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Brock Phillips und Liam St. John: Wenn die Gibson im Pfandhaus steht

Eine ungewöhnliche Geschichte über ihre gemeinsame Leidenschaft für die Gibson J-45 – zwei Künstler, die für eine neue, stilistisch offene Country-Generation stehen.

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Brock Phillips und Liam St. John verbinden auf „If She’s In A Pawnshop“ modernen Country-Rock, Western Gothic und eine gemeinsame Leidenschaft: die Gibson J-45. Ein Song, der zugleich zeigt, wie vielseitig eine jüngere Generation der Countrymusik klingt.

Brock Phillips & Liam St. John: If She’s In A Pawnshop Brock Phillips & Liam St. John: If She’s In A Pawnshop. Collage (Country.de) // Cover © (Big Loud Records)

Mit „If She’s In A Pawnshop“ treffen zwei spannende Stimmen einer jüngeren Country-Generation aufeinander: Nashville-Singer-Songwriter Brock Phillips und Western-Gothic-Rocker Liam St. John verbinden modernen Country-Rock mit einer ungewöhnlichen Liebeserklärung – an eine Gitarre.

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Es gibt Gitarren, die sind Instrumente. Und es gibt Gitarren, die werden zum Lebensbegleiter. Für Brock Phillips gehört seine Gibson J-45 eindeutig zur zweiten Kategorie. Genau sie steht im Mittelpunkt von „If She’s In A Pawnshop“, für das sich der Nashville-Singer-Songwriter mit Liam St. John zusammengetan hat.

Die Idee hinter dem Song ist ebenso einfach wie originell: Sollte Phillips‘ Gitarre irgendwann in einem Pfandhaus auftauchen, dürfte etwas gewaltig schiefgelaufen sein. Schließlich hat ihn die J-45 von seinen ersten Auftritten in kleinen Brauereien bis nach Nashville begleitet.

Phillips selbst formuliert es drastischer: Wenn jemand seine Gitarre in einem Pawnshop entdecke, erzähle der Song praktisch die Geschichte dessen, was mit ihm passiert sein müsse.

Zwei Musiker – und dieselbe Leidenschaft

Dass ausgerechnet Liam St. John als Gast auf dem Song auftaucht, ist kein Zufall. Auch er besitzt und spielt eine Gibson J-45. Phillips zufolge sprechen die beiden regelmäßig über ihre Instrumente. Nachdem „If She’s In A Pawnshop“ geschrieben war, kam für ihn deshalb eigentlich nur St. John als Partner für den Song infrage. Der musste offenbar nicht lange überzeugt werden. St. John bezeichnet die Idee, auf diese Weise einen Song über eine Gitarre zu schreiben, als clever. Beide seien ihrer J-45 derart verbunden, dass man sie praktisch nur dann ohne ihre Instrumente sehen werde, wenn sie eines Tages nicht mehr da seien.

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Genau daraus zieht der Song seinen schwarzen Humor. Wenn die geliebte Gitarre tatsächlich in einem Pfandhaus landet, liegt ihr Besitzer vermutlich bereits „six feet down“. Geschrieben wurde „If She’s In A Pawnshop“ von Brock Phillips und Makayla Lynn Parry, die Produktion übernahm Scott Cooke. Musikalisch verbinden Phillips und St. John ihre unterschiedlichen Einflüsse zu einem druckvollen modernen Country-Rocker.

Brock Phillips – ein neuer Name aus Nashville

Wer gern etwas früher auf neue Namen aufmerksam wird, sollte sich Brock Phillips merken. Der Singer-Songwriter und Produzent hat sich längst nicht ausschließlich mit traditioneller Countrymusik beschäftigt. Während seiner musikalischen Ausbildung am Berklee College of Music entwickelte er seinen eigenen Stil, beeinflusst unter anderem von Chris Stapleton, John Mayer, Kings of Leon und Ariel Posen. Später führte ihn sein Weg nach Vancouver, wo regelmäßige Auftritte in Clubs und Bars schließlich zu Supportshows für Künstler wie Dallas Smith, Josh Ross und MacKenzie Porter führten.

2024 zog Phillips nach Nashville und unterschrieb einen Publishing-Vertrag bei Big Loud Publishing. Im Sommer 2026 folgte der nächste Schritt: Phillips unterschrieb bei Big Loud Records und Local Hay Records. Fast gleichzeitig erhielt er seine erste Nominierung bei den CCMA Awards als „Breakthrough Artist of the Year“.

Zu seinen bisherigen Veröffentlichungen gehören „Something Else“, „Rich Man“ sowie die gemeinsam mit Dallas Smith aufgenommene Nummer „Leave Me Like A Backroad“. Phillips gehört damit zu einer Generation von Künstlern, bei der die Grenzen zwischen Country, Rock, Singer-Songwriter und anderen Einflüssen zunehmend fließend werden.

Liam St. John und die dunklere Seite des Country

Noch deutlicher wird diese Entwicklung bei Liam St. John. Der aus dem Bundesstaat Washington stammende Musiker bewegt sich zwischen Blues, Rock, Americana und Country und hat plattformübergreifend bereits mehr als 100 Millionen Streams erreicht.

Mit seinem Debütalbum „Man Of The North“ machte er international auf sich aufmerksam. Es folgten Tourneen durch die USA, Großbritannien und Europa sowie Auftritte beim SXSW, Lollapalooza und CMA Fest. Außerdem stand St. John bereits auf der Bühne der Grand Ole Opry.

Auffällig ist auch die visuelle Welt, mit der er seine Musik verbindet. Songs aus „Man Of The North“ wurden für eine Reihe aufwendig inszenierter Performances an außergewöhnlichen Orten aufgenommen – unter anderem am Knik Glacier in Alaska, in den Cumberland Caverns in Tennessee und an der schottischen Küste beim Findlater Castle. Diese Aufnahmen kamen nach Angaben seines Teams zusammen auf mehr als 25 Millionen Views.

Seine Musik besitzt dabei häufig eine dunklere, rauere Atmosphäre. Der Begriff Western Gothic, mit dem St. John beschrieben wird, passt zu einer Entwicklung, die gerade für jüngere Hörer interessant ist: Country und Americana werden nicht mehr ausschließlich über klassische Klangbilder oder Nashville-Traditionen definiert, sondern treffen auf Blues, Rock und eine moderne, teilweise düstere Ästhetik.

Zwei unterschiedliche Wege führen zusammen

Gerade deshalb funktioniert „If She’s In A Pawnshop“ so gut als gemeinsamer Song. Auf der einen Seite steht Brock Phillips, dessen Songwriting deutlich aus Nashville kommt und der sich gerade erst seinen Platz in der Country-Szene erarbeitet. Auf der anderen Seite Liam St. John, der mit seiner Mischung aus Blues, Rock, Americana und Western Gothic bereits ein internationales Publikum erreicht.

Was beide verbindet, ist nicht nur ihre Musik, es ist ausgerechnet eine Gibson J-45. Damit bekommt die Geschichte hinter dem Song etwas, das bei all den Diskussionen über neue Sounds, Genres und Zielgruppen manchmal verloren geht: Am Anfang steht immer noch ein Musiker mit seiner Gitarre und einer Geschichte, die er erzählen möchte.

Eine jüngere Country-Generation erweitert die Grenzen

„If She’s In A Pawnshop“ ist deshalb mehr als nur eine weitere neue Single aus Nashville. Der Song zeigt exemplarisch, wie breit die jüngere Country-Generation inzwischen aufgestellt ist. Klassisches Songwriting und Gitarrenleidenschaft treffen auf Country-Rock, Blues und eine deutlich modernere Ästhetik. Künstler wie Brock Phillips und Liam St. John müssen sich dabei nicht entscheiden, ob sie ausschließlich Country, Rock, Americana oder Blues sein wollen.

Vielleicht liegt gerade darin ein Teil der Entwicklung, die Countrymusik derzeit für eine neue Generation von Hörern interessant macht. Und die Geschichte funktioniert auch ganz ohne großes Drama: Manchmal braucht ein guter Countrysong eben keine zerbrochene Ehe, keinen verlassenen Highway und keinen Whiskey an der Bar. Manchmal reicht eine Gibson J-45, die besser niemals in einem Pfandhaus auftauchen sollte.

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Über Beate Dornfeld (316 Artikel)
Inhaberin des Magazins und seit 26 Jahren Redakteur bei Country.de - Fachgebiet: News, Charts und Konzertberichte.