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Warum Country gerade so erfolgreich ist: Ein Blick aus Nashville

Im Gespräch mit dem in Nashville lebenden Songwriter und Produzent Tim Rakowitz.

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Nashville (Music City USA) Nashville (Music City USA). Photo Credit: Tim Rakowitz

Nashville, Tennessee, das Herz der Countrymusik, erlebt derzeit einen neuen Boom. Inzwischen besuchen Touristen aus aller Welt die Music City, um die legendären Bars und ihre Livemusik zu erleben. Gleichzeitig wird auch die Musik, die aus Nashville kommt, zunehmend zu einem internationalen Export.

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Tim Rakowitz, Songwriter und Produzent, lebt seit 2024 in Nashville. Parallel zu seiner kreativen Arbeit hat er die Entwicklung von Country im Mainstream wissenschaftlich untersucht und beobachtet diesen Wandel aus nächster Nähe. Dieses Jahr wird er bei der International Country Music Conference an der Belmont University sprechen, und sein Artikel „Nashville in the Charts: Tracing Country Music’s Mainstream Expansion, 1990–2024“ erscheint im Journal Popular Music (Cambridge University Press).

Wir sprachen mit ihm über den aktuellen Aufstieg von Country, die Rolle von Nashville und seine persönlichen Einblicke in die Szene.

Vom Nischengenre zum Mainstream

„Wenn man sich die Billboard Hot 100 anschaut, sieht man einen klaren Trend“, sagt Rakowitz. „Seit etwa 2017 tauchen deutlich mehr Country-Songs in den Charts auf, besonders in den Jahren 2020 bis 2024, wo sie auch Top-Positionen erreichten.“

Künstler wie Morgan Wallen oder Luke Combs dominieren die Charts regelmäßig. Bis vor kurzem war Ella Langley mit “Choosin’ Texas” auf Platz 1 der Billboard Hot 100. Ebenfalls haben große Popstars wie Post Malone oder Beyoncé durch ihre Country-Alben dem Genre zu viel Aufmerksamkeit verholfen. Auch die Rolle von Songwritern und Produzenten scheint dabei für den aktuellen Klang des Genres entscheidend.

Produzenten mit Rock- und Pop-Hintergrund

„Nicht wenige erfolgreiche Produzenten und Songwriter kommen aus der Rock- und Popwelt und sind nicht in der klassischen Country-Welt großgeworden”, so Rakowitz. So brachte beispielsweise Shania Twains Produzent und Ehemann Mutt Lange schon Ende der 1990er einen neuen Sound nach Nashville. Zuvor hatte Lange mit Künstlern wie AC/DC, Bryan Adams oder Def Leppard zusammengearbeitet.

Tim Rakowitz

Tim Rakowitz. Bildrechte: Künstler, Promo


Heutzutage sind es Produzenten wie Dann Huff oder Joey Moi die den aktuellen Country-Sound prägen, der die Charts dominiert.
 Dann Huff, bekannt für seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Kane Brown, Keith Urban, Rascal Flatts oder Taylor Swift, war in den 1980er Jahren ein gefragter Session-Gitarrist in Los Angeles. Unter anderem spielte er auf „Man In The Mirror“ von Michael Jackson oder „Here I Go Again“ von Whitesnake. Joey Moi wiederum arbeitete zunächst mit der Rockband Nickelback, bevor er Florida Georgia Line und Morgan Wallen produzierte.

Ein veränderter Sound

„Viele aktuelle Produktionen haben deutliche Rock-Einflüsse“, erklärt Rakowitz. „Gerade Fans von 80er-Rock hören diese Elemente häufig, zum Beispiel bei Künstlern wie Jason Aldean.“ Parallel dazu sind Hip-Hop- und Rap-Einflüsse in aktuell hörbar, etwa bei Morgan Wallen. Diese Entwicklung sorgt immer wieder für Diskussionen innerhalb der Szene. „Seit jeher gibt es die Debatte, ob das noch Countrymusik sei“, sagt Rakowitz. „Aber gleichzeitig macht diese Entwicklung Country für ein breites Publikum zugänglich”

Die unsichtbaren Stars: Nashville Session-Musiker

Ein oft unterschätzter Faktor für den typischen Nashville-Sound sind die Session-Musiker der Stadt. Gitarristen wie Brent Mason oder Derek Wells, Pedal-Steel-Legenden wie Paul Franklin oder Schlagzeuger wie Nir Z spielen auf unzähligen Platten. „Die Session-Musiker prägen den Sound enorm“, sagt Rakowitz. „Viele der größten Hits entstehen mit denselben Studio-Musikern.“

Country wird global

„Country gewinnt inzwischen auch in großen Metropolen der USA wie New York, Los Angeles oder Chicago zunehmend an Popularität. Auch außerhalb der USA wächst das Interesse an Countrymusik. Kanada und Australien gelten schon lange als wichtige Märkte für das Genre. Immer mehr Künstler touren inzwischen auch regelmäßig in Europa“, erklärt Rakowitz. „Country wird globaler“, sagt Rakowitz. „Streaming und Social Media haben die Musik überall zugänglich gemacht.“

Nashville bleibt das Zentrum

Trotz aller Veränderungen bleibt Nashville das kreative Zentrum der Szene. „Die Co-Writing-Kultur und Dichte an Musikern hier ist einzigartig“, erklärt Rakowitz. „Hier wird sich in der Regel um 10 Uhr getroffen und gemeinsam an Songs gearbeitet. Wenige Stunden hat man im Idealfall einen fertigen Song. Aber auch die Stadt selbst ist lebendig und hip: Immer mehr Menschen aus anderen Bundesstaaten ziehen gerade nach Nashville.“

Ausblick: Country im Mainstream

„Country ist heute globaler, stilistisch offener und erreicht ein Publikum weit über seine ursprünglichen Grenzen hinaus“, sagt Rakowitz. Künstler wie Morgan Wallen, die einen modernen Sound prägen, existieren heute neben Künstlern wie Lainey Wilson oder Zach Top, die stärker an traditionelle Country-Klänge anknüpfen. „Im Country-Genre gibt es eine enorme Vielfalt, die einzigartig ist. Genau das könnte auch zukünftig dafür sorgen, dass immer neue Hörer erreicht“, sagt Rakowitz.

Kurzprofil Tim Rakowitz

• Songwriter & Produzent, lebt seit 2024 in Nashville
• Forschung zur Entwicklung von Countrymusik im Mainstream
• Vortrag bei International Country Music Conference, Belmont University 2026
• Artikel in Journal Popular Music (Cambridge University Press)

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