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Kay Adams oder auf dem Highway nach Bakersfield

Am 09. April 2026 feiert die Truck-Driving-Songs-Ikone ihren 85. Geburtstag.

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Kay Adams Kay Adams. Bildrechte: Künstler, Promo (1960)

Telecaster Twang, Fuzztone Steelguitar und frecher rotziger Gesang! Wanda Jackson? Nein, so eroberte einst Kay Adams mit ihrem größten Erfolg als Solo-Künstlerin „Little Pink Mack“, erschienen 1966 auf dem Capitol Records Tochterlabel Tower Records, die Charts.

Mitte der Sechziger Jahre war Adams eine der wenigen Frauen in der Westcoast-Country-Szene des Bakersfield Sound. Einst ausgezeichnet als beste Newcomerin bei den Country Music Academy Awards ist sie leider im Großen und Ganzen nur eine Fußnote der Countrymusik-Geschichte geblieben.

„Little Pink Mack“ gilt vielen als der erste weibliche Truckdriving Song überhaupt. Das ist richtig und auch wieder nicht. „Little Pink Mack“ war nicht der allererste von einer Frau gesungene Trucker-Song. Das war im gleichen Jahr Minnie Pearls Antwort-Song auf Red Sovines „Giddy-Up Go“.

Kay Adams‘ Stück ist aber der allererste Truck Driving Song, der aus weiblicher Sicht erzählt wird und in dem die Erzählerin nicht die zu Hause wartende Ehefrau ist, sondern selbst Handelnde als Lastwagenfahrerin, die den männlichen Fahrern zeigt, wo’s lang geht. So gesehen hat der Song durchaus emanzipatorische Qualitäten und fordert bereits Freiheit und Individualismus für seine Protagonistin ein, als Loretta Lynns „The Pill“ noch fast zehn Jahre entfernt ist.

Adams wurde in Texas geboren und erzählt, dass sie einst, als sie gemeinsam mit ihrem ersten Mann von Texas wegen dessen Arbeit nach Bakersfield übersiedeln musste, die ganze Autofahrt lang weinte, da sie die Countrymusik ihrer Heimat zurücklassen musste. Sie hatte ja keine Ahnung, dass es – obwohl sie schon damals die Musik von Buck Owens liebte – Countrymusik auch in Kalifornien gab und dass Buck sogar an ihrem Zielort lebte. Vorher waren ihr nur die heimische Szene in Texas und natürlich Nashville ein Begriff.

Doch dieser Umzug war natürlich das Beste, was ihr passieren konnte. Bald schon wurde sie von Cliffie StoneKen Nelsons Kollegen beim gemeinsamen Musikverlag Central Songs – für Tower entdeckt und wenig später tourte sie in Package-Shows mit diesen ganzen musikalischen Picassos, wie sie die von ihr verehrten Künstler wie Buck Owens, Merle Haggard, Red Simpson, Tommy Collins oder Dick Curless respektvoll nennt.

Mit Curless nahm sie 1966 ein ganzes Album auf und mit ihm hatte sie auch ihren größten Charterfolg mit dem von Red Simpson gemeinsam mit Buck Owens‘ Gitarrenmeister Don Rich geschriebenen „A Devil Like Me Needs An Angel Like You“.

Neben dem Album mit Dick Curless, der damals noch nicht als Einäugiger durchs Leben ging, nahm Kay Adams für Tower drei Solo-Alben auf. Außerdem ist sie mit drei Songs gemeinsam mit anderen Bakersfield-Sound-Größen auf dem Soundtrack zum Film „Killers Three“ von 1968 vertreten, in dem Merle Haggard und Bonnie Owens auch kleine Rollen haben.

Während der zweiten Hälfte der 60er Jahre war Adams regelmäßig in den Countrymusik TV-Shows u.a. von Buck Owens an der Westküste vertreten. Außerdem soll sie die Zusammenarbeit mit Porter Wagoner als Sidekick für dessen Show abgelehnt haben. So haben wir ihr womöglich zu einem Teil die Karriere von Dolly Parton zu verdanken.

Das bekannteste Album von Kay Adams ist wohl ihr Konzept-Album „Wheels & Tears“, das bis heute unter Sammlern heiß begehrt ist und selbst als inzwischen vergriffene CD immer wieder Höchstpreise erzielt. „Wheels & Tears“ enthält ausschließlich Truck Driving Songs – neben dem bereits erwähnten „Little Pink Mack“ z.B. auch das piffige „Six Days Awaiting“, einen Answer-Song auf Dave Dudleys Klassiker „Six Days On the Road“.

Kay Adams‘ mehr als zehn Jahre umfassende aktive Karriere brach abrupt ab, nachdem sie Anfang der 1970er Jahre bei einem Autounfall in Alaska fast ums Leben gekommen wäre. Sie erlitt schwere Verletzungen, unter anderem am Zwerchfell, was ihr fortan das Singen sehr schmerzhaft und fast unmöglich machte. Sie hatte keine andere Wahl als sich komplett aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen und nur sehr selten absolvierte sie noch kurze Gastauftritte.

Gerade Kay Adams‘ Nähe zu Truckdriving Songs machte sie aber auch in späteren Jahren für Fans dieses Honky Tonk Subgenres interessant. Dass auch viele Musiker Liebhaber dieser oft skurrilen Lastwagen-Poesie sind, führte dazu, dass Kay Adams nicht völlig vergessen wurde und Bands sie ab und an mal für Kollaborationen anfragten. So nahmen z.B. 1996 BR5-49 mit Adams einen Song auf und sie sang 2009 gemeinsam mit den The Dixie Bee-Liners ein Stück auf deren Album Susanville.

Happy Birthday & long live Mother Trucker Kay Adams!

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Über Oliver Kanehl (77 Artikel)
Seit 5 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: Traditionelle Countrymusik von vorgestern und heute (Indie Country, Hillbilly, Honky Tonk u.a.) Rezensionen, Specials.
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