Maffay & Oerding – „Nashville“: Wenn der Albumtitel zum Programm wird
Zwei Ausnahmekünstler, 11 Songs, großartige Geschichten und feinste Musik. Chapeau!
Maffay & Oerding: Nashville. Collage (Country.de) // Cover © Hansa (Sony Music)
Peter Maffay und Johannes Oerding gemeinsam in Nashville – das klingt zunächst nach einer jener Kombinationen, bei denen ein Albumtitel schnell größer sein könnte als das, was musikalisch dahintersteckt. Doch bereits nach wenigen Songs wird klar: „Nashville“ heißt nicht einfach nur Nashville. Man hört, warum dieses Album dort entstanden ist.
Elf Songs haben Maffay und Oerding für ihr gemeinsames Projekt aufgenommen. Nicht irgendwo, sondern im renommierten Blackbird Studio in Nashville – live, mit Musikerinnen und Musikern vor Ort und innerhalb von gerade einmal fünf Tagen. Country, Rock’n’Roll, Rhythm & Blues, Rootsmusik und amerikanisches Songwriting treffen dabei auf zwei Stimmen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb erstaunlich gut miteinander funktionieren.
Zwei Künstler – und trotzdem kein Kompromissalbum
Das Interessante an „Nashville“ ist, dass weder Peter Maffay plötzlich versucht, amerikanischer Country-Sänger zu sein, noch Johannes Oerding seine musikalische Identität ablegt. Beide bleiben sie selbst. Nashville liefert vielmehr den musikalischen Boden, auf dem sie sich bewegen: Gitarren, Groove, Blues, Country und handgemachte Arrangements bestimmen weite Teile des Albums. Dazu kommen Geschichten über das Unterwegssein, Liebe, Freundschaft, Durchhalten, Zweifel und die Frage, was im Leben eigentlich zählt.
Schon der Auftakt überrascht. „Weiter“ ist ein großartiger Einstieg: reflektiert, melancholisch und tiefgründig. In seiner emotionalen Schwere erinnert der Song stellenweise sogar an jene Intensität, die Johnny Cashs Interpretation von „Hurt“ so außergewöhnlich machte. Kein musikalischer Vergleich – aber ein ähnliches Gefühl von Rückschau, Vergänglichkeit und Lebenserfahrung.
Danach folgt mit „Ein Leben lang ist nicht lang“ ein Titel, den viele bereits aus dem Radio kennen und lieben – wir auch!
„Nach Hause“ – Countrymusik vom Allerfeinsten
Spätestens beim dritten Titel wissen wir endgültig, warum wir dieses Album bei Country.de vorstellen. „Nach Hause“ ist für uns einer der stärksten Songs des Albums – und Countrymusik vom Allerfeinsten. Die Geschichte könnte kaum besser zum Genre passen: Ein Musiker muss wieder los, der Koffer steht bereit. Er war oft unterwegs, kennt das Leben auf Reisen und all die Orte, an denen man nur vorübergehend bleibt. Doch irgendwann führt der Weg zurück. Denn wirklich ankommen, wirklich wohlfühlen – das kann er nur zu Hause. Es ist genau diese Verbindung aus Geschichte, Gefühl und Musik, die Country ausmacht.
Country-Blues mit Haltung
Mit „Sisyphos“ wird es deutlich ernster. Ein Country-Blues, der nicht einfach vorbeizieht, sondern nachdenklich macht. Es ist kurz vor zwölf, die Welt ist laut, vieles scheint aus den Fugen geraten – und trotzdem lautet die Botschaft: blos nicht aufgeben. Der Song erinnert an Menschen, die für Freiheit eingetreten sind, greift den Geist großer Freiheitsbewegungen auf und setzt dem Lärm der Gegenwart eine klare Haltung entgegen. Ein ganz starker Song, der unter die Haut geht.
Dass sich „Nashville“ anschließend nicht auf eine Stimmung festlegen lässt, gehört zu seinen Stärken. „Herz wieder bricht“ ist eine Ballade über den Wunsch, das Glück festzuhalten. Nicht fallen gelassen zu werden, wenn Liebe plötzlich verletzlich macht. „Schön, dass es Dich gibt“ stellt später ebenfalls den Menschen an der eigenen Seite in den Mittelpunkt – jemanden, der bleibt und Halt gibt.
Dazwischen steht mit „Dir gehört die Welt“ eine weitere bereits bekannte Single. Auch hier geht es ums Weitermachen: Das Leben läuft nicht immer rund, der Wind kommt manchmal von vorne. Kopf hoch, durchhalten, weitergehen. Überhaupt scheint dieses Weiter eines der zentralen Motive des Albums zu sein.
Und dann geht es in die Kneipe
Zum Glück nehmen sich Maffay und Oerding bei all den großen Lebensfragen nicht elf Songs lang bierernst. „Kneipen-Skiffle“ macht schon mit seinem Titel klar, wohin die Reise geht. Jetzt darf gefeiert werden. Eigentlich ist es längst zu spät, vielleicht waren es auch ein oder zwei Bier zu viel. Was der nächste Morgen dazu sagt, wird sich zeigen. Aber der Abend war lang und schön. Ein herrlicher Stimmungswechsel.
Noch eine Spur stärker erwischt uns „Daniela Bar“. Ob diese Bar nun genauso existierte oder Teil der erzählten Geschichte ist, spielt beim Hören irgendwann keine große Rolle mehr. In dieser Bar haben offenbar schon die Großen ihre Nächte zum Tag gemacht. Nun ist sie geschlossen – und das ist verdammt schade. Maffay und Oerding packen die Erinnerung in einen Country-Rocker, der richtig Spaß macht. Einer dieser Songs, bei denen man nicht lange analysieren möchte, sondern einfach lauter dreht.
Vielleicht ist genau das Glück
Mit „Ganz schön perfekt“ wird es anschließend wieder ruhiger. Strand, Elbe, die Queen Mary 2 fährt vorbei – und ein Tag, an dem plötzlich alles zu stimmen scheint. Es sind keine spektakulären Dinge, die hier das Glück ausmachen. Vielmehr entsteht die Frage, ob dieser eine schöne Moment vielleicht genau das ist, wonach Menschen ständig suchen. Ist das dieses Glück, von dem alle sprechen? Es scheint so.
Und dann passiert etwas ausgesprochen Schönes.
Am Ende schließt sich der Kreis
„Nashville“ endet nicht mit einem großen Finale. Nach zehn vollständigen Songs folgt „An einer Kreuzung“, gerade einmal 44 Sekunden, mehr braucht es nicht. Das kurze Stück nimmt noch einmal den Gedanken des Albumauftakts „Weiter“ auf. Nach all den Geschichten über Unterwegssein und Heimkommen, Liebe und Zweifel, Feiern und Nachdenken steht man gewissermaßen wieder dort, wo alles begonnen hat: an einer Kreuzung. Damit schließt sich der Kreis: Schluss!
Wie viel Nashville steckt in „Nashville“?
Eine ganze Menge. Dabei sind es weniger die offensichtlichen Country-Klischees – glücklicherweise, sondern die Haltung und die musikalische Arbeitsweise. Echte Instrumente, eine Band, die gemeinsam spielt, Country, Rock, Blues und Skiffle sowie Geschichten, die von Menschen und ihrem Leben handeln.
Die Entscheidung, das Album innerhalb von fünf Tagen live im Blackbird Studio einzuspielen, hört man „Nashville“ an. Die Musik wirkt nicht auf Hochglanz poliert, sondern lebendig. Gerade deshalb passen die unterschiedlichen Stimmen von Maffay und Oerding erstaunlich gut zusammen. Vielleicht ist das die größte Überraschung dieses Projekts: „Nashville“ wirkt nicht wie ein Ausflug zweier deutscher Stars, die einmal Country ausprobieren wollten. Es klingt vielmehr nach zwei Musikern, die festgestellt haben, wie viele ihrer musikalischen Wurzeln ohnehin dort liegen.
Unser Eindruck: „Nashville“ ist ein abwechslungsreiches, handgemachtes Album mit erstaunlich viel Country, starken Geschichten und einigen Songs, die bereits beim ersten Hören hängen bleiben. Besonders „Nach Hause“, „Sisyphos“ und „Daniela Bar“ zeigen drei völlig unterschiedliche Seiten dieses Projekts – und „Weiter“ gemeinsam mit dem kurzen Epilog „An einer Kreuzung“ gibt dem Album einen bemerkenswert schönen Rahmen. Der Name auf dem Cover ist deshalb weit mehr als eine Ortsangabe: „Nashville“ trägt seinen Titel zu Recht!
Maffay & Oerding – Nashville: Das 2026er Album

Künstler: Maffay & Oerding
Album: Nashville
Label: Hansa (Sony Music)
Veröffentlichung: 2. Oktober 2026
Formate: CD, Vinyl, Stream & Download
Genre: Country, Rock, Blues
Tracks: 11
Trackliste: „Nashville“
01. Weiter
02. Ein Leben lang ist nicht lang
03. Nach Hause
04. Sisyphos
05. Herz wieder bricht
06. Dir gehört die Welt
07. Schön, dass es Dich gibt
08. Kneipen-Skiffle
09. Daniela Bar
10. Ganz schön perfekt
11. An einer Kreuzung




