollte nur seinen Namen abgrenzen, denn er sollte nicht mit Tom Tall oder Tompall Glaser verwechselt werden.

Seinen ersten Nummer-eins Hit hatte Hall mit dem von Johnnie Wright gesungenem einfach nur schrecklichen „Hello Vietnam“. Eine Art Anti-Protestsong, der nicht nur textlich eine ziemliche Zumutung ist, denn der gute Johnnie ist zudem leider noch ein ähnlich schlechter Sänger wie seine Gattin Kitty Wells. Aber wenn jemand wie Hall in seinen Vertrags-Songwriter-Zeiten zum Teil sechs Songs am Tag schreibt, kann nicht alles zeitlos und brillant sein.

Im Zentrum von Tom T. Halls Schaffen steht immer noch „Harper Valley P.T.A.“. Zwar auch eine ziemliche Zeitgeist-Nummer, aber origineller und eigentlich eher auf der Protestsongseite zu verorten. Ist es doch ein Stück, das Kleinstadtmief sowie die dazugehörige Bigotterie und Heuchelei anprangert. Einen größeren Erfolg hatte Hall nie wieder.

Harper Valley P.T.A. geschrieben von Tom T. Hall und gesungen von Jeannie C. Riley war nicht nur ein großer Erfolg, sondern schon eher ein popkulturelles Phänomen: Erschienen im Sommer 1968, Nummer 1 in den Pop-, Country- und einigen anderen Charts, über sechs Millionen Mal verkauft, Gewinner von Grammy und CMA Awards und verfranchised zu einem Kinofilm und einer TV Serie. Wer sich für die spannende Hintergrundgeschichte von „Harper Valley P.T.A.“ näher interessiert, dem seien drei Folgen aus Tyler Mahan Coes erster Staffel seines Podcasts „Cocaine and Rhinestones“ zu dem Thema wärmstens ans Herz gelegt.

Tom T. Hall schrieb 12 Nummer-eins Hits, er hatte dazu 26 weitere Songs in den Top Ten. Zudem nahmen Künstler wie Johnny Cash, George Jones, Loretta Lynn oder auch Waylon Jennings seine Stücke auf.

Mitte der 80er hörte Tom T. Hall langsam auf, neues Material zu schreiben. Und ab Mitte / Ende der 90er Jahre machte er sich noch rarer und trat so gut wie nicht mehr auf.
In „Country Is“ von 1974 heißt es Country is all in your heart und das ist etwas, das man in jedem Tom T. Hall Song bis heute hören kann, atmen seine Songs doch Countrymusik in all ihren Facetten; zu hören auch in seinem womöglich besten Song „That’s How I Got To Memphis“, zu finden als erster Song auf seinem ersten Album. Und nach ihm zahlreich und prominent gecovert: Zuallererst von Bill Haley und dann 1970 von Bobby Bare und z.B. 2018 auch von Charley Crockett.

In gewisser Weise wirkt Halls Lebensende wie eine der bewegenden, bitteren Geschichten aus seinen Liedern: Seit 2015 verwitwet, lebte er die letzten Jahre seines Lebens relativ zurückgezogen und allein. Am 20. August 2021 starb Tom T. Hall in Franklin, Tennessee im Alter von 85 Jahren. Erst ein halbes Jahr später wurde bekannt, dass Hall durch eigene Hand starb. Thank you for your precious Time Tom T. Hall.

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Über Oliver Kanehl (80 Artikel)
Seit 5 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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